Survivors 1x01

Survivors 1x01

Die Mysteryserie „Survivors“ auf ZDFneo erzĂ€hlt die Geschichte von sechs Überlebenden eines BootsunglĂŒcks, die ein schreckliches Geheimnis hĂŒten. Warum es trotz interessanter PrĂ€misse hakt, verraten wir Euch in unserem Review.

Szenenfoto aus der Serie „Survivors“
Szenenfoto aus der Serie „Survivors“
© ZDF/Matheus Bertoni

Das passiert in „Survivors“

Ein Jahr ist vergangen, seit das Segelboot Arianna nach einem Sturm spurlos auf offener See verschwunden ist. Die Hinterbliebenen der zwölf Besatzungsmitglieder finden sich allmĂ€hlich mit ihrem schmerzlichen Verlust ab und treffen sich in einer Kirche zu einem Gedenkgottesdienst. Doch nur einen Tag spĂ€ter erreicht sie die erlösende Mitteilung, dass die Arianna mit sieben Überlebenden an Bord gefunden wurde. Doch wie konnten sie so lange auf dem Meer ĂŒberleben? Und wer ist die seltsame Frau, die sie angeblich aus dem Meer gerettet haben? StĂŒck fĂŒr StĂŒck offenbaren sich Geheimnisse, die niemals hĂ€tten ans Tageslicht kommen sollen.

Echos

Survivors hat eine interessante PrĂ€misse die sich partiell wie ein entferntes Echo auf den Mysteryserien-Kracher Lost anfĂŒhlt, wenn sich die eigentlichen Themen auch stark unterscheiden. Auf den narrativen Kern heruntergebrochen geht es jedoch hier wie da um eine Gruppe von Menschen, die sich in einer Ausnahmesituation ums Überleben kĂ€mpfend wiederfinden und in eine rĂ€tselhafte Geschichte voller Geheimnisse verwickelt sind. Grundlegend sind solche Konstrukte immer interessant. Die italienisch-deutsch-französische Ko-Produktion macht allerdings in den ersten drei Episoden eine Reihe von schwer auszubĂŒgelnden Fehlern, die den Unterhaltungswert dĂ€mpfen.

Gut ist zunĂ€chst erst einmal, dass der Plot auf zwei Zeitebenen angesiedelt ist. Der Löwenteil geht an die Gegenwart, der sich mit der RĂŒckkehr der Protagonisten Luca (Lino Guanciale), Marta (Camilla Semino Favro), Nino (Luca Castellano), Lorenzo (Giacomo Giorgio), Bianca (Maddalena Crippa) sowie der mysteriösen Alex (Sophie Pfenningstorf) befasst. Wir folgen den Figuren dabei, wie sie sich wieder in ihre alte Welt einfinden und versuchen, ihr Leben weiterzufĂŒhren, erleben aber auch mit, dass sie alle ein Geheimnis umgibt.

Zwei Zeitebenen

Dieser Teil der Geschichte wird immer wieder mit kurzen RĂŒckblenden durchbrochen, die die Ereignisse auf der Arianna hĂ€ppchenweise enthĂŒllen. So logisch der Aufbau an sich auch ist, birgt er hier ein großes Problem mit dem Zeitmanagement in sich. „Survivors“ ist nĂ€mlich so stark figurengetrieben, dass zu jeder Hauptfigur auch eine Reihe von Nebenfiguren gehören, die sich in endlosen Dialogen ergehen. Das zerrt arg am Tempo und an der Geduld, weil gefĂŒhlt einfach nichts Wesentliches geschieht.

Sicherlich, innerhalb der GesprĂ€che und den kurzen RĂŒckblenden offenbaren sich immer wieder kleine Fetzen, die den Mythos der Show voranzutreiben versuchen. Allerdings verweilen sie ĂŒber die ersten drei Episoden hinweg an der OberflĂ€che und gewĂ€hren uns keinerlei Einblicke in das, was Luca und seine Freunde getan oder vielleicht auch nicht getan haben.

So plÀtschern 156 Minuten Screentime vor sich hin, ohne wesentliche Erkenntnisse mitzubringen, Tempo aufzubauen oder den Spannungsbogen in die Höhe zu treiben. Insofern muss man eine ganze Menge Durchhaltevermögen mitbringen, um herauszufinden, was auf der Arianne geschah.

Mehr zeigen, weniger erzÀhlen

Luca (Lino Guanciale) und sein bester Freund Stefano (Fausto Sciarappa) in der Serie „Survivors“
Luca (Lino Guanciale) und sein bester Freund Stefano (Fausto Sciarappa) in der Serie „Survivors“ - © ZDF/Matheus Bertoni

Mit anderen Worten hĂ€tte dem Skript ein wenig vom altbekannten Autoren-Grundsatz „Show, don't tell“ gutgetan, denn gezeigt wird, wie bereits erwĂ€hnt, eigentlich so gut wie gar nichts. Summa summarum kommen wir damit auf einen stellenweise quĂ€lend langsamen ErzĂ€hlstil, was in Anbetracht der PrĂ€misse schade ist.

Hinzu kommt die erdrĂŒckende FĂŒlle an Figuren, mit der wir es zu tun bekommen. Nicht weniger als 23 Personen haben einen mehr oder weniger wichtigen Anteil an der Geschichte, wobei wir es mit sieben Überlebenden und 16 Familienmitgliedern zu tun bekommen. Im Großen und Ganzen laufen weite Teile von „Survivors“ also auf ein Familiendrama hinaus, die aber dramaturgisch zu wenig bieten, um uns wirklich tief in die Story eintauchen zu lassen.

Durchhaltevermögen

Interessanterweise schlich sich bei mir aber trotzdem nach und nach ein GefĂŒhl der Neugier ein. Das liegt vornehmlich daran, dass Drehbuchautorin Viola Risoli immer wieder interessante Details einstreut, die sich mal in bestimmten Gesten, mal in kurzen Monologen, einer Traumsequenz, und im Fall von Nino in seltsamen Zeichnungen wiederfinden.

Die letzten Minuten der ersten zwei Episoden halten zudem einen kleinen Cliffhanger bereit, wĂ€hrend der nĂ€chste Teil mit einem verwirrenden Wendepunkt endet, der einen spannungsvollen weiteren Verlauf der Staffel verspricht. Die Fragestellungen sind außerdem klar herausgearbeitet: Was ist wĂ€hrend des Sturms auf der Arianna geschehen? Wieso ging das Boot verloren? Weshalb blieb es ein Jahr lang verschollen und wie haben Luca und die anderen ĂŒberlebt? Wer ist die Fremde, deren Auftauchen am Ende der dritten Folge auf so geheimnisumwobene Weise thematisiert wird?

Und last but not least: Wer ist das MĂ€dchen, das Luca anklagend in seinen TrĂ€umen heimsucht, und die Nino in dĂŒsteren Zeichnungen verewigt? Fragen, die auch die Polizistin Anita (Pia Lanciotti) umtreiben, die auf der Arianna ihren Sohn verlor, derer Schwiegertochter aber ĂŒberlebte und nun im vierten Monat schwanger ist. Aber von wem, und wenn von Anitas Sohn, was ist ihm dann widerfahren?

Fazit

Der Riesenwust an RĂ€tseln, die da in „Survivors“ vor dem Publikum aufgetĂŒrmt wird, hat ohne Frage Potential, braucht aber, wie oben erwĂ€hnt, einen viel zu langen Anlauf, um durchgehend zu unterhalten. Warum muss ich mich fast drei Stunden lang mit endlosen Dialogen herumschlagen, die viel zu oft lediglich auf ein Familiendrama hinauslaufen? Was nĂŒtzt es, eine wunderschöne, von Geigen, Bratsche und Cello angefĂŒhrte Musik mit Barockelementen zu hören, die am Ende aber mehr bedeutungsschwanger als szenisch unterstĂŒtzend wirkt? Und weshalb bietet man mir ein grundsĂ€tzlich spannendes Setting, lĂ€sst mich aber am langen Arm verhungern?

Es ist Ă€rgerlich. Die schauspielerischen Leistungen gehen voll in Ordnung, die Idee ist super und die vielen Andeutungen machen neugierig. TatsĂ€chlich will ich mehr erfahren und das RĂ€tsel um die Arianna lösen. Aber bitte in den kommenden immerhin rund neun Stunden mit etwas mehr Tempo und einem ausgeglicheneren Zeitmanagement in Bezug auf die Anteile in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Ich möchte etwas zu sehen bekommen und nicht nur endlosen DialogwĂŒsten folgen. Das, was ich wirklich wissen will, findet eindeutig auf der Arianna statt, also lasst mich dort mehr Zeit verbringen.

FĂŒr den etwas schleppenden Start mit Potential gibt es unter dem Vorbehalt der steigenden Tendenz drei von fĂŒnf Masten.

Hier abschließend noch der Trailer zur hier rezensierten MysteryserieSurvivors“ auf ZDFneo:

Verfasser: Reinhard Prahl am Sonntag, 16. Juli 2023
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Survivors 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Arianna
Titel der Episode im Original
Il ritorno
Erstausstrahlung der Episode in Italien
Montag, 3. Oktober 2022
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 16. Juli 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Sonntag, 16. Juli 2023
Autoren
Massimo Bacchini, Sofia Bruschetta, Ivano Fachin
Regisseur
Carmine Elia

Schauspieler in der Episode Survivors 1x01

Darsteller
Rolle
Lino Guanciale
Fausto Maria Sciarappa
Pia Lanciotti
Raffaella Rea
Florian Fitz
Camilla Semino Favro
Alessio Vassallo
Luca Castellano
Sophie Pfennigstorf
Maddalena Crippa

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?