That Dirty Black Bag 1x01

© zenenfoto aus der Serie That Dirty Black Bag (c) AMC+
Filmklassiker wie „Zwei glorreiche Halunken“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone oder „Leichen pflastern seinen Weg“ und „Django“ von Sergio Corbucci prägten in den Sechzigern den Italowestern (oft auch „Spaghettiwestern“ genannt). Der noch unerfahrene Kurzfilmregisseur Mauro Aragoni darf das Genre für die Streaming-Plattform AMC+ nun wiederbeleben. In seinem Achtteiler That Dirty Black Bag macht er Dominic Cooper (Preacher) zum unbestechlichen Sheriff Arthur McCoy, während Douglas Booth („Die Säulen der Erde“) als Kopfgeldjäger Red Bill auftritt.
Die zwei ungleichen Gegenspieler sind das zentrale Gespann der Geschichte, die nach dem dreckigen schwarzen Sack benannt ist, in dem Red Bill seine blutige Beute aufbewahrt. Passend dazu auch der Titel der einstündigen Pilotepisode: Chapter One: A Head Weighs Less Than A Body, die hierzulande momentan noch auf sich warten lässt.
Ebenfalls im Ensemble der Serie: Christian Cooke (Magic City), Rose Williams (Sanditon), Paterson Joseph (Vigil), Zoe Boyle (Frontier), Guido Caprino (Medici: Masters of Florence), Anna Chancellor (Trust), Ivan Shaw (The Cleaning Lady), Niv Sultan (Tehran), Eugene Brave Rock (Dark Winds), Travis Fimmel (Vikings) und Aidan Gillen (Game of Thrones), der wie üblich einen Schurken spielt. Als Youngster mischt auch Lorenzo McGovern Zaini mit.
Worum geht's?
Die Story ist recht schnell zusammengefasst: Wir haben unseren Helden, nämlich Coopers Sheriff McCoy, der eine schwierige Vergangenheit schultert, nun aber mit beiden Beinen fest im Leben steht und das Gesetz hütet, und wir haben den Schurken Red Bill, der die Kopfgeldjagd ein bisschen zu wörtlich nimmt. Dass er seine Opfer immer gleicht enthauptet, damit er nicht ihre schweren Körper herumschleppen muss, ärgert den gradlinigen McCoy. Früh läuft alles auf ein Duell der beiden hinaus, wobei uns der Bösewicht mit einer eigenen tragischen Hintergrundgeschichte ebenfalls sympathisch gemacht wird.

Ein im Auftakt nicht unwichtiger Nebenhandlungsstrang zeigt den örtlichen Farmer Steve (Cooke), der eine Goldquelle unter seinem Land vermutet. Auch hier wieder ein typisches Motiv derartiger Erzählungen. Wobei sich der Serienmacher Aragoni an anderen Stellen auch Zeit nimmt, die Rolle der Frau im Wilden Westen näher zu beleuchten, was dann also doch im Sinne einer Modernisierung des Genres ist. Und auch das Thema Rassismus findet seinen Platz, welchem sich ja schon Quentin Tarantino in seiner bombastischen Neuinterpretation „Django Unchained“ im Jahr 2012 widmete.
Wie ist es?
So weit klingt das alles erst mal ziemlich vielversprechend, wobei sich natürlich die Frage stellt, ob Showrunner Aragoni mit einem purem Nostalgietrip wirklich ins Schwarze treffen kann? Denn das Rad neu erfinden, versucht er keineswegs, weshalb That Dirty Black Bag spürbar ein Alleinstellungsmerkmal fehlt. Erfreulich ist nur, wie vielfältig der Cast zusammengesetzt wurde. Davon abgesehen wirkt manches eher abgedroschen, vor allem die Dialoge - was schade ist, denn für einen vermeintlich klassischen Western quasseln die Charaktere sowieso ein bisschen zu viel.
So kommt leider auch wenig Atmosphäre auf, obwohl That Dirty Black Bag auf dem Papier eigentlich einen relativ hohen Produktionswert hat. Es ist das altbekannte Problem, wenn die einzelnen Teile nicht mehr als ihre eigene Summe ergeben. Genauso erstaunlich wirkt es für mich, dass Dominic Cooper, der mit seiner coolen Art für einen Western prädestiniert wirkt, so farblos bleibt als Hauptdarsteller. Wie gesagt: In meinen Augen redet er einfach zu viel. Und auch etwas mehr Action würde dem Ganzen gut zu Gesicht stehen, obwohl immerhin gegen Ende schon einiges passiert.
Alles in allem bleibe ich trotzdem skeptisch, dass es eine gute Idee ist, heutzutage noch eine so wenig wagemutige Hommage an das gute alte Westerngenre abzuliefern. Wer Western wirklich liebt, wird fraglos großen Spaß am Werk von Mauro Aragoni haben. Ich persönlich finde moderne Weiterwicklungen interessanter, wie zum Beispiel der Sci-Fi-Western The Mandalorian. Oder wie die FX-Serie Justified, die in der Jetztzeit angesiedelt ist (und glücklicherweise bald zurückkehrt). Netflix' Godless hatte hingegen den revolutionären Gedanken, weibliche Heldinnen ins Zentrum zu stellen. Und das für dieses Jahr geplante Dark Winds, übrigens ebenfalls von AMC+, wird indigene Charaktere beleuchten.
Eines hat That Dirty Black Bag, für das sich ein deutscher Abnehmer erst noch finden muss, allerdings geschafft: Ich habe wieder richtig Lust bekommen, in die Welt von „Red Dead Redemption 2“ abzutauchen. Zum Glück ist jetzt Wochenende!
Hier abschließend noch der Trailer zur Westernserie That Dirty Black Bag:
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Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 11. März 2022That Dirty Black Bag 1x01 Trailer
(That Dirty Black Bag 1x01)
Schauspieler in der Episode That Dirty Black Bag 1x01
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