Succession 4x10

© HBO
Nicht alle sehenswerten Serien haben das Glück, auf ihren eigenen Wunsch hin in den Ruhestand zu gehen. Einige laufen länger als sie sollten und überschritten so ihren Zenit; andere kommen gar nicht erst so weit, ihr Potential ganz zu entfalten. Das HBO-Original Succession hätte - wäre es nach dem Sender gegangen - sicherlich noch ein, zwei Staffeln drauflegen können. Immerhin hat der mehrfach Emmy-gekürte Kritikerliebling bis zuletzt seine Zuschauerzahlen steigern können. Aber der Creator Jesse Armstrong wusste es besser: Season vier bringt das frühzeitige Finale.
Siehe auch: US-Quoten: Succession endet auf Rekordhoch bei HBO
With Open Eyes (4x10), die letzte Folge von „Succession“, ging vergangenes Wochenende auf Sendung (hierzulande kann man bei Sky/WOW reinschauen). Selbst die skeptischsten Fans, die vielleicht darauf gehofft hatten, den Roy-Clan noch ein paar Jahre länger zu begleiten, dürften mit dem Abschied sehr zufrieden sein. Armstrong und Konsorten haben es geschafft, das perfekte bittere Ende einzuleiten. Jede:r kriegt das, was er/sie verdient hat.
Besonders die dritte Episode der Final-Staffel sowie die drei letzten Ausgaben haben das intrigante Familiendrama noch mal von seiner besten Seite gezeigt. Kendall (Jeremy Strong), Shiv (Sarah Snook) und Roman (Kieran Culkin) mussten unzählige emotionale Magenschläge verkraften, die auch das Publikum erwischt haben dürften, selbst wenn es noch versucht, nicht zu stark mit den missratenen Möchtegernerben mitzufühlen.
Ohne Gewissensbisse beeindruckt sein kann man von der außergewöhnlichen Leistung des Casts. „Succession“ hat nämlich - neben dem richtigen Zeitpunkt für das Ende - auch das Glück, dass mehrere Stars gleichzeitig die Darbietung ihres Lebens hinlegen. Bislang stand besonders der von seiner Rolle besessene Method Actor Strong im Scheinwerferlicht, zumal er im Jahr 2020 schon den Emmy als bester Hauptdarsteller gewinnen konnte. Doch in der letzten Season ist es diesmal sogar Culkin, der über sich (und die anderen) hinauswächst...
Wer kriegt die Krone?
Einen Vorwurf, den man „Succession“ zumindest an der Oberfläche machen kann, ist die Repetivität der Handlung. Die gesamte letzte Staffel dreht sich noch mal in Spiralen, die wir schon mehrfach erlebt haben: Die Geschwister buhlen um die Liebe ihres Übervaters Logan (Brian Cox), scheitern und verschwören sich, bis sie sich gegenseitig hintergehen und dadurch einmal mehr verlieren. Dieser ewige Kreislauf wiederholt sich dann sogar erneut in der finalen Folge im Kleinen. Doch Chef-Autor Armstrong ist nicht etwa einfallslos, sondern will vielmehr zeigen, dass sich seine Antihelden einfach nicht verändern können. Am Ende sind sie alle dazu verdammt, denselben Schwächen immer wieder zu unterliegen.
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Armstrong schafft es mit „Succession“ nicht nur, das unzählig Wiederholte niemals langweilig werden zu lassen, er kann auch das stets Erwartete unerwartet passieren zu lassen. Der frühe Tod des Patriarchen in der Episode Connor's Wedding (4x03) darf niemanden schockieren, denn die Erbschaftsfrage steht seit Beginn im Zentrum der Serie (auch der Titel rührt daher). Trotzdem kommt das alles so plötzlich, wie man es eigentlich nur vom echten Leben kennt. Die Geschwister können sich nicht mal von ihrem Vater verabschieden, was ihre ohnehin schon verkümmerten Herzen endgültig bricht.

Zur Mitte der Staffel beginnt ein weiteres Wettrennen, welcher der Roys zuerst im Chefsessel landet. Armstrong gönnt allen drei Geschwistern - Connor (Alan Ruck) spielt wie üblich gar keine Rolle - ein kurzes Momentum, in dem ihr Triumph absolut denkbar erscheint. Sogar Roman wirkt für kurze Zeit wie ein geeigneter Nachfolger, da er bereit ist, über Leichen zu gehen. In dem Fall ist es die Leiche seines Landes, das er einem Faschisten ausliefert. Die Wahlepisode America Decides (4x08) dürfte nicht nur für Amerikaner:innen eine der schmerzhaftesten Fernsehstunden des Jahres sein.
Schon wenig später, nämlich in der Beerdigungsepisode Church and State (4x09), brennt der kleine Ikarus aus. Nun nutzt sein großer Bruder Kendall die Gunst der Stunde, um sich zu bewähren. Da er ein weißer Mann mit dem richtigen Nachnamen ist, reicht es für seine Qualifikation schon aus, wenn er zwei gerade Sätze am Stück sagen kann. Seine Schwester Shiv muss sich sehr viel mehr einfallen lassen, um die Krone zu kriegen. Sie paktiert mit dem schwedischen Investor Lukas Matsson (Alexander Skarsgård), der sie als CEO einsetzen soll.
Am Ende ist aber auch sie dazu verdammt, einmal mehr die bitterste Lektion ihres Lebens zu lernen: Als Frau ist sie in dieser patriarchalen Geschäftswelt, die ihr „Universum von einem Vater“ kreiert hat, nie ausreichend. So muss sie mit ansehen, wie ausgerechnet ihr Doofus-Ehemann Tom (Matthew Macfadyen) an ihrer Stelle landet. Dass sie seine Krönung schließlich absegnet, um wenigstens nicht ihren verlogenen wie inkompetenten Bruder gewinnen zu lassen, hat so wunderbar viele mögliche Gründe, dass man ewig darüber diskutieren kann.
Auch kann man darüber diskutieren, wer nach dem Finale besser oder schlechter dasteht als zum Beginn der Serie. Tom wirkt trotz seiner unerwarteten Beförderung jedenfalls nicht wie der große Gewinner - eher ist er für Matsson nun das, was Greg (Nicholas Braun) für ihn selbst ist. Kendall leidet auf jeden Fall am meisten und könnte an seinem verlorenen Geburtsrecht ganz zugrunde gehen. Nur Roman, der seinen emotionalen Breakdown schon etwas früher hatte, erreicht die befreiende Erkenntnis: „We are bullshit.“ Oder wie sein Vater sagen würde: „I love you, but you're not serious people.“
Fazit
Jesse Armstrong hat seine Businessschlacht „Succession“, die stets gleichermaßen lustig und dramatisch war, zu einem perfekten Ende gebracht. Die Waystar-Erbschaft wurde großartig bitter abgewickelt. Das HBO-Drama darf hochdekoriert in den Serien-Olymp der ganz Großen einziehen. Und Kendall Roy (Jeremy Strong) und seine Geschwister Shiv (Sarah Snook) und Roman (Kieran Culkin) bestehen als TV-Antihelden für die Annalen.
Kein ein anderes Format konnte so messerscharf aufzeigen, was in unserer Welt derzeit schiefläuft. „Succession“ war nicht nur eine der unterhaltsamsten, sondern auch der klügsten US-Serien der jüngeren Vergangenheit. 5 von 5 Visitenkarten für das Gesamtwerk, das sich aufgrund seiner Prägnanz über die Jahre kaum einen Ausrutscher geleistet hat. Und die volle Punktzahl gibt es auch für das Finale im Speziellen - ein Abschied eines Königs würdig!
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Wer näher ins Detail gehen will, was im Serienfinale von „Succession“ passiert ist, kann sich unsere ausführliche Inhaltsangabe durchlesen. Auch haben wir eine kleine Podcast-Besprechung aufgenommen, auf die Ihr Euch am Wochenende freuen könnt. Viel Spaß und schreibt uns gern auch Eure Meinung zur Serie in die Kommentare...
Hier abschließend noch der Trailer zur Finalstaffel der Serie „Succession“:
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 2. Juni 2023Succession 4x10 Trailer
(Succession 4x10)
Schauspieler in der Episode Succession 4x10
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