Super Crooks 1x01

Super Crooks 1x01

Die Anime-Serie Super Crooks von Mark Millar und seinem Millarworld-Label, das seit einigen Jahren Netflix gehört, spielt im gleichen Universum wie Jupiter's Legacy. Statt Helden sind jedoch Schurken im Zentrum der Handlung. Wie ist der Ersteindruck?

Szenenfoto aus der Episode Electro Boy der Serie Super Crooks (c) Netflix/Millarworld
Szenenfoto aus der Episode Electro Boy der Serie Super Crooks (c) Netflix/Millarworld
© zenenfoto aus der Episode Electro Boy der Serie Super Crooks (c) Netflix/Millarworld

Das Konzept des Shared Universe wird öfter mal im Genrebereich probiert, scheitert aber mit wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel dem MCU oder dem „Monsterverse“ rund um Godzilla. Bei den eher als Procedurals ausgelegten Serien lässt es sich derweil häufiger umsetzen, wie NCIS, CSI: Crime Scene Investigation, Law & Order oder sonstige Lebensretterserien der Networks vormachen.

Vor wenigen Monaten setzte Mark Millar große Hoffnungen auf seine Realserien-Adaption seines Superheldenepos Jupiter's Legacy - und scheiterte krachend. Kreative Differenzen, lange Produktionszeit, aber auch fehlende Nachfrage (und vielleicht auch Kritikerschelte...) führten zur Absetzung nach der ersten Staffel. Unsere Staffelkritik findet Ihr hier.

Das Universum rund um die Union of Justice und den Utopian ist aber noch nicht begraben, denn mit der Anime-Adaption Super Crooks gibt es nun die Schurkenseite der Medaille zu sehen. Das Animationsstudio Bones steht hinter der Netflix-Animeserie. Die Comic-Vorlage hat Mark Millar mit Zeichner Lenil Francis Yu („Secret Invasion“, „Wolverine“) umgesetzt.

Worum geht es in Super Crooks?

In der ersten Folge erleben wir die „Origin-Story“ von Johnny Bolt aka Electro Boy, der eines Tages per Zufall merkt, dass er elektrische Pulse von sich geben kann. Das reicht von Lichtschalterkontrolle über Zigarettenanzündung, bis hin zu Geldautomatenmanipulation.

Im Auftakt bezeugen wir hierbei eine klassische Superheldengeschichte, die jedoch nicht so endet, wie man es sich wünschen würde... Zusammen mit seinem Kumpel Tom probiert er die Kräfte aus, designt ein Kostüm und denkt sich den von einem Videospiel inspirierten Heldennamen aus.

Das erinnert an eine Mischung aus „Shazam“, Elektro und „Kick-Ass“ (Letzteres stammt übrigens auch von Millar). Die Parallelen zu seinem eigenen Werk sind recht groß, dennoch ist das erste Kapitel kurzweilig, aber irgendwie auch altbekannt - bis zu der Situation im Schwimmbad. Als dieses erwähnt wurde, dachte ich mir bereits, dass die erste „Heldentat“ auf einen Super-GAU zusteuert - und genau das passiert auch. Schulkameraden werden geschockt, wenn nicht sogar gegrillt. Die Panik führt zu Verkehrsunfällen, zu einer Tankstellenexplosion und sogar Schweine fliegen herum und schwimmen im Pool. Statt also zum Helden zu werden, sieht Johnny, dass auch Geldautomaten auf ihn reagieren, was ihn dann über kurz oder lang in den Knast bringt, in welchem er eine Weile bleibt...

Einige Jahre später steht in der Folge Kasey Johnnys Entlassung an und er sucht nach dem großen Ding. Einige Ideen tun sich auf, doch die naheliegendste kommt vom sogenannten Superschurkennetzwerk. Zehn Juweliere sollen in zehn Minuten (mithilfe Motorräder) überfallen werden. Polizei und Sicherheitsdienste dürfte das überfordern und die Beute wäre recht groß. Freundin Kasey, die andere per Gedanken manipulieren kann, findet die Idee nicht gut, doch Johnnys Kumpel können ihn breitschlagen. Natürlich geht nicht alles wie geplant. Doch das ganz große Ding wartet noch auf die Bande...

Electro Boy

Schaut man die erste Episode und schaut man sich die Episodentitel an, dann könnte man meinen, dass in jeder Folge ein Teil der Crew mit einer „Origin-Story“ vorgestellt wird und erst im Finale der große Heist steigt. Das ist in den ersten beiden Episoden aber nur bedingt der Fall, denn statt einer Art Superschurken-Anthologie geht die eigentliche Geschichte ab der zweiten Folge los und führt uns in die Unterwelt ein, indem man uns ein paar Hintergründe zum Netzwerk, zu Johnny und seinen Kumpel zeigt und auch den großen Mr. Matt aka der Bastard vorstellt, der sehr viele Leichen im Keller hat und dem sein Ruf vorauseilt. Wagt man es tatsächlich, ihn anzugreifen? Das müssen die weiteren Folgen zeigen...

Als Idee einer Ergänzung zu „Jupiter's Legacy“, finde ich, ist eine Animeserie ein guter und lohnenswerter Ansatz. 13 halbstündige Folgen hat man Zeit, der Fantasie freien Lauf zu lassen. In dem Bereich lassen sich gerne mal sehr grenzwertige und schwarzhumorige Ideen für Gewalt, Sex und Extreme hervorragend darstellen, ohne allzu sehr auf Kostüme oder Budget zu achten, weswegen ich glaube, dass „Super Crooks“ hier besser aufgehoben ist, als es „Legacy“ als Realserie war.

Die Figuren sind zwar interessant, aber insgesamt dennoch nichts, was man nicht schon in anderen Werken gesehen hätte. Johnny ist ein Slacker mit Träumen vom großen Ding und einfachen Gelüsten, der nicht viel weiter denkt als bis zum nächsten großen Raub, obwohl ihm seine Freundin klarmacht, dass es nicht die beste Idee ist, kurz nach der Freilassung wieder auf die schiefe Bahn zu geraten.

Millar liebt es einfach, bekannte Konzepte zu nehmen und sie mit dem einen oder anderen kleinen Twist zu präsentieren. Bei „Nemesis“ etwa: Was wäre, wenn „Batman“ der Schurke wäre? Oder bei „Kick-Ass“: Was wäre, wenn ein Normalo zum Vigilant wird und auf die Fresse kriegt? Hier ist es wohl einfach „Ocean's 12“ mit Crooks, so dass man gespannt sein kann, was im weiteren Verlauf der Folgen geplant ist.

Studio Bones ist ein passendes Studio für den Stil der Serie, die ich mir im japanischen Original angeschaut habe, welche aber trotzdem weiterhin viel im amerikanischen Raum, vor allem in San Francisco, spielt. Mit „My Hero Academia“ oder „Fullmetal Alchemist“ hat man einige Werke auf der Vita, die sie zu logischen Umsetzern von „Super Crooks“ machen.

Fazit

Netflix
Netflix - © Netflix

Man wird den Eindruck nicht los, dass das Konzept von Super Crooks vielleicht etwas zu konventionell für Animes aus dem Studio Bones ist, wobei ich das bisher nur an den ersten beiden Folgen ausmachen kann. Dennoch werde ich mir sehr wahrscheinlich die ganze Serie anschauen und dann noch mal evaluieren. Allerdings dauert es mindestens bis zur dritten Folge, ehe deutlich wird, wohin die Serie in Wirklichkeit will. Bei 20-Minütern ist das nicht so schlimm wie bei Einstündern, aber trotzdem könnte man schneller zum Punkt kommen.

Als crossmedials Experiment aus Millars Millarworld bin ich auf das Endresultat gespannt. Auch wenn mir „Jupiter's Legacy“ als TV-Serie nicht so sehr gefallen hat, könnte „Super Crooks“, das jetzt schon deutlich dynamischer ist, etwas mehr nach meinem Geschmack sein. Schon jetzt würde ich vorschlagen, dass man die angebrochene Geschichte der Union of Justice einfach in den Animationsbereich auslagert, denn das wäre allemal besser als etwas anzudeuten, was dann nie zur Realität wird, wenn die Rechte eh bei Netflix liegen...

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Super Crooks“:

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Super Crooks: Comicvorlage

Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 25. November 2021

Super Crooks 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Super Crooks 1x01)
Titel der Episode im Original
Electro Boy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 25. November 2021 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 25. November 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 25. November 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 25. November 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 25. November 2021

Schauspieler in der Episode Super Crooks 1x01

Darsteller
Rolle
Maaya Sakamoto
Kenjirô Tsuda

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