S.W.A.T.: Kritik des Copserienremakes

S.W.A.T.: Kritik des Copserienremakes

Ihre sehr gewöhnliche Geschichte versucht die neue CBS-Polizeiserie S.W.A.T. durch die Fokussierung gesellschaftlich brisanter Themen aufzuwerten. Dafür fehlt ihr jedoch die Sensibilität. Überzeugen kann in der Pilotepisode lediglich die visuelle Umsetzung.

Das S.W.A.T.-Team im Einsatz / (c) CBS
Das S.W.A.T.-Team im Einsatz / (c) CBS
© as S.W.A.T.-Team im Einsatz / (c) CBS

Shawn Ryan hat einen großen Namen in der Community der Fernsehschaffenden. An seinen Allzeiterfolg mit The Shield konnte er jedoch bis heute nicht mehr anschließen. Das beste seiner Nachfolgeprojekte war wohl Terriers, aber diese kleine Serienperle kam nur auf eine Staffel. Auch sein US-Remake der britischen Dramaserie Mad Dogs wurde von Amazon nach nur einer Staffel abgesetzt. Nun versucht er sich erneut, dieses Mal bei einem Network, und heraus kommt mit S.W.A.T. leider ein wenig geglücktes Format.

Keep it clean

Für die Pilotepisode konnte immerhin der „Fast & Furious“-Regisseur Justin Lin gewonnen werden, der auch schon zwei Episoden der ansonsten misslungenen zweiten Staffel von True Detective inszenierte. Seine Arbeit ist denn auch das Beste, was man an diesem Auftakt finden kann. An gleich mehreren Action-Shots erkennt man, dass hier ein arrivierter Filmregisseur zu Werke gegangen ist. Das Budget konnte jedoch leider auch Lin nicht aufblasen, weshalb die meisten anderen Einstellungen nicht mehr sind als die üblich glatt-belanglose Network-Kost.

Diese Adjektive lassen sich leider auch auf Plot und Charakterzeichnung übertragen. Wie der Serientitel unschwer erkennen lässt, steht die Eliteeinheit der Polizei von Los Angeles im Mittelpunkt. Die Jungs und Mädels vom S.W.A.T.-Team werden immer dann gerufen, wenn die „normale“ Polizei mit ihrer Fachkenntnis und Schlagkraft am Ende ist. In der Auftaktszene sieht das so aus, dass eine Streife zufällig auf einen illegalen Waffenhandel stößt und sofort unter Beschuss genommen wird. Ein Funkspruch später brettert der Sondertrupp heran, inklusive Fanfaren und Waffenfetischisierung.

Der anschließenden Verfolgungsjagd kann Lin noch nicht seinen besonderen touch verleihen. Sie gerät eher langweilig, an ihrem Ende jedoch kommt es zu einer folgenschweren Entwicklung. Teamleader Buck (Louis Ferreira) schießt auf einen Flüchtenden, trifft dabei jedoch einen schwarzen Jugendlichen. Dank des beherzten Eingreifens von Daniel „Hondo“ Harrelson (Shemar Moore) überlebt der Junge, allerdings sorgt der Zwischenfall für ein erneutes Aufflammen der sich latent von der Polizei bedroht fühlenden schwarzen Bevölkerungsminderheit.

Um weiteren Schaden von dem sowieso schon schlechten Image des LAPD abzuwenden, lässt sich S.W.A.T.-Chef Hicks (Patrick St. Esprit) nicht lange bitten und entlässt Buck kurz darauf aus dem Dienst. An seiner Stelle soll nun Hondo die Einheit anführen, weil er schwarz ist und so ein klares Zeichen an die verärgerte Bevölkerungsschicht gesendet werde. Im Team sorgt die Entscheidung indes für Verstimmung: Eigentlich wäre Deacon (Jay Harrington) an der Reihe gewesen, befördert zu werden, aber er hat eben die „falsche“ Hautfarbe für die pikanten bevorstehenden Aufgaben.

Black or blue?

Am Ende stellt sich heraus, dass sämtliche Handlungsbögen - dazu gehört ein Anschlag auf eine überwiegend von Schwarzen besuchte Protestkundgebung sowie eine anonym eingegangene Drohung, dafür Rache zu üben - Teil eines großen Ganzen waren. Eine aus Ex-Militärs bestehende Gruppe wollte die Aufmerksamkeit der Eliteeinheiten für Aufgaben des Bevölkerungsschutzes einbinden, um so in Ruhe mehrere Banken ausrauben zu können. Hondo deckt den Plan jedoch rechtzeitig auf, sodass es dem Team gelingt, die Schwerverbrecher zu überführen. Ende gut, alles gut? Im CBS-Programm sicherlich.

Die angeschnittenen Themen sind indes nicht ansatzweise ausreichend behandelt worden. Mir stellt sich mittlerweile wirklich die Frage, ob man das überhaupt in einer Episode eines Procedural-Formats versuchen sollte. Die Zeit ist immer zu knapp und der Willen, ein Thema umfassend zu beleuchten, fast nie vorhanden. Deshalb sollte man sich lieber Geschichten ausdenken, die von Cyber-Terroristen oder Nuklearwaffen handeln oder ähnlich Abgefahrenem. Da wird es dann weniger ärgerlich als hier, wo man ein paar Schlagworte in den Raum wirft und diese unkommentiert stehen lässt.

Dem Themenkomplex Rassenverhältnisse stehen in einer Serie wie S.W.A.T. nämlich auch der völlig gedankenlose Umgang mit der Darstellung von Waffen und der dadurch ausgeübten Gewalt gegenüber. Wenn sich die Protagonisten auf den nächsten Einsatz vorbereiten, klicken Magazine, Helme werden justiert, Schusswesten gesichert. All das wird als cool inszeniert, und nicht als absolut notwendiges Übel, das es braucht, um die aus gesellschaftlichen Missverhältnissen geborene Kriminalität einzuhegen. Gerade angesichts solch fataler Ereignisse wie in Las Vegas oder nun in Texas sind das äußerst bedenkliche Inszenierungen. Aber solange die Zahlen stimmen, is' scho' alles recht, gell.

Diese Serie passen auch zu «S.W.A.T.»