
Die Pilot-Episode zu dem neuen Action-Drama Tempel weiß zwar, wie man kurz und knackig eine spannende Prämisse etabliert, schafft es jedoch leider nicht, so manches Klischee auszulassen und eilt dabei etwas zu hastig durch die Handlungsorte. Dafür bleibt am Ende der dreißigminütigen Pilot-Episode Nur ein Kampf zumindest ein spannender Cliffhanger übrig, der vor allem durch die funktionierende Familiengeschichte der Tempels und durch eine gut besetzte Hauptrolle getragen wird.
Morgen hör' ich auf!
Zu Beginn der Episode Nur ein Kampf bekommen wir ein paar Elemente serviert, die mich stark an die zu Beginn des Jahres gestartete Serie Morgen hör' ich auf erinnern. Neben dem Elvis-Soundtrack am Anfang der Episode, besteht diese Erinnerung vor allem aus der ersten Szene, die wir als drei Tage in der Zukunft liegende Vorausblende serviert bekommen. In der wird uns der Protagonist Mark Tempel (Ken Duken) gezeigt, wie er statt einer Seniorin einen jungen Mann in der Badewanne pflegt, der anscheinend etwas Blutverlust erleidet. Wie konnte es dazu kommen?
In der Gegenwartshandlung scheint zunächst noch alles in Ordnung zu sein: Mark geht seiner Arbeit nach, ist zwar etwas gestresst, doch hangelt sich so durch. Währenddessen bekommen wir jedoch zu sehen, wie seine im Rollstuhl sitzende Freundin Sandra (Chiara Schoras) und seine Tochter Juni (Michelle Barthel) von maskierten Motorradfahrern besucht werden und zuschauen müssen, wie der Tempel-Tempel inklusive der für die potentielle Musikgymnasiastin Juni wichtige Geige auseinandergenommen wird.

Entgegen der Erwartungen des Zuschauers, geht die Familie damit zunächst recht locker um und genau in solchen Momenten funktioniert der ZDFneo-Pilot ausgesprochen gut: Die zentrale Familiengeschichte sitzt einfach und weiß die emotionale Mitte gekonnt zu platzieren. Jedoch lässt sich diese Chemie nicht auf den Rest des Piloten übertragen, wenn Mark sich dazu entscheidet, wieder seinen ehemaligen Boxclub zu besuchen, dem er anscheinend seiner Familie zuliebe den Rücken zugewandt hat.
Lass ihn raus den Tiger. Zeig ihnen, was du kannst!
Um also genug Geld für eine neue Geige aufzutreiben, schließt er einen Deal mit seinem alten Lehrmeister Jakob (Thomas Thieme) ab, noch am selben Abend wieder in den Ring zu steigen. Hastig und plump wirkt dabei der gesamte Plot, im Zuge dessen Mark den Kampf für sich entscheiden kann, indem er sich auf seine Familie konzentriert. Es folgt eine ausgelassene Partynacht, in der nicht nur der Sekt, sondern schließlich auch Benzin auf die Motorräder der gegnerischen Gangster fließt. Es folgt der Cliffhanger, bei dem einer der mysteriösen Mafiosi einen Zettel von Mark findet.
Zwar schafft es der Pilot, die brenzlige Situation in der sich Markt befindet zu etablieren, leider wirkt jedoch das Drehbuch an manchen Stellen eher plump als authentisch. Wenn beispielsweise die Nachbarin die Quotenberlinerin mimt, die Tochter locker einen Satz wie „Ach, das ist nur so'n Mitschüler, der fragt, ob wir vögeln wollen“, sagt oder der ebenfalls in keiner Berliner Geschichte fehlende Frederick Lau als Obdachloser vorbeischaut, geht leider die Authentizität flöten und wird stattdessen durch Fremdscham ersetzt.

Fazit
Die Pilot-Episode Nur ein Kampf kann zwar in Sachen Besetzung und Prämisse ein paar saftige Schläge verteilen, ärgerlicherweise sorgen das hastige Erzähltempo und der Griff in die Klischeekiste dafür, dass die Folge ins Straucheln kommt und keinen K.O.-Sieg servieren kann. Hierbei wird leider mal wieder deutlich, dass es den deutschen Serienautoren schwerfällt, authentische Charaktere aus dem kriminellen Milieu zu erzählen, was zuletzt bei dem bereits erwähnten Morgen hör' ich auf auffiel.
Mir persönlich wäre eine Episodenlänge von 45 Minuten lieber gewesen, um ein paar Charaktere und Erzählelemente sauberer zu darzustellen und zu etablieren. Doch vielleicht schaffen es die kommenden Episoden ja noch, dieses Manko auszubessern. Wer jedoch auf der Suche nach einem soliden Actiondrama aus deutschem Hause ist, das vielleicht nicht das Rad neu erfindet, dabei aber weiß wie man sich auf bereits ausgelaufenen, sicheren Pfaden bewegt, der wird sich an Tempel sicher nicht stoßen.