Succession 3x01

© eremy Strong in der Serie Succession (c) HBO
Zunächst an diejenigen, die die derzeit beste laufende Serie aus den USA noch immer an sich vorbeigehen lassen: Tut euch den Gefallen und gebt dem emmyprämierten HBO-Drama eine Chance! Ich kann verstehen, wenn ihr Succession falsch einschätzt. Auch ich sah in der messerscharfen Satire zunächst nur ein zweites Billions, in dem langweilige Milliardäre für ihre schicken Anzüge abgefeiert werden. Nach vier, fünf Folgen spürt man aber, dass dem Chefautor Jesse Armstrong was ganz anderes vorschwebt: Indem er seine voyeuristische Kamera auf die Superreichen hält und sie ganz sie selbst sein lässt, entblößt er sie. So brutal ist keine andere Kapitalismuskritik (nicht mal Netflix' offensives Squid Game).
Ich bleib auch dabei, dass Game of Thrones die Serie ist, die Succession inhaltlich am nächsten kommt. Das mag auf den ersten Blick nicht einleuchten, denn das eine Format gilt ja als Fantasy- und das andere als Finanzdrama. Die Verbindung liegt jedoch im Familiendrama, dem eigentlichen Herzstück beider Serien. Die Lannisters und die Roys sind aus einem Holz geschnitzt und die jeweiligen Intrigen gleichermaßen explosiv. Die eine Welt mag Drachen haben, die andere dafür Hubschrauber. Und Magie braucht es sowieso nicht, wenn man Geld hat - da wären sich beide Clans wohl einig.
Dass Succession nicht nur zu genialen Sprüchen und hervorragenden Figuren fähig ist, sondern auch zu spannenden Storylines, beweist nun die dritte Staffel mehr denn je. Schon die Trailer haben den zentralen Zweikampf zwischen dem egomanischen Patriarchen Logan Roy (Sir Brian Cox) und seinem verräterischen Sohn Kendall (Jeremy Strong) hochstilisiert zu einem epischen Civil War, der das gesamte Familienimperium aufs Spiel setzt. Niemand kann neutral bleiben und viele werden vernichtet werden. Wobei die neue Season auch ein paar prominente Neuzugänge einführt...
Kendall vs. Logan
Die erste neue Episode, clever betitelt als Secession, zeigt die unmittelbaren Folgen der großen Wendung im Finale der zweiten Staffel. Statt sich zu opfern, hinterging Kendall bekanntlich seinen Vater. Logan soll selbst für das gefährliche System geradestehen, das er bei Waystar Royco aufgebaut hat. Kendall will derweil die Zukunft prägen und das neue Gesicht der Firma werden, wenn die alte Garde im Gefängnis sitzt. Zwar sah es so aus, dass Logan leicht lächelte, als Kendall ihn verriet, doch nun sehen wir, wie kalt ihn der unerwartete Schachzug tatsächlich erwischt hat.
Der unantastbare Übervater wirkt plötzlich sehr verletzlich. Panisch versucht er seine Reihen zu schließen, indem er von seinen übrigen Kindern Shiv (Sarah Snook), Roman (Kieran Culkin) und Connor (Alan Ruck) sowie von seinem obersten Führungszirkel rund um Gerri (J. Smith-Cameron), Frank (Peter Friedman) und Tom (Matthew Macfadyen) noch größere Loyalität und Disziplin einfordert. Kendall wähnt sich parallel schon als Sieger, auch wenn seine Entourage mit Cousin Greg (Nicholas Braun) und ein paar Namenlosen deutlich schwächer erscheint.
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Ohne zu viel zu verraten, wie sich die Machtverhältnisse im Lauf der ersten drei Folgen verschieben, will ich auf zwei Punkte eingehen, die für die Kontrahenten von entlarvender Bedeutung sind. So wie die Nebenfiguren zwischen den Fronten stehen, macht es die Serie auch dem Publikum schwer, Partei zu ergreifen. Logan zum Beispiel mag verständlicherweise wütend sein, von seinem eigenen Fleisch und Blut verraten zu werden. Gleichzeitig ist völlig offenkundig, dass er seine eigenen Interesse stets über die seiner Kinder stellt. Seine Lippenbekenntnisse, dass Familie ja das Wichtigste sei, sind schlichtweg gelogen. Kendall hat das verstanden, doch seine Geschwister lassen sich noch immer manipulieren von ihrem Vater.
Besonders leicht geht das in einer Szene mit dem armen Connor, den Logan seine „Nummer Eins“ nennt. Für uns Unbeteiligte klingt das grausam zynisch, doch Connor schluckt den billigen Köder wie ein liebeshungriges Baby. Umso schlimmer, dass der älteste Roy-Bruder später auch derjenige sein muss, der der hässlichen Kehrseite Kendalls zum Opfer fällt. Dabei lehnt er nur die Einladung zum Putsch ab und wird dann zur Sau gemacht. Selten war Succession in Sachen Geschwisterstreit so schmerzhaft, was zumindest keinen Zweifel daran lässt, dass Kendall genauso herzlos sein kann wie sein Vater.
So wie Logan auf die Einheit der Familie schwört, spielt sich Kendall nicht weniger heuchlerisch als Verfechter für den Feminismus auf, obwohl es auch ihm nur um die eigene Haut geht. Wenn ein halbstarker Milliardärssohn „F*** the patriarchy“ ruft, ohne sich zu schämen, ist das einfach typisch Succession. Das sind eben die eingangs erwähnten Momente, in denen Armstrong seine Antihelden sich selbst zerstören lässt. In denen er nur die Kamera draufhalten muss, weil er weiß, dass die Katastrophe unvermeidbar ist bei diesen Charakteren. Nur, ob wir lachen oder weinen, kann er nicht kontrollieren. Meist trifft bei dieser Serie sowieso beides gleichzeitig zu. Mit diesen armen Reichen will man nicht tauschen!
Wer gewinnt?
Interessant ist übrigens, dass man in den ersten drei Folgen der neuen Staffel noch keinen der großen Neuzugänge zu sehen kriegt. Vor allem auf Alexander Skarsgard (Big Little Lies, True Blood) und den Oscarpreisträger Adrien Brody (Billions) freut man sich. Sie werden wahrscheinlich Schlüsselrollen übernehmen und vielleicht am Ende entscheiden, wer den Krieg der Roys gewinnt. Denkbar wäre sogar, dass einer von beiden den Laden als Außenstehender aufkauft. Dann würden wir in der potentiellen vierten und vermutlich letzten Season sehen, wie Kendall, Shiv und Roman lernen zusammenzuhalten, um das Imperium ihrer Familie zurückzuerobern. Das ist aber noch Zukunftsmusik.
Erst mal freuen wir uns auf das, was nun unmittelbar vor uns liegt. Wir freuen uns auf das erste Zusammentreffen zwischen Kendall und Logan, auf denkwürdige „Fuck off“-Beleidigungen und Greg-und-Tom-Memes, auf „Shenanigans“ der weniger wichtigen Figuren wie Willa (Justine Lupe) oder Ewan (James Cromwell), auf legendäre Kompositionen von Nicholas Britell - einfach auf alles, was Succession zur derzeit besten Serie Amerikas macht. Seid Ihr dabei?
Hier abschließend noch der Trailer zur dritten Staffel der Serie Succession beim amerikanischen Pay-TV-Sender HBO:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 18. Oktober 2021Succession 3x01 Trailer
(Succession 3x01)
Schauspieler in der Episode Succession 3x01
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