Star Trek: Voyager 6x10

Was passiert?
Im Alpha-Quadranten: Reginald Barclay arbeitet inzwischen nicht mehr auf der USS Enterprise, sondern im sogenannten Pathfinder-Projekt, das seit dem Kontakt mit dem Doktor an Bord der Prometheus versucht, Kontakt mit der verschollenen USS Voyager aufzunehmen. Dabei gerät der vorbelastete Barclay jedoch erneut in die Holo-Falle, als er zunehmend besessen von seiner Arbeit wird. Ein Fall für Counselor Troi…
Dies & das
- Das Foto auf dem Schreibtisch von Admiral Paris stammt aus der Episode The First Duty und zeigt witzigerweise eigentlich die Figur des Nicholas Locarno - damals auch gespielt von Robert Duncan McNeill. Diese Figur stand zwar eindeutig Pate für Tom Paris, wurde aber nicht 1:1 übernommen.
- Die Bilder des Sternenflottenhauptquartiers stammen aus der Episode Homefront. Aus diesem Grunde tragen die dort gezeigten Personen auch noch ältere Sternenflottenuniformen.
- Die Katze von Barclay heißt Neelix.
Viele Gefühle
„After all, you are my best friends.“ (Barlay)
„And to the newest honorary member of the Voyager crew, Reginald Barclay. Whoever you are.“ (Paris)
„I want you all to know we're doing everything we can to bring you home.“ (Admiral Paris)
„Why the long face, Mr. Barclay? - Because... because, it's over, sir. - No, lieutenant. I'd say that Project Voyager is just beginning. Thanks to you.“ (Admiral Paris und Barclay)
„We've waited a long time for this moment.“ (Janeway)
Home, sweet home
Es ist ein ganz normaler Abend in einer Wohnung in San Francisco: Reginald Barclay und seine Katze Neelix bekommen Besuch - aus der Vergangenheit. Deanna Troi, einst gemeinsam mit Barclay auf der Enterprise stationiert, schaut auf Wunsch ihres alten Freundes vorbei. Da sich ihr Schiff im Orbit befindet, ein Katzensprung. Doch wird sie doch wohl keinen professionellen Grund haben? Leider doch. Zwar arbeitet Reg inzwischen am sogenannten Pfadfinder-Projekt, das sich dem Ziel verschworen hat, Kontakt mit der Voyager aufzunehmen, doch holt ihn seine belastete Vergangenheit wieder ein, was nicht nur angesichts seiner Nervosität und seines unordentlichen Quartiers verdeutlicht wird…
Pfadfinder
Man hätte es sich seitens der Autoren einfach machen und eine stringente Geschichte über die Bemühungen der Crew schreiben können, eine weiterführende Kommunikationsverbindung mit der Erde zu etablieren. Es hätte fiese Aliens, Schusswechsel und überhaupt viel Action geben können.
Hier jedoch bediente man sich des Kniffes, die eigene Franchise-Vergangenheit zu beleben und in die Voyager-Geschichte zu integrieren. Barclay an einem neuen Punkt seines Lebens zu zeigen, ist dabei eine erfrischende Idee. Der von Dwight Schultz verkörperte Zeitgenossen war schon auf der Enterprise einer der beliebtesten Nebencharaktere und wird hier pointiert weitergedacht. Die Trennung zwischen Anteilnahme und Obsession gelingt ihm auch in seinem neuen Job nicht, wie er seiner alten Freundin zu berichten weiß. Zwar leistet er einen wichtigen Beitrag, in dem von Admiral Owen Paris geleiteten Projekt, zur Etablierung einer Kommunikation mit der Crew der Voyager, doch führt ihn diese auch auf bekannte Abwege: Er erzeugt eine Simulation des Schiffes, in der er zunehmend partizipiert. Für ihn werden die Charaktere - die hier natürlich und richtigerweise nicht in allen Details korrekt dargestellt sind - zu Freunden und zu einer Ersatzfamilie. Nebenbei entwickelt sich ein Verhaltensmuster, dass man bereits aus seinen Auftritten aus Star Trek: The Next Generation kennt: Der Barclay auf dem Holodeck ist ein vollkommen anderer, als der in der realen Welt. Wo er sonst nervös, unsicher, tollpatschig und inkompetent wirkt, ist er auf einmal charmant, witzig, selbstsicher und mutig. Für Barclay ein zweischneidiges Schwert: Er benötigt den Kontakt und das Zusammenwachsen mit den verlorenen Seelen auf der Voyager als Antriebsfeder für seine Arbeit, verliert sich dadurch jedoch auch wieder zunehmend in einer Phantasiewelt.
Alleingänge
In der Realität scheitert Barclay an seiner unzureichenden Außendarstellung: Sein Plan, ein künstliches Wurmloch als Kommunikationsweg zu etablieren, wird von seinem Vorgesetzten Pete - der ihm eigentlich wohlgesonnen ist - abgelehnt. Etwas, dass der schüchterne Mann nur schwer akzeptieren kann. Sein Wunsch zu helfen ist groß - zu groß eventuell. So kommt es zum Eklat, als der Admiral und Vater von Tom das Projekt besucht. Trotz Verbots seines Vorgesetzten ergreift Reg das Wort und unterbreitet seinen Plan. Als er zurechtgewiesen wird, wird er laut und wirft seinen eigentlichen Mitstreitern vor, nicht an das Wohl der Crew zu denken - gerade gegenüber dem Vater eines der Verschollenen sicher keine gute Idee.
Als er des Nachts wieder die Holosimulation aufsucht und dort von Pete überrascht wird, scheint die Sache klar: Reg ist wieder in seiner Holosucht gefangen und wird vom Dienst suspendiert. Er geht jedoch den Weg zu Paris und bittet ihn, seinen Plan noch einmal zu überdenken: Zum Wohl der Crew. An dieser Stelle beendet Reg seine Schilderung und Deanna verabschiedet sich vorerst - nicht ohne ihm zu versprechen, Picard um ein wenig Urlaub zu bitten, damit sie ihn weiter unterstützen kann...
Der falsche Weg
Doch will er letztlich nicht so lange warten: Er bricht in das Labor ein und führt seinen Plan alleine durch. Mit Erfolg: Gerade als sich das Wurmloch öffnet und er eine Nachricht hindurch schickt, kommt die Sicherheit ins Labor. Eine letzte Sackgasse für Barclay? Als es gerade scheint, er würde aufgeben, flüchtet er in seine Voyager-Simulation und kann die Nachricht dort mit Hilfe seiner „Freunde“ noch zweimal senden, bevor er endgültig festgesetzt wird.
Durchbruch
Erst in den letzten Minuten wechselt die Perspektive zur echten Voyager. Dort muss Seven gerade Neelix - diesmal dem Talaxianer, nicht dem Kater - eine schlechte Mitteilung machen: Der drollige Außerirdische hat sicher viele Talente, singen gehört aber nicht dazu. Seven möchte ihm keine weiteren Unterrichtsstunden geben. Bevor es peinlich wird, lenkt das Wurmloch die Aufmerksamkeit der Beiden auf sich - Seven empfängt die Nachricht und sendet direkt eine zurück.
Als Admiral Paris das Labor betritt, um Reg mitzuteilen, dass er an ihn glaubt und er seinen Plan durchführen soll, muss er erkennen, dass dieser bereits im Alleingang gehandelt hat. Für weitere Überlegungen bleibt jedoch keine Zeit: Die Voyager meldet sich und ein erster - wenn auch kurzer - Kontakt findet statt, bei dem Paris selbst für Tom warme Worte findet und somit eine weitere kleine Nebengeschichte der Serie fortführt.
Eine neue Hoffnung
Für Reginald Barclay ist es somit glimpflich ausgegangen. Er stößt mit Deanna auf den Erfolg an - und darauf, aktuell sogar eine neue Freundin zu haben. Dass diese Hope heißt, findet dabei nicht nur der Counselor der Enterprise zum Jaulen.
Auf der Voyager stößt man ebenfalls an - auf einen gewissen Barclay, der Janeway und Co mit seinem hohen Einsatz mindestens emotional ein ganzes Stück näher nach Hause gebracht hat...
The Reviewer's wife
Die Frau des Rezensenten startete unschlüssig. TNG ist nicht ihre liebste Trek-Serie, Troi mochte sie nie und auch Barclay hatte nie großen Eindruck hinterlassen. Dennoch überzeugte sie die Vermischung der verschiedenen Trek-Inkarnationen. Die Nutzung der holgraphischen Voyager empfand sie jedoch als unergiebig, weil letztlich nur über den Nutzer der Technologie etwas ausgesagt wurde. Als Gegenpol fehlte ihr die emotionale Resonanz der echten Crew - zumindest wenn man die Episode aus dem Kontext betrachtet.
Gib dem Kind einen Namen
Ein schlichter Titel, der sich wunderbar auf die Figur des Reginald Barclay fokussiert, der nicht nur in seinem Leben nach dem richtigen Weg sucht, sondern auch zentrale Figur in der Suche nach einem Kommunikationsweg mit der Voyager ist. Eine gelungene Spiegelung der Thematik. Im Deutschen blieb man wie so oft plakativer und lehnte sich an die reine Projekt-Ebene an - passt, hat aber Luft nach oben.
Fazit
Ein weiterer emotionaler Meilenstein der Serie, der auf wunderbare Weise liebgewonnene Charaktere aus der Schwesterserie einbringt, weiterdenkt und ihnen eine schlüssige Funktion im Kontext der Geschehnisse einräumt. Für sich genommen war die Reihe hier bezüglich der emotionalen Grundierung ihres Settings auf dem Höhepunkt - schade, dass man diesen Level in letzter Instanz dann noch in die Tonne trat.
Das soll jedoch die Leistung dieser feinen Episode nicht schmälern, die ihre Figuren ernst nimmt und der Story eine Richtung verleiht, die der Atmosphäre dauerhaft gut tat.
Nächste Woche steht die große Staffelübergabe im Kino an - der Beginn eines neuen Trek-Film-Zeitalters...
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 6. März 2016(Star Trek: Voyager 6x10)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Voyager 6x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?