The 100 3x09

Auch im Zentrum der The 100-Episode Stealing Fire steht eine Flucht, zumindest in Arakdia. In Polis werden wir Zeuge des brutalen Machtkampfes um den Thron des Commander. Doch am Ende steht alles unter dem Zeichen des nächsten Toten, ebenfalls ein Fanliebling.
Der zweite Tote
Innerhalb weniger Wochen müssen wir von einer zweiten Figur Abschied nehmen, die sich in viele Herzen gespielt hat. Lincoln (Ricky Whittle) überlebt die Episode Stealing Fire nicht und verabschiedet sich, wie er gekommen ist: still, mit Würde, auf der moralischen Überholspur und mit jeder Menge Fanliebe.
Er hat sich geopfert, damit Octavia (Marie Avgeropoulos) und Kane (Henry Ian Cusick) entkommen können, nachdem Pike (Michael Beach) angedroht hat, alle Grounder zu töten wenn die drei Anführer sich absetzen. Er tut, was er immer wollte, er beschützt seine große Liebe Octavia und die Menschen, die unverschuldet in die Mühlen der großen Politik geraten sind. Denn das ist es, was ihn schon immer ausgemacht hat. Während alle The 100-Figuren davon besessen scheinen, klarzumachen, wer ihre Leute sind, war Lincoln die Zugehörigkeit zu einer Gruppe stets egal. Er hat nicht gegen alle Widerstände rebelliert, er hat sich den Gegenwind aufbewahrt bis es etwas gab, um das es sich in seinen Augen zu kämpfen lohnte. Seine Leute, das kann man nicht an Grounder, Skaikru oder Reaper festmachen, seine Leute waren die Unterlegenen und für die hat er immer alles gegeben. Dieses Mal in einer traurigen und brutalen Szene sogar sein Leben.
Auch für Lincolns Schicksal war Ricky Whittles Karriere vermutlich entscheidender als die Überzeugungen der The 100-Autoren. Der Darsteller, der in der postapokalyptischen Welt oft vernachlässigt wurde, hat die Hauptrolle als Shadow Moon in der Starz-Serie American Gods an Land gezogen. Auf einer größeren Skala dürfte das viele Fans freuen, denn die beiden Serien könnten in einiger Hinsicht ein ähnliches Publikum anziehen. Der Schauspieler geht uns also hoffentlich nicht verloren, nein, als zentrale Figur in der neuen Serie bekommen wir vermutlich bald eine größere Whittle-Dosis als bisher. Doch für den Moment tröstet das nur wenig.
Lincoln war eine beliebte Figur und er hatte viele Parallelen zu Lexa (Alycia Debnam-Carey). Beide waren von Geburt an Grounder, doch im Laufe der Zeit haben sie es geschafft, über den Tellerrand zu schauen und sich aus den festgefahrenen Denkmustern zu befreien. Das schaffen generell nur wenige Figuren in dieser Welt, was auch daran liegt, dass jeder Fehler und jede Fehleinschätzung den Tod bedeuten kann. Etwas anders zu machen als die anderen, einen eigenen Weg zu gehen, das erfordert in dieser Umgebung besonders viel Mut. Und am Ende hat es beiden auch genau das Befürchtete eingebracht, einen frühen Tod.
Doch anders als Lexa hat Lincoln einen Abschied bekommen, der in die Geschichte und in seinen Charakter eingebettet ist und nicht ausschließlich auf eine verirrte Kugel zurückzuführen ist. Der Abschied dieser Figur, die zuletzt nicht einmal in jeder Episode zu sehen war, lässt Lexas Tod noch enttäuschender wirken.
Flache Gegenspieler
Doch so richtig rund ist auch die letzte Szene der Episode Stealing Fire nicht. Und das liegt vor allem an den Klischee-Bösewichten, denen The 100 in die Hände gefallen ist. Sowohl in Arkadia als auch in Polis sind derzeit eindimensionale Figuren die großen Gegenspieler. Pike und Ontari (Rhiannon Fish) sind ausschließlich auf Krawall gebürstet und ihre einzige Motivation ist ihr Machtanspruch. Ja, an irgendeiner früheren Stelle haben sie versucht uns zu verkaufen, dass Pike aus Angst und Ontari aus Rache handelt, aber das haben die beiden dann offenbar selbst vergessen und werden immer mehr zu Parodien ihrer selbst.
Wo ist die Zeit hin, in der die The 100-Autoren es geschafft haben, dass man selbst nicht mehr wusste, wer die Guten und wer die Bösen sind? Dass sie sich die Sache mit der Moral nicht immer so einfach gemacht haben, kann man immer noch wunderbar an Murphy (Richard Harmon) sehen, der als Figur eine lange Reise zurückgelegt und sich dabei fast unbemerkt in unsere Herzen gespielt hat. Er ist nicht nur charakterlich gewachsen, er sorgt auch immer wieder für eine leichte, komödiantische Note, die der Serie The 100 oft gut tut.
Nun wird also Lincoln von Pike in einer sehr stereotypischen Hinrichtungsszene umgebracht, ohne dass jemand sich darum kümmert, Pike mal ein paar Schichten Charakter zu verleihen. Um sicher zu gehen, dass es trotzdem ins Herz trifft, sorgen die Serienmacher für wunderbare musikalische Untermalung und starke Slow-Motion-Bilder von blutigen Pfützen und Octavias Leiden. Das ist nicht zu verurteilen, aber ein bisschen von der Mühe hätten sie ja auch in Pikes Charakter stecken können.
Auch Ontaris Story wird Lexas Erbe nicht gerecht. Wir kannten schon Queen Nia (Brenda Strong) kaum und nun bekommen wir eine ihrer Verbündeten vorgesetzt, die ebenfalls nicht wirklich in die Story eingebettet ist. Der einzige aus dem Lager der Ice Nation, der das Charisma hat, eine eigene Storyline zu tragen ist Roan (Zach McGowan) und der wird mal wieder viel zu sehr in die Ecke gestellt. Dass Ontari es wirklich auf den Thron schafft, scheint nicht sehr wahrscheinlich. Auch das macht es schwierig, sich für diese Story zu engagieren. Sie scheint nur da zu sein, um die Zeit zu füllen, die Clarke (Eliza Taylor) braucht, um die verlorene Anwärterin zu finden, damit diese Idee dann in welcher Art auch immer die Story entern kann.
Paarbildungen
Ebenfalls erwähnenswert ist die hohe Dichte an Paarszenen in der Episode Stealing Fire. Miller (Jarod Joseph) und Bryan (Jonathan Whitesell) sehen sich mit einem unglaublichen Verrat konfrontiert, während die anderen beiden Paare sich füreinander aufopfern, als da wären die bereits erwähnte Kombination aus Octavia und Lincoln sowie das Neu-Paar Abby (Paige Turco) und Kane (Henry Ian Cusick). Auch wenn die beiden letzteren bisher einzeln immer besser waren, kann man wohl kaum abstreiten, dass sie einiges gemeinsam haben. Sie wirken wie Überreste aus einer verlorenen Zeit, als Führung noch bedeutete, an einem runden Tisch zu sitzen und zu debattieren.
Vermutlich weiß wohl niemand mehr so genau, wieso ausgerechnet die beiden und Jaha (Isaiah Washington) in die Führungsriege der Ark aufgestiegen sind. Denn im Moment wirken sie nur selten wie geborene Anführer. Stattdessen erscheinen sie wie Erinnerungen an eine untergegangene Welt und das verbindet sie. So unterschiedlich sie die Dinge auf der Ark auch gehandhabt haben, im Vergleich mit den Groundern, den Mountain Men und allen auf der Erde waren es Nuancen, die sie voneinander trennen.
Fazit
Die Episode Stealing Fire bringt eine weitere Flucht, dieses Mal erfolgreich, zumindest teilweise. Denn wichtiger als die, die entkommen konnten, ist der eine, der es nicht konnte: Lincoln. In Arakadia verbreitet sich unterdessen die Kunde, dass eine neue Commander gesucht wird und während wir einen Ablenkungsplot größtenteils ignorieren, darf man festhalten, dass Roan endlich wieder aufgetaucht ist und die übereifrige Clarke und der sarkastische Murphy eine unterhaltsame Kombination abgeben.
Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „The 100“, „Fallen“ (3x10):
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 1. April 2016The 100 3x09 Trailer
(The 100 3x09)
Schauspieler in der Episode The 100 3x09
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