Stargate Origins 1x10

Stargate Origins 1x10

Der Auftakt von Stargate: Origins hatte uns total vom Hocker gerissen - leider jedoch vor Schmerzen. Ob die weiteren sieben Ausgaben noch versöhnen konnten? Lest es jetzt in der Staffelrezension.

Cast der Serie „Stargate Origins“ (c) MGM
Cast der Serie „Stargate Origins“ (c) MGM
© ast der Serie „Stargate Origins“ (c) MGM

Rückblick

Die verschiedenen Inkarnationen von „Stargate“ waren immer in der Lage gewesen, Fans phantastischer Serien in ihren Bann zu ziehen. Im Teich der großen Fische war es dem Franchise gelungen, mit zu schwimmen und sich eine stabile Fanbase aufzubauen. Zwar bröckelte die Liebe einiger Teile der Fans schon mit dem düsteren Versuch namens Stargate Universe, die Langlebigkeit und Vielfalt hielt letztlich aber über Wasser. Noch heute haben besonders Stargate SG-1 und Stargate Atlantis einen Haufen Verehrer.

Zum 20. Jubiläum und dem Start des Streamingportals Stargate Command wollte man den Zauber nun wiederbeleben und kam auf die Idee einer zehnteiligen Serie, bestehend aus kleinen Brocken, die die Vorgeschichte rund um Catherine Langford erzählen sollte.

Auftakt ohne Maß

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Serien haben oft Startschwierigkeiten. Im Falle von Stargate Origins jedoch, durfte man getrost von einem Rohrkrepierer sprechen, den MGM da an den Start gebracht hatte.

Zwar gewann man mit den beiden Hauptdarstellern Connor Trinneer als Professor Langford und Ellie Gall als dessen Tochter Catherine Langford Sympathiepunkte, beiden gelang es jedoch auch nicht, gegen die schwachen Drehbücher und die statischen Dialoge anzuspielen.

Hinzu kamen kostengünstige Kulissen, wenige Ortswechsel und ein Matte-Painting zum in Ohnmacht fallen (Stichwort: Tempelfenster). Wäre wenigstens die Dramaturgie in Ordnung gewesen, hätte man über vieles hinwegsehen können. Leider endete die Kreativität der Macher jedoch mit bösen und eindimensionalen Nazi-Schergen, die das Tor in ihre Gewalt bringen wollten.

Die ersten drei Episoden boten somit in der Summe ein hemdsärmeliges Schultheater, das dem Franchise in keiner Weise gerecht werden konnte. Einzig der Moment am Ende der dritten Episode, als Catherine ehrfurchtsvoll vor dem Sternentor stand, konnte gefallen. Etwas wenig in dreißig Minuten, oder? Was würde also aus dieser Steilvorlage ins Seitenaus noch werden können?

„Stargate Origins“
„Stargate Origins“ - © MGM

Die Episoden IV bis X

In meiner Rezension der ersten drei Episoden hatte ich Parallelen zu „Star Wars“ gezogen. Da es sich bei den Episoden IV und V allerdings um meine Lieblingsfilme aus der weit, weit entfernten Galaxis handelt, bringe ich diesen Vergleich nun nicht mehr weiter übers Herz.

Doch fassen wir das bunte Treiben der weiteren Ausgaben zunächst zusammen:

In der vierten Episode ging das kalauernde Erforschen der ägyptischen Einrichtung los. Dass Stargate immer viel Humor besaß, steht außer Frage. In dieser Disziplin schoss man hier jedoch definitiv übers Ziel hinaus, was auch an den talentfrei chargierenden Herren der Schauspielschöpfung liegen dürfte. Die Formel 50 Prozent Action und 50 Prozent banales Gerede blieb bestehen. Einen kleinen Brüller lieferte noch der Satz „your father is an old man“. Nein, Trinneer ist auch mit grauem Schnurrbart sicherlich vieles, aber kein alter Mann. Die Casting-Agentur sollte man feuern.

Die fünfte Episode brachte dann zumindest einen Ortswechsel. Die Szenen in der Wüste ließen die Dramaturgie dabei etwas atmen. Auch erfuhr man mehr über die Götter. Das alles wirkte jedoch eher wie ein Maskenball oder Fetischtreffen. Draußen blieb derweil alles beim Alten: Witzchen über die Aussprache von Namen sind sicher nicht die Krone der Kreativität. Erneuter Ortswechsel zum Versteck der Nazis: Diese erhielten nun auch mehr Wortbeiträge, allerdings - fast schon Standard in US-Produktionen - in größtenteils grausigem Deutsch mit englischen Untertiteln. Mit einer weiteren Rauferei sowie Verletzung samt Blitzheilung sauste man in die Staffelhalbzeit.

Die sechste Episode brachte unsere Freundinnen vom Maskenball dann in den fragwürdigen Genuss eines Nazi-Propagandafilms, der gewisse Parallelen zu ihren Allmachtsphantasien aufzeigte. Derweil durften die Helden zunächst Kommunikationsversuche starten und schließlich mit dem Einsatz von Catherines Kette überzeugen: Wer kann Ra schon widerstehen?

Während im Führerbunker vom Unendlichen Reich gefaselt wurde, feierte man andernorts ein Fest samt Friedenspfeife und Theatervorführung. In dieser Episode fand ich dann auch Philip Alexander als James Beal erstmals überzeugend und sympathisch. Und plötzlich brachte die Serie sogar die große Liebe ins Spiel. Hach.

„Stargate Origins“
„Stargate Origins“ - © MGM

Die drittletzte Episode holte die beiden Erzählstränge dann im Lager der Einheimischen zusammen. Und schon wurde wieder geprügelt, chargiert und angefeuert: „Stefan, starker! Mach starker!“ Ach ja. Doch der gute Stefan konnte nicht „starker“ und musste von seinem Chef gerettet werden. Unweigerlich dachte ich an eine Kandidatin aus „Bauer sucht Frau“: Diese sagte gerne zu ihrem Bauer: „Musse mehr Gemuse esse!“ Sie konnte auf jeden Fall besser Deutsch sprechen, als die Nazis in dieser Serie. Und falls Connor Trineer nach diesem großartigen Abstecher gar keine Jobs mehr finden sollte, hat er sich hier in jedem Fall als Simultanübersetzer gezeigt: Ägyptisch/Nazipropaganda und umgekehrt. Mindestens für Fortgeschrittene. Immerhin gab man den Protagonisten an dieser Stelle aber auch noch die großen Endkampfaufgaben für den Rest der Serie: Besiegt den bösen Ober-Nazi Brücke! Bekehrt Aset zum Guten!

Die vorletzte Episode brachte endlich ein paar interessante Gedanken zwischen Catherine und Kasuf über Glaube und Götter ins Spiel. Für das Bemühen gibt es einen kleinen Sonderpunkt. Der homosexuelle Subtext zwischen Wasif und seinem neuen Freund wirkte hingegen eher unbeholfen und wenig durchdacht, was man alleine schon an der abweisenden Reaktion von Beals sehen kann, dem das Händchenhalten sehr merkwürdig vorkommt. Hier wäre ein klares Statement, dass niemandem das Geturtel der beiden Männer überhaupt auffällt, deutlich besser gewesen. Und am Ende durfte der Professor sogar noch aktiv werden und Ra tauchte als finaler WTF-Moment mit seiner fliegenden Pyramide auf. Da kam tatsächlich so etwas wie Spannung auf. Für den Moment war dies der Höhepunkt der Serie.

Zeit für den großen Showdown! Die Knarren richteten sich aufeinander, es wurde gedroht und gefeuert und Vater und Tochter wurden wiedervereint. Aufräumen unter den Bösen war aber natürlich auch noch angesagt: Brücke musste für seine Hitler-Blasphemie sterben, seine Mörderin dann für ihre Ra-Blasphemie. Ras Auftritt und viel Geballer durften natürlich auch nicht fehlen. Was unser homosexuelles Paar angeht, wiederholte sich die Geschichte von Star Trek: Discovery: Sie hatten keine lange, glückliche Zeit, sondern wurden zu Dienern Ras. Hollywood, bitte Nachsitzen! Zum Ende schlug man dann recht geschickt die Brücke zu allem, was später (oder früher) kam, wenngleich der Amnesie-Ansatz doch etwas zu einfach war.

Probleme, Probleme

Fassen wir zusammen: So fluffig das alles klingen mag, änderte sich in den weiteren sieben Episoden leider nichts Grundlegendes an den Problemen der kurzen, schmerzhaften Serie. Die Nazi-Schergen kamen über bloße Karikaturen und schimpfende C-Movie-Finsterlinge nicht hinaus, den ägyptischen Göttern wagte man gar nicht erst eine tiefere Agenda oder Geschichte anzudichten. Und seitens der Helden degradierte man den Professor zum übersetzenden Fremdenführer mit Handfessel und machte den ägyptischen Freund zum ägyptischen Freund, den Briten zum Briten sowie die Tochter und süße Heldin zur, naja, Tochter und süßen Heldin. Am Anfang war die Lage trist und aussichtslos, am Ende dann alles gut. Der Weg wurde gepflastert mit Stereotypen, Baukastenhandlung und ein paar hübschen Momenten.

Vergessen darf man dabei jedoch nicht, dass wir es eben nicht mit einem Hochglanzprodukt für die Kino- oder Fernsehauswertung zu tun hatten, sondern mit einem schnell heruntergekurbelten Add-On - auch wenn Ersteres selbstverständlich wünschenswert gewesen wäre.

Fazit

Kam man über den ersten Schreck hinweg, bot Stargate Origins im Rahmen der äußerst geringen Möglichkeiten zumindest solide, wenn auch vollkommen belanglose und unkreative Webisoden-Unterhaltung. Immerhin war Ellie Gall aber wirklich verdammt süß.

Eine Geburtstagsfeier stellt man sich natürlich irgendwie anders vor, zum kurzen Anstoßen mit Rotkäppchensekt reicht es jedoch allemal. Hoffen wir einfach, dass diesem deprimierenden Ende ein neuer und zauberhafter Anfang innewohnt. Auf dich, Stargate!

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Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 1. April 2018
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Stargate Origins 1x10)
Titel der Episode im Original
Episode 10
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 8. März 2018
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 21. April 2021
Autor
Justin Michael Terry

Schauspieler in der Episode Stargate Origins 1x10

Darsteller
Rolle
Ellie Gall
Aylam Orian
Philip Alexander
Shvan Aladdin
Connor Trinneer

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