Stargate Origins: Das passiert, wenn das liebe Geld fehlt, liebe Trekkies

© ??Stargate Origins“ (c) MGM
Nimm dies, Star Trek!
Was war das damals für eine Erfolgsgeschichte: 1994 lief Roland Emmerichs Epos „Stargate“ in den Kinos und begeisterte Genrefans rund um die Welt mit spektakulären Bildern und einer phantasievollen - wenn auch wenig tiefschürfenden - Geschichte. Findige Kreative ließen es dabei jedoch noch lange nicht bewenden. So wird Stargate heute auch vielmehr mit dem nachfolgenden Serienfranchise in Verbindung gebracht, das 1997 mit Stargate SG-1 seinen Anfang nahm. In mehr als 200 Episoden und zwei Fernsehfilmen durften die Fans Richard Dean Anderson, Michael Shanks, Amanda Tapping und Christopher Judge dabei zusehen, wie sie nicht nur per Sternentor durch die Galaxiengeschichte bummelten, sondern dabei auch immer eine Menge Spaß hatten. Ableger Stargate Atlantis mit Joe Flanigan, Jason Momoa und David Hewlett fing diesen Humor wunderbar ein und konnte ebenfalls über fünf Staffeln und in 100 Episoden begeistern. Einzig mit Stargate Universe scheiterte man 2009 bis 2011 mit nur zwei Staffeln krachend. Der Versuch, die immer etwas trashige Serie in ein neues Zeitalter zu führen und aus der Utopie eine Dystopie mit freudlos-grimmigen Figuren zu machen, fand kein ausreichendes Publikum. Den Fans war diese Serie von Beginn an fremd und neue Zuschauerschichten schienen zudem wenig interessiert am Dark Stargate.
Dennoch handelt es sich beim Stargate-Franchise bis heute um eine Reihe, die den großen Tieren wie Star Trek überhaupt Paroli bieten konnte: Mit geringeren Mitteln, aber immer auch mit viel Liebe zu den Figuren und Details.
Würden die Macher zur Feier des 20. Geburtstages die richtigen Lehren aus der Vergangenheit ziehen können?
Der Ansatz ist dabei klar definiert: Man gibt uns zehn Episoden á rund zehn Minuten, die in der Summe einen (kurzen) Spielfilm zum Jubiläum bilden. Das muss nicht unbedingt funktionieren, kann aber! Die Serie läuft in dieser Form seit dem 14. Februar auf dem Streamingdienst Stargate Command von MGM, der auch alle Episoden der bisherigen Serien in einem Paket vereint. Die ersten drei Ausgaben haben wir uns für Euch genauer angeschaut.

Episode 1: The Phantom Menace
Womit beginnen wir? Es ist schön, die vertraute Stargate-Melodie endlich einmal wieder zu hören. Auch der Ausgangspunkt der Handlung, den man on Location gedreht hat, gefällt als Reminiszenz an den Originalkinofilm. Eine Minute und dramaturgisch zehn Jahre später ist das Plastik-Stargate jedoch bereits eingemottet worden und die Handlung spielt sich nur noch in äußerst beengten Kulissen ab.
Mit Connor Trinneer alias „Trip“ Tucker aus Star Trek: Enterprise und der australischen Schauspielerin Ellie Gall fand man zwei sympathische Darsteller für die Rollen des Professor Langford und seiner Tochter Catherine. Schade ist jedoch, dass man Trinneer den Vater Catherines nur schwer abkaufen kann - obwohl der Altersunterschied zwischen den Schauspielern vollkommen ausreichend sein sollte. Der Berufsjugendliche Trinneer sieht mit seinem grauen Schnurrbart jedoch aus, wie frisch aus dem Schultheater entflohen. Leider halten auch die Dialoge diesen Level. Mit einer „du bist wie deiner Mutter!“- Rede holt man heutzutage vielleicht noch Fans von Telenovelas hinter der Heizdecke vor, kann einem Franchise, das aus drei Serien, einem Film, Fernsehfilmen und mehr als 300 Episoden besteht, aber sicher keine neuen Impulse geben.
Relevant ist dieser Aspekt aber ohnehin nicht. Bevor Papa und Tochter weiterstreiten können, betreten nämlich schon die Antagonisten die Bühne: In immerhin passabel gelerntem Deutsch macht sich deren Anführer Hoffnung auf eine Belobigung durch den glorreichen Führer. Ihr habt richtig gelesen: Die Nazis müssen mal wieder herhalten. Das Gralstagebuch des Professors Jones haben sie übrigens auch dabei. Okkultisten-Führer Brücke kommt also mit seinen Kumpels Stefan und Günther (der eher nach Gunther klingt) vorbei, um Langford nach zehn Jahren Forschung zu enthüllen, dass es sich bei seinem Fund um einen Übergang handeln könnte. Als Trip Tucker war Trinneer irgendwie kompetenter. Vielleicht sollte er sich nicht wundern, dass niemand mehr seine Forschung bezahlen möchte?
Kurz bevor Herr Brücke das Gate allerdings in Betrieb nimmt, erklingt bereits der Abspann. Hatte ich erwähnt, wie schön es ist, diese vertrauten Klänge wieder zu hören?
Episode 2: Attack of the Nazis
Es dauert nur ein kurzes Scharmützel über die Schokoladenseite des Nazi-Generals, bis man das Tor in Betrieb nehmen kann. Der Effekt dazu gelang immerhin brauchbar. Brücke schickt sogleich zwei Schergen (die außer „Heil Hitler!“ und „Jawoll“ keinen deutschen Text erhalten) auf die andere Seite. Auch der Professor willigt ein, um seine Tochter zu schützen. Ein bisschen Herzschmerz muss schließlich immer dabei sein.
Wer auf bessere Dialoge im zweiten Teil (der sogar nur acht Minuten kurz ist) gehofft hatte, hat vermutlich beim ersten Teil nicht gut genug aufgepasst. Derartiges ist zudem besonders in Hollywoodfilmen eher selten anzutreffen. Hier bleibt die Serie dem Ur-Schöpfer der Reihe Roland Emmerich dann auch treuer als nötig. Ergo: Brücke schwadroniert, chargiert und schlägt Frauen. Durch und durch ein toller Kerl, der Mann.
Positiv zu erwähnen bleibt, dass Ellie Gall ihre Rolle mit Hingabe spielt und am Ende dank ihr so etwas wie Mitfiebern aufkommt, als sie den übriggebliebenen Nazi-Kollegen außer Gefecht setzt, sich bis zu ihrem Freund durchschlägt und direkt erstmal tief in den Flachmann schaut.

Episode 3: Revenge of the Myth
Liebe Produzenten, bitte lasst mich aus diesem bösen Traum erwachen. Diese ägyptischen Plastiksäulen und das sogenannte Fenster im Hintergrund, welches den Blick auf eine unfassbar schlechte Fototapete freigibt, kann unmöglich euer Ernst sein. Schaut bitte mal auf den Kalender! Wir haben 2018! Immerhin wehen die Gardinen...
Es ist wie immer: Wäre die Dramaturgie stimmig und die Figuren gut durchdacht, könnte man an allen Unzulänglichkeiten in der technischen Umsetzung vorbeischauen. Aus diesem Grund funktioniert zum Beispiel auch Babylon 5 bis heute so wunderbar. Wenn jedoch gar nichts stimmt, reißt eine Umsetzung wie diese das Gesamtkonstrukt vollkommen ein.
Zudem kommt bei der dritten Episode der Schultheater-Aspekt noch mehr zum Tragen als ohnehin schon. Dass eine Serie, die so wenig Zeit hat, so viel davon mit sinnentleertem Blabla in Valium-Geschwindigkeit verplempert, ist kaum auszuhalten. Immerhin sind am Ende alle Player auf der anderen Seite. Lasst was auch immer also endlich beginnen, liebe Autoren! Vielleicht ja auch mal außerhalb des Lagerhallensettings?
Wie Elizabeth am Ende ehrfurchtsvoll alleine vor dem Sternentor steht, das zehn Jahre ihr Leben geprägt hat, ist übrigens der bisher eindeutig beste Moment der ersten dreißig Minuten. Hier zeigen die Macher auch kurz wahres Interesse am Mythos Sternentor und die damit verbundene Art zu Reisen. Gut gemacht! Da freut man sich dann auch gleich doppelt über die Abspannklänge des so vertrauten Musikstücks. Ja, ich weiß. Das hatten wir schon.
Offener Brief
Liebe Freunde bei MGM, man kann ja von den neuen Star Wars-Filmen und Star Trek: Discovery halten, was man will. Die Eigentümer dieser Rechte zeigen mit den aktuellen Umsetzungen jedoch zumindest so viel Wertschätzung, dass sie sie nicht für den kleinsten gemeinsamen Nenner und so billig wie möglich verramschen. Stargate ist vielen Fans bis heute eine Herzensangelegenheit. Diese und andere Genrefreunde weltweit haben mehr verdient, als diese uninspirierte Produktion, die Liebe, Tiefgang und eine Vision zu keinem Zeitpunkt auch nur anzukratzen versucht.
Ähnliches geschah bereits bei Babylon 5, als JMS mit „The Lost Tales“ und „The Legend of the Rangers“ nur noch Schatten des einstigen Formats abliefern durfte (no pun intended). Und auch Battlestar Galactica erhielt mit „Blood & Chrome“ ein mehr als unwürdiges Spin-Off.
Irgendwas läuft hier im Denken der Macher doch schief. Entweder ist eine Sache es wert, sie würdevoll weiterzuführen, oder sie gehört vielleicht wirklich auf den Fernsehfriedhof. Eigentlich trifft das jedoch weder auf BSG, noch auf Babylon 5 oder Stargate zu. Macht es also richtig, oder lasst es! Fanverdummung ist kein Kavaliersdelikt!
Fazit
Schade. Wenn sich Fans von Star Trek und Star Wars nach dieser Persiflage noch über die Umsetzung ihrer Lieblingsreihen echauffieren, geschieht das definitiv auf zu hohem Niveau. Mehr als Bedauern kann man für Fans (wie diesen Autor) anhand einer solchen Jubiläumstravestie nicht aufbringen.