Star Trek: Voyager 4x14

Star Trek: Voyager 4x14

Einer der wichtigsten Momente der Voyager-Odyssee steht auf dem Spiel - und zwei narzisstische Hologramme dichten Selbstbeweihräucherungsprosa und sprechen über Sex. Wenn man auf der Voyager Humor und Ernsthaftigkeit mischt, bleibt kein Auge trocken. Euer Platz 7 der Delta-Crew!

Szenenbild aus der Episode „Message in a Bottle“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „Message in a Bottle“ / (c) UPN

Was passiert?

Unter Zuhilfenahme eines offenbar schon lange unbenutzten Kommunikationsnetzwerks wird der Doktor kurzentschlossen in den Alpha-Quadranten geschickt, wo er dem Sternenflottenhauptquartier Bericht über die vergangenen Jahre an Bord der USS Voyager seit ihrem Verschwinden erstatten soll. Doch machen ihm ein Schiffsprototyp, sein eigener, designierter Nachfolger und die Romulaner das Leben und die Mission nicht gerade einfach…

Dies & das

  • Hier wird zum ersten Mal eine eindeutige Referenz zum Dominion-Krieg hergestellt. Eine Fortsetzung dazu fand sich dann in der Episode Extreme Risk.
  • Die USS Voyager wurde 14 Monate vor den Geschehnissen dieser Episode als verschollen gemeldet - in der Serienhistorie also circa zu Beginn der dritten Season.
  • Ursprünglich sollte das EMH Mark II nach dem Vorbild von Dr. Julian Bashir modelliert werden. Jedoch verwarf Dr. Lewis Zimmerman diesen Plan (Dr. Bashir).
  • Die letzte Szene der Episode sollte ursprünglich mit der kompletten Crew in der Messe spielen und wurde auch auf diese Weise gedreht. Doch empfand man den Rahmen als unpassend und übertrieben und drehte eine neue, intimere Version in der Krankenstation.
  • Zum ersten Mal innerhalb der Serie tauchen hier die Hirogen auf.

Synchro-Anomalien

Ein Übersetzungsfehler, der vermutlich auf ein unklares Dialogbuch oder schlechte Recherche zurückzuführen ist: Der Tal Shiar wird hier als Volk bezeichnet und nicht, wie es korrekt gewesen wäre, als Romulanischer Geheimdienst.

Fun'n'Feelings

We need to take control of this situation! - I'm a doctor, not a commando! - It's time you became a little of both.“ (Holodoc und EMH Mark II)

Is the Federation at war with the Romulans? - No. The Romulans haven't gotten involved in our fight with the Dominion. - The who...? - Long story.“ (Holodoc und EMH Mark II)

I have even had sexual relations. - Sex, how's that possible? We're not equipped. - Let's just say I made an addition to my program.“ (Holodoc und EMH Mark II)

I'm a pilot, Harry, not a doctor!“ (Paris)

Stop breathing down my neck! - My breathing is merely a simulation. - So is my neck, stop it anyway!“ (Holodoc und EMH Mark II)

Doctor, we've done it! Two holograms alone, Romulans on one side, Starfleet on the other, alarms beeping everywhere! - EMH Mark II; newborn but filled with courage! - EMH Mark I; armed with years of experience! - Together they emerge triumphant! - The end.“ (EMH Mark II und Holodoc)

60,000 light years... seems a little bit closer today.“ (Janeway)

Hektik

An einem eigentlich normalen Tag findet Seven of Nine plötzlich ein Sternenflottenschiff. Doch wie ist das möglich? Ein offenbar verlassenes Netzwerk erlaubt es ihr, an den Rand des Alphaquadranten zu schauen. Klar, dass es sich hier um eine Chance handelt, die es schnell zu ergreifen gilt. Das Schiff wird in Kürze außer Reichweite sein und ist nicht per Audioübertragung zu erreichen. Als eine Art unüberlegter Notplan wird beschlossen, die Matrix des Doktors auf das andere Schiff zu schicken - als eine Art Botschafter. Gelingt der Plan, müsste der Doktor das Schiff später nur zurück an den gleichen Ort und somit in Reichweite des Netzwerks zurückbeordern um auf sein Schiff zurückzukehren. So weit, so fadenscheinig. Nebenbei ist es äußerst spannend, wie einfach man offenbar ein Computerprogramm (das ja auch durchaus ein Virus sein könnte) in das System eines anderen Sternenflottenschiffes laden kann…

Die Crew schwankt zwischen Euphorie und Vorsicht: Man will sich schließlich keine zu großen Hoffnungen machen. Ein möglicher Verlust des Doktors bei dieser doch recht spontanen Mission scheint jedoch niemanden groß zu tangieren.

Die Aktion gelingt und der Doktor findet sich auf einem ihm vollkommen unbekannten Schiff wieder: Der Prometheus. Doch sind die einzigen Besatzungsmitglieder leider tot oder fast-tot. Die Erklärung dafür kann einer ihm jedoch noch mitteilen: Romulaner! - Wo ist der gute Doktor da nur wieder hineingeraten?

Holodoc*2=Chaos

Offenbar wurde die Prometheus von den Romulanern gekapert und soll zurück in ihre Heimat gebracht werden. Auf der Suche nach einem Verbündeten tut der Holodoc das Naheliegende - er aktiviert sein Pendant des fremden Schiffes. Und offenbar hat Dr. Lewis Zimmerman sich inzwischen doch für ein neues Aussehen des Nachfolgemodells entscheiden können. Doch macht dieser unserem Holodoc zuerst keine Freude: Das EMH Mark II hat mehr Haare, ist jünger und fast noch eine Spur arroganter als der uns bekannte Charakter.

Doch rauft man sich nach einigem Geplänkel zusammen. Während der Doktor verhört wird, hilft ihm sein Notpartner aus der Klemme. Die Romulaner sind nun aus dem Weg geräumt - bleibt aber noch ein Schiff zu retten - von der ursprünglichen Mission ganz abgesehen.

Keine Zeit für Sex

Auf der Brücke kalauern sich die beiden derweil von einem Alarm zum nächsten. Der beste Gag über den holografischen Atem im holgrafischen Nacken steht dabei der doch etwas deplatzierten Sorge des EMH Mark II gegenüber, der befürchtet bei einer Zerstörung durch die Romulaner niemals Sex haben zu können. Hier wird eine Charakter-Entwicklung beschleunigt, die vermutlich bei eine Programm wie dem seinen gar nicht vorgesehen wurde oder zumindest einen langen Prozess bedingen würde. Man denke hier an die Evolution des Doktors. Wäre die Episode ein T-Shirt, würde folgender Satz auf ihm stehen: Written for comedy purposes only.

Die drei auftauchenden Warbirds werden zunächst mit einer schauspielerischen Glanzleistung des Doktors verwirrt, als dieser einen der ihren darzustellen versucht. Das folgende Feuergefecht, in das schließlich auch die Sternenflotte eingreift, ist dann jedoch schnell abgehandelt und inhaltlich wenig ergiebig. Die Hologramme obsiegen und können das Schiff an ihre Kollegen aus dem Alpha-Quadranten übergeben. Mehr als zwei stumme Vertreter eines Außenteams werden dem Doktor und uns an dieser Stelle jedoch nicht gewährt.

Schließlich steht noch die Rückkehr des Helden an: Auf der Krankenstation berichtet er Janeway, Chakotay und Tuvok von seiner erfolgreichen Mission und davon, dass die Crew nun nicht mehr allein sei und man alles dafür tun würde, ihr zu helfen.

Ein großes Kompliment verdient sich an dieser Stelle Kate Mulgrew, die es schafft alle damit verbundenen Emotionen in ihre Mimik und den abschließenden Satz zu legen und damit das erste Mal in diesen 45 Minuten den Zuschauer spüren zu lassen, was hier gerade passiert ist. Das Drehbuch ist irgendwo in der Produktion der Episode falsch abgebogen, die First Lady der Voyager hat jedoch noch alles rausgeholt, was machbar war. Dafür ein Dankeschön.

Larifari als Rahmen

Das bunte Treiben auf der Prometheus wird immer wieder durch kurze Sequenzen auf der Voyager unterbrochen. Diese bremsen den Comedygehalt sichtlich aus und schaffen es zudem nicht, eine emotionale Grundierung des eigentlichen Themas der Episode, der Sehnsucht nach Kontakt in die Heimat, herzustellen.

B´Elanna Torres, ohnehin unter Generalverdacht was grundlose Zickereien angeht, hat sich mal wieder die arme Seven of Nine ausgesucht und feuert Tirade nach Tirade ab. Dass sie damit weder bei der Ex-Borg noch beim Zuschauer wirklich Sympathien gewinnt liegt auf der Hand. Auch Neelix und seine Kochkünste stehlen der Handlung eher Zeit als irgendwie eine Relevanz beizusteuern.

Am schlimmsten jedoch wird es bei der vollkommen fehlgeleiteten Nebenhandlung um Tom Paris und seinen Wunsch, einfach ein neues medizinisches Hologramm zu programmieren. Schön, dass ihm der Doktor als Freund und Kollege so am Herzen liegt. Doppelt schön, dass er offenbar so wenig Respekt vor der technischen Umsetzung besitzt, dass er meint, Harry könnte das mal so eben nebenbei duplizieren. Hier nimmt sich weder die Serie selber ernst, noch die Autoren ihre Figuren oder gar die Zuschauer. Dass der grandiose Plan am Ende scheitert ist dabei natürlich Ehrensache und führt in der Summe nur zu debilen Füllszenen. Nachsitzen, Leute!

Inhaltlich relevanter ist da schon das kurze Scharmützel mit den plötzlich auftauchenden Besitzern des Netzwerks. Hier gewährt man uns einen ersten Blick auf die Hirogen, die im Verlauf der Serie noch deutlich an Bedeutung gewinnen sollten und hier von Seven dank ihrer Cowboy-Diplomatie jeden Grund für schlechte Laune erhalten haben…

The Reviewer's wife

Große emotionale Regungen rief die Episode nicht hervor - zwar wurde der Moment, in dem man endlich Kontakt mit der Heimat erhält, gewürdigt, doch ging der Rest schlicht als nett, süß und kurzweilig durch. Eine reine okay-Episode eben. Schön war jedoch, wie die Frau des Rezensenten einen vollkommen normalen Dialog zwischen Seven und Chakotay als Vorwegweiser auf die spätere C/S-Liebesgeschichte identifizierte. Frauen haben wirklich Antennen für sowas…

Gib dem Kind einen Namen

Der Titel ist im Englischen wie im Deutschen zwar simpel aber absolut passend. Den Doktor als Flaschenpost zu bezeichnen, der dem Alphaquadranten von der Voyager berichtet und im Gegenzug Informationen für die Verschollenen mit zurück nimmt, ist definitiv einer Würdigung wert.

Fazit

Eine durchaus kompetente Comedy-Folge, die ihren finalen Moment nicht mit akuten emotionalen Geschehnissen unterfüttert, sondern sich ganz auf die Show der beiden Hologramme verlässt. Diese funktioniert auch entsprechend wunderbar und bietet beiden Darstellern die Chance, völlig in ihren weltfremden Charakteren aufzugehen. Dass das restliche Drittel der Episode jedoch fast komplett verschenkt wird führt zusammen mit der fehlenden Grundierung der Kernstory zu deutlichen Abzügen. Kein großes Highlight also, aber immer noch gehobener Durschnitt.

Zum Jahresabschluss und passenderweise als mein 100. Trek-Review hier bei Serienjunkies habe ich mir für morgen eine Episode ausgesucht, die für mich einen zeitlosen Klassiker quer durch alle Trek-Serien, durchs Genre und sogar generell im Bereich Serien-TV darstellt: Es geht erneut um die Crew der Voyager und die Frage: Was werden zukünftige Generationen über uns denken?

Übersicht zum Review-Countdown

Hier findet ihr die bisher erschienenen Reviews nach Serien sortiert zum Nachlesen:

Star Trek

Where no man has gone before (Pilot)

The Conscience of the King (Klein aber fein)

Tomorrow is Yesterday (Platz 10)

A Piece of the Action (Platz 9)

Spock´s Brain (Trash oder Fun?)

The Naked Now (Platz 8)

I Mudd (Platz 7)

Star Trek: The Next Generation

Encounter at Farpoint (Pilot)

Lower Decks (Klein aber fein)

Data´s Day (Platz 10)

First Contact (Platz 9)

Phantasms (Trash oder Fun?)

I Borg (Platz 8)

The Inner Light (Platz 7)

Star Trek: Deep Space Nine

Emissary (Pilot)

Nor the battle to the strong (Klein aber fein)

The Wire (Platz 10)

Hard Time (Platz 9)

Our Man Bashir (Trash oder Fun?)

The Siege of AR-588 (Platz 8)

What you Leave Behind (Platz 7)

Star Trek: Voyager

Caretaker (Pilot)

11:59 (klein aber fein)

Drone (Platz 10)

Blink of an Eye (Platz 9)

Bride of Chaotica! (Trash oder Fun?)

Endgame (Platz 8)

Star Trek: Enterprise

Broken Bow (Pilot)

Alle restlichen Reviews zur Serie (aktuell bis Anfang Season 3) findet ihr auf der Serienseite.

Star Trek: Die Kinofilme

Star Trek: The Motion Picture

Star Trek: The Wrath of Khan

Star Trek: The Search for Spock

Star Trek: The Voyage Home

Diverses

Star Trek Renegades

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 19. Dezember 2015
Episode
Staffel 4, Episode 14
(Star Trek: Voyager 4x14)
Deutscher Titel der Episode
Flaschenpost
Titel der Episode im Original
Message in a Bottle
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 21. Januar 1998 (UPN)
Autor
Phillip Renke

Schauspieler in der Episode Star Trek: Voyager 4x14

Darsteller
Rolle
Kate Mulgrew
Robert Beltran
Roxann Dawson
Robert Duncan McNeill
Ethan Phillips
Tim Russ
Garrett Wang

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?