Star Trek: Deep Space Nine 6x19

Was passiert?
Captain Sisko (Avery Brooks) ist vom Kriegsverlauf frustriert und sucht nach einer Lösung. Nach und nach wird er besessen von der Idee, die Romulaner als Verbündete der Föderation zum Kriegseintritt gegen das Dominion zu bewegen. Als er in seiner Verzweiflung Garak (Andrew Robinson) um Hilfe bittet, gerät er tiefer und tiefer in ein großes moralisches Dilemma...
Dies & das
- Eigentlich sollt Jake etwas über Shakaar herausfinden, dass die bajoranische Regierung hätte stürzen können. Sein Vater versucht ihn jedoch davon zu überzeugen, den Artikel nicht zu veröffentlichen. Man verwarf die Idee.
- Die zweite Version wollte, dass Jake ein Interview mit Garak führen möchte, der allerdings nicht dazu breit gewesen wäre. Gegen den Willen seines Vater bohrt Jake aber tiefer und kommt schließlich hinter das Geheimnis der beiden, zu versuchen, die Romulaner in den Krieg zu ziehen. Auch diese Idee verwarf man. Am Ende strich man Jake sogar ganz aus der Episode.
- Siskos Satz „I can live with it“ wurde von Ira Steven Behr als Hommage an „Der Mann, der Liberty Valance erschoss” eingefügt. In dem Film erschießt John Wayne einen Mann und erklärt dort zum Schluss, dass er damit leben könne. Laut Behr spürte man bei ihm jedoch, dass dies nicht stimmte. Behr wollte genau den gleichen Effekt für Sisko.

Zitate
„That was the moment I made the decision. It was like I had stepped through a door and locked it behind me. I was going to bring the Romulans into the war.“ (Sisko)
„My father used to say that the road to Hell is paved with good intentions. I laid the first stone right there. I'd committed myself. I'd pay any price; go to any lengths because my cause was righteous. My... intentions were good. In the beginning, that seemed like enough.“ (Sisko)
„People are dying out there, every day! Entire worlds are struggling for their freedom! And here I am still worrying about the finer points of morality!“ (Sisko)
„It's a FAAAAAKE!“ (Vreenak)
„That's why you came to me, isn't it captain? Because you knew I could do those things that you weren't capable of doing. Well, it worked. And you'll get what you wanted: a war between the Romulans and the Dominion. And if your conscience is bothering you, you should soothe it with the knowledge that you may have just saved the entire Alpha Quadrant, and all it cost was the life of one Romulan senator, one criminal... and the self-respect of one Starfleet officer. I don't know about you, but I'd call that a bargain.“ (Garak)
„So... I lied. I cheated. I bribed men to cover the crimes of other men. I am an accessory to murder. But the most damning thing of all... I think I can live with it. And if I had to do it all over again, I would. Garak was right about one thing, a guilty conscience is a small price to pay for the safety of the Alpha Quadrant. So I will learn to live with it. Because I can live with it. I can live with it... Computer, erase that entire personal log.“ (Sisko)
Ein Mann
Ein Powerhouse. Captain Benjamin Lafayette Sisko haben wir über die Jahre als integren, aufrechten, verlässlichen und starken Anführer, Vater und Freund kennengelernt. Er hat den Verlust seiner Frau überwunden, eine neue Liebe gefunden, war seinem Sohn Jake eine wunderbare Vaterfigur und seiner Crew ein Fels in der Brandung. Sisko wurde zum Abgesandten der Propheten, zu einer religiösen Figur und musste nicht nur diese abgelegene Station leiten und aufbauen sondern auch gegen verschiedene Feinde verteidigen. Mit dem Dominionkrieg jedoch begann für ihn die Zeit seiner größten Prüfung.
Sisko kann nicht mehr
Der Krieg ist an einen Punkt gelangt, an dem die Hoffnung schwindet, die übergeordneten Ziele verschwimmen und der tägliche Wahnsinn fast schon Routine wird. Sisko selbst ist an einen Punkt gelangt, an dem Hoffnung nur noch ein Wort ist und die täglichen Verlustlisten vor seinen Augen verschwimmen. Das einzige, was Sisko noch zu wissen glaubt, ist, dass er sich auf dem rechten Weg befindet. Dass seine Absichten der guten Sache dienen. Doch reicht das wirklich aus? Wer definiert die rechte oder gerechte Sache? Letztlich ist jede Seite eines Konfliktes subjektiv gesehen im Recht und legitimiert sich selber. Sisko reicht seine eigene Sichtweise aber selbstverständlich aus, sein eigener Überlebensinstinkt, seine Erziehung, seine Ausbildung als Sternenflottenoffizier. Er verteidigt seine Sache. Nun gilt es zu definieren, wie weit dieser Weg ihn führen darf.
Der Ausweg
In seiner Not führt Sisko der Weg direkt zu Garak - dem einzigen Mann auf der Station, dem er zutraut, handfeste - wenn auch unter Umständen illegal beschaffte oder gar gefälschte - Beweise zu besorgen, die die Romulaner bewegen könnten, den Krieg auf der für ihn rechten, gerechten und richtigen Seite zu betreten.

Garak ist ein Mann, der immer zwischen den Fronten lebte - in seinem früheren Leben auf Cardassia wie auch im Exil auf DS9. Ein Mann, der wie kein anderer das gesamte Spektrum des Grau zwischen Schwarz und Weiß ausfüllte. Er ist das Enigma, die Variable in der Gleichung, der Schattenmann. Für Sisko ist er die logische Anlaufstelle. Er soll alle Verbindungen spielen lassen, um Sisko etwas zu liefern, mit dem er arbeiten kann. Ein Freibrief, der teuer zu werden droht - wenn man auch sagen muss, dass Garak mit den möglichen Gefahren und Komplikationen nicht hinter dem Berg hält. Er warnt Sisko bereits früh vor einem drohenden Chaos, vor einem blutigen Geschäft. Sisko argumentiert jedoch klar und einleuchtend: Chaos und blutiges Geschäft ist schon längst Tagesgeschäft. Doch reicht diese simple Sichtweise am Ende aus?
Auf Abwegen
Zunächst droht noch wenig Gefahr. Garak werkelt im Verborgenen, macht gute Vorschläge und holt einen Experten auf die Station, der helfen soll, die nötigen Beweise zu fälschen. Man plant, ein angeblich geheimes Meeting des Dominion als Holosimulation auf einen Datenkristall zu speichern und diesen einem hochrangigen Senator vorzuführen. Als Garaks Experte jedoch aus der Reihe fällt und Sisko beginnen muss, seine Aktivitäten zu vertuschen, fängt er sich ausgerechnet von Quark (Armin Shimerman) das erste Mal einen eindeutigen Wink ein: Jeder Mann ist käuflich. Und ja - dieser Kommentar hat gesessen. Ab diesem Punkt scheint Sisko nicht nur zu ahnen, sondern zu wissen, worauf er sich einlässt. Doch ist es bereits zu spät: Die Grenze ist überschritten, der Pfad geebnet. Als Sisko in sein Büro zurückkehrt und von Zweifeln übermannt wird, treffen neue Verlustlisten ein. Nein - es kann und darf so nicht weitergehen. Sisko weiß, dass er weitermachen muss.
Und er macht weiter: Gegen Bashirs Empfehlung und Willen ordnet Sisko eine Lieferung an, die als Bezahlung einer geheimen und illegalen Transaktion notwendig ist. Einweihen will und kann er seinen Arzt und Kollegen nicht. Bashir (Alexander Siddig) gehorcht - Vertrauen schafft man so jedoch nicht.
It's a fake!
Der Tag der Entscheidung ist schließlich gekommen - die Simulation ist erschaffen, der Datenkristall bereit und der romulanische Senator Vreenak (Stephen McHattie) trifft auf DS9 ein. Sisko setzt sein bestes Pokerface auf, blufft wie ein Könner und kann nur noch warten. Warten, was Vreenaks Experten herausfinden - oder eben hoffentlich nicht.
Der Moment, an dem Vreenak Sisko dann zu sich zitiert und mit einem einzigen kurzen Satz das komplette Kartenhaus des Captains in sich zusammenfallen lässt, ist Drama par Excellence. Sisko hat alles riskiert und verloren. Die Romulaner werden ganz sicher nicht auf der Seite der Föderation in den Krieg einsteigen - Der Captain muss den Senator gehen lassen und seine Schande ertragen.

Durchbruch & Reue
Während weitere Verlustlisten eintreffen, erreicht eine brisante Neuigkeit die Station - Vreenaks Shuttle wurde im Raum des Dominion zerstört. Wie Worf (Michael Dorn) anmerkt, könnte diese Tatsache dafür sorgen, dass die Romulaner nun doch noch in den Krieg eingreifen.
Sisko ahnt Böses - voller Wut geht er direkt zu Garak und lässt all den aufgestauten Zorn über seine eigenen Taten physisch und psychisch am gar nicht so harmlosen Schneider aus. Doch was hat Garak letztlich getan? Er wusste, dass der Datenkristall nicht überzeugen würde. Er wusste, dass die Romulaner auf einen toten Senator im Dominion-Raum mit einem halbzerstörten Datenkristall an Bord (den man aufgrund der Schäden nicht mehr für ein Fake würde halten können) reagieren würden. Er tat letztlich exakt das, was Sisko wollte. Nur eben etwas anders, als es abgesprochen war. Dennoch: Garak wurde für die Drecksarbeit engagiert und hat sie erledigt.
Nur was ist der Preis? Wie Garak es formuliert: Die Selbstachtung und das Gewissen eines Mannes. Die Selbstachtung und das Gewissen des Captain Sisko.

In der Abgeschiedenheit seines Quartiers beendet Sisko sein, die Episode begleitendes, Logbuch. Die Romulaner haben den Köder wirklich geschluckt und sind in den Krieg gegen das Dominion eingetreten. Ein Sieg für die Guten! Oder nicht? Sisko lässt hier tiefer blicken als je zuvor. Er kennt seine Sünden und Fehler genau, er weiß, dass der Zweck die Mittel nicht heiligen darf. Und doch muss er sich von diesem Moment an einreden, dass er damit leben kann. Weil er es muss. Er wird irgendwann vergessen. Vielleicht. Für den Moment jedoch liegt seine Integrität im Geheimen und Verborgenen in Scherben - und er muss akzeptieren, dass dies wirklich ein kleiner Preis verglichen mit den sonstigen Grauen des Krieges ist.
The Reviewer's wife
„Das hätte Picard nie gemacht.“ - Durchaus eine spannende weil absolut richtige und schmerzliche Erkenntnis. In der etwas heileren Welt von TNG hätte ein Picard vermutlich im Normalfall einen anderen Weg gefunden oder wäre von den bösen Autoren gar nicht in einen derartigen Plot verstrickt worden. Die Frau des Rezensenten erkannte hier eindeutig die besondere Atmosphäre auf der Station mit all ihren Schattierungen in Sachen Charaktere (Garak) als treibende Kraft für eine Story dieser Art. Auch für sie atemberaubend, stark und in ihrer Konsequenz ohne Konkurrenz.
Gib dem Kind einen Namen
Wunderbar. Wirken lassen, sacken lassen und als Mehrwert mitnehmen. Ein Titel, der besser nicht hätte sein können. Im Original wie im Deutschen.
Fazit
In the Pale Moonlight seziert nicht nur den Menschen Benjamin Sisko und den Kommandaten von Deep Space Nine, die Episode zeigt auch auf schmerzhafte Weise, dass es manchmal die unmoralischen, fragwürdigen, illegalen und verachtenswerten Handlungen sind, die im Kampf gegen Andere den entscheidenden Vorteil bringen können. Jene Handlungen, die niemand auf sein Gewissen laden möchte. An sich eine deprimierende, unerfreuliche und zutiefst Trek-untypische Erkenntnis. Wie das Drehbuch diese jedoch präsentiert, wie sie die Integrität der Charaktere zerpflückt und offenlegt und am Ende nur Verlierer zurücklässt, macht die Episode dann wieder zum klassischen „Star Trek“ und für mich zu einer der besten Episoden aller Serien.
Nächste Woche endet der Countdown mit dem ersten Platz von der Voyager: Blondchen raus, Blondchen rein.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 3. September 2016(Star Trek: Deep Space Nine 6x19)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Deep Space Nine 6x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?