Star Trek: Strange New Worlds 1x08

© abs Olusanmokun in der Serie Star Trek: Strange New Worlds, (c) Paramount+
The Elysian Kingdom
Neue Woche, neues Abenteuer. Dieses Mal geht es in den Bereich Fantasy, wenngleich es am Ende eine adäquate Lösung geben soll, die den Handlungsstrang um Rukiya (Sage Arrindell) vorerst abschließt und deshalb auch Dr. M'Benga (Babs Olusanmokun) gewidmet ist, dessen Tochter nicht mehr viel Zeit hat. Mit Ausnahme von Hemmer (Bruce Horak) gibt es kaum Verbündete für M'Benga auf dieser Reise, denn alle anderen Crewmitglieder sind recht schnell „benebelt“.
Aber fangen wir vorne an. Rukiyas Krankheit lässt ihr kaum noch Zeit und Dr. M'Benga arbeitet unter Hochdruck an einem Heilmittel. Nachdem sein letzter Versuch in Rauch aufgeht und er von Una (Rebecca Romijn) auf seine Pflichten als Schiffsarzt aufmerksam gemacht wird, soll er sich erstmal ausruhen. Währenddessen beendet die Enterprise unter dem Kommando von Pike (Anson Mount) die neueste Mission, die aus der Untersuchung eines Weltraumnebels bestand. Doch als man aufbrechen und den Nebel wieder verlassen möchte, versagen Warp- und Impulsantrieb, Ortegas (Melissa Navia) wird verletzt und M'Benga zur Brücke gerufen.
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Als er aber dort ankommt, ist er wie ein König gekleidet, die Brücke wurde zum Thronsaal dekoriert und die Crew trägt ebenfalls mittelalterliche Kostüme. Mit den Worten „All hail the King!“ wird M'Benga von Pike begrüßt und erkennt schnell, dass er und die anderen verschiedene Rollen aus der Geschichte einnehmen, die er Rukiya bereits oft vorgelesen hat. Nun gilt es, einen Ausweg aus diesem „Abenteuer“ zu finden, welches offenbar auf dem gesamten Schiff stattfindet und jedes Besatzungsmitglied mit größeren und kleineren Rollen ausgestattet hat.
M'Benga bleibt keine andere Wahl als mitzuspielen und eine Lösung zu finden. Zur Seite soll ihm später lediglich Hemmer stehen, der sich als einziger seiner echten Identität bewusst ist, während der Rest der Besatzung als Krieger, Jäger, Zauberer, Prinzessin oder auch böse Königin unterwegs ist.
Star Trek: LARP
Mit der Einführung des Holodecks in Star Trek: The Next Generation wurden Abenteuer dieser Art möglich, bei denen einzelne Figuren besagtes Deck betreten und dort eine Geschichte in anderen Rollen durchspielen konnten - wir erinnern uns kurz an Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) als Privatdetektiv Dixon Hill. Manchmal versagte das Schutzprogramm des Holodecks oder das Programm konnte nicht beendet werden, wobei die größte Herausforderung vermutlich in den Episoden bestand, in denen sich ein gewisser Professor James Moriarty (Daniel Davis) - eine fiktive Figur - seiner Rolle bewusst wurde und sogar das ganze Schiff in Schach halten konnte.
In The Elysian Kingdom wird der Spieß mit Blick auf Moriaty umgedreht. Denn nur M'Benga und Hemmer können ihre wahre Identität behalten, während alle anderen zu fiktiven Figuren aus der titelgebenden Geschichte werden. Und natürlich gibt es kein Holodeck. Vielmehr wurde die Enterprise ein wenig dekoriert, um die Fantasy-Welt widerzuspiegeln, aber es gibt noch immer die ganze technische Ausstattung, inklusive diverser Konsolen, Computer und dem medizinischen Tricorder - Hilfsmittel, auf die M'Benga und Hemmer zurückgreifen können, während die anderen Charaktere diese kaum wahrnehmen.
Aus Sicht der Darsteller sicher eine äußerst spaßige Episode, denn wir sehen niemanden in den uns vertrauten Rollen. Insofern kann hier „geLARPt“ werden, was das Zeug hält. Pike als kriecherischer Haushofmeister des Königs mit feiger Agenda (und Potenzial zum Verrat) sticht ein wenig hervor, aber neben Anson Mount scheinen auch die anderen Darsteller/innen sichtlich Spaß an ihren neuen Rollen zu haben. Denn ähnlich wie bei Pike, sind die Rollenverteilungen äußerst selten so gewählt, dass wir unsere Figuren wiedererkennen. Uhura (Celia Rose Gooding) als böse Königin oder La'an (Christina Chong) als Prinzessin mit Schoßhund? Das ist mal eine verkehrte Welt. Da sind Spock (Ethan Peck) als Zauberer oder Una als Jägerin eventuell etwas näher an den eigentlichen Rollen dran, aber trotzdem doch deutlich außerhalb dessen, was wir gewohnt sind.

Aus Sicht des Zuschauers hängt es davon ab, ob wir uns auf diesen Spaß einlassen können. Nachdem klar war, dass hier eine Fantasy-Welt das Geschehen bestimmt, war ich ehrlich gesagt nicht wirklich begeistert. In meinen Augen zieht sich die Geschichte auch zu lange hin, ehe Hemmer befreit wird und schließlich Fortschritte erzielt werden, die uns nach und nach die Hintergründe aufzeigen. Bis dahin ließ sich vermuten, dass M'Benga womöglich alles nur träumt (Explosion in sein Gesicht zu Beginn) oder sonst eine weniger befriedigende Lösung auf uns wartet. Ich sage jetzt nicht, dass ich keinen Spaß daran hatte, unsere Figuren in anderen Rollen zu sehen. Das hatte schon was. Aber meine Begeisterung hält sich trotzdem in Grenzen, weil diese Rollen im Endeffekt belanglos sind.
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Ferner wirkt diese Folge deutlich billiger als sonst, weil sich die einzige Handlung ausschließlich auf dem uns bekannten Set bewegt - Dekorationen hin oder her. Der wesentliche Punkt dürfte aber sein, dass es in dieser Folge kaum Fortschritte für die Crew und deren Charaktere zu verbuchen gibt. Sogar Hemmer kann sich gegen Ende an nichts mehr erinnern, womit es „nur“ für M'Benga und Rukiya einen charakterlichen Fortschritt beziehungsweise eine Auflösung gibt. Das ist mir unterm Strich zu wenig.
Auflösung
Ohne Hemmer wäre M'Benga vermutlich noch jetzt in dieser Fantasy-Welt gefangen. Erst als die beiden aufeinandertreffen und sich (nochmals später) austauschen können - etwa gegen Mitte der Episode - wird Fahrt aufgenommen und auf eine Lösung hingearbeitet. Erhöhte Dopamin-Level bei der Crew kommen zum Vorschein, sind aber relativ nichtssagend. Hemmer beschreibt schließlich, dass „etwas“ versucht hat, sich in sein Bewusstsein zu drängen, er diesen Angriff aber dank seiner telepathischen Fähigkeiten abwehren konnte.
An dieser Stelle können wir ahnen, dass der Weltraumnebel eine Entität bereithält, die für diese Geschichte verantwortlich ist. Die Erklärung, die wir später erhalten, ergibt auch durchaus Sinn und zeigt auf, weshalb Rukiya und ihre Lieblingsgeschichte prägend sein sollen. Ferner greift Hemmer mit dem Boltzmann-Gehirn eine interessante (echte) Theorie auf, die in den letzten zwanzig Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat. Und ich liebe es, wenn die Realität von Star Trek: Strange New Worlds oder anderen „Trek“-Serien mit der unseren vermischt wird. Da ist es schon schade, dass es die titelgebende Geschichte „The Elysian Kingdom“ nicht gibt.

Kurz noch mal zu Hemmer. Als er mitmacht und sich als Zauberer präsentiert, der Queen Neve und ihr Gefolge in den „Event Horizon“ a.k.a. Cargo Bay 12 schickt, musste ich laut lachen. „Abrakadabra!“ Zugegeben, Hemmer vermag es nicht, seine Rolle mit gewandten Worten wiederzugeben, aber letztlich zählt das Resultat, welches jedweden Widerstand hinwegbeamt.
Für M'Benga gilt es derweil, Entscheidungen zu treffen. Seine Suche nach einem Heilmittel sind fehlgeschlagen, aber durch den Auftritt der Entität sind alle Krankheitsspuren bei Rukiya verschwunden. Damit das auch so bleibt, muss er sich von seiner Tochter trennen und diese der Entität übergeben, mit der sie ihr Leben ohne Krankheit verbringen kann. Das Resultat wird auch kurz aufgezeigt, als M'Benga wenig später einer erwachseneren Version von Rukiya (Makambe K. Simamba) begegnet, die glücklich über seine Entscheidung ist und ihre eigenen Geschichten erleben darf. Happy End.
Na ja, nicht ganz. Denn außer M'Benga erinnert sich niemand an die letzten fünf Stunden. Er wird Una sicher einweihen, aber ob das Abenteuer die Runde über die gesamte Enterprise machen wird, bleibt fraglich. Besonders schade dabei ist der Gedächtnisverlust bei Hemmer, denn gerade der könnte in kommenden Folgen eine bessere Beziehung zum Schiffsarzt haben, weil beide dieses Abenteuer zusammen durchgestanden und gelöst haben. Aber wenn er sich nicht erinnern kann (und nicht eingeweiht wird), dann war es nur ein großer Pustekuchen diese Woche, der zwar eine Lösung für Rukiya und M'Benga gebracht hat, aber den Rest der Crew auf der Strecke lässt.
Fazit
Ich hatte durchaus meinen Spaß und würde die Folge nicht als schlecht bezeichnen. Aber meine Erwartungen wurden unterboten und laufen aufgrund der kaum präsenten Charakterentwicklung nicht auf eine gute Bewertung hinaus. Denn es gibt diese Woche bloß einen Handlungsstrang, der lediglich für den Schiffsarzt und dessen Tochter Bedeutung hat. Von meiner Seite gibt es diese Woche zweieinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 26. Juni 2022(Star Trek: Strange New Worlds 1x08)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 1x08
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