Star Trek: Voyager 3x26

Was passiert?
Als sich die USS Voyager auf ihrem Weg nach Hause dem Zentrum des Borg-Territoriums nĂ€hert und feststellt, dass man durch ein riesiges Gebiet voller Kuben fliegen wird mĂŒssen, stöĂt man nicht nur auf diesen einen Gegner, sondern auch noch auf einen, der offenbar noch mĂ€chtiger ist als die Borg...
Dies & das
- Bei der AnhÀufung von toten Borg-Drohnen handelt es sich um Spielzeugfiguren der Firma Playmates Toys.
- Jeri Ryan soll im Laufe des Drehs mehrmals in Ohnmacht gefallen sein, da das Borg-KostĂŒm zu eng war.
Zitate
„There's a story I heard as a child, a parable, and I never forgot it. A scorpion was walking along the bank of a river, wondering how to get to the other side. Suddenly, he saw a fox. He asked the fox to take him on his back across the river. The fox said 'No. If I do that, you'll sting me and I'll drown.' The scorpion assured him, 'If I did that, we'd both drown.' So, the fox thought about it, and finally agreed. So, the scorpion climbed up on his back, and the fox began to swim, but halfway across the river, the scorpion stung him. As the poison filled his veins, the fox turned to the scorpion and said, 'Why did you do that? Now you'll drown too.' 'I couldn't help it,' said the scorpion, 'it's my nature'.“ (Chakotay)
„There's a path before me... the only way home. And on either side, mortal enemies bent on destroying each other. If I attempt to pass through them... I'll be destroyed as well. But if I turn around... that would end all hope of ever getting home.“ (Janeway)
„Don't worry. I'll delete myself at the first sign of trouble. Well, maybe not the first sign.“ (Doc)
„When your captain first approached us, we suspected that an agreement with Humans would prove impossible to maintain. You are erratic, conflicted, disorganized. Every decision is debated, every action questioned, every individual entitled to their own small opinion. You lack harmony; cohesion; greatness. It will be your undoing.“ (Seven)

Wir sind der Big Bang
Widerstand ist - nicht zwecklos. Mit einem der kĂŒrzesten aber dabei effektvollsten und auf subtile Weise charmantesten Teaser startet die Voyager in ihr erstes Borg-Abenteuer. Doch offenbar gibt es in der NĂ€he noch eine gĂ€nzlich neue Spezies, die man definitiv im Auge behalten sollte...
Routine oder nicht?
Auf der Voyager ahnt man derweil noch nichts davon - Janeway hat gar Freizeit und spielt mal wieder ein wenig auf dem Holodeck herum. Diesmal jedoch nicht in ihrer alten Gothic-Novel, sondern als Adjutantin von Leonardo da Vinci in dessen Atelier. Eine gute Idee, bei der letztlich nur Janeways Uniform stört - man denke an Picard im Anzug als Dixon Hill.
Doch ist es ohnehin schnell vorbei mit dem Chillen, denn im Maschinenraum entdeckt man ein Problem: Nach Jahren der Ungewissheit scheint man nun kurz vor dem Territorium der Borg zu stehen. Das Ende der Reise? Nicht ganz so schnell, denn fĂŒr den Moment gibt es noch Hoffnung: Ein Raumkorridor, den es zu durchfliegen gilt, da dort wenig bis gar keine Borg-AktivitĂ€t zu messen ist und den die Crew als Nord-West-Passage bezeichnet. Ob das gutgeht? Bei Goodbye Deutschland hĂ€tte es an dieser Stelle aus dem Off geheiĂen: Noch ahnte die Crew nicht, auf welche Probleme sie dort treffen wĂŒrde...
In einem Nebenstrang arbeitet Kes mit dem Doktor an einer Verteidigung gegen die Assimilationsmethoden der Borg - und die Ocampa beginnt, telepathische Visionen zu erleben. Doch eine Art Stimme aus dem Off also? Jedoch hĂ€tte es dieses effektvolle Foreshadowing gar nicht gebraucht, denn kurz darauf sieht man sich fĂŒnfzehn Kuben gegenĂŒber. Oder wird vielmehr von ihnen ĂŒberholt - die Borg haben es scheinbar sehr eilig und fĂŒr die USS Voyager nur einen flĂŒchtigen Scan ĂŒbrig. Was ist hier los?
Ein stark geschriebenes und sehr inniges GesprĂ€ch zwischen Janeway und Chakotay zeigt dann ein Aufblitzen des Potentials dieser Verbindung und bringt zudem einige Erinnerungen an bisherige Borg-Abenteuer der Enterprise um Captain Picard zurĂŒck. Warum ein derart enges VerhĂ€ltnis hier angedeutet und in der Folge der Serie kaum mehr beachtet wurde, bleibt leider unklar. Die Chemie zwischen den beiden stimmte.
Klar wird jedoch, dass die Borg ein dickes Problem haben. Die Voyager trifft auf ein riesiges TrĂŒmmerfeld. Wolf 359 mal andersrum. Auf der Suche nach den Verantwortlichen und einem potentiellen Alliierten betritt man mutig einen der Kuben und findet ein voll CGI-animiertes Alien - gute Arbeit der Effektcrew. Doch ist dieses wenig kommunikativ, verletzt Harry Kim und entschwindet. Kes hatte die Gefahr zwar kurz zuvor bereits in einer Vision gesehen, konnte den Angriff aber nicht mehr verhindern. Die AtmosphĂ€re auf dem Kubus erinnert im Ăbrigen nicht nur zufĂ€llig an den ersten Teil der Alien-Reihe - hier kehrten die Borg definitiv mit gröĂtmöglichem Schrecken zurĂŒck - flankiert von einem vollkommen neuen Feind, ĂŒber den man so wenig wie nötig erfĂ€hrt. Bevor es zu schlimm wird, warpt man jedoch erstmal in letzter Sekunde davon. Laut Kes sind es diesmal eben nicht die Borg, vor denen man sich fĂŒrchten muss, sondern der neue, unbekannte Feind.

Ask Leonardo
Doch vorerst scheint man in Sicherheit zu sein und nimmt wieder Kurs auf den Raumkorridor - wĂ€hrend Kim auf der Krankenstation bei lebendigem Leibe aufgefressen wird. Spooky. Doch ist das natĂŒrlich nicht die einzige Hiobsbotschaft - die begehrte Nord-West-Passage stellt sich als Ursprung der Spezies, die man dank der Bord-Datenbank nun als Spezies 8472 bezeichnen darf, heraus. Der Weg nach Hause ist also erneut verbaut und Janeway und Chakotay diskutieren es ein weiteres Mal aus - anderen Weg suchen? Aufgeben? KĂ€mpfen? Chakotay rĂ€t zum Durchatmen und Nachdenken.
In der Abgeschiedenheit der Werkstatt des groĂen da Vinci findet Janeway Erleuchtung - sie blickt hinter das Offensichtliche und erkennt, was zu tun ist. Die Szenen mit da Vinci sind SelbstlĂ€ufer, bei denen John Rhys-Davies dank seines wunderbaren Spiels eine willkommene Bereicherung zur oft ĂŒbertrieben SterilitĂ€t der Crew darstellt.
Dass er Janeway indirekt auf die Idee bringt, eine Allianz mit den Borg anzustreben, scheint die restliche Crew nicht direkt zu begeistern - dennoch wird der Plan selbstverstĂ€ndlich umgesetzt. Kathryn âwir schaffen das!â Janeway haut also mal wieder mĂ€chtig einen raus - und lĂ€sst Segel auf das nĂ€chste Borg-Schiff setzen. DafĂŒr bekommt Chakotay eine kleine MĂ€rchenstunde spendiert und darf dabei nicht nur den Episodentitel erklĂ€ren, sondern auch noch eine nette Parabel auf das Wesen der Borg liefern - gut gelungen. Dass er jedoch indirekt den RĂŒckzug vorschlĂ€gt ist das Todesurteil fĂŒr sein Ansinnen - hier bleibt Janeway stur und muss ihren Plan somit am Ende ohne RĂŒckhalt durchziehen.
Als sie schlieĂlich mitten auf einem Borg-Schiff steht, mit den sonst so kompromisslosen Maschinenwesen verhandelt und schlieĂlich, als Spezies 8472 erneut angreift, ihre Crew anruft, gönnt man uns einen weiteren groĂen Borg-Cliffhanger - nicht so effektiv wie damals bei den Kollegen von der Enterprise, aber dennoch nicht ĂŒbel. Ăbrigens: Die ganze Szene mit Janeway im Kubus wirkt heute rein technisch gesehen leider unfreiwillig komisch, da die Einbettung der Realszenen in das Innere des Schiffes geradezu Greenscreen zu schreien scheint - untermalt wird dies noch durch Mulgrews stĂ€ndiges ungelenkes nach vorne ĂŒber kippen. Hier ist Schmunzeln angesagt. Im Fall der Frau des Rezensenten sogar Mario-Barth-GedĂ€chtnis-Seufzen.

The one and only Seven of Nine
Das aufgebaute Cliffhanger-Drama erledigt sich aber selbstverstĂ€ndlich erneut (zu) schnell - Janeway meldet sich, erklĂ€rt Waffenstillstand und Deal und fordert Tuvok als Hilfe auf dem Kubus an. Doch auch die Borg treffen eine Wahl - Seven of Nine, eine Borg-Frau, wird als Sprecherin gewĂ€hlt und soll mit der Voyager-Crew zusammen arbeiten. Derweil gelingt dem Doktor ein Durchbruch bei Kim - noch ein Brandherd sehr schnell aus dem Weg geschafft. Wie möchte man wohl die Episode noch fĂŒllen?
Erstmal mit ein wenig Kennenlernen - die erste Begegnung zwischen den beiden neuen Leading Ladys der Serie steht an und zeigt, dass direkt eine spannende Chemie entsteht. Janeway begibt sich sofort in eine Art Mentorenposition, versucht, die offenbar menschliche Borg aus der Reserve zu locken und mehr von ihr zu erfahren. Gestört von Spezies 8472 geht es jedoch erst einmal wieder in den Bereich Action - am Ende wird Janeway verletzt, kann Chakotay gerade noch bitten, die Allianz aufrecht zu erhalten, und wird bewusstlos.
The Chakotay Factor
Nun steht er da - Commander Chakotay, der die Natur der Borg so gut zu kennen glaubt und soll eine Allianz weiterfĂŒhren, die er fĂŒr „einen fatalen Fehler“ hĂ€lt. Was ist stĂ€rker? Seine LoyalitĂ€t zu Janeway oder der Wunsch, seine eigene Agenda durchzusetzen? Sagen wir es ganz ehrlich: Der aufrechte aber streitbare Indianer hat nur auf diese Gelegenheit gewartet - beim ersten Windhauch bricht er mit Janeways Zusagen und beschlieĂt, die Borg auf einem Planeten auszusetzen. Sympathisch macht ihn das nicht. Dass die Borg sich nicht so leicht loswerden lassen, ist jedoch ebenfalls klar - am Ende sind dennoch alle Borg bis auf Seven of Nine aus der Luftschleuse geflogen, Chakotay hat sich einen sehr berechtigten Vortrag ĂŒber die SchwĂ€chen seiner Spezies anhören dĂŒrfen und die wieder genesene Janeway wird ihm nun sicher ein paar unangenehme Fragen stellen wollen. Wunderbare Leistung, Chakotay.

The Janeway Factor
Da ist sie also wieder - Mama Janeway: EnttĂ€uscht, verraten und beleidigt. Hier zeigt sich die Voyager-Besatzung in der Tat als wenig homogen und familiĂ€r - was bei genauerem Hinsehen auch gar nicht recht ins Bild der Serie passen will, wenn man zum Beispiel an das durchaus pathetische Ende von The 37s denkt. Chakotay wird erneut als sehr sprunghaft gezeichnet und innerhalb von Sekunden bekehrt. Zu einfach, aber leider auch typisch Voyager. Es gilt nun eigentlich nur noch, Spezies 8472 mit der vom Doktor erzeugten Waffe zu vernichten und in den normalen Raum zurĂŒckzukehren. BĂ€ng, Zack, Poff. Ende.
The Seven Factor
WĂ€re da nicht noch die letzte Borg an Bord. Seven möchte sich nicht so leicht ergeben und versucht tatsĂ€chlich, das Schiff zu ĂŒbernehmen. In einem letzten Kraftakt der Zusammenarbeit und des Familienzusammenhaltes obsiegt das menschliche Kollektiv aber schlieĂlich doch noch. Plakativ gezeichnet erneut, aber emotional durchaus wirkungsvoll - gerade wenn man den Weg im Hinterkopf behĂ€lt, den diese Borg in den Folgejahren an Bord des Schiffes noch nehmen wĂŒrde...
The Reviewer's wife
Spannend, unterhaltsam, ganz gut - keine groĂe Euphorie bei der Frau des Rezensenten, aber gemĂ€Ăigte Zustimmung. Absolute Borg-ĂbersĂ€ttigung? Die Synchronisation von Kes fiel ihr erneut als sehr negativ auf, ebenso Janeways Gehampel in der angesprochenen Greenscreen-Szene. FĂŒr sie handelt es sich hier schlicht nicht um wirkliches Star Trek - und eher eine erstaunliche Wahl auf der Nummer 1.
Gib dem Kind einen Namen
Angelehnt an die Parabel von Chakotay benannte man die Episode im Original wie im Deutschen. Ein durchaus passender Titel, der aber nur auf einer sehr plakativ-metaphorischen Ebene arbeitet - letztlich wie die Episode selber. Style over substance.

Fazit
Scorpion war sicherlich eine Art Erweckung fĂŒr die Serie, hin zu etwas mehr Dramatik, Spannung und KohĂ€renz. Am Relevantesten war retrospektiv jedoch der Tausch von Kes zu Seven, der dem Ensemble eine Farbe zufĂŒhrte, die viele zukĂŒnftige Episoden tragen konnte. Sicherlich im wahren Trek-Sinne kein Highlight, aber eine sehr kompetente Action-Show, die auch spĂ€ter innerhalb der Serie weitestgehend unerreicht blieb.
Das war es erst einmal von mir und mit dem Countdown. Es hat mir eine Menge Freude gemacht - vielen Dank fĂŒr die vielen Kommentare! Nach einer kurzen Pause werde ich mich mit Star Trek: Enterprise zurĂŒckmelden und dann auch noch vereinzelt Specials einstreuen, auf die Ihr Euch auf freuen könnt. Bis bald!
Verfasser: Björn SĂŒlter am Samstag, 10. September 2016(Star Trek: Voyager 3x26)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Voyager 3x26
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?