The 100 1x11

Es ist schon ein wenig ärgerlich, dass die Serienmacher des The CW-SciFi-Dramas The 100 es nur bedingt schaffen, konstant eine gute Linie zu fahren und Woche für Woche auf ungefähr gleichem Niveau den Zuschauer überzeugen zu können. Oft bekommt man eine starke Episode zu sehen, die nicht nur packend ist, sondern auch dramaturgisch sehr gut funktioniert und emotionales Gewicht mit sich bringt. Genauso oft folgt dann aber auch eine Episode, die zwar nicht unbedingt furchtbar schlecht ist, in welcher aber dennoch Entscheidungen getroffen werden, die zu viele Fragen aufwerfen und einen faden Beigeschmack hinterlassen.
Dieser Art Achterbahnfahrt zeigt sich auch erneut anhand der aktuellen Episode The Calm, wo eben solche Probleme auftreten. Sicherlich bietet diese auch einiges an Unterhaltungswert, doch man kommt auch nicht umher einige Makel auszumachen. Dabei fallen vor allem die zahlreichen Szenenwechsel auf, die nur selten etwas zu dem Gesamtbild der Episode beitragen und für sehr viel Hektik sorgen. Bei der Handlung kommt man ebenso einige Male ins Grübeln, gleichzeitig machen sich die Serienverantwortlichen selbst keinen Gefallen, viele entscheidende Sequenzen im Dunkeln vonstattengehen zu lassen, wo man als Zuschauer schon äußerst genau hinschauen muss, um etwas zu erkennen. „The Calm“ ist eine ordentliche Folge der Serie The 100, allerdings haben sich diese Woche mehr Fehler eingeschlichen, als es sonst der Fall ist.
We're good
Nach der Brückensprengung aus der letzten Woche ist die Situation im Lager der Jugendlichen weiter sehr angespannt. Während sich Clarke (Eliza Taylor) nicht nur über die Bedrohung durch die Grounders und den Verbleib ihrer Mutter Abby (Paige Turco) Sorgen macht, werden einige Befestigungsanlagen hochgezogen, um einem möglichen Angriff der feindseligen Erdbewohner standzuhalten. Finn (Thomas McDonell) versucht unterdessen, erneut das Gespräch mit Raven (Lindsey Morgan) zu suchen, die jedoch immer noch schwer am Schmollen ist. Die komische Spannung zwischen den beiden schreit nach einer Auflösung, die sich wiederum im Laufe der Episode ergeben wird.
In Vorbereitung auf die Auseinandersetzung mit den Grounders müssen auch Vorräte angehäuft werden, um die Nahrungsversorgung sicher zu stellen. Dafür hat man eine kleine Räucherstube zusammengezimmert, in welcher die Fleischvorräte des Camps gegart werden. Jedoch ergibt sich hier ein großes Problem, brennt die Bude nach kurzer Zeit doch komplett ab, womit ein Großteil der Proviantreserven zerstört ist.
An dieser Stelle muss der Rezensent zum ersten und nicht einzigen Mal in The Calm die Nase rümpfen. Die Zerstörung der Vorräte mag zwar sehr wichtig für den restlichen Verlauf der Handlung sein, dennoch wirkt dieses Ereignis recht einfach und zweckmäßig konzipiert. Es gibt zweifellos geschicktere Möglichkeiten, die Handlung in Schwung zu bringen. Einzig die offene Frage, ob vielleicht Murphy (Richard Harmon) hinter dieser Tat stecken könnte und im Geheimen zu den Grounders gehört, sorgt hier für etwas Spannung. Ansonsten ist es schon recht erstaunlich, was ein simples, vorhersehbares und leicht zu verhinderndes Ereignis in „The Calm“ für große Konsequenzen nach sich zieht.
Nun müssen die Jugendlichen nämlich auf die Jagd gehen, um neue Vorräte zu generieren. Das bedeutet wiederum, dass sie sich raus aus dem sicheren Camp in den undurchsichtigen Wald begeben müssen, wo die Grounders auf sie lauern könnten. Diese neue Konstellation hört sich aus dramaturgischer Sicht durchaus vielversprechend an, ein fader Beigeschmack ob der Art und Weise, wie dieser Weg eingeschlagen wurde, bleibt dennoch.
Ghost Ship
Nach längerer Zeit bekommen wir in The Calm mal wieder die Ark zu sehen, beziehungsweise das, was von ihr noch übrig ist. Wo „The Calm“ übersetzt auf der Erde noch wie die Ruhe vor dem Sturm wirkt, hat sich diese auf der Raumstation wortwörtlich eingestellt. Dabei macht die verlassene Ark mit ihren dunklen Korridoren und gelegentlichem Lichtflackern einen sehr atmosphärischen Eindruck und vermag so sogar an Genreklassiker wie Ridley Scotts „Alien“ zu erinnern, der sogar auf gewisse Art und Weise referenziert wird.

Inmitten dieser gespenstischen Atmosphäre findet sich der angeschlagene Kane (Henry Ian Cusick) wieder, der zumindest ein bisschen hoffnungsvoller wird, als die Luftversorgung wieder anspringt. Mit Hilfe eines verletzten und sehr nonchalanten Ingenieurs (Steve Talley) kann er einige Überlebende ausmachen und sogar Kontakt zu Jaha (Isaiah Washington) aufnehmen. Dieser ist mit ein paar weiteren Ingenieuren in der Steuerungseinheit der Raumstation eingeschlossen, von wo aus diese versuchen, die Ark wieder einigermaßen in Gang zu bringen. Dafür müssen sie sich jedoch selbst opfern, werden doch ihre eigenen Sauerstoffreserven immer knapper.
Der dramatischen Situation wird dann aber relativ schnell der Stecker gezogen, denn Kane und seine fleißigen Mitstreiter können zu Jaha und dessen Anhang vorstoßen. So stark scheinen diese dann wohl doch nicht eingesperrt gewesen zu sein und auch das kleine Detail, dass der zuvor mit seinem Arm in einer Tür eingeklemmte Ingenieur auf einmal diverse Kraftakte vollbringen kann, wirkt etwas inkonsistent. Glücklicherweise können diese Aspekte von einem überzeugenden Henry Ian Cusick als auch von Isiah Washington kaschiert werden. Insbesondere Cusick hinterlässt als unerwartete Heldenfigur einen guten Eindruck.
Being Hunted
Zurück auf der Erde haben sich verschiedene Jagdgruppen gebildet, darunter auch eine bestehend aus Clarke, Finn und Nobody Myles (Brendan Meyer). Letzterer wird recht seltsam eingeführt und wird alsbald auch schon von einem unschönen Schicksal ereilt. Auch hier zeigt sich abermals, dass sich die Serienmacher nach wie vor schwer damit tun, Figuren außerhalb ihrer Hauptbesatzung ordentlich einzuführen und in die Handlung zu integrieren.
Es kommt dann wie es kommen musste: Clarke und Finn werden von ein paar Grounders gefangengenommen und so treffen sie erneut auf Anya (Dichen Lachman), die stoische Anführerin der ungemütlichen Erdbewohner. Clarke wird infolgedessen dazu gezwungen, ein schwer verletztes Mädchen zu behandeln, die wiederum aufgrund der Explosion aus der letzten Folge auf dem Krankenbett liegt. Sollte das Mädchen mit dem Namen Tris (Alison Thornton) sterben, wird auch Finn dran glauben müssen.
Hier muss man erneut ein paar kritische Töne anschlagen. Zwar wird später erklärt, warum dieses junge Mädchen überhaupt auf der Brücke war, jedoch mag es dem Rezensenten nicht ganz klar werden, inwiefern Anya und Tris überhaupt in der Nähe der Explosion waren. Das mag jeder Zuschauer etwas anders sehen, doch wir müssen hier blindlings den Serienmacher aus handlungsrelevanten Gründen Glauben schenken, was die ganze Angelegenheit etwas zu schwammig und unbefriedigend macht. Wie bereits zu Beginn von The Calm macht man es sich erneut recht einfach, die Handlung in gewisse Bahnen zu lenken. In Anbetracht vorangegangener Episoden, wo es oft vergleichbare Probleme gab, aber auch gute Lösungen für eben solche gefunden wurden, tut sich „The Calm“ in dieser Hinsicht eher schwerer, vollends zu überzeugen.

To stubborn to die
Während Clarke ihr Bestes gibt, um das Leben der kleinen Tris zu retten, wird man als Zuschauer andernorts erneut auf die Probe gestellt. So geht nämlich die eigentlich recht interessante Figur der Raven in The Calm als Belastungstest für die Zuschauerschaft hervor, sorgt ihr launisches Verhalten doch für einiges an Stirnrunzeln.
Zum einen kann man sie nachvollziehen, schaut man sich an, was sie in den letzten Wochen hat durchmachen müssen. Zum anderen schlagen die Serienmacher mit dieser Figur jetzt aber auch einen gefährlich Weg ein, der noch einmal künstliches Drama mit sich bringen könnte, von welchem sich der Rezensent nicht sicher ist, ob es dies wirklich braucht.
Raven endet nämlich aus reiner Frustbewältigung mit Bellamy in den Federn, was an und für sich erst einmal nicht weiter problematisch ist. Doch sogleich spinnt man sich als Zuschauer in seinen Kopf ein kompliziertes Beziehungsgeflecht unter den einzelnen Hauptfiguren aus The 100 zusammen, das wiederum die Serie schnell überladen könnte. Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Macher hier bewegen. Man darf gespannt sein, inwiefern dies noch einmal zu einem Thema in den letzten beiden Episoden der ersten Staffel wird.
Scars
Insbesondere in den letzten Zügen von The Calm zeigt sich, dass die ständigen Wechsel zwischen den verschiedenen Handlungsorten für große Unruhe sorgen und nur stellenweise der Spannung zuträglich sind. Clarke behandelt die junge Tris als gäbe es kein Morgen, jedoch verstirbt das Mädchen an den Folgen einer Blutvergiftung, was durchaus überraschend ist. Nun scheint auch für Finn die letzte Stunde geschlagen zu haben, doch Clarke gibt noch nicht auf. Mit Erschrecken muss man dann feststellen, wie sie sich doch verändert hat, als sie plötzlich einen Grounder kaltblütig die Kehle aufschlitzt. Ihr entsetzter Blick sagt mehr als tausend Worte, erkennt sie doch selbst, was aus ihr geworden ist. Der vielleicht schockierendste und zugleich beste Moment in „The Calm“.
Insgesamt stellten sich die Szenen in dem Grounder-Versteck als durchaus interessant heraus, jedoch leiden sie darunter, dass viele Aufnahmen schlecht beleuchtet waren und so das Sehvergnügen etwas darunter litt. Ein technisches Problem, das bis jetzt in The 100 eher selten zu sehen war und hoffentlich nur ein Ausrutscher gewesen ist.
Während Clarke die Flucht ergreift und ihre Freunde vor dem nächsten Angriff der Grounders warnen will, begeben sich Bellamy und Co. auf die Suche nach ihr, Finn und Myles. Dabei kommen auch die Walkie-Talkies zum Einsatz, an welchen Raven und Monty (Christopher Larkin) gebastelt hatten. Während Bellamy, Raven und Octavia (Marie Avgeropoulos) auf den schwer verletzten Myles stoßen und Clarke im Zuge ihrer halsbrecherischen Flucht in eine Falle der Grounders tappt, werden wir ob des Schicksals des sympathischen Montys auf die Folter gespannt. Dieser scheint nämlich eine unheimliche Entdeckung gemacht zu haben, doch von ihm selbst ist dann nicht mehr viel zu sehen, bis auf sein Funkgerät, das verlassen im Wald liegt.

Auf der Ark ist Kane derweil nach wie vor auf seinem Heldentrip, und als er erfährt, dass es eventuell doch noch einige Überlebende gibt, die in letzter Sekunde die Fluchtkapsel verlassen haben, begibt er sich sogleich auf den Weg zur Abkopplungsstation. Nachdem er sich durch einen heißen Schacht gequält hat, findet er auch einige Überlebende, darunter weniger überraschend auch Clarkes Mutter Abby, die doch nicht mit Sydney (Kate Vernon) gen Erde flog. Ob dies nun bedeutet, dass der Absturz der Exodus-Kapsel wirklich für sämtliche Insassen tödlich war, da mit Abby die wichtigste Figur ja eh noch am Leben ist, oder ob es Sydney tatsächlich irgendwie geschafft hat zu überleben, wird sich noch zeigen müssen.
Fazit
Wie bereits erwähnt geht The Calm wie so viele andere Folgen der ersten Staffel von The 100 zuvor ebenfalls als solides Unterhaltungsfernsehen durch. Da jedoch gerade in den letzten Wochen noch einmal ein kleiner Qualitätsschub festzustellen war, fallen in „The Calm“ einige Fehler und Ungereimtheiten eben schneller auf. Diese beziehen sich größtenteils darauf, dass man sich es stellenweise etwas zu einfach gemacht hat. Gleichzeitig verzichtete man auf ausgiebigere Sequenzen, die in den letzten Episode zumeist zu den besten Momenten der jeweiligen Folgen gehörten. Durch die schnellen Cuts und die ständigen Wechsel zwischen Erde und Raumstation wirkte „The Calm“ doch recht sprunghaft. Die Spannung profitierte eher selten und wenn dann nur am Ende davon, insgesamt hätten ein paar mehr ergiebigere Szenen der Folge sicherlich gut getan.
Mit zwei finalen Episoden vor der Brust darf man jetzt gespannt sein, ob die Serienmacher die neuerlichen Fehler schnell wieder vergessen machen können. Man bewegt sich auf einem äußerst soliden Level, die negativen Ausreißer nach unten sind sukzessive weniger, die positiven Ausreißer nach oben sind mehr geworden. Nun heißt es abwarten, ob man in den letzten beiden Folgen noch einmal an die starken Momente der ersten Staffel anknüpfen kann.
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 30. Mai 2014(The 100 1x11)
Schauspieler in der Episode The 100 1x11
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