The 100 1x06

The 100 1x06

Die neue Episode von The 100 probiert sich erneut an einer anderen Erzählstruktur, was an und für sich auch ganz gut gelingt. Insgesamt präsentiert sich His Sister's Keeper aber dann doch eher durchschnittlich und hat eine Menge Guilty-Pleasure-Potential in petto.

Steht dieses Mal im Mittelpunkt der Handlung: Octavia (Marie Avgeropoulos) in „His Sister's Keeper“. / (c) The CW
Steht dieses Mal im Mittelpunkt der Handlung: Octavia (Marie Avgeropoulos) in „His Sister's Keeper“. / (c) The CW

In der letzten Folge (Twilight's Last Gleaming) der The CW-Serie The 100 rückte die Handlung auf der Arc stark in den Vordergrund und die Jugendlichen auf der Erde eher ins zweite Glied. In der neuen Episode His Sister's Keeper hingegen steht erneut die Geschichte auf der Erde im Mittelpunkt. So kehren wir in dieser Folge nicht einmal zu Clarkes Mutter Abbie (Paige Turco), Chancellor Jaha (Isaiah Washington) und dem dubiosen Counselor Kane (Henry Ian Cusick) zurück.

Dennoch bleibt die Raumstation nicht unerwähnt und macht einen wesentlichen Bestandteil der neuen Episode aus, denn so bekommen wir - wie bereits in der dritten Episode von The 100 (Earth Kills) - Rückblicke gezeigt, die uns Einblick in Bellamys (Bob Morley) und Octavias (Marie Avgeropoulos) früheres Leben auf der Arc geben. Dieses Element ist sicherlich eine der Stärken der aktuellen Folge, in der sich unglücklicherweise einige Dümmlichkeiten und zu viele erwartbare Situationen einschleichen. Zwar fühlt man sich von Sister's Keeper recht ordentlich unterhalten, voll und ganz überzeugt ist man aber sicherlich nicht.

Chasing butterflies

Den Einstieg in His Sister's Keeper markiert die Geburt von Octavia, bei der der junge Bellamy (Spencer Drever) seiner Mutter so gut wie möglich zur Seite steht. Von dem Nachwuchs darf nämlich niemand etwas wissen, denn jede Familie auf der Arc steht aufgrund von Platz- und Ressourcenmangel unter dem Zwang, nur ein Kind zu bekommen. Verstößt man dagegen, droht einem ein grässliches Ende im sauerstofflosen Orbit.

Gleich zu Beginn soll uns also abermals deutlich gemacht werden, wie wichtig Bellamy Octavia ist. Schon seit ihrer Geburt fühlte er sich zutiefst verantwortlich für sie. Auch nach der Ankunft auf der Erde ließ er seinem dominanten Beschützerkomplex freien Lauf, oftmals sehr zum Ärgernis von Octavia. Dass es ihm in der Episode der Vorwoche aber anscheinend nicht wirklich gekümmert hatte, wo sich Octavia eigentlich rumtreibt, macht Bellamys Figur jedoch auf gewisse Weise inkonsistent. Es ist nur einer von vielen kleinen Fehlern in dieser Episode und in der Serie generell, die einigen Zuschauern den Nerv rauben könnten.

Bellamy (Bob Morley) muss sich zu Recht einiges von Clarke (Eliza Taylor) anhören. © The CW
Bellamy (Bob Morley) muss sich zu Recht einiges von Clarke (Eliza Taylor) anhören. © The CW

Bellamy hat ohnehin einen dicken Bock geschossen, war seine Aktion, das Funkgerät in den Fluss zu pfeffern, doch recht dämlich. Dafür bekommt er jetzt auch angemessen sein Fett weg. Bellamy allerdings kann schnell vom Thema ablenken und den Rest der Jugendlichen darauf hinweisen, dass Octavia irgendwo da draußen in den mosigen Wäldern verschwunden ist. Viel hat Clarke (Eliza Taylor) nicht für Bellamy übrig, doch auch sie möchte Octavia finden und ihr helfen.

Also wird ein Suchtrupp zusammengetrommelt, welcher Octavia aufspüren und zurück ins Camp bringen soll. Bevor dieser aufbricht, wird sich Bellamy nochmals seines törichten Handels klar, denn die Jugendlichen sehen am Himmelszelt, wie die über 300 Toten aus der letzten Folge eine Weltraumbestattung bekommen, die von der Erde wiederum wie ein wunderschöner Meteoritenschauer aussieht. Wie Clarke treffend anmerkt, trägt Bellamy keine unwesentliche Mitschuld an diesem Drama.

Fear is a demon

Während sich eine Gruppe um Bellamy also auf die Suche nach Octavia macht, findet sich diese in einem dunklen Höhlentrakt wieder. Sie hat von ihrem Sturz eine Beinverletzung davongetragen und als plötzlich ein grounder erscheint und sie mit einer glühenden Klinge bedroht, glaubt sie, ihr letztes Stündchen hätte geschlagen. Nach einer kurzen Ohnmacht wacht sie jedoch wieder auf und stellt fest, dass der Fremde sie einfach nur verarztet hat. So dankbar sie diesem dafür auch ist, sie versucht, einen Weg aus ihrem Gefängnis zu finden. Dies gelingt ihr schlussendlich auch und so flüchtet sie erst einmal in den undurchsichtigen Wald.

Am interessantesten ist hier sicherlich das Hin- und Herwechseln zwischen Octavias Misere und ihrer Vergangenheit auf der Raumstation. In diesen Szenen gewinnt auch der ordentlich in Verruf geratene Bellamy etwas an Sympathien und Profil. Er setzte damals alles daran, seine kleine Schwester um jeden Preis zu beschützen und vor den Ordnungshütern der Arc geheim zu halten.

Bellamy wird vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt... © The CW
Bellamy wird vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt... © The CW

Geschickt ergründen die Serienmacher so auch das Universum und Setting, in welchem wir uns in The 100 bewegen. Wo wir vor wenigen Folgen anhand Clarkes Familie noch einen Einblick in die „obere“ Schicht an Bord der Arc bekamen, sehen wir nun eine Familie, die eher einfachen Verhältnissen entspringt und mehr Nach- als Vorteile hat. Hier muss ein jeder Opfer bringen, so zum Beispiel auch Bellamys Mutter, welche sich zum Schutz ihrer illegalen Tochter sogar prostituiert. Dadurch gewinnt die Gesellschaftsordnung auf der Raumstation mehr an Kontur, ohne dass es dem Zuschauer mit der Brechstange vorgetragen wird.

Hurry up and save the world

Diesem Teil der Handlung von Sister's Keeper kann man wohl am meisten abgewinnen. Zum einen fühlt man mit der jugendlichen Octavia mit, die wiederum zum ersten Mal unter ihresgleichen sein darf. Zum anderen bekommt man Bellamys Charakter und seinen aus einer Grundschuld resultierenden Komplex, sich für seine Schwester verantwortlich zu fühlen, erklärt. Schlussendlich war er nicht in der Lage dazu, Octavia zu beschützen. Viel schlimmer noch: Er trägt große Mitschuld an ihrer Entdeckung und der Hinrichtung seiner eigenen Mutter. Interessant ist dann auch, dass nochmals auf das Attentat auf Chancellor Jaha verwiesen wird. Der Auftraggeber ist ein austauschbarer Kommandant der Sicherheitskräfte auf der Arc. Wer wirklich als Drahtzieher dahinter steckt, ist nach wie vor offen. Bellamy wird dies auch egal gewesen sein, will er doch nur für seine Schwester da sein, was auch immer es kostet.

Im Gegensatz zu diesen Flashbacks schwächelt da die Handlung auf der Erde schon deutlicher, vor allem eine Nebenhandlung verlangt dem Zuschauer einiges an Geduld ab. Dem gemeinen Leser unserer Rezensionen zu The 100 ist dies längst bekannt und mir hat es schon einige Zeit vor diesen Szenen gegraut: das Zusammentreffen von Clarke und Raven (Lindsey Morgan). Beide haben Gefühle für Springinsfeld Finn (Thomas McDonell), beide werden hier miteinander konfrontiert, während sie nach Teilen für ein neues Funkgerät suchen. Glücklicherweise gestalten sich die Szenen zwischen ihnen erträglicher als vorher gedacht. Dennoch wird hier sehr dick aufgetragen und mit der einfallslosen TV-Trope der komplizierten Liebesbeziehung nur so um sich geworfen.

Die größte Sorge ist wohl, dass dieses aufgesetzte Drama zwischen Clarke, Raven und Finn schnell überhandnehmen könnte und so andere weitaus interessantere Aspekte in den Hintergrund gedrängt werden. Es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass sich die Macher eine angenehme Lösung einfallen lassen, mit diesem Konflikt dementsprechend umzugehen.

They're playing with us

Der unterhaltsamste Part von His Sister's Keeper ist dann eine wilde Verfolgunshatz durch die Wälder, in der sich die geheimnisvollen grounder nacheinander jeweils einen aus dem Suchtrupp um Bellamy, Finn und Jasper (Devon Bostick) herauspicken. Ein paar profillose Mitstreiter der drei müssen hier als Kanonenfutter herhalten. Deren Verhalten ist zwar selten dämlich und regt zum pausenlosen Kopfschütteln an, dennoch ist es ganz spaßig mit anzuschauen, wie einem nach dem anderen der Garaus gemacht wird.

So kurzweilig diese kleinen Momente in der aktuellen Episode auch sein können, so sehr kann man sich auch über die fehlende Logik hinter diesen Szenen aufregen. Die grounders halten hier als bösartige Froschmänner her und selbst Octavias „Entführer beziehungsweise Retter beziehungsweise Entführer“ bleibt blass. Langsam müssen die geheimnisvollen Bewohner der Erde mehr Spielraum bekommen, ansonsten droht, dass sich hier schnell Langeweile einstellt. Viele Zuschauer interessieren sich wohl gerade für diesen Aspekt der Geschichte am meisten, bis jetzt wird mit diesem vielversprechenden Handlungselement jedoch eher unpassend und zu sparsam umgegangen.

A storm is coming

Letztendlich gelingt es Bellamy, seine erneut gefangengenommene Schwester zu befreien. Diese hatte sich bereits vorher gegen ihren finster dreinblickenden Entführer durchsetzen und ihn überwältigen können. Bellamy will ihn dann endgültig umbringen, doch Octavia hält ihn auf, war der Erdbewohner doch auch sehr hilfsbereit ihr gegenüber. Während Finn den am Boden liegenden grounder genauer inspiziert und dabei auf ein Horn aufmerksam wird, welches die Gruppe vorher noch hören konnte, erwacht plötzlich der Niedergestreckte und rammt Finn ein Messer in den Bauch. Allein Jasper kann Schlimmeres verhindern und den Angreifer bewusstlos schlagen.

Vielleicht jetzt nicht unbedingt das perfekte Ehepaar: Octavia (Marie Avgeropoulos) und der %26bdquo;Grounder%26ldquo; © The CW
Vielleicht jetzt nicht unbedingt das perfekte Ehepaar: Octavia (Marie Avgeropoulos) und der %26bdquo;Grounder%26ldquo; © The CW

Die drastische Verletzung von Finn ist eine konsequente Entscheidung, auch wenn hier ebenfalls die Sorge besteht, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit nur als einfaches Vehikel herhalten wird. Sie soll wohl den Plot, endlich Kontakt mit der Erde aufzunehmen, und die Dreiecksbeziehung zwischen Finn, Clarke und Raven vorantreiben. Auch der sich anbahnende Bruch zwischen Octavia und Bellamy könnte einige interessante Entwicklungen mit sich bringen. Gerade Octavias emotionaler Ausbruch am Ende macht deutlich, dass für Bellamy noch härtere Zeiten bevorzustehen scheinen.

Dass man jedoch den überwältigten grounder anscheinend in den Höhlen gelassen und nicht mit ins Lager genommen hat, um so eventuell an Informationen zu gelangen, mag vielleicht dem Umstand geschuldet sein, dass man nur Finn transportieren konnte. Dennoch ärgert man sich als Zuschauer, denn anstatt das Handeln in die eigenen Hände zu nehmen, bleiben die Jugendlichen im Vergleich zu den Erdbewohnern nun weiterhin mehr Reakteur als Akteur. Und von dieser Konstellation haben wir ehrlich gesagt langsam genug gesehen.

Fazit

Man muss sicherlich einige Abstriche machen, möchte man His Sister's Keeper etwas abgewinnen können. Die aktuelle Episode der The CW-Serie hat dabei Glück, dass ihre erfrischende Erzählstruktur und die subtile Ergründung der gesellschaftlichen Strukturen auf der Raumstation für einige Pluspunkte sorgen können. Darüber hinaus gestalten sich einige Sequenzen durchaus spannungsreich, so lächerlich diese oft auch wirken mögen. So kann „His Sister's Keeper“ als kurzweilig durchgehen, auch wenn man hier und da ein Auge zudrücken muss.

Insgesamt herrscht aber auch in dieser Episode das alte Problem vor, dass viele Handlungsebenen einfach nur so vor sich hinplätschern, ohne den Zuschauer richtig abholen zu können. Der interssanteste Aspekt, die Geschichte um die geheimnisvollen grounders, gewinnt dabei kaum an Substanz. Und das, obwohl man erstmalig mehrere von den maskierten Antagonisten zu sehen bekommt. The 100 hat in den letzten Episoden im Gesamtbild mehr und mehr abgebaut, da reichen auch einige gute Momente zwischendurch nicht mehr aus. Es bleibt abzuwarten, ob man nächste Woche das Ruder wieder zum Besseren hin herumreißen kann.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 24. April 2014
Episode
Staffel 1, Episode 6
(The 100 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Ein Sturm zieht auf
Titel der Episode im Original
His Sister's Keeper
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 23. April 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 5. August 2015
Autoren
Tracy Bellomo, Dorothy Fortenberry
Regisseur
Wayne Rose

Schauspieler in der Episode The 100 1x06

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