Star Trek: Deep Space Nine 4x01

Was passiert?
Als eine beachtliche klingonische Flotte unter dem Kommando von Kanzler Gowron plötzlich rund um die Station Position bezieht, um angeblich den Alpha-Quadranten zu beschützen, fordert Captain Sisko einen alten Bekannten, Lieutenant Worf an, um ihm beim Ergründen der wahren Motive zu helfen und auf der Station für Ruhe zu sorgen...
Dies & das
- In dieser Episode erhielt die Serie eine neue Titelsequenz mit einer etwas anderen Musikuntermalung, mit der ich letztlich sogar warm wurde, da sie das wunderbare Klassikstück trotz neuem Beat nicht vollständig zerriss.
- Cirroc Lofton alias Jake Sisko fehlte in dieser Episode.
- Die wunderbare Szene zwischen Odo und Quark (Stichwort: Root Beer) war eine späte Idee und wäre fast wieder gestrichen worden. Zum Glück blieb sie jedoch erhalten.
Zitate
„I didn't know you spoke Klingon. - Oh, You'd be surprised at the things you can learn when you're doing alterations.“ (Odo und Garak)
„Curzon told me once that in the long run the only people who can really handle the Klingons, are Klingons.“ (Sisko)
„The Klingons?!? First it was the Cardassians... then it was the Dominion... now it's the Klingons! How's a Ferengi supposed to make an honest living in a place like this?“ (Quark)
„This is exactly what the Founders want: Klingon against Cardassian! Federation against Klingon! The more we fight each other, the weaker we'll get, and the less chance we have against the Dominion!“ (Sisko)
„You have sided against us in battle, and this we do not forgive... or forget!“ (Gowron)
„Looks like the Klingons are here to stay. - Maybe they are, but so are we.“ (Kira und Sisko)
Legendenbildung
Die böse Legende besagt, dass die Serie Star Trek: Deep Space Nine in ihren ersten drei Jahren derart langweilig, monoton und fehlgeleitet war, dass man zum Beginn der vierten nicht nur die Titelsequenz aufmotzte, Sisko seinen Hawk-Haarschnitt verpasste, mehr Action in den Mix warf und Worf von der viel erfolgreicheren und just zerstörten Enterprise-D zwangsversetzte, nein: Man hob mit der Defiant sogar noch ein kleines Kriegsschiff aus der Taufe, das von nun an für das immer fehlende Moment des Vorankommens sorgen sollte.
Das alles ist natürlich Quatsch - nun gut: Nicht ganz. Die Serie war jedoch in den ersten drei Jahren nicht langweilig und monoton. Im Gegenteil hatte sie mit ihren komplexen Charaktergeflechten und den weitreichenden Story-Arcs für ein Novum gesorgt. Star Trek war plötzlich erwachsener geworden und in einer düstereren, zynischeren Weltsicht angekommen. Die Ereignisse der ersten Staffeln hatten zudem eindeutig auf diesen Punkt hingearbeitet - nun folgte schlicht die Eskalation, die nächste Entwicklungsstufe. Dass es allerdings auch in der Realität tatsächlich Kritik gab, sowohl an dem fehlenden Schiff als auch an der geschwätzigeren Gangart, ist keine Frage. Auch nicht, dass ein Mix aus äußeren Faktoren und inneren Überzeugungen diese Neuausrichtung beeinflusste.
Welcome back to DS9 - it´s just a little different this time
Die veränderte Gangart macht sich bereits in den ersten Minuten bemerkbar: Action-Sisko alias Hawk (nun mit neuer oder eher ohne Frisur) prescht mit Kira durch die Gänge auf der Suche nach einem Formwandler. Dass es sich hier nur um eine Übung handelt, bei der Odo einen Übergriff seines Volkes simuliert, wird schnell klar. Man bereitet sich auf den GAU vor und erzeugt für den Zuschauer abseits des TV eine brodelnde Stimmung der Angst vor dem, was da kommen möge. Etwas Ähnliches gelang zum Beispiel Babylon 5 meisterhaft mit der sich aufbauenden Schatten-Bedrohung.
Doch auch kleinere Gefühle hat die Episode zu bieten: Sisko erwartet Kassidy Yates zurück, hat wunderschöne Seide besorgt und erhält im Gegenzug ein Baseball-Cap des Bruders und eine Einladung, bei den Pike City Pioneers (sehr hübsche Referenz) ein echtes Spiel zu sehen. Eine charmante Szene, die sowohl die Beziehung der beiden gelungen ausleuchtet als auch zeigt, dass die Serie noch Zeit für ihre Stärken im Charakterbereich hat. Doch wie es immer so ist: Wenn es am Schönsten ist, piept es irgendwo.
Sisko eilt noch in Freizeitklamotte zur Ops und muss mit ansehen wie zuerst General Martok seinen Wunsch äußerst, mit Besatzung an Bord der Station zu kommen um dann noch eine ganze Flotte an Schiffen zu präsentieren. Nicht nur Quark lässt diese „Invasion“ der Klingonen Böses ahnen. Denn wollen die Alliierten wirklich nur helfen? Ist dieser Aufmarsch zum Schutze des Alphaquadranten nicht etwas übertrieben?
Erneut gibt es eine Verschnaufpause, als Dax Kira zu einem Holosuitebesuch überredet, bei dem die ehemalige Freiheitskämpferin sich jedoch mangels Phantasie äußerst unwohl fühlt - jedoch zustimmt, es zu versuchen.
Auch für Tischgespräche ist Zeit: Odo präsentiert seine neuste Idee, menschlicher zu wirken indem er den Akt des Trinkens simuliert. Garaks Begeisterung hält sich jedoch in Grenzen: Er sorgt sich vielmehr um Cardassia. Doch wird die Zweisamkeit von rüpelhaften Klingonen unterbrochen, die mehr und mehr für Unruhe sorgen. Da passt es ins Bild, dass ein Notruf von Kassidys Frachter eintrifft, der Sisko direkt starten lässt. In einem Runabout? Mitnichten. Selbstverständlich nimmt er den neuen Stolz der Station: Das kleine wendige Kriegsschiff namens Defiant. Gerade kann er noch verhindern, dass ein gewisser Captain Kaybok Zwangsblutproben der Frachtercrew nimmt, um deren Identitäten zu überprüfen. Paranoia scheint auch bei den Klingonen vorzukommen.
Für Sisko und Kasidy endet dieser Einsatz somit erfolgreich, für Kaybok weniger. Als Martok wutschnaubend dessen Dolch präsentiert und damit zeigt, dass er ihn für sein Scheitern umgebracht hat, realisiert Sisko, was zu tun ist. Die einzigen, die mit den Klingonen wirklich umgehen können sind eben Klingonen!
Get me Starfleet Command
Ein Neuankömmling wird präsentiert und direkt von O´Brien begrüßt - Lt.-Cmdr. Worf, der seit der Zerstörung der Enterprise-D eine Auszeit genommen hatte, wurde von Sisko angefordert. Den besten Satz an dieser Stelle erhält Quark, als er anmerkt, dass „ein weiterer Klingone“ genau das wäre was die Station braucht.
Doch ist Worf offenbar selber kaum begeistert von seiner neuen Aufgabe und spricht offen von einem Rückzug aus der Sternenflotte. Sisko versteht die Gefühle des Klingonen, der mit dem Schiff sein Zuhause verloren hat und rät ihm, nichts zu Überstürzen.
Seinen herben Humor hat Worf in jedem Fall nicht verloren („nice hat“, Dartscheibe) - und auch eine Anziehung zu Dax wird direkt ins Spiel gebracht. Vielleicht lohnt sich dieser Ausflug für den grimmigen Krieger ja doch? Rein inhaltlich schürt der Auftrag zunächst eher Frust, da offenbar niemand seines Volkes offen mit Worf reden möchte. Erst als er nach einem Holodeckkampf mit Dax (Nachtigall...) und einem kleinen Scharmützel mit Odo (eine schöne, grummelige Kombination) anders an die Sache herangeht (Blutwein hilft immer...), gelingt ihm der Durchbruch: Die Klingonen glauben, dass der Rat der Cardassianer durch Formwandler ersetzt wurde und wollen Cardassia angreifen! Kurz nachdem Worf Sisko diese unfassbare Enthüllung unterbreiten kann, bricht die Flotte auch schon auf - Richtung Cardassia.
Do not get involved
Nun steht Sisko vor einem Dilemma: Offiziell darf Starfleet die Cardassianer vor den eigenen Alliierten nicht warnen. Doch gibt es da ja immer noch die inoffiziellen Kanäle - Garak wird in eine Sitzung gerufen um Siskos Maße zu nehmen und darf die brisante Information „aufschnappen“ - Cowboy-Diplomatie á la DS9. Herrlich. Nicht nur Worf lernt hier viel über seinen neuen Arbeitsplatz. Die Aktion trägt Früchte: Garak informiert Dukat und dieser leitet die notwendigen Schritte ein.
Die Klingonen geraten derweil immer mehr auf den Kriegspfad und setzen den Friedensvertrag mit der Föderation aus. Ein herber Schlag. Gowron kommt erneut vorbei um Worf auf seine Seite zu ziehen, bevor es kein Zurück mehr gibt. Doch Worf bleibt seiner Überzeugung treu und hält sich an seinen Eid und an das woran er glaubt: Der Angriff auf Cardassia ist falsch und er wird ihn nicht unterstützen. So lieben wir den ehrenhaften Worf.
Dank eines sich anbiedernden O'Brien und eines ebenso nervtötenden Quark ist Worf schwer frustriert und will kündigen - wird jedoch von Sisko ausgebremst. Er soll die Mission noch zu Ende führen und dann alles in Ruhe bewerten. Hier zieht der Captain seine beste Karte indem er von seiner Trauer über Jennifers Tod und seine fast fatale Karriereentscheidung danach berichtet. Erstmals scheint er hier einen Zugang zu Worfs Innenleben zu erreichen.
Nun heißt es Dukat zu helfen, den Rat zu retten. Erneut bricht man mit der Defiant auf und bringt somit ein definitiv anderes Element in die Serie. Erstmals fühlt man wieder das Voranpreschen und aktive Eingreifen in externe Prozesse. In der Kombination mit der Haupthandlung auf der Station eine explosive Mischung. Doch bringt diese Umstellung auch eine Nuance ein, die sich später zu einem albernen Running-Gag entwickeln wird, wenn ständig die komplette Stammcrew gemeinsam zu Missionen aufbricht und zeitweise nur Quark, Morn und Garak auf DS9 zurücklässt (ich übertreibe natürlich).
Die Rettung von Dukat & Co bringt starke Effektsequenzen und Dialoge mit sich, die natürlich oft mit dem herrlich verschlagenen Cardassianer zu tun haben. Mit Klingonen am Allerwertesten rast die Defiant schließlich zurück nach DS9. Während des Fluges bleibt dem Zuschauer Zeit, eine der besten Szenen der Episode wenn nicht der Serie zu bestaunen (Stichwort: Root Beer). Quark und Garak fassen das ganze Dilemma als Außenstehende derart perfekt zusammen, dass man sich eine wöchentliche Polit-Talk-Show der beiden wünschen würde.
Now what??
Doch dann ist es soweit. Die Defiant ist zurück - und mit ihr zum zweiten Mal riesige Armada an Klingonenschiffen, was erneut Quark zu einem grandiosen Oneliner verhilft: Erst waren es die Cardassianer, dann das Dominion und jetzt die Klingonen! Wahrlich keine ruhigen Zeiten für einen Ferengi-Barmann.
Die Vorbereitungen auf die unvermeidliche Konfrontation laufen: Zivilisten verlassen die Station und bewaffnete Offiziere ziehen auf. Auch Quark schließt seine Bar und erklärt Odo, sie verteidigen zu wollen. Doch leider hat Rom seine Waffe demontiert (Stichwort: leere Box). Erneut eine herrliche Szene, die langsam aber sicher das Gefühl einer Quark-Solo-Show aufdrängt. Am Ende gesellt sich noch Garak bewaffnet zu Dukat, um den Rat seines Volkes, das ihn so sehr verschmäht, mit zu beschützen. Verrückte Zeiten.
The Empire will remember what happened here
Verrückt und gefährlich: Gowron fordert die Auslieferung der Cardassianer, Sisko lehnt ab. Für weitere Verhandlungen ist es nun zu spät - eine epische Schlacht um die Station entbrennt draußen wie später auch drinnen. Blutige Kämpfe, hohes Risiko und viele unnötige Verluste später erreicht endlich die Verstärkung der Sternenflotte die tapfere Crew. Gowron lenkt für den Moment ein, weil Sisko das einzig zündende Argument liefert: Mit diesen internen Kämpfen spielt man letztlich nur dem Dominion in die Karten. Das will selbst Gowron nicht und zieht seine Armada ab, nicht jedoch ohne eine klare Warnung nachzuschicken: Kein Klingone wird je vergessen, was hier heute passiert ist.
A Starfleet Officer is what I am
Was bleibt ist Wundenlecken und Reparaturen durchführen. Sisko ist stolz auf die Station und wie bereit sie für den Sturm war, der da so unvermittelt hereinbrach. Doch bleibt ihm noch eine letzte Baustelle: Worf möchte immer noch gehen. Erneut spricht Sisko über seinen tiefen Schmerz in Bezug auf Jennifer und macht dem Klingonen klar, dass es nichts hilft wegzulaufen.
Am Ende erscheint Worf frisch in rot gewandet auf der Ops - als neuer strategischer Offizier. O´Brien erhält hier erneut einen wenig sympathischen Auftritt, als er Siskos große Kompetenz herausstellt. Hier wirkt der Chief viel zu speichelleckerisch - schade.
Dukat lässt inzwischen Dank und Grüße ausrichten, was Kira dazu bringt, sich wie im falschen Film zu fühlen.
Und was die Klingonen angeht - sie scheinen im Sektor bleiben zu wollen. Zumindest geben sie für den Moment die eroberten cardassianischen Außenposten nicht auf. Doch wie Sisko so richtig sagt: Sollen sie bleiben - wir werden es auch!
The Reviewer's wife
Die Frau des Rezensenten war begeistert von der verschärften Gangart, der Mischung aus Action und Humor, den vielen tollen Szenen zwischen den Charakteren und dem Gefühl der Unsicherheit, die den Quadranten und die Serie nun erfüllt. Für sie ebenfalls ein ganz klarer Gewinner!
Gib dem Kind einen Namen
Ein Titel der im Original wie in der 1:1-Übersetzung primär auf den Weg des Worf zielt - hier aber auch wunderbar auf die Serie an sich anzuwenden ist. In Zeiten wie diesen ist es eben der Weg des Kriegers oder der Weg des Krieges, der zu beschreiten ist. Hier definiert die Serie auch gleich noch einmal die Neuausrichtung mit. Passt!
Fazit
The Way of the Warrior ist großformatig und episch, erzählt eine spannende und wendungsreiche Geschichte mit alten und neuen Freunden und Feinden, bedient sich zudem einem beliebten Charakter des Franchise und bietet nicht nur Witz und Rasanz sondern auch stille Momente tiefer Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten. Besser kann man eine Staffel nicht beginnen, besser kann man eine Serie nicht aufmotzen, besser kann man Veränderungen nicht präsentieren. Ein klarer Gewinner und wichtiger Meilenstein innerhalb der Serienentwicklung.
Nächste Woche geht es auf der Voyager um Zeitreisen und einen Trip in die wilden 90er!
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 16. April 2016(Star Trek: Deep Space Nine 4x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Deep Space Nine 4x01
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