Stateless: Review der Pilotepisode

© vonne Strahovski in Stateless (c) Netflix/ABC
In der circa einstündigen Pilotfolge von Stateless begleiten wir die Stewardess Sofie (Yvonne Strahovski; Chuck, The Handmaid's Tale) bei ihrer Selbstfindungsreise, ihrem Ausbruch aus dem Alltag. Zeitgleich verfolgen wir eine afghanische vierköpfige Familie auf ihrer Reise in eine (vermeintlich) bessere Zukunft, die sie sich in Australien erhoffen. Der dritte Handlungsstrang folgt Cam Sandford (Jai Courtney), der sich dazu entscheidet, einen Job in einem Flüchtlingsheim anzunehmen.
Darum geht's in Stateless
Sofie ist eine Stewardess bei einer renommierten Fluglinie, wodurch sie erstens viel unterwegs und selten zu Hause ist und zweitens ein aufregendes Leben führt, das ihre bürgerliche Familie nicht nachvollziehen kann. Insbesondere durch diese fühlt sie sich gefangen in ihrem eigenen Leben und beginnt eine drastische und folgenreiche Suche nach sich selbst. Unterstützung erhält sie dabei von Pat (Cate Blanchett) und Gordon Masters (Dominic West; The Wire, The Affair), die ein fast sektenähnliches Unternehmen leiten, das Menschen wie Sofie bei ihrer Selbstfindung helfen soll. Hierfür müssen sie ihr altes Leben und ihr altes Ich los- und hinter sich lassen, wodurch sie letzten Endes völlig isoliert dastehen.
Zuerst erscheint es so, als ob die Methode der Masters Wirkung zeigen würde: Sofie erkundet die Tiefen ihrer falschen Selbstdarstellung, sie kann Erfolge aufweisen, sie wird als Solotänzerin für die große Show ausgewählt und so weiter. Doch zu ihrer neuen Selbstverwirklichung gehört es auch, mit ihrem alten Leben abzuschließen, so dass sie ihre Familie und ihre Schwester, die ihr besonders nahesteht, wegstößt und ihren Job als Flugbegleiterin an den Nagel hängt. Alles scheint, laut den Regeln der Selbstfindungsreise, seinen Weg zu gehen - bis es einen unerfreulichen Vorfall mit Gordon gibt, über den wir zwar nichts Näheres erfahren, der jedoch dazu führt, dass Sofie ihren Auftritt verhaut, aus dem Programm geschmissen wird und ohne Job (und Familie) dasteht.
Sie wird von der Polizei aufgefangen, als sie auf der Straße herumirrt. Sie landet erneut bei ihrer Familie. Dort spürt sie jedoch sofort die überfürsorgliche Kontrolle, die ihr die Luft zum Atmen nimmt. Schließlich taucht sie in einem Flüchtlingslager auf. Wie sie dahin kommt und was sie dort zu suchen hat, wird uns (erst mal) nicht erzählt.
In der Zwischenzeit unternimmt eine afghanische Familie eine riskante Reise, um nach Australien zu gelangen. Sie erhoffen sich dort eine bessere Zukunft. Amir (Fayssal Bazzi), der Vater der Familie, verspricht seinen Töchtern, dass sie dort alles werden können, was sie wollen. Doch die Reise dorthin gestaltet sich schwieriger als gedacht. Zuerst müssen sie Ewigkeiten warten, bis sie mit einem Bus zu ihrem Boot gebracht werden. Dort angekommen finden sie nichts außer dem Meer und Polizisten vor. Sie wurden hereingelegt und haben nun nichts mehr außer sich selbst - kein Geld und keine Papiere, diese wurden ihnen von den Vermittlern abgenommen.
Amir handelt nun aus absoluter Not heraus, denn seine kleine Tochter leidet an Malaria und benötigt dringend einen Arzt und Medizin. Dafür müssen sie jedoch nach Australien. Das gelingt ihnen aber nicht ohne Geld. Er will sich an Kuman rächen und sucht ihn auf, klaut sein Geld und will seiner Familie damit eine Überreise garantieren. Kumans Männer finden ihn jedoch und bevor sie das ganze Boot aufhalten können, opfert er sich für seine Familie und begibt sich in die Arme der Kriminellen, die bestimmt nichts Gutes mit ihm vorhaben. Amir nimmt an, dass seine Familie in Australien besser aufgehoben ist. Das Flüchtlingsheim, das wir gegen Ende zu sehen bekommen, ähnelt jedoch mehr einem Gefängnis als einem Zuhause und verspricht nichts Gutes.
Währenddessen macht der Australier Cam seine sechswöchige Ausbildung zum Wächter im Detention Center. Dabei wird er durch eine Mischung aus Theorie- und Praxisunterricht auf seine Anstellung vorbereitet: Er lernt Abwehrtechniken und die Etiketten von verschiedenen Kulturen kennen. Zudem wird ihm bewusst gemacht, dass es sich bei dem Flüchtlingsheim nicht um ein Gefängnis handelt. Die Insassen sollen also mit Respekt und Würde behandelt werden.
So kommt Stateless rüber
In der Pilotepisode gibt es zwei Handlungsstränge, die stärker im Fokus stehen. In beiden Handlungen geht es um Flüchtlinge. Sie wollen aus ihrem Alltag ausbrechen. Während die Flucht der Familie deutlicher markiert ist, stellt Sofies Flucht eine etwas andere Möglichkeit dazu dar. Dennoch werden sie alle im gleichen Zentrum für Asylbewerber/-innen landen. Hier stellt sich also die Frage, wie Sofie von einer Alltagsflüchtigen zu einem „richtigen“ Flüchtling wurde.
Für alle Beteiligten beginnt eine Reise ins Ungewisse. Während Sofie versucht, sich selbst zu finden, möchte auch die Flüchtlingsfamilie ein neues Leben anfangen und Cam wird ein völlig neues Leben zu Gesicht bekommen, das auch Einfluss auf sein eigenes haben wird.
Bis gegen Ende der Episode fällt es schwer, eine Verbindung zwischen den drei sehr unterschiedlichen Handlungssträngen zu ziehen. Doch im Laufe der Folge gestaltet sich die Zukunft der Charaktere und der Serie immer deutlicher, bis schließlich gegen Ende der Episode die Handlungsstränge zusammenlaufen. Dabei hinterlassen sie jedoch immer noch Fragen, wie es dazu kommen konnte, dass Sofie in die Anstalt kommt. Insbesondere zu Beginn kann man sich nicht vorstellen, wie diese an sich privilegierte Stewardess Sofie wenige Schicksalsschläge später (vermutlich) im gleichen Flüchtlingsheim wie die arme Flüchtlingsfamilie landen wird.

Stateless bietet also drei unterschiedliche Blickwinkel auf Flüchtlinge: die Perspektive eines Flüchtlingsheimmitarbeiters, einer Flüchtlingsfamilie und einer scheinbar Außenstehenden.
Insgesamt fühlt sich die Pilotepisode sich stark wie ein Prolog an, in dem die verschiedenen Figuren und ihre Hintergründe vorgestellt werden sollen und die Handlung etabliert wird. Der Grundstein wurde dementsprechend nun gelegt.
Die namhaften Darsteller, aber auch die eher unbekannten Schauspieler liefern eine großartige Leistung ab, welche die Handlung spürbar trägt. So übernimmt Dominic West erneut die Rolle des unerträglichen, unsympathischen, schleimigen Typen, die ihm einfach wie auf den Leib geschneidert erscheint. Cate Blanchett brilliert als heuchlerische Tänzerin, die die Augen vor der Wahrheit verschließt. Die tragische Reise von Yvonne Strahovski und der Flüchtlingsfamilie erhalten durch die Darsteller die passende Stimmung und vermitteln die entsprechenden Gefühle auf beste Art und Weise.
Fazit
Mit sechs Folgen hat die Miniserie von Netflix eine gute Länge für diese Thematik - und erscheint binge-freundlich. Stateless wartet mit bekannten Schauspielern auf, die eine tolle Darbietung geben und die Handlung der Serie tragen (werden). Zudem liefert das Drama eine überaus spannende, tragische, aktuelle und wichtige Thematik, mit der man sich auseinandersetzen sollte. Die Prämisse verspricht zudem ergreifende Geschichten, die einen auch emotional mitnehmen werden. Nach der prologähnlichen Pilotepisode lässt sich also durchaus sagen, dass die Serie großes Potential in sich trägt und man sich diese Netflix-Serie unbedingt ansehen sollte.
Hier abschließend noch der Trailer zur Netflix-Serie „Stateless“: