Succession 2x01

Succession 2x01

HBO kann die verzweifelte Suche nach dem nächsten Serienhit im Stil von Game of Thrones abblasen: Succession ist der adäquate Thronfolger. Das tragikomische Familiendrama übertrifft sich in der zweiten Staffel selbst...

Haltet Eure Tassen fest! Succession ist und bleibt eine der besten Serien, die es zurzeit zu sehen gibt... (c) HBO
Haltet Eure Tassen fest! Succession ist und bleibt eine der besten Serien, die es zurzeit zu sehen gibt... (c) HBO
© altet Eure Tassen fest! Succession ist und bleibt eine der besten Serien, die es zurzeit zu sehen gibt... (c) HBO

Erinnert Ihr Euch noch an dieses eine HBO-Drama, das uns in seiner zehnteiligen Auftaktstaffel mit einem bärtigen alten Mann bekanntgemacht hat, der in seiner Blütezeit ein ganzes Imperium unter sich vereinen konnte, doch nun mit den ersten Anzeichen seines nahenden Ablebens hadert? Der zwar drei Kinder hat, von denen sich die beiden Söhne jedoch als zu jung und unfähig erwiesen haben, um eine geordnete Machtübernahme abzuwickeln, während die Tochter schlichtweg das „falsche Geschlecht“ zu haben scheint? Und strenggenommen gibt es sogar noch einen weiteren Sohn, der deutlich älter ist, aber keinerlei Interesse am Familienerbe zeigt...

Außerdem sprechen alle Figuren ein wenig hochgestochen, obwohl sie auch vielen Kraftausdrücken frönen. Einige Charaktere, die dadurch zu Publikumslieblingen wurden, haben die Suche nach eloquenten Beleidigungen regelrecht in eine Kunst verwandelt. Kein Wunder, denn in der Serie wimmelt es geradezu von Intrigen und Betrug - und wer Schwäche zeigt, verliert. Oh ja, und der epische Soundtrack muss natürlich ebenfalls Erwähnung finden. Also erinnert Ihr Euch?

Anstatt mir jetzt noch einen übereifrigen Vergleich von Drachen und Hubschraubern zu überlegen, löse ich das alberne Spielchen einfach auf: Succession und Game of Thrones haben viele Parallelen - nicht zuletzt, weil sie beide in alter Shakespeare-Tradition royaler Familienfehden stehen. Der einzige große Unterschied der beiden HBO-Formate: Erstgenanntes spielt in der New Yorker Geschäftswelt unserer Gegenwart, letztgenanntes auf dem technologisch im Mittelalter verhafteten Fantasy-Kontinent Westeros.

Der verlorene Sohn

Der Comedy-Drama-Hybrid Succession beendete seine exzellente erste Staffel letztes Jahr mit Kendalls (Jeremy Strong) gescheitertem Versuch, das Medienkonglomerat seines Vaters Logan (Brian Cox) zu kapern. Seine Drogensucht wurde dem überambitionierten Roy-Zögling letztendlich zum Verhängnis, wodurch ein Unschuldiger sein Leben verlor. Nun hat der alte Patriarch seinen Filius wieder voll unter Kontrolle und lässt ihn - wie Kendalls charmanter Bruder Roman (Kieran Culkin) es ausdrücken würde - „Scheiße fressen“. In den Augen seiner abgebrühten Schwester Shiv (Sarah Snook) ist diese Strafe sogar noch viel zu gnädig...

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Wer ist ein braver Junge? Kendall ist ein braver Junge!
Wer ist ein braver Junge? Kendall ist ein braver Junge! - © HBO

Gleich zu Beginn der zweiten Staffel von Succession sehen wir, wie in Kendall selbst der letzte Funke Widerstand erlischt. Als kastriertes Schoßhündchen weist er nun Ähnlichkeiten zu einem weiteren Game of Thrones-Charakter vor, nämlich zu Theon „Reek“ Greyjoy (Alfie Allen). Nur, wenn das tragikomische Familiendrama von Showrunner Jesse Armstrong genau wie besagtes Fantasyepos mit einer langen Zukunft gesegnet ist, kommt Kendall noch mal als möglicher Thronfolger von Logan Roy infrage. Ansonsten dürfte er nun endgültig aus dem Rennen um den Vorstandsvorsitz von Waystar Royco raus sein.

Übrig bleiben somit der vorlaute Rebell Roman, der in der neuen Staffel erneut versucht, seine sexuellen Triebe aufzuwecken und ein „ganzer Mann“ zu sein; Shiv, die von ihrem Vater erstmals auch als potentielle Kandidatin in Betracht gezogen wird, was ihren ohnehin schon fragilen Ehemann Tom (Matthew Macfadyen), der dann möglicherweise unter ihr stünde, selbstverständlich zusätzlich verunsichert; Marcia (Hiam Abbass), die leider weiter ein Mysterium bleibt; Gerri (J. Smith-Cameron), die mehr denn je zum Spielball der Familie wird; und zu guter Letzt unser aller Liebling, Cousin Greg (Nicholas Braun), der wie letztes Jahr die besten Sprüche gepachtet hat (Stichwort „attack child“). Der alte Taugenichts Connor (Alan Ruck), der noch nie einen Dollar in seinem Leben selbst verdient hat, will wie gesagt nichts von alledem wissen, denn er streckt seine Fühler weiter nach dem Weißen Haus aus...

Angriff ist die beste Verteidigung

All die genannten Erbkandidaten haben natürlich nur eine Chance, wenn das Familienunternehmen überhaupt in der Familie bleibt. Auch, wenn Kendall bei der feindlichen Übernahme im letzten Moment einen Rückzieher gemacht hat, will sich Logans Erzfeind Sandy (Larry Pine) noch lange nicht geschlagen geben. Logan sieht also nur einen Ausweg, um nicht geschluckt zu werden: Waystar Royco muss schnellstmöglich selbst einen Konkurrenten schlucken, um folglich zu groß für Sandys Maul zu werden. Hier kommt schließlich die neu verpflichtete Oscarpreisträgerin Holly Hunter (Here And Now) ins Spiel, die als CEO Rhea Jarrell einen Nachrichtensender mit Prinzipien leitet.

Auch hinter PGM steht eine Familie, nämlich der Pierce-Clan. Doch anders als die Roys haben die Pierces kein darwinistisches, sondern ein humanistisches Weltbild. Moralische Werte werden von ihnen nicht als Schwäche, sondern Stärke gesehen. Logisch, dass bei der ersten Annäherung der beiden Sippen - sozusagen der Murdochs (Fox News) und Sulzbergers (New York Times) im Succession-Universum - zwei Welten aufeinanderprallen. Doch wird Logan Recht behalten, wenn er sagt, dass am Ende immer der Gott Mammon siegt?

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Beste Freunde fürs Leben: Tom und Cousin Greg
Beste Freunde fürs Leben: Tom und Cousin Greg - © HBO

Sir Brian Cox erklärte letztes Jahr im Interview mit SERIENJUNKIES.DE®, dass Succession gerade deshalb so beliebt sei, weil sich die Serie in der Ära des Spätkapitalismus nun mal so zeitgemäß anfühle (hier das ganze Gespräch). Kreiert wurde das Format genau in den schicksalhaften Monaten im Jahr 2016, als erst der Brexit und dann die Wahl von Donald Trump die politische Ordnung des Westens grundlegend veränderten. Vieles hat sich seitdem allerdings noch bedrohlicher entwickelt als befürchtet, was vielleicht erklären könnte, wieso sich die Serie in ihrer zweiten Staffel nun doch noch etwas ernster anfühlt als bisher.

Diese armen reichen Leute

Während Billions beispielsweise zeigt, wie spaßig das Leben der Superreichen aussieht, war Succession stets darauf bedacht, die Schattenseiten des Reichtums zu beleuchten. Spätestens, wenn man verstanden hat, wie tiefgehend traumatisiert Logans Kinder durch die Bank weg sind, vergeht einem jegliche Lust auf einen plötzlichen Sechser im Lotto. Schon im Intro der Serie, bei dem aufgrund Nicholas Britells brillanten Titelliedes strengstes Skip-Verbot besteht, wird die belastende Kindheit der Roy-Nachkommen angedeutet. Vor allem die leidgeplagte Seele Kendalls wird dank der packenden Porträtierung des Darstellers Strong spürbar.

Doch auch so ist Succession in der neuen Staffel manchmal nur schwer zu ertragen - auch, wenn genau das die Absicht der Serienmacher ist. Exemplarisch ist hier ein Betriebsausflug nach Ungarn zu nennen, den Logan, der nun mächtiger denn je erscheint, nutzt, um seine Mannschaft nach einem Maulwurf zu durchsuchen. Die erschreckenden Mobbing-Methoden, die der Geschäftsmann dabei anwendet, sorgen schon beim Zusehen für echte Beklemmungsgefühle. Bezeichnend ist dabei aber auch, dass sein Verhalten selbst von seinen Opfern entschuldigt wird. Logan sei halt einfach ein Mann der alten Schule...

Schlussendlich kommen in der zweiten Staffel von Succession aber auch diejenigen auf ihre Kosten, die die Serie nur schauen, weil sie lachen wollen und nicht weinen. Neben jeder Menge Fanservice in Sachen Bromance zwischen Greg und Tom darf im Hintergrund auch gerne wieder nach kleinen Easter Eggs Ausschau gehalten werden. Zum Beispiel findet sich folgendes Prachtstück einer Nachrichtenüberschrift auf einem der vielen Bildschirme der Royco-Firmenzentrale: „5 Reasons Why Drinking Milk on the Toilet Is Kind of Game-Changing!“ Reinste Poesie! Die Serie bleibt also nicht nur eines der besten Dramen, sondern quasi nebenbei auch eine der besten Komödien, die es zurzeit zu sehen gibt. Und eine politisch hochbrisante Botschaft hat sie ebenfalls zu bieten. Unterm Strich ein absoluter Volltreffer von HBO.

Hier abschließend der Trailer zur 2. Staffel von Succession:

Der deutsche Pay-TV-Sender Sky Atlantic HD zeigt die zehn neuen Folgen von Succession ab Montag, den 16. September.

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Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 12. August 2019

Succession 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Succession 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Sommerpalast
Titel der Episode im Original
The Summer Palace
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 11. August 2019 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. September 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 16. September 2019
Autor
Jesse Armstrong
Regisseur
Mark Mylod

Schauspieler in der Episode Succession 2x01

Darsteller
Rolle
Hiam Abbass
Nicholas Braun
Peter Friedman
Matthew Macfadyen
Tom
Sarah Snook
Rob Yang

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