Düstere Zunkunftsszenarien sind nicht nur im Kino angesagt, auch im Fernsehen stolpert man immer wieder über derartige Formate. So hat sich jetzt auch The CW mit The 100 an einer solchen Thematik probiert. Das Fazit der Pilotepisode fällt ordentlich, aber nicht fehlerfrei aus.

Die Landung auf der Erde war eher holprig: Clarke Griffin (Eliza Taylor, l.) und ein paar ihrer Begleiter in „The 100“ / (c) The CW
Die Landung auf der Erde war eher holprig: Clarke Griffin (Eliza Taylor, l.) und ein paar ihrer Begleiter in „The 100“ / (c) The CW

Dystopische Geschichten haben gerade in den letzten Jahren in Film und Fernsehen einen wahren Aufschwung erlebt. Das mag vor allem an vielen brandaktuellen und geopolitischen Themen liegen, sei es die Problematik der globalen Erwärmung, die mutwillige Zerstörung der Erde durch gnadenlose Ressourcenförderung, weltumspannende Pandemien oder auch nukleare Katastrophen. Viele kreative Köpfe haben sich diesen Inhalten angenommen und in ihre eigene Fiktion eingebaut, beispielsweise in aktuellen Spielfilmen wie „Oblivion“ oder „After Earth“, über deren beider Qualitäten man durchaus streiten darf. Beispiele aus dem TV wären Serien wie Revolution oder sogar The Walking Dead, in der wir Zeugen einer wahrhaftig unschönen Zukunft der Menschheit werden.

Auch diverse Buchautoren haben sich diesem Genre verschrieben, so zum Beispiel die amerikanische Schriftstellerin Kass Morgan. Sie erzählt mit ihrem Buch „The 100“, welches schon bald zu einer ausgewachsenen Buchreihe werden soll, die Geschichte einer finsteren Zukunft für die Menschheit. Ein fataler Atomkrieg zerstörte einst die Erde und die übrig geblieben Menschen leben im Weltraum auf einer Raumstation. 97 Jahre nach diesem Kreig werden von dort aus 100 strafgefangene Jugendliche zurück auf die Erde geschickt, um zu überpürfen, ob der Planet wieder bewohnbar ist.

The CW hat sich der Buchvorlage eins zu eins angenommen und bringt jetzt wenige Wochen nach dem Start von Star-Crossed eine weitere Science Fiction-Serie auf den Markt. The 100 ist zweifelsfrei auf das gängige The-CW-Publikum zugeschnitten und liefert in seiner Auftaktfolge sofort einige sehr bekannte und banale TV-Muster ab, die den Zuschauer recht schnell langweilen könnten. Trotzdem, auch wenn es in der Ausführung ein wenig hapert, die Prämisse und mögliche Komplexität des Format könnte einiges hergeben. Wenn man bereit dazu ist, über eher hölzerne schauspielerische Leistungen und einige absurde Lächerlichkeiten hinwegzusehen, könnte sich „The 100“ als eine vielleicht nicht wirklich überraschende oder inhaltlich kohärente, aber durchaus kurzweilige Serie herausstellen.

Reality sucks

Wie bereits weiter oben erwähnt, führt The 100 eine eher weniger ansprechende Dystopie ein, in der sich die Überlebenden eines globalen atomaren Krieges auf die sogenannte „Arc“ haben retten können - eine gigantische Raumstation, welche durch den Orbit gleitet. Auf dieser Raumstation herrschen strenge Regeln und der Verstoß gegen diese zieht drakonische Strafen nach sich, zumeist gar die Todesstrafe. Die „Arc“ hat nämlich mit Platzmangel zu kämpfen, außerdem scheint ein mechanischer Defekt das sichere Ende der Weltraumkolonie zu bedeuten. Die Verantwortlichen sind also schwer am Grübeln, was sie tun können, um das drohende Unheil doch noch abzuwenden und die menschliche Spezies zu bewahren.

Und eine Idee ist schnell gefunden: 100 Jugendliche, welche zu Recht oder vielleicht auch zu Unrecht inhaftiert sind und von denen manch einem sogar die Todesstrafe bevorsteht, werden via Raumschiff zurück auf die Erde befördert. Dort sollen sie testen, ob das Leben auf dem Planeten für Menschen wieder möglich ist. Dafür haben sie eine Art Armbänder umgeschnallt bekommen und werden so von einer Kommandozentrale auf der „Arc“ aus überwacht. Doch für viele der Verurteilten scheint die Rückkehr zur Erde eine zweite Chance zu sein, sich endlich von dem rigorosen Regime der Oberen auf der Raumstation zu lösen und ein unabhängiges Leben führen zu können.

The Arc is dying

So spaltet sich „The 100“ in zwei verschiedene Handlungsebenen. Zum einen begleiten wir als Zuschauer die jugendlichen Protagonisten während ihres Abenteuers auf der Erde, zum anderen bekommen wir Einblick in die Organisation und Struktur der „Arc“. Beide Seiten deuten im Laufe der Pilotfolge einiges an Potential hinsichtlich der Komplexität ihrer Inhalte an, doch so richtig gelingt es noch keiner der beiden Handlungsdimensionen, zu überzeugen und etwas wirklich Handfestes anzubieten.

Da gefällt einem schon eher die Dynamik der jugendlichen Verurteilten als die Handlung, die sich im weit entfernten Weltraum ereignet. Jedoch muss man auch festhalten, dass sowohl die Charaktere auf der Erde als auch die auf der Raumstation nahezu keine originellen Nuancen aufweisen und dass man anhand einer Checkliste die üblichen verdächtigen Serientypen abhaken kann. Bei den 100 Jugendliche wäre es zum Beispiel die natürliche und äußerst verantwortungsbewusste Anführerin und ihr kerniger sowie lässiger love interest. Außerdem: ein paar amüsante Sidekicks, der ambitionierte Gegenspieler und seine Gorillas, dessen wunderschöne, aber gefährliche Schwester... Auch auf der „Arc“ lassen sich eher Abziehbilder bekannter Rollenmuster finden - sei es der undurchsichtige Kommandochef oder die idealistische Ärztin und Mutter der weiblichen Hauptfigur.

Liberating ourselves

So fangen viele der Figuren in The 100 trotz einiger durchaus amüsanter und unterhaltsamer Momente schnell an zu langweilen. Das wäre nicht weiter problematisch, würden viele der schauspielerischen Darbietungen nicht so steif und aufgesetzt wirken. Der findige Zuschauer erkennt bereits in der Pilotepisode, welche Dynamiken sich wie entwickeln werden und welche Konflikte unausweichlich sind und im späteren Verlauf der Serie eine gewichtige Rolle spielen werden. So gestaltet sich „The 100“ leider ein wenig zu vorhersehbar und macht sich selbst durch das offensichtliche plotting das Leben schwerer, als es sein müsste.

Zu oft wird dem Zuschauer mit der Brechstange ein Problem aufgedrückt, wo man doch eigentlich wesentlich subtiler einen besseren Effekt bei seiner Zuschauerschaft hervorufen könnte. „Show, don't tell“ sollte hier die Devise der Serienmacher lauten, insbesondere, wenn einem die Prämisse diese Möglichkeit gibt. The 100 mag vielleicht nicht fantastisch aussehen - dafür sind viele der computergenerierten Effekte doch zu klobig geraten. Dennoch weiß die Kulisse zu gefallen und eine gewisse Atmosphäre zu erzeugen. Immer, wenn sich „The 100“ auf seine Umgebung und die wilde Beschaffenheit der Erde konzentriert, funktioniert die The CW-Serie besser als in den eher klischeebeladenen und überzeichneten Dialogen zwischen den einzelnen Charakteren.

We are not alone

Hier kann man nur hoffen, dass die Serienmacher in Zukunft noch mehr aus dem Setting rausholen, da hier auch die meiste Spannung generiert wird. Eine gerade noch verhinderte Hinrichtung auf der „Arc“ verliert jede Konsequenz, wenn die kleine Gruppe auf der Erde um Hauptfigur Clarke Griffin (Eliza Taylor), welche auf dem Weg zu einer alten Militärbasis ist, um dort Vorräte einzusammeln, beim Zuschauer mehr Interesse weckt. Die Gruppendynamik mag zwar ein wenig abgedroschen sein, doch sie funktioniert und weiß zu unterhalten.

Jedoch kann man auch nicht über das klassische The CW-Problem hinwegsehen, welches nun mal eng an die Senderpolitik geknüpft ist. Von den 100 Jugendlichen, von welchen wir gefühlt nur zehn kennenlernen und der Rest eine seelenlose Füllmasse bildet, sieht eine Figur wieder einmal besser aus als die nächste. The CW möchte natürlich auch durch die Optik und den Sexappeal seiner Charaktere ein bestimmtes Publikum anziehen. Doch eingefleischte Serienfans, welche sich ein eher realistisch angehauchteres Charakterdesign in dieser bedrohlichen Zukunftsvision erhofft hatten, werden wohl enttäuscht sein.

Generell hilft es, die Erwartungen an eine dreckige SciFi-Serie ein wenig runterzuschrauben. Zu sehr überwiegen die gängigen Merkmale von CW-Formaten, welche in keiner Weise furchtbar schlecht sind, aber nun mal vielen Zuschauern nicht zusagen werden. Gut gelungen ist hingegen das Ende der Pilotepisode, in der die Gefahr der Situation der Jugendlichen auf der Erde wirklich spürbar wird. Der ein oder andere erahnt bereits den Ausgang dieser finalen Szenen, und auch vorher gibt es einen ähnlichen Moment, doch hier bekommt man einen kleinen Schlag in die Magengrube serviert, welcher seinen Effekt nicht verfehlt und deutlich macht, dass in The 100 vielleicht doch nicht alles so erquickend grün und harmlos ist.

Fazit

Das Einbinden von ein paar populären Popsongs, eher triviale und stereotype Charakterzeichnung, ein simples Vorantreiben der Handlung - die CW kommt nun mal nicht von seinen altbewährten Mustern weg. Das ist durchaus schade, denn die Prämisse von The 100 ist vielversprechend, auch wenn man ab und an das Gefühl hat, die Geschichte in einer ähnlichen Form schon einmal irgendwo gesehen zu haben.

Man sollte nicht zu viel auf den Darstellern herumhacken, auch wenn ihre Darbietung eher unauffällig und ungelenk sind. Vieles gestaltet sich in The 100 als zu vorhersehbar, womit einiges an Spannungen verloren geht, doch gelingt es wiederum den Serienschöpfern auch, diese zumindest teilweise durch die interessante Prämisse und das verheißungsvolle Setting zu erzeugen. Wenn man sich auf diese Stärken besinnt, könnte selbst der eher weniger CW-affine Zuschauer The 100 etwas abgewinnen.

An den klassischen Inhalten wie komplizierte Dreiecksbeziehungen oder oberflächlichen Machtspielchen wird man nicht vorbeikommen. Jedoch schlummert in The 100 auch das Potential einer komplexeren Geschichte, die sich tiefgründigeren Themen wie sozialer Ungerechtigkeit oder politisch relevanten Machtkämpfen und Dynamiken widmen könnte. Das könnte aus „The 100“ somit vielleicht eine gesellschaftskritischere Serie machen, als die erste Episode den Anschein vermittelt.

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