Taken 1x01

Taken 1x01

Die Prequelserie zur Filmreihe Taken kommt nicht besonders gut aus den Startlöchern und besticht vor allem durch Langeweile und ein uninteressantes Thema. Den talentierten Fernsehschaffenden hinter und vor der Kamera gelingt es nicht, eine auch nur im Ansatz packende Geschichte zu erzählen.

Clive Standen in „Taken“ / (c) NBC
Clive Standen in „Taken“ / (c) NBC
© live Standen in „Taken“ / (c) NBC

Als das US-amerikanische TV-Network NBC im September 2015 die Serie Taken bestellte (und das sogar Direct-to-Series), war ich mit Sicherheit nicht der einzige, der ein paar Fragezeichen im Gesicht hatte. Eine Prequelserie zu dem gleichnamigen Filmfranchise mit Liam Neeson in der Hauptrolle, der sich nun schon durch drei brachiale Actionstreifen gemeuchelt hat, von denen eigentlich auch nur der erste wirklich etwas taugt? Braucht es tatsächlich eine Serienadaption dazu? Insbesondere, weil ich mir weitaus interessantere Geschichten vorstellen kann, als einer jüngeren Version von Bryan Mills dabei zusehen zu dürfen, wie er seine speziellen Fähigkeiten verfeinert und zur unaufhaltsamen Rachemaschine wird.

Der Reiz an dieser Figur, zumindest im ersten Film von 2008, ist doch, dass man eben nichts über ihn und seine Vergangenheit weiß, dass er wie er ein ganz normaler, sich sorgender Vater erscheint, der plötzlich kontrolliert Amok läuft, auf seine alten, längst eigenmotteten Fertigkeiten zurückgreift und in der Folge einfach nicht aufzuhalten ist. NBC und Serienschöpfer Alexander Cary (Homeland, Legends) sind jedoch der Meinung, dass der Charakter einiges mehr zu bieten hat, was man in einer Action- und Dramaserie doch ergründen könnte. Mit dieser Meinung könnten sie jedoch auf weiter Flur allein dastehen.

Devil's advocat

Die erste Folge von „Taken“ liefert nämlich kaum Argumente, warum es denn so spannend sein sollte, Bryan Mills in jüngeren Jahren auf seinem Werdegang vom Ex-Militär zum CIA-Agenten zu begleiten. Vielmehr präsentiert man uns zum Einstieg eine mit Klischees vollgestopfte, altbackene Rachestory, die unseren „Helden“ auf den Weg bringt und uns aufzeigt, welch traumatische Ursprünge doch seine Entwicklung zur Ein-Mann-Armee hatte. Der Plot ist derartig simpel, dass man sich zwischendurch eine Tasse Kaffee aufsetzen kann. Ironischerweise geht der Episode dann auch noch das abhanden, was den ersten Teil der Filmreihe vor fast zehn Jahren so frisch gemacht hat: handgemachte und aufregende Actioneinlagen, die den Zuschauer immer wieder durchschütteln. In der Serie läuft man hingegen eher Gefahr, gelangweilt wegzunicken.

Random psycho

Dabei hat man in Clive Standen (einigen sicherlich als Beserker Rollo aus Vikings bekannt, wo er seine Klasse bereits mehrfach nachgewiesen hat) einen guten Hauptdarsteller gefunden, der zwar nicht an das Niveau eines Liam Neeson heranreicht, aber durchaus den nuancierten Actionheld verkörpern kann. Hinter der Kamera nimmt indes niemand Geringeres als Alex Graves Platz, TV-Regisseur für Serienschwergewichte wie Game of Thrones, Homeland, The West Wing und viele mehr. Graves ist sogar als Executive Producer gelistet. Der Schuh drückt bei „Taken“ jedoch an anderer Stelle. Und zwar beim uninspirierten und faden Drehbuch von Alexander Cary.

Kurz zusammengefasst sehen wir in der Pilotepisode, wie Hauptfigur Bryan Mills, ein top ausgebildeter Ex-Militär, einen tragischen Verlust verkraften muss, als seine jüngere Schwester bei einem Überfall auf einen Zug ums Leben kommt. Dahinter steckt wiederum ein kolumbianischer Drogenbaron mit Verbindungen zu diversen Terrornetzwerken, dessen Sohn von Mills vor einigen Jahren getötet wurde. Der Drogenbaron will natürlich Rache und hat es auf unseren Protagonisten abgesehen. Dieser wird wiederum von einer geheimen Sondereinheit der Regierung als eine Art Lockvogel für den Oberfiesling benutzt, den man aus der Reserve locken will, um ihn richtig bluten zu lassen. Mills könnte indes zu einem wertvollen Mitglied dieser Ermittlergruppe werden. Immerhin hat er ganz besondere Fähigkeiten.

NBC
NBC - © NBC

Bait

Am frustrierendsten an Taken ist wohl, dass man wirklich jede Entwicklung der Handlung vorhersehen kann und das Drehbuch nicht einen Hauch von Originalität aufweist. Die Darstellerriege wird mit platten Dialogen versorgt, aus denen diese letztendlich nicht viel mehr machen können, als sie brav zu rezitieren. Insgesamt fehlt hier einfach etwas Feuer oder mal ein Element, dass etwas unerwartet kommt und mit dem man nicht gerechnet hat. Aber nein, selbst eine Entführung gibt es nicht zu sehen, woraufhin man sich schon fragt, warum das Ganze dann überhaupt „Taken“ heißt. Der Grund ist einfach: Um die Fans und Liebhaber des Filmfranchises zu locken, die sich dann aber wundern werden, wie öde die Auftaktepisode des Serienneustarts doch ist.

Mich persönlich hat es bereits verwundert, dass es einen zweiten und sogar dritten Teil zu den Filmen gegeben hat. Beide waren qualitativ nicht der Rede wert. Teil 1 hingegen konnte als einmaliges Actionerlebnis überzeugen. Letzten Endes markierte Liam Neeson mit dem knackigen Actionstreifen von Produzent Luc Besson die Renaissance eines gesamten Genres und wurde in den Folgejahren munter als alternder Actionheld typgecastet. Die „Taken“-Serie ist jedoch nicht nur ungemein behäbig ins Szene gesetzt, sie ähnelt in ihrer Machart auch kaum ihrer Vorlage. Okay, denkt man sich, eventuell versuchen die Verantwortlichen ja, einen etwas anderen Ton zu treffen. Wenn man mit der filmischen Grundlage für seine Serie aber derartig hausieren geht, dann sollte man auch in der Lage dazu sein, dementsprechend abzuliefern.

Defenseless

Sonst fabriziert man nur eine gewaltige Enttäuschung (sofern man denn Erwartungen hatte), und nichts anderes ist „Taken“. Clive Standen darf zwischendurch andeuten, was seinen Charakter so außergewöhnlich macht, die Art und Weise, wie dieser uns präsentiert wird, ist aber extrem vergessenswert und nicht wirklich erinnerungswürdig. Hier und da nimmt man sich einen Moment Zeit, um unseren Helden beim Trauern zu zeigen und zu verdeutlichen, dass sein Innenleben weitaus komplexer ist, als man auf den ersten Blick glauben würde. Aber auch bei dieser Charakterisierung folgt man einer ausgelutschten Formel, und so fiebert man schlussendlich nur selten oder gar nicht mit Bryan Mills mit, der sich als zentrale Figur bei Weitem nicht so reizvoll und interessant gestaltet, wie die Macher es sich wohl gedacht haben.

Already dead

Im letzten Drittel möchte man dann noch etwas Spannung durch einen kleinen Twist generieren, doch ich frage mich eher, wie der gesuchte, weltbekannte Drogenbaron so einfach in den USA sein Unwesen treiben kann, vor allem mit Blick auf die übermächtige Sondereinheit um Chefermittlerin Christina Hart (Jennifer Beals), die stets im Bilde über alles ist. Diese plant am Ende der Episode Bryan Mills zu rekrutieren (so geistesgegenwärtig wie er in der Serie dargestellt wird, braucht es dann doch ein ganzes Weilchen, bis bei ihm Groschen der fällt) und seine Talente für sich nutzen. Erwartet uns nun ein klassisches Procedural oder doch eher eine serielle Erzählung, wie Mills und seine neuen Mitstreiter das Imperium des gefassten Drogenlords zum Einsturz bringen wollen? Und selbst wenn, ist das wirklich so spannend oder nur die nächste lahme Allerweltsprämisse, die man uns hier auftischt?

Wenn Taken doch zumindest äußerlich etwas mehr zu bieten hätte, dann könnte man als Fan des Actiongenres gelegentlich noch das eine oder andere Auge zudrücken. Flotte Actionsequenzen? Gibt es nicht. Aufregenden Aufnahmen? Fehlanzeige. Das maue (oder nicht existente) Erzähltempo trägt eher dazu bei, dass die Schwächen des Formats nur noch umso deutlicher auffallen. Diese Prequelserie, die uns weder ein paar frische Ideen und unverbrauchte Ansätze noch ein paar gekonnte Anleihen ihrer filmischen Vorlage sowie einen Protagonisten geben kann, mit dem bangt und fühlt, hätte es wirklich nicht gebraucht.

Trailer zu „Taken“:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 28. Februar 2017

Taken 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Taken 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der ewige Agent
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 27. Februar 2017 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 28. Februar 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 29. Januar 2018
Autoren
Alexander Cary, Luc Besson, Robert Mark Kamen
Regisseure
Alex Graves, Alex Graves

Schauspieler in der Episode Taken 1x01

Darsteller
Rolle
Monique Curnen
Michael Irby
Jennifer Beals

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