Starz' neuester Serienversuch Survivor's Remorse feiert einen soliden Auftakt. Auch wenn man sich noch nicht ganz sicher sein kann, was das Format eigentlich sein möchte. Einige Elemente der Pilotepisode sind ein wenig verwirrend, doch Potential ist definitiv erkennbar.

Offizielles Promoposter zu Starz' neuer Basketball-Dramedy „Survivor's Remorse“ / (c) Starz
Offizielles Promoposter zu Starz' neuer Basketball-Dramedy „Survivor's Remorse“ / (c) Starz

Der Pay TV-Sender Starz ist in den letzten paar Jahren zu einer kleinen Größe im amerikanischen Fernsehgeschäft aufgestiegen. So brachte man zum Beispiel einen Kritikerliebling wie Boss hervor oder eben sehr einfache, doch kurzweilige Unterhaltung, siehe Spartacus oder Black Sails. Mit Outlander nennt der Sender nun eine neue Serie sein Eigen, die auf einer sehr beliebten Buchserie fußt und dadurch eine große Fanschar mit sich bringt. Sicherlich lässt sich über die Qualität mancher Produkte von Starz streiten, doch der Sender probiert sich stets an verschiedenen Genres und scheut selten das Risiko.

Nachdem man vor ein paar Monaten mit dem Drama Power bereits eine Serie vorstellte, in der afro-amerikanische Charaktere mehr in den Fokus rücken, wird nun mit der Sport-Dramedy Survivor's Remorse ein weiterer Schritt in diese Richtung getan. Dies ist durchaus löblich, tun sich Serien mit einer Vielzahl afro-amerikanischen Darsteller und Figuren doch vergleichsweise schwer auf dem Fernsehmarkt, auch wenn sich in den letzten Jahren unter einigen Fernsehschaffenden ein kleiner positiver Trend hin zu mehr Diversität und kultureller Vielfalt in ihren Formaten durchgesetzt hat.

You gotta give back

Dieser Aspekt von „Survivor's Remorse“ ist ohne Frage ein positives Merkmal der neuen Starz-Serie, doch das allein macht noch kein sehenswertes Format. Auch die Figurenzeichnung muss überzeugen, die Dynamik und unterschiedlichen Konflikte unter den agierenden Protagonisten sollte fesseln und interessieren können.

Hier stellt sich das erste kleine Problem von „Survivor's Remorse“ ein: Es ist zwar bei Weitem nicht so, dass diese Serie extrem langweilt oder nichts von größerem Interesse anbieten kann. Dennoch kommt man nicht umher festzustellen, dass der Funke in der Pilotepisode einfach noch nicht richtig überspringen will. Das mag vielleicht an der eigenartigen Erzählstruktur liegen (die eigentlich nicht weiter außergewöhnlich ist) oder an manchen Figuren, die einen komischen ersten Eindruck hinterlassen. Es fällt mir wirklich schwer, zu sagen, was es ist, das mich hier noch stört.

Gemeinsam auf der Überholspur: Cam (Jessie Usher) und Reggie (RonReaco Lee). © Starz
Gemeinsam auf der Überholspur: Cam (Jessie Usher) und Reggie (RonReaco Lee). © Starz

That's my boy

In „Survivor's Remorse“ steht Basketball-Wunderkind Cam Calloway (Jessie Usher) im Mittelpunkt des Geschehens, der nach einiger Zeit in seiner Heimatstadt Boston nun den vergoldeten Weg nach Atlanta einschlägt, um dort für das ansässige Basketballteam auf Punktejagd zu gehen. Während Cams rasanten Aufstiegs zum Megastar ist ihm sein Cousin Reggie (RonReaco Lee) nie von der Seite gewichen. Reggie ist Manager, PR-Berater, Motivator und bester Freund in Personalunion und zieht mit seinem Kindheitsfreund nun gemeinsam nach Atlanta, um dort die Erfolgsgeschichte von Cam Calloway weiterzuerzählen.

Neben Reggie kann sich Cam auch auf seine illustre Familie verlassen, auf seine überstolze Mutter Cassie (Tichina Arnold), seine lesbische Schwester M-Chuck (Erica Ash) oder Lebemann-Onkel Julius (Mike Epps). Doch der Erfolg bringt neben einigen Neidern auch so manchen wahren Charakter ans Licht, der gerne ein Stückchen vom Kuchen abhaben möchte - selbst aus den eigenen Reihen. Eine Mammutaufgabe für Reggie, für Cam die Übersicht zu behalten und die Lebensplanung des jungen Stars sinnvoll und überlegt voranzutreiben.

Thank you for not aborting me

Die verschiedenen Charaktere in Survivor's Remorse sind durchaus in der Lage dazu, ihren eigenwilligen Charme zu versprühen. Insbesondere die Nebenfiguren machen dabei auf sich aufmerksam, so zum Beispiel Tichina Arnold als Cams mit allen Wassern gewasche Mutter. Auch zwischen Usher und Lee ist eine gut funktionierende Chemie zu erkennen, beide verkörpern sehr verschiedene Persönlichkeiten, deren Zusammenspiel glaubhaft inszeniert ist. Die Dialoge sind ab und an vielleicht ein wenig zu aufgebläht geschrieben, dennoch kann man an den Charakteren bis auf in ein paar komischen Situationen gefallen finden.

Eine dieser Situation ist zum Beispiel der plötzliche Sinneswandel von Cam, seinen neuerlichen Reichtum mit den Leuten zu teilen, die er in seiner alten Heimat zurückgelassen hat und die weniger vom Glück gesegnet sind als er. In der einen Sekunde will er sein Geld noch für einen protzigen Aston Martin mit funkelnden Felgen ausgeben, in der nächsten zeigt er sich als kleiner Samariter mit schlechtem Gewissen. Diese Figurenzeichnung ist in der Tat ein wenig holprig geraten.

Top-notch negotiating

Was man wohl erst nach ein paar Episoden richtig bewerten kann, ist, inwiefern „Survivor's Remorse“ eine klassische „rags to riches“-Geschichte vom benachteiligten Jungen aus ärmlichen Verhältnissen oder vielleicht doch auch ein bisschen Satire auf das heutige Gehabe von (Medien-)Stars und berichterstattenden Institutionen ist. Mir scheint, als wolle man beide Elemente miteinander kombinieren. Cams Pressekonferenz, die als kleine Persiflage auf den durch die Medien inszenierten Erfolgsrummel gesehen werden kann, macht einen ziemlich überzeichneten Eindruck. Andererseits machen wir auch einen Abstecher in Cams Vergangenheit, in seine soziale Herkunft und erfahren von ersten Leichen im Keller (auf Band festgehaltene, stark rassistische Äußerung als Jugendlicher), über die sich diverse Fernsehsendungen schnell die Mäuler zerreißen.

Dies ist kein uninteressanter Ansatz, jedoch hatte ich bei der Sichtung der Pilotepisode mehr als einmal das Gefühl, die Serienmacher (Basketballstar Lebron James fungiert übrigens als Produzent) wüssten noch nicht recht, was für Töne sie wann anschlagen sollen. Und so mäandern sie ein wenig durch die Genres, bauen sowohl dramatische als auch amüsante Momente ein, was zwar für eine gelungene Abwechslung sorgt, jedoch auf der anderen Seite noch nicht richtig erkennen lässt, was man mit „Survivor's Remorse“ wirklich vorhat.

Not an enabler

Wenn es nämlich bei der einfachen Geschichte der unbekannten Basketball-Perle zum Top-Star bleibt, könnte es doch recht schnell öde werden. Und so bleibt nur zu hoffen, dass man die gelegentlich recht bissigen Kommentare auf unsere Gesellschaft beibehält. Diese sind hier zwar nicht sehr subtil verpackt, bieten aber dennoch etwas mehr thematische Tiefe. Tiefe haben, wenn man ehrlich ist, auch einige Interaktionen unter den Figuren nötig, ziehen sich doch nicht wenige Gespräche über Karriereplanung oder Familienbande länger hin, als es eigentlich sein müsste. Hier sollte man einige Ausführungen der Figuren - so authentisch diese auch sein mögen - in Zukunft etwas mehr straffen, um die Abläufe der Handlung ein wenig temporeicher zu gestalten.

Ein Wermutstropfen ist zweifellos, dass es in der Auftaktepisode zu dieser Basketball-Serie nicht eine Aufnahme zur Sportart gibt. Und so viel sei verraten: Auch in der zweiten Episoden wartet man vergeblich auf ein paar dynamische inszenierte Sportsequenzen, die dem Einstieg in den Starz-Serienneustart abwechslungsreicher hätten machen können. Ganz zu schweigen davon, dass ein knackiges Trainingsmatch von Cam wahrscheinlich mehr Spaß gemacht hätte, als das nächste Gespräch zwischen Reggie und seinem Schützling, dass einzig und allein Expositions-Charakter hat.

Die beiden Hauptfiguren im Gespräch. © Starz
Die beiden Hauptfiguren im Gespräch. © Starz

Fazit

Survivor's Remorse“ hat sicherlich einiges an Potential, die Besetzung stimmt im Großen und Ganzen (Chris Bauer (The Wire übernimmt zum Beispiel eine weitere Nebenrolle) und die Prämisse ist auch nicht die uninteressanteste. Nun heißt es abwarten, was die Macher hier rausholen können und ob man die recht deutlichen Schwächen der Pilotepisode abstellen kann. Ein paar Mal macht es sich dann nämlich doch ein wenig zu einfach - die obligatorisch-freizügige Sexszene ohne weitere Bewandnis á la Starz inbegriffen.

Das Format sieht optisch nicht schlecht aus, die immer wiederkehrenden Splitscreen-Aufnahmen sind ein gelungens visuelles Mittel, um die Übergänge zwischen den verschiedenen Handlungssträngen ansprechend zu gestalten. Wenn man nun noch ein Art roten Faden etablieren kann oder ein für den Zuschauer greifbare Absicht formuliert, was uns „Survivor's Remorse“ sagen möchte, wäre ich sehr dankbar. Denn oft genug kam mir der Eindruck, das in der Auftaktepisode Gezeigte wäre weder Fisch noch Fleisch. Hier fehlt es noch an etwas Feinschliff, den man sich in der zweiten Episode zu „Survivor's Remorse“ zum Teil angenommen hat. Meiner Meinung nach geht es aber noch besser.

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