Swamp Thing: Review der Pilotepisode

Swamp Thing: Review der Pilotepisode

DC Universe goes Horror in der neuen Comicadaption Swamp Thing. Anders als die früheren TV- und Filminterpretationen des Stoffes werden Grusel und Schock hier groß geschrieben und es wird fleißig bei zahlreichen Großmeistern zitiert. Wie ist der Auftakt gelungen?

„Swamp Thing“ (c) DC Universe
„Swamp Thing“ (c) DC Universe
© ??Swamp Thing“ (c) DC Universe

Dem bisherigen Output nach zu urteilen, hätte sich DC Universe im Realserienbereich auch fast Vertigo nennen können, wie der berühmte Unterverlag/Imprint von DC Comics, der durch Werke wie den neuen Serienhelden Swamp Thing, aber auch „Sandman“, „Preacher“, „Doom Patrol“, „The Invisibles“, „Fables“, „Transmetropolitan“ oder „100 Bullets“ für mehrere Jahrzehnte eine Pflichtanlaufstelle für Fans von erwachsenen US-Comicsagen war und gerne wieder wäre. Auch wenn „Image Comics“ aktuell eher einen besseren Job in diesem Bereich macht.

Selbst das eigentlich bunte Titans wurde für den Streamingdienst des großen US-Comicverlags bekanntlich zu einer düsteren Teamserie. Doom Patrol hat sich derweil um wöchentliche mindfucks bemüht und Swamp Thing taucht nun tief in die Sümpfe des Horrors ein. Dazu hat man Regisseur James Wan („Aquman“, „Saw“, „The Conjuring“) als Produzenten engagiert und lehrt die Zuschauerinnen und Zuschauer das Gruseln.

Das Ding aus dem Sumpf ist einer der Großväter von Vertigo und wurde durch die Runs der Autoren Rick Veitch und schließlich Alan Moore zur Semi-Indie-Comic-Legende. Später hatten auch Größen wie Brian K. Vaughn, Grant Morrison, Mark Millar, Andy Diggle oder Scott Snyder einen Run rund um den pflanzlichen (Anti-)Helden mit Ökobotschaft und starken Gruselvibes.

Ähnlich wie bei „Sandman“ gibt es in gewissen Kreisen einen regelrechten Kult um die Storys, die damals neue Grenzen der Comicerzählung ausloteten und Dinge zeigten und diskutierten, die Otto Normalleser kaum kannte. Auch mehrere Verfilmungen hat es schon gegeben, die aber aus technischer Sicht selten bleibenden Eindruck hinterließen und eher B-Movie-Qualität hatten.

Der neue Ansatz von „DC Universe“ kann sich optisch sehen lassen, was auch an der Arbeit von Produzent James Wan und Regisseur Len Wiseman („Underworld“-Reihe) liegen dürfte, der den Auftakt inszeniert.

Worum geht es in „Swamp Thing"?

Eine Reihe von mysteriösen Begebenheiten ereignet sich in den Sümpfen von Louisiana, genauer gesagt rund um Marais, der alten Heimat von Abby Arcane (Crystal Reed), die als Forscherin für das Center for Disease Control and Prevention (CDC) arbeitet und den Ursachen nachgeht. Es scheint eine Art tödlichen Virus zu umgehen, das seine Opfer wie Bäume oder Pflanzen entstellt.

Avery Sutherland (Will Patton) beauftragt derweil Alec Holland (Andy Bean), der Sache auf den Grund zu gehen und nach einem möglichen Heilmittel zu forschen. Die Wege der beiden und der örtlichen Gesetzeshüter kreuzen sich bald und immer wieder spielt der tödliche Sumpf und seine übernatürlichen Elemente eine Rolle, die einen von beiden bald zu etwas Neuem transformiert: Swamp Thing.

Das Ding aus dem Sumpf

DC Universe
DC Universe - © DC Universe

Was der Auftakt von „Swamp Thing“ in meinen Augen wunderbar hinkriegt, ist das Schaffen einer handgemachten beklemmenden Horroratmosphäre, obwohl viele der Effekte ohne Frage aus dem Computer stammen. Bei mir wurden im Verlauf der einstündigen Pilotfolge Erinnerungen an das frühe Schaffen von Sam Raimi und seiner „Evil Dead“-Reihe, John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“, aber auch dem legendären Body-Horror von David Cronenberg wach, was in der Serienwelt bisher als Horrorfarbe eher selten ist.

Klar, Supernatural hat in den bisherigen 14 Staffeln allerhand Horrorelemente geboten, das aber eben auch mit einem vergleichsweise kleinen The CW-Budget und mit gewissen Restriktionen des Networkfernsehens. Hannibal hatte schaurig-schöne und verstörende Körperkunstwerke, während Serien wie The Walking Dead oder Ash vs. Evil Dead den Gore-Faktor auf ein neues Level gehoben haben. „Swamp Thing“ reiht sich hier nahtlos ein und schlägt, wie beispielsweise Sleepy Hollow, in eine eher fantastische Richtung aus, kann aber sprachlich überdies auf die Pauke hauen und muss sich beim Streamingdienst nicht zurückhalten, was Fans der Vorlage in diesem Fall freuen dürfte. Schon in den ersten Minuten der Folge wird etabliert, dass es nicht zimperlich zugeht - und so bleibt es auch vorerst.

Der Score setzt ebenfalls auf die Suspense-Stimmung, klingt aber in meinen Ohren teils etwas abgedroschen. Das ginge sicherlich auch etwas innovativer und weniger altbekannt, wobei die Netflix-Produktion Dark bei mir vielleicht noch mehr als anderen Zuschauern einen Overkill mit gewissen Tönen verursacht hat, die für mich dann quasi „belastet" sind.

Die Gestaltung der Geschichte und der Hintergrundgeschichte ist langsam und überlässt den Zuschauern zunächst viel Eigenarbeit. Exposition wird also sparsam dosiert und nicht jede Info aufgedrängt. Es gibt zwar Andeutungen, warum Abby damals die Heimat verlassen hat, aber man muss sich noch einiges selbst zusammenreimen.

The Green

DC Universe
DC Universe - © DC Universe

Das Ensemble ist ordentlich gewählt und beim Zusammenstellen des Casts hat man zunächst auf den einen großen Star verzichtet, den man des Namens willen kennt und das Format deswegen einschaltet. Stattdessen scheint man sich, wie auch schon bei Arrow oder The Flash, für Darsteller entschieden zu haben, die zu den Figuren und ihren Charakterisierungen passen, wobei man Will Patton, Virginia Madsen und vor allem Jennifer Beals natürlich auch aus zahlreichen Serien und Filmen kennt. Das „Swamp Thing“ selbst sieht man bisher nur recht kurz, aber wie bei den anderen DC Universe-Produktionen sieht das Kostüm sehr wertig und der Figur würdig aus.

Die weiteren Folgen müssen nur zeigen, wie abwechslungsreich die einzelnen Kapitel gestaltet werden können. Denn schon in der ersten Folge, und das ist Meckern auf hohem Niveau, sehen die Sumpfszenen stellenweise recht ähnlich aus. Eben so, als ob bei den Sets nur begrenzt Spielraum für visuelle Abwechslung da wäre. Allerdings hat auch schon die Serie Legion gezeigt, wie man mit überdurchschnittlich hoher kreativer Energie aus wenigen Sets viel herausholen kann. Schön anzusehen sind die Pflanzen- und Asteffekte in der Pilotfolge aber allemal und, als der Virus dann zu Pflanzenzombies führt, ist das ein schönes visuelles Highlight.

Vor dem Serienstart machten Berichte die Runde, dass die Serie von 13 auf zehn Folgen zusammengekürzt wurde, was infrage stellt, ob es darüber hinaus weitergehen wird und ob der Streamingdienst selbst weiterbestehen wird, wenn WarnerMedia den neuen großen Dienst startet. Mal schauen, was die grüne Zukunft bringt.

Fazit - For adult viewers only

DC Universe
DC Universe - © DC Universe

Swamp Thing“ passt wie die Faust aufs Auge zu DC Universe und schenkt dem obskuren Helden, der bisher vor allem in Geschichten für erwachsene Leser beheimatet ist, eine zeitgemäße Serienumsetzung mit ordentlichem Horrorflair. Nun bleibt abzuwarten, wie philosophisch oder oberflächlich die Debütstaffel ausfällt und ob der im Auftakt etablierte Gruselfaktor erhalten bleibt.

Spannend bleibt außerdem die Frage, wo die weiteren DC-Universe-Serien mal in Deutschland landen werden. Nachdem Titans recht schnell von Netflix lizenziert wurde und das noch vor der Premiere bekannt wurde, wartet man bei Doom Patrol und „Swamp Thing“ weiter. Eine Auswertung bei Warner direkt scheint immer wahrscheinlicher zu werden. Wir bleiben natürlich dran.

DC Universe
DC Universe - © DC Universe

Hier kannst Du „Swamp Thing: Die Auferstehung der Toten“ bei Amazon.de kaufen

Diese Serie passen auch zu «Swamp Thing»