Superman & Lois: Review der Pilotepisode

Superman & Lois: Review der Pilotepisode

Die neue Serie Superman & Lois präsentiert einen Superman, der Familienvater ist. Eine persönliche Tragödie und Veränderungen im Job führen ihn zurück nach Smallville. Der Auftakt kommt überraschend filmisch daher.

Poster zu Superman & Lois (c) The CW
Poster zu Superman & Lois (c) The CW
© oster zu Superman & Lois (c) The CW

Serien mit Superman (oder Superverwandten) im Zentrum sind keine Seltenheit. Smallville, Supergirl, Krypton, „Superboy“ oder auch Lois & Clark - The New Adventures of Superman haben gezeigt, dass ein Bedarf besteht. Oft war Superman selbst aber entweder jung oder zumindest ledig. Das Besondere an der neuen Arrowverse-Serie Superman & Lois, die bei The CW gestartet ist, ist der verheiratete Familienvater Clark Kent (Tyler Hoechlin) im Zentrum. Der Trend zum Superdad ist auch in den zentralen Comicreihen „Superman“ und „Action Comics“ momentan der Status quo. Dort allerdings nur mit einem Sohn namens Jonathan, der die Superboy-Identität annimmt. Durch die „Crisis on Infinite Earths“ hat sich das Arrowverse geändert. War Lois (Elizabeth Tulloch) währenddessen noch schwanger, haben die Kents danach nun zwei Teenagersöhne. Hier setzt die neue Serie an und stellt die Zuschauer vor veränderte vollendete Tatsachen.

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Super Sons?

The CW
The CW - © The CW

In einer Kurzfassung sehen wir Supermans übliche Origin-Story: Er landet als Kleinkind in Smallville und wird von Jonathan und Martha Kent wie ihr eigener Sohn in Smallville großgezogen. Von ihnen lernt er, wie man ein guter, moralischer Mensch wird. Als sein Dad stirbt, zieht es Clark nach Metropolis. Hier wird er als Superheld Superman tätig (in einem Kostüm, das an seine ersten Comicauftritte erinnert und hier von Martha gemacht wurde) und lernt Lois beim Daily Planet kennen und lieben. Bald weiht er sie in sein Geheimnis ein und heiratet sie.

Dann werden die Zwillinge geboren. Während Jonathan (Jordan Elsass) immer glücklich war und gelacht hat, war es bei Jordan (Alexander Garfin) schwieriger, denn bei ihm wird eine soziale Phobie (social anxiety disorder) diagnostiziert, die sich in Stimmungsschwankungen und Albträumen gezeigt hatte.

Bis zum Serienstart lebte die Familie in der Großstadt Metropolis, doch dann erleidet Martha Kent einen Schlaganfall und stirbt. Die Familie muss sich entscheiden, was mit der Familienfarm passieren soll und kehrt kurzerhand nach Smallville zurück. Nebenbei wird Superman bei einem Reaktorvorfall von Sam Lane (Dylan Walsh) zur Hilfe gerufen. Superman gelingt es, die Lage zu entschärfen, doch später kommt heraus, dass es kein Unfall, sondern ein Anschlag war. Zu allem Überfluss wird Clark auch noch beim Daily Planet gefeuert, denn der neue Besitzer Morgan Edge scheint eine große Anzahl von Stellen abzubauen. Das klingt wie die Chance für einen Neuanfang in der alten Heimat.

In Smallville treffen Jordan und Jonathan auf ihre alte Bekanntschaft Sarah Cushing (Inde Navarrette), an der Jordan ein Interesse entwickelt. Die Jungs wissen zu diesem Zeitpunkt noch nichts über ihren weltberühmten Superheldenvater, doch kommen dem Geheimnis im Laufe des Auftakts auf die Spur. Lois und Clark haben zuvor schon öfter diskutiert, ob man sie ins Vertrauen nehmen sollte, doch man hatte bisher wohl eher Sorgen um sie. Besonders auch deswegen, weil man nicht wissen konnte, wie sie damit umgehen und ob einer oder gar beide Superkräfte haben.

Auf einer Party in Smallville küsst Jordan dann Sarah, was ihr Freund sieht und es entsteht eine Prügelei. Dabei kommt heraus, dass es Jordan und nicht Jonathan ist, der nach seinem Vater kommt.

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Smallville Sadness

The CW
The CW - © The CW

Superman & Lois ist - zumindest im Auftakt - sehr viel filmischer gehalten als beispielsweise Arrow, The Flash, Supergirl oder Batwoman und fängt damit das Americana-Gefühl aus Storys wie „Superman - For all Seasons“ oder Geoff Johns und Francis Manapul „Adventure Comics“ sowie den frühen Kinofilmen mit Christopher Reeve sehr gut ein. Es wirkt ein bisschen so wie die Superheldenfassung von This Is Us oder Friday Night Lights (und Terrance-Malick-Filmen). Bisweilen fügt sich das nicht unbedingt natürlich in das bisher etablierte Arrowverse ein, aber es ist nicht der schlechteste Ansatz, sich etwas davon abzugrenzen, denn so wirkt die Serie trotz Super-Kryptonier doch bodenständiger als manch anderer Vorgänger.

Der Kern der Figur wird ebenfalls nicht mit Füßen getreten, wie es zuletzt bei Zack Snyders Interpretation geschehen ist. Die Balance zwischen Verantwortung für die Welt und Verantwortung für die eigene Familie klappt hier jedenfalls besser als dort. Superman ist ein unverbeserlicher Weltenretter und kann und sollte in gewissen Situation einschreiten, dabei aber auch nie die normalen Menschen um sich herum vergessen, denn so haben ihn Ma und Pa Kent erzogen. Im Zusammenspiel mit Lois muss er hier aber auch abwägen, was jeweils das Beste für seine Familie ist. Ein zentraler Konflikt ist dabei die Frage, ob er häufig genug für sie da ist. Jordan muss beispielsweise in Therapie gehen und im Laufe des Piloten wird angesprochen, wie die Kleinstädte ihre Bevölkerung verlieren, dass Depressionen hier an der Tagesordnung sind und auch Drogenprobleme, wie etwa Meth, trotz Superhelden auftreten können.

Anders als in Smallville fühlt sich die Stadt also schon jetzt dreidimensionaler an, aber die Zeiten ändern sich eben auch, was die Erzählung angeht. Als das langlebige „Superman“-Prequel damals losging, gab es noch längst nicht so viele Superheldenserien wie heute. Während „Smallville“ anfangs auf die Meteoriten-Freaks-der-Woche setzen musste (ähnlich war es mit der Liste bei Arrow und dem Reaktorvorfall bei The Flash in der ersten Staffel auch), scheint Superman & Lois direkt eher wie ein Serial angelegt zu sein.

Außerdem schwingt im Piloten der Name Morgan Edge immer im Hintergrund mit, der dadurch omnipräsent zu sein scheint. Er hat nicht nur den Daily Planet gekauft, sondern auch die Minen in Smallville und steckt wohl auch hinter der Bank, für die Lana Lang-Cushing (Emmanuelle Chriqui) arbeitet. Das sieht Lois kritisch und das wird sie/uns wahrscheinlich in den weiteren Folgen beschäftigen.

Super-Familie

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The CW - © The CW

Den Super-Familienansatz finde ich persönlich durchaus spannend und der Twist, dass es Jordan und nicht Jonathan ist, der Superkräfte erbt, ist ebenfalls okay. Das kann sich ja ohnehin auch noch ändern, so dass auch Jonathan irgendwann „super“ ist. Das brüderliche Band ist ebenfalls glaubhaft gestaltet und hat bisher die richtige Mischung aus Rivalität und Zusammenhalt. Die Brüder sind verschieden genug und ihre Schauspieler im Ersteindruck gut gewählt. Manchmal bin ich beeindruckt, wie man solche Ähnlichkeit zueinander und den Serieneltern erzielen kann, ohne dass irgendjemand wirklich miteinander verwandt ist. Movie magic! Die Familiendynamik hat in meinen Augen auch der Comicvorlage gutgetan, bei der etwa Werke der Autoren Peter J. Tomasi oder Brian Michael Bendis zu meinen liebsten Superman-Comics der letzten 20 Jahre gehören.

Lois und Clark müssen sich jedenfalls im Verlauf der Folge mit dem Gedanken anfreunden, die Farm entweder zu verkaufen oder zu übernehmen. Martha Kent wollte wohl, dass Clark sie übernimmt und es insgesamt etwas langsamer angehen lässt, denn ehe man sich versieht, sind die Jungs, die zum Start der Serie 14 Jahre alt sind, flügge...

The Stranger

Neben dem Familienaspekt braucht natürlich auch Superman eine Herausforderung, die in Form der Figur The Stranger (Wole Parks) eingebaut wird. Diese Person zeichnet für den Reaktorvorfall verantwortlich. Später konfrontiert sie Superman in einer Schutzrüstung und sorgt für einen Kampf, der auch außerhalb der Erdgrenzen ausgetragen wird. Diese Person kennt diverse Schwächen und Limitierungen von Superman, etwa gegen Blei und Kryptonit und sticht mit letztgenanntem sogar im Weltall auf ihn ein. Sie gibt sich als letzter Überlebender seines Planeten und scheint eine Vendetta gegen Superman zu führen.

Am Ende der einstündigen Folge kehrt besagte Person dann ins eisige Hauptquartier zurück und wird mit dem Namen „Captain Luthor“ begrüßt. Da Jon Cryer im Arrowverse schon als Lex Luthor etabliert wurde und in Supergirl eine Rolle spielt, handelt es sich wohl um einen Luthor einer parallelen Erde respektive Dimension. Es ist natürlich durchaus interessant, dass man diesen Teil der Identität also schon so früh preisgibt. Aber im Verlauf der Staffel werden die genauen Hintergründe sicherlich ausgerollt.

Fazit

The CW
The CW - © The CW

Ich muss sagen, dass ich eine richtige „Superman“-Serie mit allem Drum und Dran ein wenig vermisst habe. Besonders auch, weil ich, wie bereits erwähnt, Zack Snyders Interpretation nicht unbedingt für die würdigste halte. Darum freue ich mich, dass man bei The CW den Kern der Figur verstanden und um den Familienaspekt erweitert hat. Ich bin gespannt, wie das bei den US-Zuschauern ankommt und wie es im weiteren Verlauf der Serie gestaltet wird. Bei Teenagerfiguren herrscht natürlich immer die Gefahr, dass sie zu Nervensägen geschrieben werden, sich dämlich benehmen müssen oder deren Launenhaftigkeit für die Zuschauer anstrengend wird. Hoffentlich kann man diese Fallen vermeiden.

Gespannt kann man auch sein, ob der cinematische Look bei den weiteren Folgen erhalten bleibt. Aber schon Stargirl hat gezeigt, dass eine The CW-Serie so aussehen kann, auch wenn diese natürlich ursprünglich für DC Universe gedacht war. Dass man damit vom vorher etablierten The-CW-Look abweicht, finde ich ebenfalls nicht falsch. Dass alle Effekte mit dem Kino mithalten können, erwartet wohl auch niemand (siehe beispielsweise einige Schwächen beim Reaktorvorfall). Den Auftakt halte ich trotzdem für einen der besseren Arrowverse-Starts bisher und vor allem die ersten Minuten haben mir vorzüglich gefallen.

Hier abschließend schon mal der Trailer zur nächsten Episode der gerade gestarteten US-Serie Superman & Lois, Heritage (1x02):

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