Star Trek: Deep Space Nine 5x06

Star Trek: Deep Space Nine 5x06

Die DS9-Version der klassischen Tribbles-Episode ist eine Verneigung vor dem Original, eine clevere FortfĂŒhrung und Einbettung des Themas und sprĂŒht nur so vor Herz, Witz und Liebe zum Detail. Euer Platz 2!

Captain Kirk in „Star Trek: Deep Space Nine“ / (c) Paramount Pictures
Captain Kirk in „Star Trek: Deep Space Nine“ / (c) Paramount Pictures

Was passiert?

Als die Station Deep Space Nine Besuch von zwei temporalen Agenten namens Dulmur und Lucsly erhĂ€lt, erzĂ€hlt Captain Sisko ihnen die unglaubliche Geschichte, wie er und seine Crew kĂŒrzlich durch die Zeit gereist seien und ein Attentat auf Captain Kirk auf der Station K-7 verhindert hĂ€tten...

Dies & das

  • Neben Flashback ist dies eine der beiden JubilĂ€umsfolgen zum 30. Geburtstag von Star Trek im Jahre 1996. Autor und Produzent RenĂ© Echevarria war es, der die Idee hatte, eine ganz besondere Folge zu erschaffen und dazu Originalmaterial aus der Classicserie zu verwenden, ganz so wie es Robert Zemeckis in „Forrest Gump“ vorgemacht hatte.
  • Die Namen der beiden temporalen Ermittler legte man als Anagramme der Namen der beiden bekannten FBI-Agenten aus The X-Files, Mulder und Scully, an. Komischerweise verwendete man jedoch nicht die korrekte Anagramm-Schreibweise „Dulmer“, sondern das falsche „Dulmur“, obwohl es in einer frĂŒheren Drehbuchfassung wohl richtig gewesen war.
  • Miles O'Brien hĂ€lt Lieutenant Freeman, der von Paul Baxley gespielt wurde, fĂŒr Captain Kirk und liefert damit einen charmanten Insidergag: Baxley war in den 60er Jahren nĂ€mlich wirklich oft Stuntdouble fĂŒr William Shatner.

Zitate

I guess you boys from Temporal Investigations are... always on time.“ (Dax)

Oh, another glorious chapter in Klingon history. Tell me, do they still sing songs of “The Great Tribble Hunt?“ (Odo)

I lied to Captain Kirk! I wish Keiko could have been there to see it“ (O'Brien)

Die Verneigung

The Trouble with Tribbles gehört bis heute zu den beliebtesten Episoden der Classic-Reihe und wurde auch vor kurzem gerade von mir an dieser Stelle als Platz 2 eurer Lieblingsepisoden rezensiert. Klar ist, dass die Episode absolut dem Klamauk verfallen ist und man sie mit keiner ernsthaften Kritik konfrontieren darf. Sie macht Laune - und hat sich aus diesem Grund viele Fans bewahrt, obwohl die Serie natĂŒrlich viele deutlich bessere Episoden hervorgebracht hat.

Konsequenterweise wÀhlte man dann zum 30. Geburtstag des Franchise auch diese Episode aus, um eine Art Forrest-Gump-Stunt aufzuziehen und die Niners in die Vergangenheit zu schicken.

Temporale Agenten in der Serie %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures
Temporale Agenten in der Serie %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures

Temporal agents in da house

Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag im BĂŒro: Doch Ă€ndert sich die Stimmung mit dem Auftauchen zweier temporaler Agenten, die Captain Sisko zu sprechen ersuchen. Wie sich herausstellt, ist die Crew der Defiant vor kurzem ungewollt in die Vergangenheit gereist - ein Vorgang, den die beiden Agenten nun untersuchen sollen. Diese erinnern natĂŒrlich nicht nur zufĂ€llig an die beliebten Mulder und Scully der X-Akten - bei letzten Zweifeln halfen die Beinahe-Anagramme ihrer Namen: Dulmur und Lucsly. Eine hĂŒbsche kleine Hommage.

In der Hoffnung, ĂŒber kein schwerwiegendes Zeitparadoxon zu stolpern, lassen die beiden Captain Sisko die ganze Geschichte erzĂ€hlen, die als ganz normale Mission nach Cardassia begann, um einen lange verschollenen Orb nach Bajot zurĂŒckzubringen. Dass es sich bei diesem jedoch um den Orb der Zeit handelte und bei einem harmlos wirkenden Gast um jemand ganz anderen - nun das konnte die Crew noch nicht ahnen, als auf einmal ein Schiff vor ihnen auftauchte, das eigentlich in eine ganz andere Zeit gehörte: Die USS Enterprise NCC 1701 - unter dem Kommando von Captain James T. Kirk.

Biff möchte mal wieder die Vergangenheit Àndern

Zuerst löst man jedoch direkt das RĂ€tsel um den menschlich erscheinenden Passagier auf: Es handelt sich dabei um Arne Darvin, der nicht mit dem sprechenden Delfin aus SeaQuest verwandt ist, sondern genau der Mann ist, der auf K-7 vor mehr als hundert Jahren wĂ€hrend einer Mission der Enterprise das Getreide vergiftet hatte. Bei ihm handelt es sich um einen chirurgisch verĂ€nderten Klingonen, der nach seinem Scheitern ins Exil geschickt wurde und nun offenbar seine Chance sieht, seine eigene traurige Geschichte zu verĂ€ndern. Biff aus „ZurĂŒck in die Zukunft“ lĂ€sst herzlich grĂŒĂŸen.

Sisko und seiner Crew bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als irgendwie in die Welt von damals einzutauchen ohne aufzufallen und abzuwarten, was der alte und/oder der junge Darvin vorhaben. Schließlich möchte man nur zu gerne einen Besuch von Agenten der Temporal Investigations im Nachgang der Mission verhindern - herrlich.

Die U.S.S. Enterprise - 1701 in %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures
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An Bord einer Legende

Man wirft sich also in Schale: Und Sisko, Bashir, O'Brien und Dax stehen die klassischen Uniformen ausgezeichnet. Bei Bashirs Frisur kann man diskutieren - der Rest aber lÀsst die Fans sicher zufrieden Schmunzeln.

Abgesehen davon, dass O'Brien einen Lieutenant fĂŒr Kirk hĂ€lt (sĂŒĂŸ) und Dax eine SchwĂ€che fĂŒr Spock offenbart, gibt es noch viele weitere charmante Momente. Sei es die Barszene aus einem anderen Blickwinkel, der anschließende Anschiss durch Kirk (bei dem diesmal O'Brien gefragt wird und lĂŒgt) oder die immer wieder wunderbare Szene, in der Kirk unter einem Berg Tribbles begraben wird - die Sequenzen machen durch den Filter der Niners nochmal doppelt so viel Freude. Vielleicht auch, weil man uns die oft wenig sinnvolle Rahmenhandlung rund um Kirks sonderbare Entscheidungen erspart - man reduziert sich schlicht auf die Highlights und setzt diese in diesen neuen Kontext. Clever!

Ein besonderes Augenmerk sollte man noch auf die Klingonen legen: Das erste Mal wird hier eindeutig darauf Bezug genommen, dass diese damals völlig anders aussahen als inzwischen. Was in der RealitĂ€t natĂŒrlich schlicht darauf zurĂŒckzufĂŒhren war, dass man in den Classic-Kinofilmen und den spĂ€teren Serien auf einmal mehr Geld fĂŒr Make-up hatte, wurde im Serienkontext bisher totgeschwiegen. Hier nun hat man aber Klingonen auf K-7 und im direkten Kontrast Worf - Odos Reaktion ist herrlich.

Chief O%26#039;Brien und Dr. Bashir in %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures
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Worf will jedoch nicht recht raus mit der Sprache - man hatte zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht den Willen oder keine Idee, diese Diskrepanz anzugehen. Immerhin wurde sie aber lakonisch angesprochen. Erst viel spÀter sollten wir die Wahrheit erfahren - mehr dazu gibt es dann irgendwann in meinem Review zum Klingonen-Zweiteiler innerhalb der vierten Staffel von Star Trek: Enterprise.

Das Ende der Episode, zumindest was die Handlung in der Vergangenheit angeht, ist pure Magie. Sisko konnte der Versuchung nicht widerstehen und hatte sich auf die BrĂŒcke begeben um einen kurzen Plausch mit Kirk zu fĂŒhren. DafĂŒr haben letztlich sogar die beiden Agenten VerstĂ€ndnis: Jeder in seiner Situation hĂ€tte wohl das Gleiche getan. Und nicht jeder findet einen temporalen Nexus, der ihm die Arbeit abnimmt...

Je mehr Tribbles, desto besser

Das Ende an Bord von DS9 ist dann eine weitere kleine Hommage in sich: Hatte man zu Kirks Zeiten die Horden von Tribbles freundlicherweise den Klingonen ĂŒberlassen, ist hier nun das Promenadendeck mit ihnen ĂŒberflutet. Gut, dass Dulmur und Lucsly davon nichts mitbekommen haben...

Ach ja: Quark steht der Tribbles-Hut ausgezeichnet. Vielleicht der Startpunkt fĂŒr eine neue und gewinnbringende Modekollektion?

Technisch gesehen

Die Folge bietet wunderbare Schauwerte - es macht einfach Spaß, die Kombination aus alten Aufnahmen und eingefĂŒgten Szenen zu bewundern, die beiden Crews interagieren zu sehen und sich am Retroflair zu erfreuen. Die ganze Star-Trek-Welt rĂŒckt hier auf eine Weise zusammen, die man bisher nie erreicht hatte.

Effektspezialisten, Kulissenbauer und die fĂŒr die Requisiten zustĂ€ndigen Mitarbeiter leisteten ausgezeichnete Arbeit, die Schauspieler waren mit Herz und Freude bei der Sache. Der Score erfreut das Ohr mit gewohnten wie nostalgisch-angehauchten KlĂ€ngen und die Einbindung von Charlie Brill in der Rolle als Arne Darvin ist eine wunderbare, wenn auch kleine und unscheinbare Verneigung vor dem Ausgangsmaterial.

Worf und Odo in %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures
Worf und Odo in %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures

The Reviewer's wife

Die Frau des Rezensenten konnte mit der Episode der Classicserie nichts anfangen - zu klamaukig und albern war ihr das Geschehen. Die Einbindung hier empfand sie jedoch als stimmig und prĂ€chtig unterhaltsam. Sie schĂ€tzte sehr, wie liebevoll man die Vergangenheit in die Gegenwart integrierte (obwohl es ja faktisch umgekehrt war, auch wenn solche Statements meinerseits bei ihr wie bei Captain Janeway stets fĂŒr Kopfschmerzen sorgen) und somit die Trek-Geschichte gebĂŒhrend feierte.

Gib dem Kind einen Namen

Wie der Originaltitel der Classicserie spielt auch dieser ein wenig mit dem Thema herum und wird so zu einem Sinnbild fĂŒr die Gangart der Dreiviertelstunde: VerrĂŒckter Spaß und kauziger Humor. Im Deutschen klingt das wie so oft etwas steifer, der Titel macht aber genau so viel Sinn und Ă€hnlich viel Spaß wie das Original.

Captain Sisko und Lt. Commander Jadzia Dax in %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures
Captain Sisko und Lt. Commander Jadzia Dax in %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo; © Paramount Pictures

Fazit

Trials and Tribble-ations ist eine pure Freude. Die Einbindung der neuen Crew in die Geschichte ihrer Serienvergangenheit macht jederzeit Spaß, die Rahmengeschichte mit den Agenten sorgt fĂŒr Schmunzeln. Die Serie prĂ€sentiert sich hier locker, gelöst und sympathisch und setzt im Bereich Humor MaßstĂ€be. Technisch gesehen zelebriert sie zudem ein Highlight, das man sich aus immer wieder gerne anschaut. Klar ist: Die Serie hat sicherlich viele relevantere Episoden hervorgebracht, aber vermutlich wenige, die mit mehr Herz der Vergangenheit huldigen.

Morgen gibt es noch eine Episode Star Trek: Enterprise! NĂ€chste Woche wage ich mich dann daran, den großflĂ€chig ungeliebten, zweiten Reboot-Film unter die Lupe zu nehmen. Kurz vor Kinostart von Star Trek Beyond werden wir in dieser Causa sicherlich hitzige Diskussionen fĂŒhren können, oder?

Verfasser: Björn SĂŒlter am Samstag, 9. Juli 2016
Episode
Staffel 5, Episode 6
(Star Trek: Deep Space Nine 5x06)
Deutscher Titel der Episode
Immer die Last mit den Tribbles
Titel der Episode im Original
Trials and Tribble-ations
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 4. November 1996
Autoren
Cacey Riggan, Brian Haley, Clarke Peters, Cacey Riggan
Regisseure
Jonathan West, Victor Garber, David Storch, Zeb Newman, Chet Grissom

Schauspieler in der Episode Star Trek: Deep Space Nine 5x06

Darsteller
Rolle
Rene Auberjonois
Odo
Terry Farrell
Cirroc Lofton
Colm Meaney
Nana Visitor

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?