Tales from the Loop 1x01

© zenenfoto aus der Pilotepisode der US-Serie Tales from the Loop (c) Amazon
Die neue Amazon-Serie Tales from the Loop führt uns in ihrer Auftaktepisode Loop in die Kleinstadt Mercer im US-Bundesstaat Ohio. Dort spielen sich in den Laboren unter der Erde wundersame und mysteriöse Dinge ab und so gut wie jeder der Bewohner hat etwas mit den dortigen Forschungsarbeiten zu tun. So auch die Mutter der jungen Loretta (Abby Ryder Fortson), welche zur Verzweiflung ihres begabten Kindes eines Tages plötzlich mitsamt des Hauses spurlos verschwindet.
Was geschieht im Auftakt von Tales from the Loop?
Loretta bekommt mit, wie ihre Mutter Alma (Elektra Kilbey) zu Hause mit einem Kollegen darüber diskutiert, dass sie etwas aus dem Forschungskomplex zwecks eigener Experimente entwendet hat. Nach einigen merkwürdigen Ereignissen während der Nacht, inklusive Stromausfall und gesplitterten Fenstern, macht sich Loretta wie jeden Tag auf in die Schule. Als sie von dort zurückkehrt, ist ihr komplettes Haus samt ihrer Mutter wie vom Erdboden verschluckt verschwunden und die einzige Spur ist ein mysteriöses dunkles Material, welches die Erdgravitation zu ignorieren scheint. Loretta nimmt es an sich und macht sich im angrenzenden Wald sowie der ganzen Stadt auf die Suche nach ihrer Mutter.
Dabei schließt sich ihr ein Junge namens Cole (Duncan Joiner) an, der ihr seine Hilfe anbietet. Dessen Mutter, die von ihrem Sohn zu einem späteren Zeitpunkt über das Mädchen, das er kennengelernt hat, aufgeklärt wird, ahnt, was geschehen ist. Daher macht sie Loretta ausfindig, um ihre Theorie über das enge Band, welches sie mit dem Mädchen verbindet, zu bestätigen. Als die beiden sich schließlich gegenüberstehen, offenbart sie dem Mädchen eine Wahrheit, die deren Vorstellungskraft zu überschreiten droht, aber gleichzeitig auch plausibel genug ist, um den Kreis letztendlich zu schließen.
Die Gemächlichkeit von Retrofuture
Wenn man den Serienschöpfer Nathaniel Halpern darum bittet, Tales from the Loop zu beschreiben, so fällt es ihm schwer, der Serie ein Label zu verpassen oder in einem kurzen Pitch die Essenz einzufangen. Die Serie basiert auf den retro-futuristischen Illustrationen des schwedischen Künstlers Simon Stålenhag, der in seinem Band das Geschehen an einem besonderen Ort in den 80er Jahren bebildert, welcher durch die geheimen Forschungsarbeiten seiner Zeit etwas voraus ist. Müsste ich die erste Episode anhand etwas Bekanntem beschreiben, würde ich sagen, „Tales From the Loop“ kommt heraus, wenn man dem Grundszenario von Eureka mehr Bodenständigkeit verleiht, während gleichzeitig noch ein Hauch Twilight Zone in ruhigem Tempo hinzugefügt wird.
Im Hinblick auf die technischen Aspekte ist der Einstieg definitiv gelungen, vor allem aus Sicht der Kinematografie (oder geläufiger: cinematography). Das heißt, dass die Wahl der Blickwinkel und ein Gespür für Bildkomposition durchaus vorhanden sind, denn die Bilder bringen eine gewisse Ästhetik mit sich, ohne dass man spektakuläre Landschaften eingefangen oder bombastische Effekte verwendet hat, was allerdings nicht heißt, dass die gediegenen Schneelandschaften und Nahaufnahmen nicht trotzdem schön aussehen. Gleichzeitig wird durch die hauptsächlich aus Pianostücken aufgebaute Hintergrundmusik sowie dem gelassenen Tempo eine gediegene Atmosphäre aufgebaut.
Während Rebecca Hall die Serie wohl auch zum großen Teil als eine der zentralen Figuren begleiten wird, scheinen sich die Episoden auf jeweils unterschiedliche Charaktere zu konzentrieren. Im Fall der ersten Episode sind das vor allem Cole (Duncan Joiner) und die junge Version von Loretta (Abby Ryder Fortson), wobei ich an dieser Stelle ganz klar eine Lanze für die beiden Kinder/Jungdarsteller brechen möchte. Schauspieler in diesem Alter sind ja in der Regel, wenn man es sehr milde ausdrücken möchte, sehr unterschiedlich talentiert. Sowohl Duncan Joiner als auch Abby Ryder Fortson liefern hier allerdings sehr glaubwürdige Vorstellungen ab. Insbesondere Abby Ryder Fortson trägt diese Episode mit einer für Jungdarsteller seltenen Präsenz und Überzeugung. Ganz generell deutet die Serie ein Gespür für Emotionalität an. Das demonstriert etwa die Szene ganz wunderbar, in der Loretta versteht, dass ihr Sohn offenbar die gleichen elterlichen Defizite aufzuweisen droht, die sie einst gegenüber ihrer Mutter empfand. Das verleiht ihr einen durchaus berührenden Moment der Einsicht.
Die Geschichte selbst kündigt ihren Twist Stück für Stück an, wobei man viel auf die Melancholie einzelner Momente setzt und diese in den Fokus rückt, anstatt vordergründig auf einen riesigen Überraschungseffekt aus zu sein. Nun darf man sicherlich monieren, dass über die Laufzeit der etwas unter einer Stunde dauernden Folge an sich gar nicht wirklich viel passiert. Wer für das Gezeigte daher zu viel Geduld aufbringen muss oder ein paar Explosionen erwartet, wird mit der Serie sicher nicht warm werden.
Fazit
Tales from the Loop ist ein außergewöhnliches Projekt, das durch seine gediegene Erzählweise zum Entschleunigen einlädt und dabei gleichzeitig spannende Mysterien in Aussicht stellt, die eine gewisse Faszination ausüben. Die gelungene Ästethik gekoppelt mit den guten Leistungen der jungen Darsteller können in der Episode Loop ebenso wie das angedeutete Fingerspitzengefühl in puncto Zwischenmenschlichkeit für ein entspanntes und unterhaltsames Gesamtpaket sorgen. Nur wer bei der, zugegeben, (gewollt) nicht gerade rasanten Inszenierung Langeweile empfindet und sich nach mehr Dynamik sehnt, sollte sich wohl eher nach etwas anderem umsehen.
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Der Serientrailer zur Amazon-Serie Tales from the Loop:
Hier noch der erwähnte Trailer:
Lädt zum Entschleunigen ein.
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 3. April 2020Tales from the Loop 1x01 Trailer
(Tales from the Loop 1x01)
Schauspieler in der Episode Tales from the Loop 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?