Star Trek: Voyager 3x08

Star Trek: Voyager 3x08

Thin as thin can be - Die Serie versucht sich an einer Kopie des beliebtesten Humorstücks der Kinoreihe und nimmt dabei seine eigene Handlung kaum ernst. Lustig und unterhaltsam - ja. Tiefsinnig und von bleibendem Wert - nein. Eure Nummer 4!

Szenenbild aus der Episode „Future's End“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „Future's End“ / (c) UPN

Was passiert?

Ein Zeitschiff unter dem Kommando von Captain Braxton taucht vor der Voyager auf und will das Schiff zum Schutz der Zeitlinie vernichten. Doch nicht mit Captain Janeway! Nach einem kleinen Scharmützel werden beide Schiffe durch die Zeit geschleudert - nun muss die Crew der Voyager in einer barbarischen Zeit überleben und einen Weg zurück finden. Herzlich Willkommen im Jahr 1996…

Dies & das

  • Die Episode errang eine Emmy-Nominierung in der Kategorie "Outstanding Sound Mixing for a Drama Series".
  • Nach Ankunft auf der Erde sagt Janeway, dass sie gerne wüsste, was ihre Vorfahren in dieser Zeit gemacht hätten. Sie sollte es jedoch wissen, da eine Vorfahrin in diesem Jahrzehnt lebte und der Grund war, dass Janeway überhaupt Forscherin wurde.

  • Der Doktor erhält hier seinen mobilen Emitter, der es ihm ermöglicht, auch in einer Umgebung ohne Holotechnologie zu existieren.
  • Es finden sich in der Story deutliche Hinweise auf das tatsächliche SETI-Projekt zur Entdeckung außerirdischen Lebens.

Zitate

We could've worn our Starfleet uniforms. I doubt if anyone would've noticed.“ (Tuvok)

You stay right where you are...you quasi-Cardassian totalitarian!“ (Braxton)

Time travel. Ever since my first day in the job as a Starfleet Captain I swore I'd never let myself get caught in one of these god-forsaken paradoxes. The future is the past, the past is the future. It all gives me a headache.“ (Janeway)

If my history is accurate, Southern California in the late twentieth century had no shortage of psychotherapists, competent and otherwise. I suggest you find one. Now... return me to Voyager.“ (Doc)

I've been equipped with an autonomous self-sustaining mobile holo-emitter. In short, I am footloose and fancy free.“ (Doc)

And you, Mister Leisure-suit. - There's a name I hadn't considered.“ (Rain und Doc)

Total abgefahren

Voll groovy. Ein Hippie sitzt irgendwo in der Sierra Nevada und ahnt nichts Böses, als ein Flugobjekt genau neben ihm abstürzt. Ein UFO etwa? Doch wie ist es überhaupt zu dem Absturz gekommen? Und was wird der Hippie mit dem Objekt anfangen?

Das sind definitive zu viele Fragen für den Moment - Wechseln wir lieber mitten hinein in die relevante Handlung an Bord der USS Voyager: Captain Janeway spielt Tennis. Richtig gehört, Katie übt just ihren Aufschlag, als Tausendsassa Tuvok mit guten Ratschlägen aus dem Bereich der Physik hereinschneit - zum Glück brüllt jedoch wie gerufen der rote Alarm los und unterbricht die mehr als ulkige Tennisstunde für den Moment.

Willkommen in einer Welt vor unserer Zeit

Ein kleines Föderationsschiff taucht auf. Nach einem Feuergefecht erklärt sich der Captain, der sich selbst als Braxton vorstellt: Er ist aus dem 29. Jahrhundert und muss die Voyager zerstören um die Zeitlinie zu bewahren. Einen Schusswechsel später ist das Schiff außer Gefecht gesetzt, verschwindet und zieht die Voyager mit sich in eine Art Raumphänomen.

Auf der anderen Seite erwartet die Crew und den Zuschauer eine Überraschung: Die Erde! Wer nun ein vorschnelles Ende der ganzen Serie annimmt, irrt natürlich. Da man Starfleet nicht kontaktieren kann, sucht man nach anderen Signalen und findet alle möglichen überlappenden Quellen: Anrufbeantworter, Radio, Fernsehen, Telefonate. Janeway richtet schnell ihre Frisur und nimmt sich dann der relevanten Frage an: Nicht wo sondern wann zur Hölle sind wir? Harry hat die Antwort: Man wurde ins Jahr 1996 verschlagen, ist vermutlich schon vom Planeten aus zu orten und Braxtons Signal kommt nun mitten aus Los Angeles… Ein Dejá-Vu beschleicht den geneigten Zuschauer, als es auch schon losgeht, mitten hinein in eine für die Crew so fremde Kultur.

Ghettoblaster, knappe Tops, Iro

Unten angekommen fühlen sich zumindest Janeway, Chakotay und Paris wie Zuhause - eben nur in der falschen Zeit. Tom und Tuvok (mit Spock-Gedächtnis-Stirnband) fällt die Rolle der coolen Streetguys zu, die erstmal am Strand die Lage peilen. Janeway (im Business-Lady-Kostüm) und Chakotay (im schlimmen 90er-Jackett) machen derweil die Arbeit. Sie folgen dem Signal und finden einen alten Zausel, der die Mülltonnen durchwühlt. Dieser outet sich als Captain Braxton, der durch einen dummen Zufall dreißig Jahre vor der Voyager-Crew auf der Erde aufschlug und seitdem ein frustrierendes Dasein fristet. Sein Schiff wurde ihm nach dem Absturz durch Henry Starling gestohlen (der Hippie, aha!), der sich damit dann in der Folge ein Imperium aufbaute und heute unantastbarer Chef der Firma Chronowerx ist. Was für ein passender Name.

Die Schuld für all das sucht Braxton natürlich bei der Voyager-Besatzung. Dass er dabei wie eine billige Doc-Brown-Kopie durch die Gegend hüpft und vollkommen gaga seine Theorien schildert und illustriert, muss man wohl zähneknirschend als Hommage nehmen. Relevant für die Handlung ist, dass Braxton sicher ist, Starling würde die Explosion die alles initiiert hat erst auslösen, wenn er mit dem Zeitschiff versucht ins 29. Jahrhundert zu reisen. Dieses gilt es also zu verhindern. Erneut ein wunderbares temporales Paradoxon. Unerklärbar und immer gerne genommen.

Währenddessen sitzt eine junge Frau in einem Computerlabor und findet zu ihrer großen Überraschung ein Signal, das auf außerirdisches Leben hindeutet - sie wird doch nicht die Voyager entdeckt haben? Viel schlimmer ist jedoch, dass besagter Henry Starling ihr Chef ist und somit Wind von der Gefahr durch die Eindringlingen aus der Zukunft bekommt. Entgegen seiner Anweisung schickt sie das SETI-Greeting zum Schiff, wo man jedoch clever genug ist, nicht darauf zu antworten.

Für Starling ein Grund, die junge Frau, die sich als Rain Robinson vorstellt, eliminieren zu wollen. Gut für sie, dass just in diesem Moment Tom und Tuvok in ihr Labor eindringen und somit zu Verbündeten werden - zumindest nachdem Tom seinen Charme eingesetzt und Rain endlich ein paar Infos erhalten hat. Highlight ist die gemeinsame Fahrt im standesgemäßen VW-Bus.

An dieser Stelle wird bereits mehr als klar: Alles wird auf die Spaßebene gelegt, es herrscht nur wenig Ernsthaftigkeit, die Darsteller grimassieren und freuen sich diebisch über das Geschehen. Scherze und Trallala dominieren den Fortgang der Geschichte. Das ist alles harmlos und nett, aber eben definitiv auch ein eindeutiger Versuch, den Erfolg von „Star Trek IV: The Voyage Home“ zu wiederholen. Dem entgegen steht jedoch die immer wieder auftauchende Action samt dramatischem Score und die sich leider viel zu selten ernstnehmende Story, die im Kern aber eben weder dumm noch irrelevant ist.

Apropos - eine handlungsirrelevante und durchaus charmante Begebenheit habe ich noch vergessen: Kes und Neelix schauen - und erkennen den Unterhaltungswert von - Soaps.

Die Mission läuft an

Die anderen müssen in der Zwischenzeit jedoch deutlich mehr leisten: Janeway und Chakotay brechen bei Chronowerx ein und finden das Schiff von Braxton. Im Vorbeigehen diskutieren die beiden noch über das, was der durchaus angeschlagene Ex-Captain über die verwirrenden kausalen Zusammenhänge dieser Zeitreiseproblematik zu sagen hatte. Janeway jedoch schaltet rasch ab - sie bekommt von so etwas Kopfschmerzen. Absolut verständlicherweise übrigens.

Bevor das auch noch den Zuschauern so geht, werden die beiden von Starling geschnappt. Drohgebärde führen zu weiteren Drohgebärden, ein Wort bedingt das andere - am Ende bleibt Harry Kim nichts anderes übrig, als mit der Voyager über die Stadt zu fliegen (schade, „früher“ konnte man oftmals einfach so aus dem hohen Orbit beamen…) und die Kollegen zu retten. Auch noch das Zeitschiff mitzunehmen misslingt leider - im Gegenzug entwendet aber Starling etwas von der Voyager: Größere Datenmengen und den Holodoc.

Das noch größere Problem folgt auf den Fuß: Die USS Voyager ist in den Nachrichten dieser Zeit zu sehen, wie sie seelenruhig über Los Angeles fliegt…

Schweinsgalopp

Die zweite Hälfte der Episode entschließt sich nach dieser Enthüllung, das Tempo noch ein wenig anzuziehen und Fun- sowie Actionfaktor noch weiter in den Vordergrund zu stellen.

Tom, Tuvok und Rain geben weiterhin das charmante Comedy-Trio, sollen nebenbei aber noch helfen, Starling gefangen zu nehmen. Torres und Chakotay erhalten eine Sondermission per Shuttle, die sie mitten in die Hände von Anarchisten und später die Fänge des FBI führt - eine spektakuläre Randnotiz mit viel Tamtam - mehr nicht.

Interessanter sind da schon die Wortwechsel zwischen Janeway und Starling. Letzterer ist bereit, für den Fortschritt durch zeitfremde Technik sogar sein eigenes Leben zu opfern. Er will um jeden Preis starten. Dass Janeway ihn daran final hindern muss und sein startendes Schiff zerstört, bringt das Raumzeitgefüge wieder in Ordnung. Braxton taucht - ohne Erinnerung an seine grauenvoellen 30 Jahre als Zausel - erneut auf und vermeldet, die Voyager wieder in ihre Zeit bringen zu müssen. Die Bitte Janeways, er möge sie doch zur Erde bringen, verhallt aufgrund der temporalen Direktive leider unbeachtet...

Zurück im Deltaquadranten könnte man auf die Ideen kommen, erneut ein Abenteuer ohne jegliche Auswirkungen für die Zukunft erlebt zu haben. Der Wert für den Doktor, der ab hier dank eines mobilen Emitters am Leben und Forschen der Crew in vollkommen neuer Art teilnehmen konnte, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Da sogar Captain Braxton später noch zu einer Art Running-Gag wurde und zurückkehrte, muss man der Episode aber durchaus den Kredit geben, im Eventcharakter relevante Ereignisse untergebracht zu haben.

Alles easy, alles gut

Auch der Umsetzung kann man zu keinem Zeitpunkt einen Vorwurf machen. Regie (Cliff Bole), Kamera und Ausstattung sind kompetent, die Effekte gelungen. Sarah Silverman und Ed Begley Jr. geben erinnerungswürdige Gaststars ab und die Hauptdarsteller sind mit Freude dabei. Einzig der Score tobt sich erneut zu sehr in gewohnten Bahnen aus, die zum SF-Weltall-Setting passen mögen, auf der Erde aber klinisch tot und deplatziert wirken. Das Drehbuch macht es sich sehr leicht, indem es schwierige Fragen nicht stellt oder unbeantwortet lässt und sich in Gänze auf den Spaß verlässt. Bequem war eben schon immer der zweite Vorname von Brannon Braga.

Quit playing games with my heart

Die Episode spielt mit den Gefühlen der Crew und der Zuschauer, indem sie eine Rückkehr ermöglicht, die dann doch keine ist und am Ende noch einen roten Teppich auslegt, der nicht betreten werden darf. Ähnlich wie mit Wurmlöchern die nicht verwendbar sind oder allmächtigen Wesen, die aus unerfindlichen Gründen einfach nicht helfen wollen, wird hier ein Frustpegel aufgebaut, der schlicht kontraproduktiv ist. Message: Es gäbe eben doch einige Wege, schnell nach Hause zu gelangen, die Storybeschränkungen lassen sie aber nicht zum Zuge kommen. Die Crew um Kirk konnte in ihrem Filmabenteuer die 80er locker und flockig besuchen, weil für sie damit keine emotionale Geschichte verknüpft war. Man kehrte gerne in die eigene Zeit zurück. Hier jedoch geht es um den Kern der Serie - und mit selbigem sollte man einfach nicht spielen.

The Reviewer's wife

Die Frau des Rezensenten gab sich dem Spaß hin und fühlte sich bestens unterhalten. Die Ähnlichkeit und Anbiederung an den vierten Kinofilm fiel ihr zwar auch auf, aber nicht so negativ wie ihrem Couch-Kompagnon. Einzig die zu hohe Dichte an lockeren Sprüchen und Kalauern war nicht nach ihrem Geschmack - letztlich also doch noch ein Konsens.

Gib dem Kind einen Namen

Ein passender, weil schlichter und doch irgendwie mitreißender und cleverer Titel, der besonders im Englischen auch einen knackigen Klang besitzt. Die deutsche Variante „Vor dem Ende der Zukunft“ ist ein wenig ungelenk und unnötig kompliziert.

Fazit

Eine Episode, der man eigentlich gar nicht böse sein kann. Alle haben gute Laune, versprühen Spielwitz und Spaß am Abenteuer und machen sich und uns somit eine gute Zeit. Leider steht dieser Funfaktor hier aber auch ein wenig der Story im Weg, die eigentlich zu dramatisch und reich an Konsequenzen wäre - würde jemand die Gefahr ernst nehmen. So verschenkt man einen guten Ansatz, einen starken Gegenspieler (eigentlich zwei) und eine sympathische Gastschauspielerin (Sarah Silverman) an Gags, Sonne und Gekicher. Das ist alles in Ordnung und tut keinem weh - bleibt jedoch auch leider nicht genug im Gedächtnis, um nachhaltig glänzen zu können.

Nächste Woche kommen die Booooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooorg!

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 23. April 2016
Episode
Staffel 3, Episode 8
(Star Trek: Voyager 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Vor dem Ende der Zukunft - Teil 1
Titel der Episode im Original
Future's End (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 6. November 1996 (UPN)
Autor
Ted Markovic

Schauspieler in der Episode Star Trek: Voyager 3x08

Darsteller
Rolle
Kate Mulgrew
Robert Beltran
Roxann Dawson
Robert Duncan McNeill
Ethan Phillips
Tim Russ
Garrett Wang

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