
Die Broadcast-Season 2010/11 ist vorbei. Und das bedeutet, die meisten Lieblingsserien der Serienfans pausieren für einige lange Monate. Warum also nicht mal den Serienhorizont ein wenig erweitern und schauen was andere Länder zu bieten haben? Nicht aber Kanada oder England fielen uns dabei ins Auge, sondern eine kleine, feine Produktion des neuseeländischen Senders TV 3, die für Fans von nordischer Mythologie und Superhelden eine echte Alternative im Sommer darstellt.
How I Met My Goddess Wife
Was wäre, wenn man Euch an Eurem 21. Geburtstag durch ein geheimes Ritual in ein lang gehegtes Familiengeheimnis einweihen würde? Und was wäre, wenn dieses Geheimnis offenbaren würde, dass Ihr die Reinkarnation einer nordischen Gottheit wärt? Besser noch: Ihr seid der Allvater Odin. Das heißt, im Prinzip seid Ihr das, denn die Sache hat einen Haken: Zwar liegt das Potential göttlicher Kräfte in Eurem Inneren, um dieses jedoch mit voller Kraft nutzen zu können, müsst Ihr Eure Frau finden: die Göttin Frigg. Frigg finden bedeutet in diesem Fall jedoch nicht nur, sie ausfindig zu machen und ihr die Hand zu schütteln, sondern sie zu ehelichen und den ehelichen Pflichten nachgehen. Oder aber man lässt den Part mit der Ehe weg...
Geanu so lautet die Prämisse der Serie The Almighty Johnsons. An Axls (Emmett Couling Skilton) 21. Geburtstag brennt der Himmel, und das Wasser im Hafen von Waitemate verfärbt sich rot. Plötzlich möchte eine Gruppe von fremden Frauen ihn töten. Axls Brüder verhalten sich merkwürdig, denn sie halten eine Zeremonie im Wald ab, die das Nesthäkchen ins Familiengeheimnis einweiht: Sie alle sind in Wirklichkeit wiedergeborene nordische Götter und er selbst ist der Allvater Odin. Axl ist der Schlüssel, der den Brüdern ihre göttlichen Kräfte wiederschenkt. Findet er Frigg, können die Brüder auf das volle Potential ihrer Kräfte zurückgreifen und nicht nur deren Light-Variante.
Natürlich kann ein solches Vorhaben nicht ohne Widersacher von statten gehen, und bald treffen die Johnsons auf eine Gruppe von weiblichen Göttinnen namens „Forces of Frigg“. Die verfolgen ihr eigenes Ziel und wollen um jeden Preis verhindern, dass Axl seine Frigg findet. Darum versuchen sie, dem jungen menschlichen Odin durch Mordversuche, Drogendelikte und allgemeine Sabotage das Leben schwer zu machen. Die Gruppe besteht aus Agnetha aka „Freyja“ (Alison Bruce), Ingrid aka „Snotra“ (Rachel Nash), Michele aka „Sjöfn“ (Michelle Langstone) und ihrer Helferin Stacey aka „Fulla“ (Eva Gordon).
Die Geschwister Johnson
Axl (Emmett Skilton) ist die Reinkarnation von „Odin“. Nach dem Tod seines Vaters wurde er von seiner Mutter verlassen, sodass sich fortan Mike (Tim Balme) um ihn kümmerte. An seinem 21. Geburtstag erfährt er vom Familiengeheimnis und ist von nun an davon besessen, die Kräfte der Familie wiederherzustellen und seine Gattin Frigg zu finden. Wenn ihm dabei zunächst einige andere potentielle „Friggs“ ins Bett fallen, ist das auch nicht weiter schlimm. Er teilt sich eine Wohnung mit Gaia (Keisha Castle-Hughes), die insgeheim in ihn verliebt ist und er auch in sie. Sein bester Kumpel ist der dritte im Bunde.
Mike (Tim Balme) ist die Reinkarnation von „Ullr“. Er ist der älteste der Brüder und spielt gleichzeitig die Vaterfigur für Axl. Sein Alter Ego Ullr ist der Gott der Jagd. Die Jagd ist in diesem Fall gleichbedeutend mit Spiel, weswegen Mike jedes Spiel für sich entscheidet. Seine Kraft ist jedoch zugleich ein Fluch, denn sein Glück ist anderer Leute Pech. Bei einer Partie Pool verletzt er seinen besten Kumpel Rob so schwer, dass dieser für 15 Jahre ins Koma fällt. Aus tiefen Schuldgefühlen kümmert sich Mike fortan um dessen Verlobte Valerie. Bald verliebt er sich in sie und sie versuchen, ein Kind zu kriegen. Bislang war das Glück jedoch nicht auf ihrer Seite.
Anders (Dean O'Gorman) ist „Bragi“ und eigentlich der Gott der Dichtkunst. Er ist der arrogante und selbstverliebte Schönling unter den Brüdern und möchte seine wiedererlangten göttlichen Fähigkeiten vor allem zu seinem Nutzen einsetzen. Er kann alle, die seine besondere Stimme hören nach seinem Gutdünken manipulieren. Diese Fähigkeit benutzt er am liebsten, um Frauen zu verführen.
Ty (Jared Turner) ist Hödur (englisch: Höðr). Bei ihm handelt es sich um einen sehr gefühlsbetonten Menschen/Gott. Oft lebt er zurückgezogen und allein und hat so seine Probleme, sein Liebesglück zu finden. Denn er wird von den Frauen oft mehr als guter Freund denn als potentieller Liebhaber gesehen. Seine Kräfte beinhalten das Abgeben von Kälte. Deswegen hat Ty Schwierigkeiten, Wärme zu empfinden. Passenderweise arbeitet er als Kühlschrankmechaniker.
Olaf (Ben Barrington) ist „Baldr“. Er ist der leibliche Großvater der Brüder, wenngleich sie ihn als Cousin ausgeben. Gleichzeitig ist er ein Orakel. Durch seinen Hang, das Leben in vollen Zügen zu genießen und seinen Drogenkonsum, sind seine seherischen Kräfte jedoch über die Jahre schwächer geworden. Er ist der Gott von Leben und Wiedergeburt und, obwohl er bereits 90 Jahre alt ist, hat er sich sein jugendliches Aussehen bewahrt, denn rein äußerlich steckt er seit etwa 70 Jahren im Körper eines 20-jährigen.
The Quest for the Godly Soulmate
Nun, wie findet man nun eine Göttin unter geschätzten 4,4 Millionen Neuseeländern? Die Devise der Autoren scheint zu sein: Probieren geht über studieren. Die ersten Versuche enden damit, dass Axl mit willkürlich aufgelesenen Frauen im Bett landet. Was weder ihn befriedigt, noch die Suche nach Frigg voran bringt. Im Gegenteil, einer der ersten Versuche, Frigg zu finden, endet im Desaster: Axl denkt, dass er seine erste Sexualpartnerin beim Akt umgebracht hat und benötigt die Hilfe seiner Brüder, um glimpflich aus dem Schlamassel zu kommen. Zeit für einen Strategiewechsel also.
Stattdessen versucht man bald, andere reinkarnierte Götter wie etwa den Donnergott „Thor“, dessen irdische Hülle Derek heißt, oder den Gott der Lügen, „Loki“ (Shane Cortese), ausfindig zu machen und deren Töchter einem prüfenden Blick zu unterziehen. Während sich Thors Tochter „Delfine“ als Reinfall entpuppt, lässt Lokis Tochter Eva (Brooke Williams), ihres Zeichens eine rebellische, singende Metzgerin, die Alarmglocken sämtlicher Götter, die ihr begegnen, ausschlagen. Könnte sie Frigg sein?
Die versammelten Götter gehen davon aus. Hastig wird die Vermählung von Axl und Eva geplant. Dazu wird eine Zeremonie im Wald abgehalten, die mit einem Blutschwur besiegelt wird. Da wurde die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht, denn Lokis Intrige schlägt zu. Aber was erwartet man auch, wenn man sich mit dem Gott der Lügen einlässt? Zwar handelt es sich bei Eva um eine Göttin, jedoch um die falsche. Denn statt Frigg stellt sich heraus, dass sie Hel, Göttin des Todes und der Unterwelt ist. Der Vertrag muss jedoch erfüllt werden, sonst droht der Partei, die ihn bricht, der Tod. Da Mike als Bürge von Axl fungiert, wäre sein Leben verwirkt.
Ty opfert sich für das Wohl der Gruppe und heiratet Eva, passenderweise ergänzen sich die Kräfte der beiden vorzüglich: Das warme Feuer der Unterwelt und die Kälte von Ty heben sich gegenseitig auf. Eva und Ty heiraten also und die Suche der Brüder beginnt wieder am Nullpunkt. Es ist nicht ganz klar, welche Pläne eigentlich Agneta verfolgt, aber die Handlung der ersten Staffel endet auf einem Höhepunkt. Der Schwerenöter Anders versucht, sich bei der reifen Dame einzuschmeicheln und signalisiert, dass er nicht abgeneigt wäre, auch mit einer Frau bereits älteren Semesters anzubandeln: Knallhart offenbart Agneta, dass es sich bei ihr um die Mutter der Johnsons handelt. OMG! Was für ein Ende für eine überraschend solide erste Staffel.
Dies fasst nur die Haupthandlung um Axl und seine Suche nach Frigg zusammen, aber daneben gibt es noch das Wetteifern um eine Frau zwischen Ty und Anders, die Versuche, ein Kind zu kriegen von Mike und seiner Frau Valerie sowie die plötzliche Rückkehr des aus dem Koma erwachten besten Freundes... Oder die Annäherungen einiger Mitglieder der „Forces of Frigg“ und einigen der Johnsons - vor allem Olaf und Ingrid sowie Anders und Michele - versprühen eine Chemie, die beim Zusehen Spaß macht.
Zwar geht es primär um die Suche nach Frigg, gelegentlich bleibt jedoch Zeit für Komplikationen. Denn eigentlich möchte Axl doch lieber eine Beziehung mit Gaia, und die ganze Göttersache hinter sich lassen. Für die Familie muss er aber wohl oder übel weiter auf die Suche nach Frigg gehen und seine Gefühle für Gaia fürs Erste hinten anstellen.
What the Frigg?
The Almighty Johnsons ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Man braucht eventuell eine Weile, bis man den neuseeländischen Akzent versteht, der viele Konsonanten zu A-Lauten umformt. Wenn man, beispielweise, nicht durch das Anschauen von Flight of the Conchords oder The Tribe geschult wurde, braucht man zunächst eine kurze Eingewöhnungszeit.
Ebenfalls überraschend ist die Menge nackter Haut, die man sieht. Vor allem nackte Männerhintern sieht man hier mindestens so oft, wenn nicht gar öfter, als bei True Blood. Und auch der Level der expliziten Sprache kann mit so mancher HBO-Produktion mithalten. Wir fassen zusammen: Es wird gevögelt, gekokst und geflucht, dass sich die Balken biegen.
Die erste Staffel der „Almighty Johnsons“ verläuft auf einer etwas merkwürdigen Spannungskurve: Mal fesseln die Episoden bis zum Schluss, mal dümpeln sie so vor sich hin und das im stetigen Hin und Her.
Der Ton der Serie ist irgendwo zwischen Comedy und Drama angesiedelt. Selten nimmt sich die Serie allzu ernst, was durchaus erfrischend ist. Speziell Olaf, Axl und Anders sind Figuren, die für das eine oder andere Schmunzeln sorgen.
Auf ein großes Effekt-Feuerwerk muss man ebenfalls verzichten, denn die Serie lebt von der verbalen Interaktion der Figuren miteinander. Dass die Johnsons nicht die volle Macht ihrer Kräfte zur Verfügung haben, kommt dem wahrscheinlich eher begrenzten Budget einer neuseeländischen Serienproduktion zugute.
Trotz allem besticht die Serie durch ihren eigenen Charme und ihr einzigartiges Konzept.
Fazit
The Almighty Johnsons ist eine Serie für alle, die finden, dass sich Heroes zu ernst genommen hatte, die Fans von Comics, Fantasy und nordischer Mythologie sind, denen der „Thor“-Film zugesagt hat - oder die einfach Lust auf eine andere Interpretation des Stoffs um die nordische Sagenwelt haben. Außerdem ist die Serie allen zu empfehlen, die mal abseits von Amerika, England oder Kanada nach Seriennachschub fischen möchten.
Die Suche nach Frigg ist ein Teil How I Met Your Mother, ein Teil „Thor“ und ein Teil Heroes durch den Filter neuseelänscher TV-Produktion betrachtet und darum zumindest einen Blick wert.