Star Trek: Deep Space Nine 5x04

Was passiert?
Jake Sisko und Dr. Julian Bashir sind auf dem Rückflug von einer Medizinkonferenz, da Jake einen Bericht über die Arbeit des Stationsarztes verfassen möchte. Als eine nahe Föderations-Kolonie von Klingonen angegriffen wird, besteht Jake darauf, Bashir bei dem gefährlichen Rettungseinsatz zu begleiten. Doch ist Captain Siskos Sohn weder auf die vielen Verletzten und Toten, noch auf seine eigenen Gefühle im Umgang mit einer solchen Extremsituation vorbereitet...
Dies & das
Der Titel der Episode basiert auf einem Ausspruch aus der Bibel: "I returned, and saw under the sun, that the race is not to the swift, nor the battle to the strong, neither yet bread to the wise, nor yet riches to the intelligent, nor yet favor to men of knowledge; but time and chance happeneth to them all." - auf Deutsch: “Ich wandte mich und sah, wie es unter der Sonne zugehet, dass zu laufen nicht hilft schnell sein, zum Kampf hilft nicht stark sein, zur Nahrung hilft nicht geschickt sein, zum Reichtum hilft nicht klug sein; dass einer angenehm sei, hilft nicht, dass er ein Ding wohl könne, sondern alles liegt es an der Zeit und Glück.“
Die Szene, in der Jake ein zweites Mal auf den Ensign trifft, der sich selbst verwundet hat, war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Da die Episode aber drei Minuten zu kurz geriet, musste Drehbuchautor Rene Echevarria noch eine Szene schreiben. Sowohl Echevarria als auch Regisseurin Kim Friedman kamen am Ende zu der Erkenntnis, dass diese Szene eine der wichtigsten der ganzen Episode war.
Karen Austin spielte neben Dr. Kalandra auch Miral in Barge of the Dead.
Danny Goldring spielte in Star Trek schon diverse andere Rollen. Neben seinem Auftritt hier als Burke war er als Legate Kell in Civil Defense, als Alpha-Hirogen in The Killing Game und als nausicaanischer Captain in Fortunate Son.
Synchro-Anomalien
Die deutsche Synchronisation feuert mal wieder aus allen Rohren, wobei man natürlich nie weiß, wie exakt die Drehbücher im Original abgeliefert wurden.
Dax bezeichnet den Lembatta-Cluster als Lambada-Cluster. Sehr hübsch.
Dr. Bashir spricht mit Dr. Kalandra über eine Person namens Majoranas - im Original geht es um seine „OR-Nurse“, was so viel bedeutet wie „OP-Schwester“.
Obendrauf wird das Mineral Magnesit als Magnazit bezeichnet.
Jeder hat so seine Sorgen...
"Who cares about anomalies? People want stories about things they can relate to - life and death, good and evil. An outbreak of Cartalian fever would be just the thing. The brave doctor battles the deadly virus! Listen to me, I'm actually rooting for a plague." (Jake)
"The removal of caffeine from beverages has plagued restaurateurs for centuries! You can't expect me to cure it over night." - "I'm not paying for that! I want to get her off caffeine, not poison her." - "So much for Quarktajino." (Quark, O´Brien und Odo)
"It's not up to you to tell Kira what to do." - "She is carrying his child. He should have some say." - "As the lessee he does have certain rights. (explaining) Back home, pregnancy is considered a rental." - "Rental?" (Dax, Worf, Quark und Kira/Dax zusammen)
"Sorry, kid. Life doesn't work like that..." (Burke zu Jake)
"You've been a changeling longer than you have been a solid." - "Solid. I wonder why my people use that term. Humanoid bodies are so fragile..." - "Yes they are. And there are a lot of ways you can get hurt." (Sisko und Odo)
"He's 18 years old. Does your father still worry about you?" - "All the time!" (Odo und Sisko)
"I never realized how stressful it is to be a parent. I have to say, I don't think it's for me." - "That's your choice. But you don't know what you're missing." (Odo und Sisko)
"There are many situations in life which test a person's character. Thankfully, most of them don't involve death and destruction." (Bashir)
"Anyone who's been in battle would recognize himself in this. Most of us wouldn't care to admit it. It takes courage to look inside yourself, and even more courage to write it for other people to see. I'm proud of you, son. " (Sisko)
“The battle of Ajilon Prime will probably be remembered as a pointless skirmish. But I'll always remember it as something more - as the place I learned that the line between courage and cowardice is a lot thinner than most people believe.” (Jake)
18 till I die
Die Shuttlemission der Woche führt diesmal Dr. Bashir und Jakes Sisko zusammen. Eine Paarung, die bisher in dieser Form noch nicht ausprobiert wurde. Wie würde sich die Dynamik zwischen den Beiden entwickeln? Zu Beginn in jedem Fall eher schleppend, da Bashir mehr an seinem schier endlosen medizinischen Monolog, als an Jake interessiert ist und dieser dabei, gute Erziehung sei Dank, freundlich lächelnd über gänzlich andere Sachen nachdenkt.
Jake wünscht sich Action. Er möchte über etwas Bedeutendes schreiben - keinen Artikel über Bashirs sonderbare Forschungsergebnisse. Ein Notruf kommt ihm wie gerufen. Die Klingonen greifen den Außenposten auf Ajilon Prime an - und Bashir will und muss als Arzt zur Hilfe eilen. Trotz Jake. Wohl ist dem Doktor zu Recht nicht dabei, den Sohn des Captains mitzunehmen - doch dieser wittert eine Story und ist Feuer und Flamme. Der pathetische Ausspruch „I am a Sisko.“ macht klar - Selbstbewusstsein ist Jakes Problem nicht.
First Day of my life
Doch hat er sich seinen ersten Einsatz als selbsternannter Kriegsreporter ganz sicher etwas weniger - sagen wir mal „involviert“ vorgestellt. In einer Mischung aus „huch, die bluten ja!“ und „sind die etwa tot?“ stolpert der Sisko-Sproß durch die Höhlen. Überall liegen Verletzte, die Leichenkammer füllt sich mit anonymen Säcken, der Geruch von Schweiß, Blut und Tod liegt in der Luft. Alle arbeiten auf Autoplilot. Menschen, die nur noch funktionieren - weil sie müssen. Hier helfen, dort helfen - Pausen gibt es nicht. Auch Bashir schaltet sofort um. Aus dem plaudernden Sunnyboy wird ein fokussierter und professioneller Arzt, der einfach anpackt.
Doch auch Jake packt an. Er wird mitgerissen und wirft sich zunächst mutig in diese große Maschine aus wuselnden Menschen und spürt, was sie antreibt: Kollektiver Überlebenswille.
In diese Professionalität hinein platzt die Verletzung eines Mannes, der - so stellt sich schnell heraus - nicht wie er behauptet hatte, von einem Kligonen verletzt wurde, sondern sich aus Angst selber in den Fuß schoss um nicht mehr weiter an der Front kämpfen zu müssen. Für einen Offizier beim Militär ein unverzeihlicher Akt der Feigheit und Anlass für ein Kriegsgericht. Auch Bashirs Reaktion spricht Bände.
Als alles sich etwas beruhigt und keiner mehr Kraft hat, auch nur sein Bett aufzusuchen, setzt auch bei Jake erstmals so etwas wie Reflektion ein. Ohne die gewohnte Umgebung der Station und ohne die Präsenz seines Vaters fühlt er sich auf eine sehr reale Weise alleine und verwundbar. Der Krieg erhält hier an der Front ein konkretes Gesicht.
Run, Forrest, run!
Der emotionale Höhepunkt der Folge wird durch die Notwendigkeit eingeleitet, einen Generator aus dem Shuttle zu holen - ergo: die Höhle zu verlassen. Ob es von Bashir besonders nachvollziehbar ist, ausgerechnet Jake mit auf diesen Ausflug zu nehmen, sei dahingestellt. Klar: Er weiß im Gegensatz zu den anderen natürlich, wo sich das Shuttle befindet. Dennoch hätte man hier eine etwas sinnvollere Erklärung einfügen können. So knistert doch ein wenig das Drehbuchpapier.
Es kommt wie es kommen musste - der Beschuss geht los, Bashir prescht mutig voran, doch Jake verliert die Nerven. Sein einziger Impuls ist: Weg! Einfach weg! Dass er damit letztlich sich, den Anderen, der Mission und natürlich auch Bashir schaden könnte - darüber kann er in diesem Moment nicht nachdenken. Das Hirn ist ausgeschaltet und der Instinkt sagt: Weg!
Doch wird seine Situation durch die Flucht nicht besser. Der Beschuss wird durch unzählige Leichen abgelöst. Jake taumelt wie in Trance über das Schlachtfeld, stürzt auf einen toten Klingonen, rennt weiter und kommt erst wieder zur Besinnung, als er in einem Graben auf den gerade noch lebendigen Burke, einen Offizier der Sternenflotte, trifft. Dieser weiß um seinen nahenden Tod. Sein einziger Wunsch ist es, mit Blick auf den Himmel statt mit dem Gesicht im Dreck zu sterben. Kriegsbasics für Anfänger.
Doch sieht Jake plötzlich einen Sinn in seiner Flucht - oder sagen wir: er würde gerne einen sehen. Er fabuliert, dass er Burke schicksalsbehaftet finden und retten sollte. Doch für diesen ist bereits alles zu spät - und er weiß es. Jakes Ehrlichkeit kann Burke ebenfalls in diesem Moment nicht würdigen. Dessen Akt, das Zurücklassen von Bashir und das Gefährden der Mission aus Angst, ist für jemanden wie Burke unentschuldbar.
Das Leben funktioniert nicht so - Burkes letzte Worte - fassen Jakes Dilemma perfekt zusammen.
Courage under fire
Zurück in den Höhlen. Jake hat überlebt. Doch was ist mit Bashir? Dieser hat auch ohne Jake die Mission erfüllt. Alleine und unter Einsatz seines Lebens.
Der schwerste Gang für Jake ist der Besuch bei Bashir - verwundet auf der Krankenstation. Und Bashirs Erleichterung zu ertragen, dass Jake doch noch am Leben ist. Hier mischen und vertauschen sich Schuld und Dankbarkeit und zeigen einen Bashir, der sich nur für Jakes Gesundheit interessiert und einen Jake, der diese positiven Gefühle aus Scham kaum ertragen kann.
Auf die Spitze getrieben werden Jakes Gefühle durch einen weiteren Besuch bei jenem Ensign, der sich aus Angst in den Fuß schoss. Dieser spürt inzwischen deutlich die Ablehnung seiner Kollegen. Er ließ sie im Stich und fällt ihnen nun selbstverschuldet zur Last. Für ihn ist klar: Er, der Feigling, ist nichts mehr wert und hat das Überleben nicht verdient.
Jake empfindet bezüglich seines Versagens genauso. Er fühlt sich hilflos, wertlos und allein. Und er kann seine Schuld und seine Scham mit niemandem teilen. Schon gar nicht mit Bashir, der hier wie ein großer Bruder agiert. Zu sehr setzt Jake sein Verhalten bei der Mission zu.
Die Episode profitiert an diesem Punkt bereits eindeutig von der Paarung Jake/Bashir - das offensichtliche eher brüderliche Verhältnis wird durch die gegenseitigen Gefühle gekonnt in Szene gesetzt und emotional grundiert.
The Coming of Klingons
Am Ende geschieht das Unvermeidliche - die Klingonen greifen an. Während das verbliebene Personal mit letzter Energie versucht, alle Verletzten zu retten, führt Jakes Weg direkt unter den nächsten Tisch. Auch hier kann er nicht aus seiner Haut. Die Situation überfordert ihn in einem Maße, dass er seine Gefühle nicht kanalisieren kann. Als er schließlich mit einem Phaser blind und wild um sich schießt und dabei die Decke zum Einsturz bringt wird klar: Courage und Überlebenswille ist manchmal das Gleiche. Jake hält durch den Einsturz die Kligonen zurück, rettet seine Kollegen und überlebt.
Als er erwacht, sind Bashir und sein Vater bei ihm. Jake sei ein Held. Und selten hat sich dieses Wort so bitter angefühlt wie in seinen Ohren in diesem Moment.
Oder um es mit Jakes treffenderen Worten zu sagen: „the line between courage and cowardice is a lot thinner than most people believe.”
Zuckerguss
In Sachen Regie, Musikuntermalung, Kamera und Kulissen gibt es nichts zu kritisieren. Regisseurin Kim Friedman fängt die bedrückende Atmosphäre, die ständige Angst, die Ungewissheit und die Not der Verletzten visuell ein und lenkt unseren Fokus jederzeit auf das was am Ende des Tages zählt: die Charaktere.
Diese erinnern in einigen Momenten an die Serie MASH, in der das Grauen des Krieges immer mit einer gehörigen Prise Zynismus und schwarzem Humor serviert wurde. Ein reiner Schutzmechanismus, der von dem, was eigentlich unerträglich scheint, ablenken soll.
Cirroc Lofton hatte in seiner Rolle als Jake Sisko selten Gelegenheit, ganze Episoden zu tragen. Dass er dann hier in seine persönliche Hölle geschickt wird, brachte den jungen Mimen sicherlich an seine Grenzen. Seine Darstellung ist jedoch jederzeit angemessen und kompetent - nur eben nicht herausragend. Loftons Mimik reicht nicht ganz aus, um die Tiefe der Handlung zu 100% auszuschöpfen. Kein großer Makel, aber spürbar.
Alexander Siddig hingegen darf in seiner Rolle als Dr. Bashir erneut zeigen, wie traumwandlerisch er zwischen redseligem Sunnyboy und professionellem, mutigen und fokussiertem Arzt wechseln kann. Es sind nebenbei bemerkt Episoden wie diese, die die Enthüllungen in Dr. Bashir für mich glaubwürdig gemacht haben. Bashir war immer in der Lage, seine verschiedenen Gesichter zu zeigen. In seiner Funktion als Arzt war er immer brillant wenn es darauf ankam. Als er sein Geheimnis dann Ende der fünften Season schließlich nicht mehr verstecken musste, trat der unreife Kasper noch deutlicher in den Hintergrund.
Sonst dominieren neben Lofton und Siddig diesmal primär die Gastdarsteller, die allesamt überzeugen, ohne besonders zu glänzen. Jeb Brown als namenloser Ensign, der sich selber in den Fuß schießt, geht fast jegliches Charisma ab. Es schadet der Episode und selbst seinen Szenen zwar nicht, hätte aber eventuell trotzdem besser gelöst werden können.
Einzig Trek-Veteran Danny Goldring alias Burke schafft es in seiner nur wenige Minuten langen Sequenz einen vielschichtigen Charakter zu kreieren, der uns die Grauen des Krieges und die Abgründe einer Existenz in dieser Kriegsmaschinerie spüren lässt.
Von Quarktajino bis Replikatorkalibrierung
Doch auch die restlichen Hauptdarsteller haben mitnichten frei. Zwar dürfen O´Brien (Colm Meaney), Kira (Nana Visitor), Worf (Michael Dorn) und Quark (Armin Shimerman) nur für die obligatorisch auflockernde Fun-Sequenz zu Beginn der Episode herhalten, in der unser Lieblingsbarkeeper versucht, seinen im Auftrag von Papa in Spe O´Brien gemixten koffeinfreien Raktajino an die schwangere Frau (Kira) zu bringen. Erfolglos natürlich. Die Sequenz funktioniert gut, weil zumindest alle kurz auftauchen dürfen und weil zu diesem Zeitpunkt noch keiner von den Ereignissen auf Ajilon Prime weiß - bis Sisko mit den schlechten Nachrichten die Ops betritt.
Jener Captain Sisko (Avery Brooks), Dax (Terry Farrell) und Odo (Rene Auberjonois) sind dann auch diejenigen, die noch durchaus qualitativ hochwertige Screentime abseits vom Duo Bashir/Jake erhalten.
Die Unterhaltung zwischen Odo und Sisko sticht dabei heraus. Hatte Odo eigentlich nur berichten wollen, wie er bei dem Versuch, zwei Betrüger zu stellen, auf seine - zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden - Formwandlerfähigkeiten zurückgreifen wollte, entwickelt sich die Unterhaltung durch eine unbeabsichtigte Bemerkung über die Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers in eine andere Richtung.
Odo kann das Konzept des Elternseins nicht nachvollziehen. Die tiefen damit verbundenen Gefühle, die Sisko umtreiben und in Sorge fast erstarren lassen, sind ihm fremd. Auch die Bemerkung Siskos, sein eigener Vater würde heute noch ständig in Sorge um ihn und seinen Enkel leben, überrascht den Sicherheitschef. In schönster Tradition von Spock, Data, Seven und dem Holodoc oder später T´Pol und Phlox übernimmt Odo hier erneut die Rolle des außenstehenden Beobachters, der das menschlicher Verhalten reflektiert und zugänglich macht. Dass Sisko dabei erneut seine warmherzige, väterliche Seite zeigen darf ist auch immer willkommen. Hier haben wir einen Mann, der in erster Linie Vater ist. Brooks spielt diese Szenen immer mit der nötigen Emotionalität - so auch hier.
Die spätere Szene zwischen ihm und Dax ist inhaltlich nicht ganz so stark - auch weil Dax im Kontext mit Sisko immer eher für humorvolle Auflockerung zuständig ist. Hier versucht Sisko, sich zuerst selber und später mit Dax gemeinsam durch relativ sinnfreie Arbeiten abzulenken. Niedlich, aber weniger ergiebig. Ganz im Gegensatz zur Szene, in der Dax durch ihre Erinnerungen an die Mutterrolle eines früheren Wirtes übermannt wird. Farrell spielt hier auf einer feinen Linie zwischen hochkochenden Emotionen die zu stark sind, sie vollständig zu unterdrücken, aber auch sofort wieder professioneller Stärke. Kompliment.
Das was wir sind ist mehr wert, als das was wir sein könnten
Perfekt endet die Episode dann in einer Szene, die uns aus dem Off Jakes abschließende Worte seines Artikels präsentiert und zeigt, wie sowohl Bashir (der von der Tiefe dieser Empfindungen sichtlich mitgenommen wirkt und vermutlich im Nachhinein noch einmal deutlicher spürt, was er dem jungen Mann mit diesem unfreiwilligen Ausflug zugemutet hat), als auch Sisko den Bericht lesen. Letzterer zieht genau den richtigen Schluss aus dem, was sein Sohn erlebt und verarbeitet hat. Es gehört viel Mut dazu, seine vermeintliche Schwäche zu artikulieren und zu ihr zu stehen. Sisko ist stolz auf seinen Sohn - und dieser kann das auch auf sich uneingeschränkt sein. Nicht jeder Mensch ist für alles gemacht. Und seine eigenen Grenzen zu erkennen und auch noch zuzugeben ist eine Form von Mut.
Es geht nicht darum ein Sisko zu sein, wie Jake es zu Beginn mit breiter Brust kundtat. Auch nicht darum, ein Mann zu sein, ein Soldat oder ein Sternenflottenoffizier. Jeder Mensch ist, was er ist. Und es ist die Aufgabe jedes Einzelnen, das zu erkennen und das Beste daraus zu machen. Eines ist der junge Mann dank seiner Erkenntnis und mit der Unterstützung seines Vaters am Beginn dieses Weges ganz sicher nicht: allein.
The Reviewer´s wife
Die Frau des Rezensenten konnte am Ende ebenfalls nur weitestgehend schweigend Siskos finalen Worten zustimmen. Es ist viel wert, derartige Gefühle ehrlich zu artikulieren. Und das ist etwas, worauf man stolz sein kann. Jake selber und Sisko als Vater. Im Übrigen gefiel in diesem Zusammenhang auch die Rahmenhandlung um die Besorgnis des Captains samt seiner gefühlvollen Unterhaltungen mit Odo und Dax. Fürs Protokoll blieb „eine sehr gute Folge“.
Gib dem Kind einen Namen
„Im Krieg hilft es nicht, stark zu sein.“ Meint die entsprechende Bibelstelle zum Titel „Nor the battle to the strong“ sinngemäß und trifft damit die Essenz der Episode: Krieg ist furchtbar und niemand sollte damit zu tun haben müssen. Krieg zerbricht und Krieg nimmt einen Teil der Seele, der danach für immer verloren ist. Ein wahrlich gelungener Originaltitel. Wie immer geht es im Deutschen ungleich plakativer zu: „Die Schlacht um Ajilon Prime“ hat nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was die Folge aussagen möchte. Schade, dass hier mal wieder auf dem Dienstweg getextet wurde.
Fazit
Nor the Battle to the Strong ist die Essenz dessen, was die Serie über die Jahre wurde. Eine realistische, beinharte, zynische und niemals gewaltverherrlichende Abhandlung über den Horror des Krieges. Über Ängste, Verlust, Selbstzweifel, das Erkennen von eigenen Grenzen aber auch über Moral, Verantwortung und großen Mut. Eben auch den Mut zu sagen „ich kann das nicht“.
Das Drehbuch ist tough, die Umsetzung auf den Punkt - wäre die schauspielerische Leistung Loftons nicht nur gut sondern perfekt hätte es für die Höchstwertung gereicht. Dennoch: Eine beispielhaft düstere, dreckige und demoralisierende Episode über ein Thema, das keine andere Behandlung verdient. Hart, konsequent, zynisch - aber in ihrer Aussage eben auch absolut wahr. Kudos.
Nächste Woche geht es im Review-Countdown weiter mit meinen Highlights aus dem Bereich „Klein aber fein“. Dann am Start: Wenn eine sonst oft krachige Serie eine fast schon erschreckend warmherzige und ruhige Folge über Familie und Kindheitsidole erzählt, muss man schon mal ganz genau hinsehen. Und in den Wirren der Xindi-Mission geht es nicht nur um große Waffen, sondern auch um große Gefühle zwischen Trauer und Wut.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 2. August 2015(Star Trek: Deep Space Nine 5x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Deep Space Nine 5x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?