Succession 3x09

Succession 3x09

Das Finale der dritten Staffel der Serie Succession bietet aufregende Wendungen und einen Jeremy Strong, der mal wieder über sich hinauswächst. Das vielfach preisgekrönte HBO-Drama bleibt die wohl beste US-Serie, die es derzeit gibt.

Szenenfoto aus der Succession-Episode All the Bells Say (c) HBO
Szenenfoto aus der Succession-Episode All the Bells Say (c) HBO
© zenenfoto aus der Succession-Episode All the Bells Say (c) HBO

Am Ende der dritten Staffel von Succession müssen alle Hauptfiguren, die am familieninternen Krieg beteiligt waren, einen immensen Preis bezahlen. Keiner von ihnen kann sich wirklich als Gewinner fühlen, denn selbst der zuletzt lächelnde Logan (Brian Cox) setzt sich nur mit dem Verkauf des eigenen Vermächtnisses durch. Immerhin ist Peter (der neue Stiefvater von Kendall und Co) von allem schwer begeistert. Und Cousin Greg (Nicholas Braun) wähnt sich auf dem besten Wege, zum Großherzog von Luxemburg gekrönt zu werden. Was sonst?

Ihr seid noch keine Succession-Fans? Dann werft noch mal einen Blick in unsere Kritik zum Auftakt der neuen Season, um Euch anfixen zu lassen. Ansonsten verpasst Ihr die vielleicht beste US-Serie, die es momentan zu sehen gibt (hierzulande übrigens via Sky).

Was passiert?

Tatsächlich ist es am Ende der lebensmüde Elon-Musk-Verschnitt Lukas Matsson, gespielt vom gerne gesehenen Gaststar Alexander Skarsgard (Big Little Lies), der den Krieg um Waystar Royco entscheidet. Der aufstrebende Internet-Milliardär, der sich in seiner Luxusvilla am Lago Maggiore fast zu Tode langweilt, schluckt den altehrwürdigen Medienkonzern, weil Logan es zulässt. Einerseits will der Patriarch ganz objektiv den besten Deal rausholen, um auf dem Höhepunkt seines Erfolgs in den Ruhestand zu gehen, andererseits will er seiner missratenen Brut ein letztes Mal die Butter vom Brot nehmen. Erst durch diesen väterlichen Verrat finden Kendall (Jeremy Strong), Shiv (Sarah Snook) und Roman (Kieran Culkin) wieder zusammen. Doch leider kommt ihre langersehnte Geschwisterallianz zu spät.

Noch ein zweiter Judas ist dafür verantwortlich: Shivs egogelittener Gatte Tom (Matthew Macfadyen), der Logan vorwarnt und dafür einen Schulterklopfer kriegt. Er hat keine Lust mehr, sich von der Frau hinhalten zu lassen, die ihn offensichtlich gar nicht liebt. Die gemeinsamen Szenen des noch immer frisch vermählten Ehepaares waren zuweilen die schmerzhaftesten der gesamten Season. Zwar ist auch Tom kein großer Sympathieträger, doch irgendwie gönnt man ihm die Rache an Shiv, die zuletzt der ruchloseste Roy von allen war.

Vom zu Beginn der Staffel so angriffslustigen Kendall ist nach diversen Rückschlägen kaum noch was übrig. Nachdem er sich im fiesen Cliffhanger-Finale der vorletzten Folge beinahe selbst ertränkt hätte, streckt er nun endlich seine Hand aus. Dummerweise sind da nur Shiv und Roman, die selbst nicht viel stärker sind, um ihn zu stützen. Wie die Zwei auf sein Geständnis zum toten Kellner reagieren, ist einfach Peak-Succession! Zumal der zum Glück schon Emmy-prämierte Serienstar Strong seine vielleicht eindrucksvollste Darbietung hinlegt. Im New Yorker erschien kürzlich ein spannendes Porträt zum Schauspieler, das seine Kunst noch mal in einem neuen Licht glänzen lässt. Es zeigt, wie ernst er seine Rolle nimmt, was überhaupt erst möglich macht, dass Kendall ein so tragikomischer Kauz ist (hier der Link).

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Szenenbild der Succession-Episode All the Bells Say
Szenenbild der Succession-Episode All the Bells Say - © HBO

Der zweite MVP der neuen Staffel heißt sicherlich Kieran Culkin aka Romulus „Dickpic for Daddy“ Roy. Er legt eine beachtliche Entwicklung hin, indem er sich als letzter Logan-Spross vom Übervater abnabelt. Wobei man spürt, wie unwohl er sich damit fühlt (während die Rebellion für seine älteren Geschwister die eigentliche Grundräson zu sein scheint). Roman ist übrigens auch der Einzige, der im finalen Gipfeltreffen noch einen verbalen Seitenstich von seinem Senior verpasst bekommt. Wobei es auch schon vorher ein paar Szenen gibt, die einfach wehtun. Hiermit sind vor allem die Gespräche gemeint, wenn Logan sichtbar angewidert abklopft, was mit seinem Sohn nicht stimmt. Die Ironie, dass er es war, der ihn so zugerichtet hat, ist bei dem alten Mann natürlich verloren.

Ein kleiner Schlüsselmoment ist in der Finalfolge All the Bells Say (9x3) - der Titel ist wahrscheinlich eine Anspielung auf das John-Berryman-Gedicht „Dream Song 29“ - sogar dem sonst absichtlich vernachlässigten Connor (Alan Ruck) vergönnt, der seine verwöhnten Halbgeschwister daran erinnert, dass er in Wahrheit der Erstgeborene ist. Connor war in diesem Jahr wieder hauptsächlich als Punching-Bag im Einsatz, wobei er sich immerhin freuen kann, dass Willa (Justine Lupe) mit den schönen Worten „fuck it“ seinen Heiratsantrag angenommen hat. Nun sollte seine Präsidentschaftskandidatur wasserdicht sein. Obwohl Connor selbst im Weißen Haus nicht den Respekt kriegen würde, den er sich von seiner Familie wünscht. Wie unbedeutend das höchste Amt des Landes aus Sicht der superreichen Roys ist, zeigt die Episode What It Takes (9x6).

Das ist ein wiederholtes Thema bei Succession, dass die Reichen merken, dass selbst das größte Imperium am Ende nichts wert ist. Jeder Erfolg wird langweilig, was nur die wissen, die einsam an der Spitze stehen. Mitleid fordert die Serie von uns Bürgerlichen dafür nicht ein. Vielmehr kreidet sie das System an, das sich so sinnlos um sich selbst dreht. Wachstum nur um des Wachstums willen, damit ein Mann wie Logan sich am Ende seines langen Lebens auszahlen lassen kann, um in Zahlen zu sehen, wie gut er in dem Spiel war. Aufgebaut wird dabei gar nichts, nur zerstört. Einige Leute sehen im Familiendrama daher auch eine Analogie auf die Klimakrise und das Ende der Vormachtstellung der Vereinigten Staaten (hier dazu ein starkes Video).

Wie ist es?

Alles in allem war es wieder mal eine brillante Succession-Staffel mit einem würdigen Finale, das auch diejenigen überzeugen sollte, die der Serie vorwerfen, sie würde auf der Stelle treten. So oder so ist nun alles anders - und auf dem Weg zu dieser Wendung gab es unzählige Momente, die einem gerne im Gedächtnis bleiben oder die so stark nachhallen, weil sie einen Nerv getroffen haben. Auf die majestätische Musik von Nicholas Britell und den gewieften Humor von Showrunner Jesse Armstrong wurden schon viele Loblieder gesungen. Abschließend will ich daher nochmal das anderthalbherzige Schauspiel von Jeremy Strong hervorheben. Während alle Figuren absolut perfekt besetzt wurden, ist er als Kendall schlichtweg übermenschlich. Diese Rolle ist Strongs Lebenswerk - und wir können ihm nur dafür danken!

Was glaubt Ihr denn, wie Succession in der vierten Staffel weiter oder vielleicht auch zu Ende geht? Werden sich Shiv und Tom scheiden lassen? Was macht Logan ohne sein liebstes Kind, das Unternehmen? Gewinnt Kendall den Kampf gegen seine Dämonen? Kann Roman ohne seinen Vater? Wird Greg wirklich der neue Herrscher Luxemburgs? Und schreibt Willa endlich ihr Drehbuch fertig?

Hier abschließend noch der Trailer zum Finale der 3. Staffel der Serie Succession:

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Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 14. Dezember 2021

Succession 3x09 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 9
(Succession 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Geheimtreffen
Titel der Episode im Original
All the Bells Say
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 12. Dezember 2021 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 17. Januar 2022

Schauspieler in der Episode Succession 3x09

Darsteller
Rolle
Nicholas Braun
Peter Friedman
Matthew Macfadyen
Tom
Sarah Snook
Hiam Abbass

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