Teenage Bounty Hunters 1x01

© eenage Bounty Hunters (c) Netflix
Bei Netflix ist eine neue Serie für ein relativ junges Publikum gestartet, denn im Zentrum von Teenage Bounty Hunters von Kathleen Jordan (American Princess) stehen die beiden 16-jährigen Zwillingsschwestern Sterling (Maddie Phillips) und Blair Wesley (Anjelica Bette Fellini) im Zentrum. Sie sind christlich erzogen worden, wobei schon die ersten Minuten der Auftaktfolge Daddy's Truck klarstellt, dass das noch gar nichts heißen muss. Denn die Hormone spielen in dem Alter (zumindest in vielen Serien) bekanntlich verrückt.
Yeah, I got it from daddy!
Als die beiden per Zufall und durch einen Autounfall einem flüchtigen Mann auf die Schliche kommen, der per Steckbrief gesucht wird, machen sie Bekanntschaft mit dem Kopfgeldjäger Bowser Jenkins (Kadeem Hardison) und helfen diesem bei der Verhaftung und dem Einstreichen des ausgeschriebenen Kopfgeldes. Das Ganze geschieht allerdings mit mehr Glück als Verstand. Durch ihre Erziehung und das Heranwachsen im weißen und reichen Teil von Atlanta kennen sie sich nämlich nicht nur blendend mit Waffen aus, sondern sind auch noch relativ fit zu Fuß.
Die beiden besuchen eine christliche Schule, wobei Sterling am Anfang der Episode ihre Jungfräulichkeit verliert, was in ihren Kreisen ein großes Ding ist, schließlich wird sie kurz danach als fellowship student leader bestimmt, also als die vorbildliche Musterschülerin des gesamten Jahrgangs. Doch das bringt ihre Konkurrentin April (Devon Hales) gegen sie auf, die sich den Posten ausgemalt hatte und herausfindet, dass sie ihre Abstinenz nur noch vortäuscht.
Wie sich im Verlauf der Folge herausstellt, hat Aprils Vater Dreck am Stecken, denn er soll seine Frau mit einer Prostituierten betrogen und diese dann verprügelt haben - seitdem ist er außerdem flüchtig. Also müssen die Nachwuchskopfgeldjäger in dem prestigereichen und durchaus rassistischen Men's Parlor Nachforschungen anstellen, um ihm auf die Schliche zu kommen.
Bowser arbeitet bei einem Frozen-Yoghurt-Laden und nimmt die beiden widerwillig unter seine Fittiche, denn sie zeigen Potential und kommen dort rein, wo man ihm keinen Zutritt gewähren würde. Außerdem müssen sie nach ihrem Autounfall den Truck ihres Vaters richten - und das wird nicht gerade billig.
Mit ihrer Bauernschläue kommen sie Aprils Dad also auf die Schliche und schaffen auch so ihre erste eigene Festnahme bereits am Ende des Auftakts. Als Tarnung fangen sie dann im FroYo-Laden an und ihre Eltern glauben, dass sie mit dem Lohn von dort ihre Schulden begleichen werden.
I like totally seduced him!

Teenage Bounty Hunters nimmt sich glücklicherweise zu keiner Sekunde ernst, was sehr erfrischend ist. Die Dialoge sind teilweise wirklich sehr spritzig und witzig und besonders Blairs trockene Kommentare haben mich mehrfach zum Lachen gebracht. Sie ist eher die straight woman zur alberneren Sterling, die dafür die perfekte Comedymimik hat. Die Chemie der beiden Schwestern ist das Highlight der Serie. Immer mal wieder sehen die Zuschauer, wie sich die Schwestern über Zwillingstelepathie unterhalten, was ebenfalls oft köstliche Ergebnisse an den Tag fördert. Aber auch Bowser als Anstandswauwau ist ein herrlicher Kontrast zur Verrücktheit und der chaotischen Improvisationsfreude der beiden.
Die Serie ist politisch inkorrekt und spielt mit den Klischees der konservativen, christlichen Welt - ein wenig so, wie es bereits Suburgatory, Desperate Housewives oder GCB gemacht haben. Interessanterweise kommt der ganz eigene Moralcode der Zwillinge, der gekoppelt an die Teenager-Oberflächlichkeiten ist, dennoch gut zum Tragen. Zum Ende der Auftaktfolge, die sich fast schon wie ein klassischer Pilot und weniger wie ein üblicher Netflix-Auftakt anfühlt, merkt man das mission statement. Man möchte zwar Geld verdienen, aber auch die Leute dem Gesetz übergeben, die es eben verdient haben.

Die Action ist ebenfalls ordentlich gemacht, auch wenn sie manchmal darauf basiert, dass jemand nicht ganz fit ist und keine Ausdauer hat. Zudem sind auch die Darsteller/-innen größtenteils sehr gut gewählt und verkörpern die teils sehr oberflächlichen Rollen überzeugend. In der ersten Folge, die rund 50 Minuten lang läuft, gibt es ein paar kleinere Leerlaufmomente, aber insgesamt ist das Ganze doch kurzweilig genug, um zu unterhalten. Zudem gibt es am Ende der Pilotfolge einen ominösen Cliffhanger, der neugierig macht. In der zweiten Folge wird dann schon schnell eine andere Story abgeschlossen, von der man meinen könnte, dass sie in anderen Serien wohl die ganze Staffel geprägt hätte. Somit kann man sich fast sicher sein, dass das Tempo relativ hoch bleibt.
Everything makes you horny!

Die Serie verdient wahrscheinlich damit noch keine Innovationspreise, aber sie lässt mich zumindest neugierig genug sein, um dranzubleiben. Bisher habe ich nur die ersten zwei Episoden geschafft und beide geben den Zuschauern wohl einen guten Eindruck von der Stimmung und der Gestaltung der Serie. Man könnte das Ganze wohl noch etwas „tighter“ gestalten, mit 30- oder 40-minütigen Folgen beispielsweise. Ursprünglich sollte die Serie sogar „Slutty Teenage Bounty Hunters“ heißen und der Titel hätte wahrscheinlich sogar noch etwas besser gepasst, denn die Geilheit und die Sexualität der beiden Protagonistinnen sind ein zentrales Thema. Nach vielen Jahren von Filmen und Serien, in denen vor allem die Teenager-Jungs Hormonmonster sein durften (siehe die Collegefilme der 70er, viele Filme aus den 80ern, „American Pie“ und Co in den 90ern bis hin zu „Superbad“ in den 2000ern), ist es dank „Booksmart“, Skins, Euphoria, Big Mouth, Sex Education und auch dieser Serie immer öfter den Teenage-Ladies vergönnt, ihren Drängen beliebig freien Lauf zu lassen und agency in dieser Richtung zu haben. Wobei wahrscheinlich Sex and the City und Desperate Housewives für die älteren Protagonistinnen Vorreiterrollen innehatten und auch die Networkserie Gossip Girl natürlich relativ promiskuitiv war und prozentual immer noch das männliche Geschlecht öfter im Fokus steht.
Fazit

Wer Lust auf locker-leichte, freche und leicht „übersexte“ Sommerunterhaltung hat, der ist bei Teenage Bounty Hunters wohl ganz gut aufgehoben. Der Mix aus christlicher Welt und Kopfgeldjägermilieu ist ein guter und unverbrauchter Ansatz und die Zwillinge im Zentrum sind charmante Newcomer, von denen ich gerne mehr sehen möchte. Das Endresultat gewinnt bestimmt keine TV-Preise, hat mich aber zumindest von sich überzeugt und ich schaue mir gerne den Rest der Debütstaffel an.
Hier abschließend noch der offizielle Serientrailer zur neuen Netflix-Serie „Teenage Bounty Hunters“:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 14. August 2020Teenage Bounty Hunters 1x01 Trailer
(Teenage Bounty Hunters 1x01)
Schauspieler in der Episode Teenage Bounty Hunters 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?