The Ark 1x12

The Ark 1x12

Die Pilotfolge zur Space Opera „The Ark“ auf Syfy hinterließ 2023 keinen sonderlich guten Eindruck bei uns. Vor dem Beginn von Staffel zwei schauen wir zurück und fragen, wie sich die Debütseason letztlich geschlagen hat und weiterentwickeln wird.

„The Ark“ - besser als der erste Eindruck?
„The Ark“ - besser als der erste Eindruck?
© Syfy

Das passiert in der ersten Staffel der Serie „The Ark“

Nachdem in The Ark die Erde so gut wie unbewohnbar geworden ist, ruhen die letzten Hoffnungen der Menschheit auf dem vom Genie William Trust (Paul Leonard Murray) erschaffenen Ark-Projekt. Doch das riesige Raumschiff Ark 1 hat mit großen Problemen zu kämpfen, als durch einen Angriff durch Ark 15 die gesamte Führungsriege stirbt und insgesamt nur 150 von 400 Mitreisenden überleben.

Unter dem Kommando von Lt. Sharon Garnet (Christie Burke, dem Navigator James Brice (Richard Fleeshman), dem GSA-Lieutenant Spencer Lane (Reece Ritchie) und der Ingenieurin Eva Markovic (Tiana Upcheva) tut die verbleibende Crew alles, um zu überleben und den Planten Proxima B zu erreichen. Die Hoffnung auf einen Neuanfang für die Menschheit zerschlägt sich jedoch beinahe, als die Crew auf die Überreste von Ark 3 stößt und sich eine Spionin (Samantha Glassner einschleicht. Diese ist ausgerechnet die Tochter der skrupellosen Magnatin Evelyn Maddox (Jelena Stupljanin), die alles dafür tun würde, vom tödlichen Klampkins Syndrom geheilt zu werden.

Doch das einzige mögliche Heilmittel findet sich verborgen in einem geheimen DNA-Archiv, das auch die Kryokammer von William Trust beherbergt, dessen Erzfeindin Maddox ist. Im Orbit von Proxima B kommt es zum Showdown, der dazu führt, dass beide Raumschiffe zusammenarbeiten müssen, wenn es einen Neubeginn für alle geben soll. Denn die vermeintliche neue Heimat der Überlebenden entpuppt sich nicht nur als unbewohnbar, sondern explodiert zudem vor den Augen beider Crews. Nun ist guter Rat teuer...

Hier der Trailer zur ersten Staffel von „The Ark“:

Ein unterirdischer Beginn

Konflikte an Bord
Konflikte an Bord - © Syfy

Als ich Anfang 2023 das Review zur Pilotfolge von „The Ark“ verfasste, war ich zutiefst enttäuscht. Die Geschichte war unglaubwürdig, die meisten Charaktere unerfahren bis nervig, die Ausstattung billig und die wenigen exterior shots versprühten den zweifelhaften Charme einer 90er-Jahre-B-Space-Opera. Die vielleicht nicht ganz so gute Nachricht ist, dass sich an diesem Eindruck bis zum Staffelfinale insgesamt nicht viel geändert hat.

Vor allem die Figuren der Teenagergenies Alicia Nevins (Stacey Read) und Angus Medford (Ryan Adams) nerven in beinahe jeder Szene so sehr, dass ich stellenweise am liebsten ein Stück vorgespult hätte. Wer beispielsweise schon Wesley Crusher in Star Trek: The Next Generation) nicht mochte, wird in den beiden Charakteren sicherlich schnell seine persönliche Serien-Nemesis finden.

Doch auch der tragende Cast unter der Leitung von Christie Burke, Richard Fleeshman, Reece Ritchie und Tiana Upcheva braucht ungewöhnlich lange, um die ersten Sympathiepunkte einheimsen können. Das liegt zum einen an den bisweilen arg platten Dialogen, andererseits aber daran, dass zumindest in der frühen Phase von „The Ark“ die Chemie zwischen den Protagonisten nicht stimmt. Die Charakterisierung gerät überdies so platt wie ein Blatt Papier, was nicht gerade zum Schauwert beiträgt.

Einige von vielen Kritikpunkten

Zu kritisieren wäre zu allem Überfluss noch die zwar wendungsreiche, aber phasenweise auch unglaubwürdige Geschichte, die sich keine Sekunde lang um Plausibilität oder gar wissenschaftliche Glaubwürdigkeit bemüht. Einige Beispiele sollen das verdeutlichen. Das Tragen von Schusswaffen ist auf der Ark 1 verboten, weil ein einziger Schuss die Außenhülle beschädigen und es dadurch zu einem Druckabfall kommen könnte.

So weit, so gut. Warum entwickelt dann aber die zunächst als Bösewichtin konzipierte Evelyn Maddox eine supergeheime Waffe aus einer Substanz, die sich durch fast jedes Material fressen kann? Logisch erklärbar ist dieser Ansatz nicht, weil eine Gaußkanone, Raketen oder auch ein Laser die Hülle ohnehin durchschlagen würde. In einhundert Jahren - der von Jonathan Glassner und seinem Team festgelegten Jetztzeit der Serie - gibt es nämlich weder Schilde noch andere wirksame Schutzmaßnahmen.

Als wenig erbaulich erweist sich auch die Idee, dass Proxima B ein Augapfelplanet ist, der sich nicht um seine eigene Achse dreht und damit nur von einer Seite von der Sonne beschienen wird. Der Gedanke, dass solche Welten in der Regel nicht oder kaum bewohnbar sind, ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen, die von Maddox und Trust in „The Ark“ getätigten Aussagen sind so aber schlicht falsch.

Hinzu kommt die Idee, man müsse die Welt nur in Rotation versetzen und könne Proxima B dann problemlos besiedeln. Das ist allerdings in der gezeigten Weise Quatsch. Nicht, weil derartige Technologien nicht existieren (in der Science-Fiction ist schließlich fast alles möglich), sondern weil es immer noch Äonen dauern würde, bis der Planet letztlich tatsächlich besiedelt werden könnte. Das sind nur zwei von vielen kleinen Ungenauigkeiten, Fehlern und unsinnigen Story-Entscheidungen, die Glassner und sein Team gedankenlos ganz nach dem Motto „Alles für den Spannungsbogen“ treffen.

Low Budget

Was verrät der Computer?
Was verrät der Computer? - © Syfy

Die Tatsache, dass „The Ark“ eine Billig-Produktion ist, wie sie Syfy zwischen Mitte der 90er und den 2010er Jahren zuhauf raushaute, mildert die genannten Kritikpunkte ebenfalls nicht unbedingt, zumal die ohnehin sparsam eingesetzte CGI eben den Charme einer Low-Budget-B-Produktion jener Tage versprüht. Das beginnt schon beim Intro, zieht sich über die kurzen exterior shots bis hin zu den noch spärlicheren Spezialeffekten innerhalb der drei bisher gezeigten Archen.

Dasselbe gilt für die ideenlose und wenig innovative Ausstattung von Ark 1. Wer möchte einhundert Jahre in der Zukunft schließlich Tablets und Handgelenkkommunikatoren sehen, die es in einigen Genreserien schon seit den 80ern gibt? Da gibt es zweifelsfrei wesentlich coolere Ideen. Die Brücke und damit das Kernelement der Serie besteht beispielsweise lediglich aus einigen im Halbkreis aufgestellten Tischen und Stühlen sowie ein paar Bildschirmen und dem typischen Captainstuhl vor dem nicht minder klischeehaften Panoramafenster.

Positives

Leider ist diese Beschreibung keineswegs übertrieben, was durchaus schade ist, weil der Plot trotz seiner Glaubwürdigkeitsmängel ab Mitte der Staffel endlich anzieht und mich doch irgendwie in ihren Bann zog. Auch wenn Jonathan Glasner und seine Mitstreiter sowohl inhaltlich als auch audiovisuell in der Vergangenheit steckengeblieben zu sein scheinen, bauen sie doch einige nette Twists, Cliffhanger und Plotpoints in „The Ark“ ein, die für Spannung und Unterhaltung sorgen.

Hinzu gesellen sich der Gewöhnungseffekt sowie die Tatsache, dass der Hauptcast im Verlauf der Staffel immer weiter zusammenwächst und am Ende sogar miteinander harmoniert. Sharon erweist sich als körperlich fitte und taffe Anführerin, James ist der sexy Guy mit Charme und Charakter der Crew und Spencer trifft manch dumme Entscheidung, findet aber am Ende seine wahre Bestimmung. Abgesehen von einigen Totalausfällen wie Christina Wolfe als Cat Brandice ist indes die von Pavle Jerinic sympathisch gespielte Rolle des Sicherheitsoffiziers Felix Strickland hervorzuheben.

Nicht falsch verstehen, bitte. Die Figur ist nicht minder eindimensional als der Rest der Crew, doch als Moralkompass funktioniert die Charakterisierung. Ähnliches gilt für Shalini Peiris als Schiffsärztin Dr. Kabir, die zwar kein Klischeefettnäpfchen inklusive einer Medikamentenabhängigkeit auslässt, aber irgendwie doch positive Vibes mitbringt. Für Spannung sorgt auch die Idee rund um Ark 15, die sich am Ende zwar in Wohlgefallen auflöst, aber dennoch neugierig macht.

Aussicht auf die Fortsetzung

Die erste Staffel endet nach einigen Kämpfen, Geplänkel und viel Misstrauen in der Zerstörung des einzigen Hoffnungsschimmers Proxima B, der die beiden Crews endlich zusammenführt. Gemeinsam begeben sich die Raumschiffe auf die Suche nach einer neuen Heimat und treffen dabei auf andere Archen, die ihnen nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Der Trailer zu Season zwei deutet an, dass die Crew der Ark 1 weiter zusammenwächst und einen erforschenswerten Planeten entdeckt, was aber nicht folgenlos für die kommenden Ereignisse bleibt.

Außerdem stößt ein weiterer Charakter zur Mannschaft und Evelyns Tochter Kelly sorgt für einigen Wirbel. Last but not least stellt ein Notsignal von Ark 8 die Überlebenden vor eine große Herausforderung, die es zu meistern gilt. Hoffnungen, Katastrophen, Probleme, Lösungen, Intrigen und Action. Das sind die Zutaten, die uns in der Fortsetzung erwarten.

Fazit

Roter Alarm?
Roter Alarm? - © Syfy

Es ist verrückt, doch irgendwie habe ich mich im Verlauf der ersten zwölf Episoden von „The Ark“ sowohl an die genannten Unzulänglichkeiten als auch an die Crew gewöhnt. Okay, nicht in jeder Hinsicht. Noch immer stehe ich peinlich berührt vom Sofa auf und hole mir als Alibi ein Glas Wasser, um vor allem Alicia und Angus nicht zu lange ertragen zu müssen. Noch immer stört mich der Billiglook und das bisweilen krude und undurchdachte Storytelling mit Logiklücken in der Größe eines schwarzen Lochs.

Trotz alledem fühle ich mich besonders vom zweiten Teil der Season gar nicht mal so schlecht unterhalten. Bei aller Klischeehaftigkeit, den vorhersehbaren Twists und dem unfreiwilligen 90er Charme bin ich inzwischen auf Ark 1 ein Stück weit zu Hause. Ich kann dieses Gefühl nicht mal richtig erklären. Es ist irgendwie da und zwingt mich dazu, mich auf den 29. August zu freuen, weil es an diesem Tag auf Sky One und Syfy weitergeht.

Deshalb gibt es an dieser Stelle eine kräftige Aufwertung von einst eineinhalb auf wohlwollende - und mit zwei zugedrückten Augen vergebene -

drei von fünf Sauerstofftanks.

Hier der Vorschautrailer zur 2. Staffel von „The Ark“:

Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 23. Juli 2024
Episode
Staffel 1, Episode 12
(The Ark 1x12)
Titel der Episode im Original
Everybody Wins
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 19. April 2023 (Syfy)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. September 2023
Autoren
Dean Devlin, John-Paul Nickel, Rebecca Rosenberg
Regisseur
Jonathan Glassner

Schauspieler in der Episode The Ark 1x12

Darsteller
Rolle
Christie Burke
Richard Fleeshman
Christina Wolfe

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