Succession: Kritik zur Premiere des neuen Familiendramas von HBO

Succession: Kritik zur Premiere des neuen Familiendramas von HBO

Rich people doing rich people stuff... Innovative Ideen sucht man bei HBO momentan vergeblich - wirklich schlechte Serien allerdings auch. Das Familiendrama Succession ist nun die nächste gute, aber keineswegs besondere Serie.

Jeremy Strong und Brian Cox in „Succession“ (c) HBO
Jeremy Strong und Brian Cox in „Succession“ (c) HBO
© eremy Strong und Brian Cox in „Succession“ (c) HBO

Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass der amerikanische Kabelsender HBO, der mit Serien wie The Sopranos, Deadwood und The Wire Anfang des Jahrtausends das goldene Zeitalter des Fernsehens einläutete, längst nicht mehr die erste Adresse ist, wenn es um innovative und mutige neue Formate geht. Besonders gestern Abend wurde das deutlich, als beim Premiumkanal mit Succession ein Familiendrama an den Start ging, dessen zentrale Konflikte schon vor über vierzig Jahren in der Serie Dallas (1978) oder später auch in Dynasty alias „Der Denver-Clan“ und vor wenigen Wochen erst wieder in Trust behandelt wurden. Parallel präsentierte der Konkurrenzsender FX mit der LGBTQ-Extravaganza Pose von Ryan Murphy derweil etwas völlig Neues und Gewagtes.

Bedeutet diese Diskrepanz aber automatisch, dass Succession nicht sehenswert ist oder sogar „schlecht“? Nein, denn dem britischen Serienmacher Jesse Armstrong (Peep Show, „The Thick of It“) und seinem Regisseur Adam McKay („The Big Short“) ist es auch ohne spannende Prämisse gelungen, eine packende Geschichte und interessante Charaktere zu finden. Darüber hinaus verfügt die Serie über jede Menge Humor, einen fantastischen Soundtrack und talentierte Hauptdarsteller. Nur das besondere Etwas fehlt dem Ganzen... Und ein wenig mehr Aktualität mit Blick auf die politischen Entwicklungen in der amerikanischen Medienindustrie könnte auch nicht schaden, immerhin ist das ja das eigentliche Thema dieser Serie.

Look at all this fucking bullshit

Anders als bei Trust geht es in Succession nicht um ein reales Familienimperium - bei ersterem war es das von J. Paul Getty -, sondern um ein fiktives. Dennoch haben die sogenannten Roys zahlreiche Ähnlichkeiten mit bekannten Dynastien wie den Murdochs oder sogar mit dem Disney-Konzern. Der Patriarch Logan (Brian Cox) hat eines der größten Medienunternehmen der Welt aus dem Boden gestampft, muss sich nun aufgrund seines fortgeschrittenen Alters allerdings allmählich in den Ruhestand begeben. Das Zepter soll sein zweitältester Sohn Kendall (Jeremy Strong) übernehmen, der bis vor kurzem noch in der Entzugsklinik saß - oder im „Nuthouse“, wie sein Vater sagen würde.

Der älteste Sohn Connor (Alan Ruck), der noch aus der ersten Ehe Logans stammt, hat längst erkannt, dass die Thronfolge in seiner Familie kein beneidenswertes Schicksal ist. Und auch Kendalls jüngerer Bruder Roman (Kieran Culkin) - wegen seiner nonchalanten Art vielleicht Logans Liebling - musste bereits einsehen, dass die Fußstapfen seines Vaters einfach zu groß sind. Das Nesthäkchen Shiv (Sarah Snook) betrachtet das alles derweil mit gewissem Abstand und einer Lässigkeit, die sie wohl zwangsweise aufsetzen musste, um die Enttäuschung zu verdrängen, dass sie als Tochter ohnehin nie für den Vorsitz infrage gekommen wäre. Denn „Business ist hier noch Männersache.

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Kieran Culkin zwischen Alan Ruck und Sarah Snook in „Succession“
Kieran Culkin zwischen Alan Ruck und Sarah Snook in „Succession“ - © HBO

Nicht umsonst vergleicht Logan die Aufgaben eines CEO mit einem ständigen Schwanzvergleich. Und in einem solchen Wettkampf kann sein Sohn, den er selbst als schwach bezeichnet, einfach nicht bestehen. Das Wirtschaftsmagazin Forbes feiert den jungen Hoffnungsträger anfangs zwar als „The heir with the flair“ (zu Deutsch: „Der Erbe mit dem gewissen Etwas“), doch als er sich schon am ersten großen Deal mit einer „schwulen kleinen Webseite“ (O-Ton: Logan) übernimmt, ist seine Karriere vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Zwar versucht auch Kendall immer wieder, seine Männlichkeit und Stärke mit derben Sprüchen zu beweisen, doch anders als sein Vater geht er nicht bis zum absoluten Limit. Für den Patriarchen, der in der Pilotepisode Celebration seinen soundsovielten Geburtstag feiert, ist dies das Signal, den Ruhestand für ein paar Jahre zu verschieben. Kendall will das nicht hinnehmen und plant mit seinen Geschwistern den Putsch gegen seinen Vater. Und als er gerade am Ziel seiner Träume angekommen scheint, ereilt ihn die schockierende Nachricht: Roy Senior hatte eine Hirnblutung und ringt um sein Leben. Besonders dramatisch: Kurz vor diesem Vorfall hat er sein Testament geändert, sodass seine junge Gattin Marcy (Hiam Abbass) künftig den größten Einfluss auf das Familienunternehmen hätte.

Fazit

Alles in allem liefert das neue Familiendrama Succession, das parallel zur Ausstrahlung bei HBO auch hierzulande via Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand gesehen werden kann, einen ordentlichen Einstand. Vor allem der Soundtrack von Nicholas Britell („Moonlight“) und der spezielle Sinn für Humor des Serienmachers Jesse Armstrong stechen positiv hervor. Davon abgesehen hat die Serie aber nur wenig Innovatives oder außergewöhnlich Interessantes zu bieten, was in erster Linie der abgedroschenen Serienprämisse geschuldet ist, die sich unter dem Banner „Rich people doing rich people stuff“ (also etwa: „Reiche Leute tun, was reiche Leute eben tun“) zusammenfassen lässt.

Wäre Succession ein Hauch weniger Familiendrama und dafür mehr politisch aktuelle Medienkritik, hätte die Serie vielleicht ein Argument zugunsten der eigenen Relevanz, die nach der Pilotepisode Celebration auf alle Fälle noch infrage steht. Die New York Times vergleicht die Serie mit der Netflix-Comedy Arrested Development, in der ebenfalls eine dysfunktionale Familiendynastie im Zentrum steht. Ob ein solcher Vergleich dem Kabelsender HBO schmeichelt, sei mal dahingestellt. Ich persönlich würde die Serie eher mit den frühen Staffeln von House of Cards gleichsetzen, wo ebenfalls ein Großteil der Faszination darin lag, zu sehen, wie profan sich die Mächtigsten der Mächtigen hinter verschlossenen Türen verhalten. Wirklich schocken dürfte das im Jahr 2018 allerdings nur noch die wenigsten...

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