Star Trek - Lower Decks: Review der Pilotepisode

© tar Trek: Lower Decks (c) CBS All Access
Star Trek: Lower Decks
Mit Star Trek: Lower Decks geht die erste animierte „Star Trek“-Serie seit „Star Trek: The Animated Series“ von 1973 auf Sendung. Serienschöpfer Mike McMahan (Rick and Morty, Solar Opposites) lĂ€dt auf die unteren Decks der U.S.S. Cerritos ein, wo die FĂ€hnriche Bumford, Ă€h, Boimler (Jack Quaid), Mariner (Tawny Newsome) und Rutherford (Eugene Cordero) auf Neuzugang Tendi (Noel Wells) treffen, die gerade frisch an Bord gekommen ist.
Bereits die Eröffnungsszene lĂ€sst erkennen, dass sich diese animierte Comedy an Erwachsene richtet, was mit Blick auf McMahans bisherige Beteiligungen (die auch South Park und „Drawn Together“ beinhalten) kaum verwunderlich sein dĂŒrfte. Der ausfĂŒhrende Produzent und gleichzeitig das aktuelle „Trek“-Oberhaupt Alex Kurtzman hatte im Vorfeld bereits angemerkt, dass jede (neue) Franchise-Serie sich anders anfĂŒhlen soll, was man bei „Star Trek: Lower Decks“ nun nicht nur wegen der animierten Form am deutlichsten merkt. Es gibt natĂŒrlich eine ganze Reihe von Episoden aus „Star Trek“-Serien, die (leichter bis stĂ€rker) humoristisch angelegt sind - sogar solche, die sich mit den „Lower Decks“ befassen (siehe die gleichnamige Episode (7x15, dt.: „Beförderung“) aus Star Trek: The Next Generation) - aber eine reine Comedy ist neu und betritt somit neues Gebiet.
Rein optisch erinnern die animierten „Sets“, die Uniformen, aber auch die Crew der U.S.S. Cerritos dabei am ehesten an Star Trek: The Next Generation. Handlung und Figuren lassen aber gleich erkennen, dass es an Bord dieses Sternenflottenschiffes anders zugeht, was sich anhand der Eröffnung und des Intros bereits auf amĂŒsante Art und Weise erahnen lieĂ. Der animierte Stil wirkt weich, hell und positiv - jedenfalls so lange, bis das Chaos an Bord losbricht. Erst dann finden dunklere Farbtöne ihren Einsatz und verdeutlichen visuell den Ernst der Lage (was aber nicht heiĂt, dass es dann nichts zu lachen gibt).
Handlung(en)
In der Eröffnungsfolge, die nie wie ein Pilot wirkt, sondern eher, als hÀtte man uns einfach (genau wie FÀhnrich Tendi) direkt in die Handlung hineingeworfen, gibt es mehrere HandlungsstrÀnge zu verfolgen. Im Vordergrund stehen Boimler und Mariner, die bereits zusammen die ersten Szenen erhielten und grundsÀtzlich unterschiedliche Einstellungen zur Sternenflotte und den befehlshabenden Offizieren unter Captain Freeman (Dawnn Lewis) haben.
Das Prinzip der Haupthandlung (Mariner und Boimler) mit ein bis zwei Nebenhandlungen (um Rutherford und Tendi) wird schnell eingeleitet, nachdem Tendi eine kleine Tour durch das Schiff bekommen und wir unsere vier Hauptfiguren ein wenig kennengelernt haben. AuĂerdem handelt es sich bei Second Contact um einen Fall der Woche, womit sich fĂŒr die weiteren Folgen ebenfalls eine episodische Herangehensweise erwarten lĂ€sst. Bei den Figuren lĂ€sst sich allerdings absehen, dass diese nicht jede Woche bei null anfangen werden, denn hier findet bereits in der ersten Folge eine kleine Entwicklung (zumindest bei Boimler und Mariner) statt.

Diese Vorgehensweise kommt einem natĂŒrlich vertraut vor und dĂŒrfte denjenigen gefallen, die dem Fall-der-Woche-Schema mit einer Haupt- und mehreren Nebenhandlungen den Vorzug zu einer seriellen ErzĂ€hlweise geben (siehe hierzu auch Procedural und Serial). FĂŒr mich funktioniert das Konzept im Auftakt erstaunlich gut, denn die Handlungen greifen ineinander, geben Einblicke in die Verhaltensweisen unserer Protagonisten (und deren Vorgesetzten) und der Abschluss am Ende fĂŒhlt sich gut und richtig an (auch wenn Boimler nicht die Anerkennung erhĂ€lt, die er bekommen sollte - aber so ist das eben bei den „Lower Decks“).
Hauptfiguren
Jede Serie steht und fÀllt stets mit ihren Figuren, daher ist es wichtig, diese in der ersten Folge adÀquat prÀsentiert zu bekommen, die jeweiligen Motivationen zu erkennen und (auch wenn das bei Comedys oft nicht leichtfÀllt) eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Denn, wenn einem die Figuren egal sind, dann funktioniert eine Serie oft nicht. Werfen wir also kurz ein paar Blicke auf unsere Hauptfiguren.
Da haben wir FĂ€hnrich Boimler, der auf mich wie eine Mischung aus Reginald Barclay und Wesley Crusher wirkt. Boimler ist unsicher, aber ambitioniert. Er verehrt die Werte der Sternenflotte und sieht die kommandierenden Offiziere als Helden. Dass er bereits zu Beginn ein „Captain's Log“ aufzeichnet, zeigt auĂerdem, dass er die Karriereleiter bis ganz nach oben klettern möchte. Seine geheime Mission, Mariner im Auge zu behalten, nimmt er dementsprechend ernst und lĂ€sst sich wĂ€hrend der AuĂenmission auf ein Abenteuer ein, dem er nicht wirklich gewachsen ist. Somit fĂ€llt er nicht in die Rolle des Strebers (dazu fehlen ihm vor allem Erfahrungswerte) oder mit anderen Worten: Da steckt mehr Barclay als Crusher in Boimler. Und das lĂ€sst ihn sympathisch wirken, weil wir seine Motive verstehen und mit ihm mitfiebern können. Mehr noch, er hĂ€lt am Ende zu Mariner, womit die beiden unterschiedlichen Figuren auf einem guten Weg sind.
FĂŒr FĂ€hnrich Mariner fĂ€llt mir derweil kein Vergleich mit irgendeiner Figur aus „Star Trek“ ein. Sie hat offenbar bereits einige Erfahrungen sammeln können und liefert auch die meisten Referenzen zum bekannten Material (auf die ich lieber nicht eingehe, aber Ihr könnt Euch gerne in den Kommentaren austoben). Sie stand mal höher in der Rangordnung, was nicht nur durch die Tatsache, dass sie die Tochter eines Admirals und Captain Freeman ist, gewiss wird. Sie durfte bereits einige Abenteuer erleben und kommt somit mit Erfahrungswerten daher, denen Boimler hilflos ausgeliefert ist. Gleichzeitig wirkt sie wie eine Rebellin ohne klares Ziel, aber mit dem Herzen am rechten Fleck. Eine Figur, die mir trotz ihres verantwortungslosen Verhaltens (nicht nur in der Eröffnung) ans Herz wachsen könnte und mit Sicherheit der (heimliche?) Star der Serie ist.
Rutherford bleibt noch ein wenig unnahbar. Sein Date mit Barnes scheint trotz der ausbrechenden (Zombie-)Krise von Erfolg gekrönt zu werden - bis er mehr Interesse an einer Diagnose zur Technik hat, als mit Barnes in ihrem Quartier zu landen. Sein Aussehen erinnert an Geordie LaForge und sein Verhalten eine Spur an Data (wobei der gegenĂŒber Tasha Yar bereits in der ersten Staffel von „TNG“ nicht Nein gesagt hatte). Ich bin aber gespannt, wie es um die weiteren Abenteuer bei dieser Figur bestellt ist. Denn immerhin kann Tendi sein Verhalten nachvollziehen, womit sich vielleicht eine Beziehung zwischen den beiden anbahnt. AuĂerdem bin ich natĂŒrlich gespannt, wie und weshalb er seine kybernetischen Implantate erhalten hat.
Womit wir bei Tendi sind, die offenbar vom Orion stammt und direkt in eine Krise hineingeworfen wird. Was besonders auffĂ€llt, ist natĂŒrlich ihre stets optimistische Einstellung in allen Belangen, die auch zum Ende hin nicht verworfen wird - „I got to hold a heart!“ - und sie im weiteren Verlauf der Reihe zu einem positiven StĂŒtzpunkt fĂŒr die anderen machen könnte. Was eine Beziehung zu Rutherford nicht ausschlieĂt. Auch hier fĂ€llt mir zunĂ€chst keine vergleichbare Figur aus der „Star Trek“-Welt ein. Vielleicht, was den Optimismus betrifft, Tilly?

Nebenfiguren
Captain Freeman und die Beziehung zu ihrer Tochter Mariner, die sie gerne loswerden wĂŒrde, ist bereits geklĂ€rt. AuffĂ€llig bei den Nebenfiguren ist neben ihr noch am ehesten Commander Ransom (Jerry O'Connell), der durch einen Insektenstich die Seuche einschleppt, die ihn zum fleischfressenden Monster macht (ein Besuch auf der Krankenstation hĂ€tte da sicher Abhilfe geschaffen).
Ansonsten fĂ€llt die SchiffsĂ€rztin Dr. T'Ana (Gillian Vigman) auf, die den Tag rettet, nachdem ein schleimiger Boimler sich aufs Schiff zurĂŒckbeamt. T'Ana hinterlĂ€sst fraglos einen Eindruck, der den anderen, höherrangigen Offizieren gleicht. Wenig Sympathien (die finden sich eben in den „Lower Decks“), aber durchaus ein Bewusstsein zum Wohle der Crew. Mal schauen, wie sich diese Figur weiterentwickelt und ob wir bei Ransom & Co was Ăhnliches erfahren werden.
Humor
Eine Comedy, auch wenn sie animiert ist, muss natĂŒrlich den Humor des Zuschauers treffen, um wahrlich zu ĂŒberzeugen. Bei mir hat jetzt nicht jeder Witz gezĂŒndet und ich habe auch nicht dauerhaft gelacht. Es gibt aber schon mehr als eine Stelle im Auftakt, bei der ich herzhaft lachen oder zumindest breit grinsen musste, womit die Reihe bei mir ihr Ziel erreicht.
Die unzĂ€hligen Referenzen, die vor allem aus Mariners Quasseleien stammen, sind derweil ein netter Bonus und laden (zumindest mich) stellenweise zum Nachforschen ein. Wenn man beispielsweise wissen möchte, was denn mit dieser sentient cave gemeint sein könnte, wird man vermutlich bei Future Imperfect (4x08, dt.: „GedĂ€chtnisverlust“) landen. Ganz zu schweigen davon, dass ich trotz zweimaliger Sichtung der Episode sicher noch nicht alle easter eggs gefunden habe...
Fazit
Ein netter Auftakt und ich werde sicher am Ball bleiben. Star Trek: Lower Decks macht mit der ersten Episode einen guten und vor allem amĂŒsanten Eindruck und liefert mit den vier Hauptfiguren der unteren Schiffsetagen Charaktere ab, von denen man gerne mehr sehen möchte. Von mir gibt es vier von fĂŒnf Sternen. Und von Euch?
Hier abschlieĂend noch der Trailer zur Animationsserie Star Trek - Lower Decks: