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Der amerikanische Sender History (ehemals History Channel) hat sich in den letzten Jahren getreu seiner Senderpolitik an historische Stoffe gewagt und versucht, diese in Form von Dramaserien umzusetzen. Das prominenteste Beispiel ist hier wohl die Historienserie Vikings, welche sich nun schon über drei Staffeln erstreckt und im nächsten Jahr in seine vierte Runde gehen wird. Auch das Westerndrama Hatfields & McCoys lief vor einigen Jahren auf History und konnte sich einer großen Beliebtheit bei Zuschauern erfreuen sowie viele positive Kritiken verzeichnen.
Fight or die
Mit der neuen fünfteiligen Miniserie Texas Rising, zu der Leslie Greif (unter anderem Executive Producer bei „Hatfields & McCoys“), Darrell Fetty und George Nihil gemeinsam die Drehbücher verfasst haben, bleibt sich History abermals treu. Man präsentiert uns ein je nach Geschmack durchaus interessantes Zeitdokument rund um den texanischen Unabhängigkeitskrieg Mitte der 1830er Jahre, den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Texas und Mexiko und den entscheidenden historischen Persönlichkeiten in diesem Konflikt. Zuschauer mit einem Herz für US-amerikanische Geschichte wird ein Teil dieser in „Texas Rising“ dank toller Ausstattung und sehenswerten Kulissen in einem sehr authentisch wirkenden Rahmen nähergebracht.
Problematisch wird es jedoch, wenn man „Texas Rising“ als das betrachtet, was es letztlich ist: eine Fernsehserie. Durch die vielen historischen Informationen fühlt sich das Format gelegentlich doch ein wenig zu vollgepackt an, gleichzeitig muss man als Zuschauer einen langen Atem mitbringen, kann sich die eineinhalbstündige Pilotepisode der Miniserie doch ab und an ordentlich hinziehen. Während einzelne Aspekte der Handlung Fragen ob ihrer Logik oder gar Notwendigkeit aufwerfen, ist zumindest größtenteils auf die sehr namhafte Darstellerriege Verlass. Einige von den Schauspielern und Schauspielerinnen tragen zwar immer wieder sehr dick auf, doch gerade die vermeintlichen Hauptdarsteller wie Jeffrey Dean Morgan (Magic City) oder Bill Paxton (Hatfields & McCoys) leisten hier gute Arbeit.

Defiance
In „Texas Rising“ dreht sich, wie bereits erwähnt, alles um die texanische Revolution, welche offiziell am 2. Oktober 1835 ihren Anfang fand und sich bis Ende April 1836 erstreckte. In dieser kämpften die Bewohner von Texas - zu Beginn des Konflikts noch ein Teil von Mexiko - gegen die mexikanische Regierung um ihre Unabhängigkeit, die sie letztendlich auch erlangten und im Folgenden die Republik Texas gründeten. Anhand historischer Persönlichkeiten wie Sam Houston, der Oberbefehlshaber der texanischen Armee, oder auch General Santa Anna, sein Pendant aufseiten Mexikos, taucht der Zuschauer in diese Zeit und den Kampf um Freiheit ein. Gleichzeitig wird die Entwicklung der Texas Rangers aufgezeigt, die von Texas-Gründer Stephen F. Austin einst ins Leben gerufen wurden und in den Bemühungen der Texaner, ihre Unabhängigkeit von Mexiko zu erlangen, eine integrale Rolle als Späher und Boten spielten.
Die Serienmacher hinter „Texas Rising“ haben sich hier an ein sehr umfangreiches und komplexes Thema gewagt, das sie ihren Zuschauern in Form einer Dramaserie präsentieren wollen. Wer sich für diesen speziellen Teil amerikanischer Geschichte interessiert, dürfte sich durchaus an den Auftritten zahlreicher historischer Charaktere und Schlüsselfiguren der texanischen Revolution erfreuen. Eigentlich gelingt es den Autoren auch ganz ordentlich, die verschiedenen Hintergrundinformationen zu diesem geschichtlichen Ereignis verständlich zu übermitteln. Es ist allein die Fülle, die „Texas Rising“ bisweilen zu einer kleinen Geduldsprobe macht.
Live to fight another day
Dass Texas Rising vor heroischen Momentaufnahmen und manipulativen Bildern sowie tragenden Musikstücken nur so strotzt, kann ich aufgrund der Thematik verzeihen. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass das Ganze etwas weniger episch erzählt werden würde, die Entscheidung der Macher muss man jedoch respektieren. Gelegentlich geht der Plan mit einigen emotionalen Momenten, sei es zum Beispiel eine kraftvolle Ansprache von Houston gegenüber seinen demoralisierten Männern, ja auch auf. Was wiederum etwas stört, ist, dass sich „Texas Rising“ zu oft einfach nur hinzieht und sich das Erzähltempo bei null einpendelt.
Ich kann verstehen, dass man seine Geschichte geschichtsgetreu erzählen will. Doch es handelt sich hierbei eben auch nicht um eine Dokumentation, sondern um eine Dramaserie, die im besten Fall packen und mitreißen sollte. Und selbst wenn sich einige spannende Szenen in der Pilotepisode finden lassen - bei einer Laufzeit von gut 90 Minuten gehen diese leider doch etwas unter. Hier hätte sich eventuell angeboten, die Erzählung ein wenig zu kürzen beziehungsweise zu begrenzen und vielleicht aus fünf anderhalbstundigen Teilen zehn Episoden à 45 Minuten zu machen - allein, um es vielleicht ein wenig übersichtlicher zu gestalten und nicht ständig zwischen den verschiedensten Figuren hin- und herspringen zu müssen.
No surrender
Die Geschichte von „Texas Rising“ ist nämlich durchaus interessant und visuell sehr glaubwürdig umgesetzt, ein bisschen viel mutet man uns hier zu Beginn aber dennoch zu. Doch dies kann in den Augen einzelner Zuschauer natürlich auch eine große Stärke ein, wenn man diesen - wie hier - sehr detailliert und akkurat Einblicke in die texanische Revolution gewährt. Man beginnt sogleich mit dem Massaker bei der Schlacht von Alamo, wodurch einem wiederum gut vor Augen geführt wird, wie sehr dieser Konflikt zwischen Texas und Mexiko am Brodeln ist und was dieser schrecklicher Angriff auf das Fort Alamo aufseiten der Texaner auslöst. Mit dem überschwänglichen Patriotismus muss man sich hier arrangieren, jedoch empfinde ich ihn persönlich als gar nicht so unangenehm, da er nun einmal schlüssig begründet wird und eine der treibenden Kräfte dieser Erzählung ist.

Time for war
Der Blick in die verschiedenen Lager und Ideologien deutet an, dass „Texas Rising“ über den einfachen Kampf zwischen Gut und Böse hinausgehen könnte, ebenso wie der gelegentliche Fokus auf einzelne Charaktere. Jeffrey Dean Morgan gefällt mir hier in seiner Rolle als erfahrener Texas Ranger mit am besten, was schlichtweg daran liegt, dass Morgan seiner Figur mit einfachen Mitteln ungemein viel Würde verleiht. Wie man wiederum die Gruppierung der Texas Ranger weiter integrieren wird, ist eine spannende Frage für die Zukunft. Die Einführung dieser besonderen militärischen Gruppe, die bis heute als Strafverfolgungsbehörde in Texas tätig ist, weckt zumindest bei mir Interesse.
Weitere Spannung geht darüber hinaus von Ray Liotta und seinem geheimnisvollen Charakter aus, der sich wohlgemerkt doch ein wenig einfach von dem zerstörten Fort Alamo in Richtung Lager der texanischen Armee begibt. Bill Paxton macht sich ebenfalls nicht schlecht als hart gesottener General Sam Houston, der einer großen Verantwortung gerecht werden muss und aus den eigenen Reihen hinterfragt wird. Sein Gegenüber, der skrupellose mexikanische General Santa Anna, wird derweil etwas überspitzt dargestellt, was wohl auch an der Darbietung von Olivier Martinez liegt. Diese Figur hat durchaus das Zeug für einen starken Antagonisten, jedoch ist es ein schmaler Grad, auf dem man sich hier bewegt, da der Charakter auch sehr schnell zu einem stereotypischen Widersacher werden kann, der größtenteils in Plattitüden spricht.
Attack with a vengeance
Auf weiblicher Seite gibt es derweil nicht besonders viele Darstellerinnen in dem Format (zumindest bis jetzt), was ein wenig schade ist. Cynthia Addai-Robinson sollte erwähnt werden, die eine Zeugin der Vorfälle in der Alamo ist und nun auf Vergeltung pocht, hat Santa Anna doch ihren Bruder umbringen lassen. Warum sie aber erst mit Sam Houston ins Bett steigen muss, um ihre Rache an Santa Anna vorzubereiten, erschließt sich mir nicht ganz. Was auch immer sie am Ende der Episode entwendet, hätte sie auch in einer Nacht- und Nebelaktion stehlen können.
Ansonsten geben sich, wie bereits erwähnt, zahlreiche bekannte Namen in Texas Rising die Klinke in die Hand, ob nun Brendan Fraser (in einer zugegebenermaßen für ihn eher seltsamen Rolle) oder zum Beispiel auch Jeremy Davies, der einem immer wieder Spaß macht. Die illustre Besetzung ist ohne Frage einer der Pluspunkte des Formats, erspäht man doch immer wieder ein vertrautes Gesicht aus dem Film- und Fernsehgeschäft.
Commander in chief
Inszenatorisch liefert Regisseur Roland Joffé („The Killing Fields“) unterdessen solide Arbeit ab, wobei vor allem die wunderbaren Landschaftsaufnahmen bestechen, auch wenn man Gefahr läuft, sich schnell an der staubtrockenen Szenerie sattzusehen. Jedoch gefallen die Aufnahmen an den Sets sowie in freier Natur gut, ebenso muss man ein Lob aufgrund des hohen logistischen Aufwands mit zahlreichen Statisten und Komparsen aussprechen.
Etwas schwächer sind jedoch ein paar der eher actionreichen Szenen, so zum Beispiel ein Kampf zwischen den Texas Rangern und Indianern. Hier verhalten sich die Ureinwohner Amerikas trotz Überzahl - auch wenn sie über keine Schusswaffen verfügen - nicht besonders geschickt, wodurch die Sequenz ein wenig seltsam anmutet. Generell werden besagte Ureinwohner hier eher oberflächlich dargestellt. Auch wenn man womöglich historisch genau gearbeitet hat, wovon ich einfach einmal ausgehe, bleibt ein kleiner Beigeschmack bei der sehr einfachen Darstellung der „wilden“ Ureinwohner Amerikas.

Fazit
Die Historienserie Texas Rising verfügt eigentlich über etliche Elemente, die das Format zu einem interessanten Drama mit geschichtlichem Hintergrund machen könnten. Die Ausstattung gefällt gut, ebenso die Kulissen, vor denen gedreht wurde. Bei der sehenswerten Besetzung ragen einige Darsteller heraus (so zum Beispiel Jeffrey Dean Morgan), während andere wiederum in Zukunft vielleicht ein wenig auf die Bremse drücken sollten. Generell muten einige Charaktermomente unnötig episch an und hätten gerne weit weniger emotional sein können. Doch das ist nun einmal der Stil von diesem Format.
Das größte Problem ist wohl der Umfang der Serie, der hier und da den Rahmen der Geschichte sprengt. Dennoch sollten vor allem Hobbyhistoriker hier mal einen Blick riskieren. Nach der Pilotepisode ist es alles andere als unmöglich, dass sich „Texas Rising“ zu einem tiefgreifenden Drama entwickeln könnte, das uns verschiedene Perspektiven auf den texanischen Unabhängigkeitskrieg liefert. Um dort hinzukommen, wünsche ich mir persönlich noch etwas komplexere Charaktere sowie ein wenig Mut zur Lücke, um so vielleicht eine geraffte, schwungvollere Inszenierung ohne redundante Nebengeräusche zu erreichen.