Still Up: Kritik zum Serienstart der schlaflosen Romcom bei Apple TV+

© Apple TV+
Nicht schlaflos in Seattle, sondern in London ist das Motto der neuen Romcom Still Up beim Streamingdienst Apple TV+, die am heutigen Freitag, den 22. September die ersten drei Episoden ihrer insgesamt achtteiligen Auftaktstaffel präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die beiden Schauspieler Antonia Thomas (The Good Doctor, Lovesick, Misfits) und Craig Roberts (Red Oaks, „Submarine“), die sich als Lisa und Danny am Telefon ineinander verlieben.
Kreiert wurde die britische Serie von Natalie Walter, die vor der Kamera zuletzt im Kritikerliebling I May Destroy You zu sehen war, und Sketch-Autor Steve Burge („Tittybangbang“). Die Inszenierung der halbstündigen Pilotepisode mit dem Titel The Pharmacy übernahm der Kurzfilmregisseur John Addis („Lucky Break“).
Das Format wirkt auf den ersten Blick sehr minimalistisch. Es erinnert an die Zeit der Corona-Produktionen, als die Stars in Selbstisolation nötigenfalls im eigenen Zuhause drehten. Tatsächlich wurde „Still Up“ ja auch genau in dieser Zeit entwickelt, denn die offizielle Bestellung erfolgte vor gut einem Jahr. Lohnt es sich trotzdem oder fallen uns eher die Äuglein zu?
Worum geht es in der Serie „Still Up“?
Was sicher sehr geschickt eingefädelt wurde, ist der Einstieg in die Serie. Wir sind gleich mittendrin im Gespräch zwischen Lisa (Thomas) und Danny (Roberts) und können so mit jeder belauschten Minute innerlich ihre Beziehung oder Freundschaft weiter einordnen. Es scheint absolut authentisch, dass die zwei Hauptfiguren in einem normalen Telefonat nicht rekapitulieren würden, woher sie sich nun kennen. Das muss man einfach zwischen den Zeilen lesen - auch, wenn das heißt, dass anfangs viele Fragezeichen auftauchen.
Genau das macht aber den Spaß in dieser ersten Episode aus, zumal der kleine Cast das alles sehr charmant rüberbringt. Was den Humor angeht, ist derweil noch viel Luft nach oben. Die Macher:innen verlassen sich zu sehr auf zwei, drei beats, die sie ständig wiederholen, was dann auch die Authentizität der Unterhaltung beschädigt. So versucht Danny seinem creepy Nachbarn, dem sogenannten cat man (Rich Fulcher), aus dem Weg zu gehen. Dabei geht er viel weiter, als es jeder normale Mensch tun würde. Noch alberner ist jedoch seine überkomplizierte Pizzabestellung...

Lisas Nacht ist sogar noch ein bisschen krasser: Weil sie Medikamente für ihre Tochter braucht, geht sie in die Apotheke. Dort wartet sie dann ewig darauf, dass sich jemand am Verkaufsschalter meldet. Irgendwann will sie sich das Mittel einfach selbst verkaufen, doch bucht dabei versehentlich mehrere Hundert Pfund von ihrer Karte ab. Als sie sich dann wenigstens so viele Produkte dafür holen will, wie er nun zustehen würden, muss sie kurzerhand bei der nächsten Kundin selbst die Verkäuferin spielen, um nicht wie eine Ladendiebin auszusehen.
Dieses ganze Theater geht mehrere Stunden, in denen sie dauerhaft mit Danny in der Leitung bleibt. Als sie den Apotheker schließlich tot im Lager findet, endet diese Farce jäh in einer Tragödie. Doch Lisas Reaktion darauf ist ebenso unglaubwürdig wie alles andere, was sie vorher getan hat. Wobei man selbstverständlich zwei Punkte zur Verteidigung der Serie nennen muss: Erstens ist dies eine Comedy, die nicht ganz realistisch sein muss; und zweitens haben wir es mit zwei Menschen zu tun, die notorisch übernächtigt sind und daher nicht die klügsten Entscheidungen zu treffen neigen würden.
Sollte die Unzurechnungsfähigkeit von Lisa und Danny wirklich eine Rolle spielen, sollte die Serie das in den kommenden Folgen vielleicht noch ein bisschen deutlicher unterstreichen. Ansonsten lässt man uns zunächst mit einem Cliffhanger zurück, als Lisa zum ersten Mal zu begreifen scheint, dass sie und ihr lieber Telefonfreund Danny auch romantisch zusammenpassen würden. Auch sehen wir, dass sie einen Partner hat, der von Blake Harrison (The Inbetweeners, „Sex on the Beach“) gespielt wird. Ahnt der schon was von Lisas nächtlichem Doppelleben?
Wie ist es?
Alles in allem liefert die neue Apple TV+-Serie Still Up eher einen verhaltenen Auftakt. Die Romcom besitzt zwar einen gewissen Charme - vor allem versprüht durch die beiden Hauptdarsteller Antonia Thomas und Craig Roberts -, doch wirklich mitreißend ist das Ganze (noch) nicht. Vielleicht ist das Werk vom britischen Duo Natalie Walter und Steve Burge ja auch für Menschen gedacht, die selbst unter Schlafstörungen leiden. In einer ruhigen Nacht ist die Stimmung sicher passend für so ein Format - was natürlich nicht heißen soll, dass es als Schlafmittel helfen kann.
Wir geben der Pilotepisode daher solide drei von fünf Schlaftabletten - und hoffen, dass die Serie ihre Fans findet (auch wenn wir nicht dazu gehören). Viel lieber werfen wir noch mal einen Blick in den 90s-Klassiker „Schlaflos in Seattle“ mit Tom Hanks und Meg Ryan, welcher dieses Jahr immerhin sein 30. Jubiläum feiert...
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Still Up“: