
Super Fun Night war relativ früh verschrien als The Big Bang Theory mit und für Mädels. Nun ja, ganz so einfach ist es nicht. Leider ist das Ergebnis aber auch nicht so gut wie die als Vergleich herangezogene Serie. Ein großes Problem bei dem Vergleich ist natürlich, dass „TBBT“ sich nie wirklich „Mädels“ als Zielgruppe verwehrt hat - erst recht nicht in den letzten Staffeln.
Die Figuren
Doch zurück zu „SFN“ und genug dieses hinkenden Vergleichs. In der neuen ABC-Comedyhoffnung von und mit Rebel Wilson („Pitch Perfect“, „Bridesmaids“) stehen drei Frauen im Mittelpunkt: Kim beziehungsweise „Kimmie“ (Wilson), Marika (Lauren Ash) und Helen-Alice (Liza Lapira). Nach einer Beförderung Kims bei ihrer Arbeit in einer Anwaltskanzlei - inwiefern sie befördert wurde, wird nicht weiter thematisiert - beschließen diese, in Zukunft ihre Frauenabende anders zu gestalten als zuvor. Auf alle Fälle aber sollen diese Spaß machen.
Gegen Spaß hat der glattgebügelte Richard Lovell (Kevin Bishop), übrigens Sohn des Kanzleichefs, auch nichts einzuwenden. Und mit Kim scheint er sich zwar ab und an zu kabbeln, insgesamt aber gut auszukommen. Die neu in der Kanzlei angekommene attraktive Karrierefrau Kendall Quinn (Kate Jenkinson) setzt sich von vornhinein gegen diese Verbindung ein. Warum? Tja, vor allem wohl, weil Richard eben der Sohn des Chefs ist - so wird es zumindest anfangs suggeriert und später klargestellt.
So werden die Charaktere zunächst eigenführt und im Verlauf der ersten Episode klar ausgebaut. Der Fokus liegt dabei deutlich auf Wilsons Kim, während ansonsten vor allem die Figuren Richard und Kendall Screentime erhalten. Das Hauptproblem der Episode ist, dass ein wirklicher Sympathieträger fehlt. Auch wenn versucht wird, Kim zu einer „Jederfrau“ zu machen, ist sie es einfach nicht. So viele klischeehafte Tollpatschigkeiten (siehe: am-Aufzug-zerreißender-Rock) wie ihr passieren, geschehen normalen circa bald 30-jährigen Personen nicht. Auch in der Vielzahl werden diese leider nicht komischer.
Natürlich. Es kann durchaus ein traumatisches Erlebnis sein, wenn man bei einem Gesangwettbewerb als Kind nur durch Ohnmächtigwerden auffällt. Aber ist dies so traumatisch, dass man seitdem ein Problem damit hat, Vorträge zu halten? Und das mit fast 30 Jahren und nach einer (wie auch immer erhaltenen) Beförderung? Probleme sehen anders aus. Es erscheint also schwierig, die gesamte Handlung in einem „Abend in einer Klavierbar“ gipfeln zu lassen.
Der „Spaßabend“
Genauso wenig überraschend verläuft dieser dann. Die bitchy Neuangestellte Kendall aus dem Büro taucht natürlich plötzlich doch dort auf und versucht, Kim vor deren Auftritt die Show zu stehlen. Richard hatte dieser vorher schon einen Korb gegeben und erklärt, im Publikum Kim die Daumen zu drücken. So wird er nun zum Spielball zwischen den beiden Frauen. Kendall singt „True Colors“ und selbstverständlich sind ihre wahren Motive - Richard für die Karriere rumzukriegen - damit relativ offensichtlich. Logischerweise ist der Auftritt klasse und Kim wird bei ihrem wieder ohnmächtig. Ihre Freundinnen päppeln sie aber wieder auf und so kann sie ihr Trauma mit einem ebenfalls gelungenen Auftritt erstmals überwinden.

„Anything for Love“ von Meat Loaf ist dabei ihr Titel und auch die versuchten Störungen durch Einsätze von Kendall bringen sie nicht vom Singen - und Richard-Betören (wie Kendall übrigens auch) - ab. Unterhaltsam ist das „Battlen“ der beiden Frauen schon, aber vor allem unnötig übertrieben. Dabei wird auch einfach in diesem frühen Stadium der Serie nicht klar, warum sie so um Richard kämpfen. Klar - es ist abzusehen, dass Kim romantische Gefühle für Richard hegt und Kendall sich eher aus karrierebegünstigenden Gründen um ihn bemüht. Aber warum sie es dann beide dermaßen (sexuell-)offensiv klarstellen müssen - natürlich ohne dass es dem ichbezogenen Richard auffällt -, bleibt unerklärt.
Schade ist auch, dass durch dieses Theater die beiden zumindest in Ansätzen lustigen Freundinnen eher blass bleiben. Diese sind zwar auch klischeehaft überzeichnet, dennoch machen sowohl Ash als burschikose Marika und Lapira als selbst im betrunkenen Zustand recht clevere Helen-Alice ihren Job bisher ganz ordentlich.
Fazit
Bis auf schon x mal gehörte/gesehene, vor Klischee triefende Scherze hat Super Fun Night bisher relativ wenig zu bieten. Dass hier trotzdem ein paar Pünktchen zusammengekommen sind, liegt vor allem an den guten Leistungen der Schauspieler. Dass diese so überzogen agieren wie bemängelt, liegt vor allem an dem Drehbuch. Allein die Auswahl der Musiktitel zeigt, wie platt hier Humor definiert wird.
Wilson würde also gut beraten sein, weniger auf Krawallkomik zu setzen. Ob Wilson das kann, darf aufgrund ihrer bisherigen Laufbahn aber doch bezweifelt werden. Wenn die Charaktere schon so klischeehaft gezeichnet sein müssen, würde es völlig ausreichen, sie auf ihre spleenigen (nicht zu verwechseln mit „übertrieben tollpatschigen“) Arten und Weisen agieren zu lassen. Ab und an funktioniert das durch subtilere Dialoge in Nebensätzen - man denke an Richard, der neuerdings Angst vor Haitornados hat (ja, das ist in diesem Fall tatsächlich subtiler!).

Außerdem werden bisher Nebenfiguren wie Matt Lucas' Derrick komplett verkannt. Ein so was von unlustiger Satz im Aufzug und der Miterfinder von Little Britain ist fertig? So kann man auch Talent verschenken.
Natürlich muss angemerkt werden, dass diese erste Episode eigentlich nicht der Pilot zur Serie war. Da dieser nach diversen Umbesetzungen und Neuerfindungen nun über ein Jahr hin- und hergebogen wurde, kann man die Ausstrahlungspolitik dem Sender nicht mal verübeln. Dass dadurch diverse Figureneinführungen zu kurz kommen (Richard stellt sich den Freundinnen in der Bar sehr knapp vor) und die Episode eher plotorientiert ist, können durchaus nachvollziehbare Folgen sein.
Allerdings sollte dies dann in den nächsten Episoden nachgeholt werden. Sollte es weiterhin eher um ein unausgegorenes Katz-und-Maus-Spiel um Richard gehen, würde man der eigentlichen Prämisse und vieler Figuren nicht gerecht werden. Dann werden wahrscheinlich auch nicht mehr so viele Zuschauer vom Lead-in Modern Family ###news0### gehalten werden können...