Star Trek: Deep Space Nine 2x22

Star Trek: Deep Space Nine 2x22

Hoch die Tassen! Als geheime Technik versagt, geht ein sympathischer Schneider bei Quark einen trinken. Folgerichtig, dass der moralisch einwandfreie Bashir da nicht einfach zusehen kann und viele Wahr- und Unwahrheiten über seinen Freund herausfindet. Euer Platz 10 aus Star Trek: Deep Space Nine!

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Deep Space Nine“-Episode „The Wire“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Deep Space Nine“-Episode „The Wire“ / (c) Paramount

Was passiert?

Dr. Julian Bashir versucht herauszufinden, unter was für Schmerzen sein Freund Garak in letzter Zeit zu leiden hat. Dieser will von Hilfe jedoch nichts wissen. Erst als Garak nach einem Alkoholexzess im Quarks zusammenbricht und auf Bashirs Untersuchungstisch landet, entdeckt der Arzt den Grund: Ein Implantat, welches Garak sein Exil auf der Station erträglicher werden ließ. Ob nun endlich mehr Fakten über das Leben des cardassianischen Schneiders ans Licht kommen werden?

Hast du schon über deine Lieblingsepisoden abgestimmt?

Dies & das

  • Paul Dooley sollte in der Rolle des Enabran Tain eigentlich nur hier mitspielen, entwickelte sich aber wie Garak Andrew J. Robinson zu einem Liebling der Fans und wurde deswegen noch häufiger zurückgeholt.
  • Der Obsidianische Orden wird hier eingeführt - den ursprünglichen Namen „Der graue Orden“ wurde fallengelassen, da man erfuhr, dass bei Babylon 5 der „Graue Rat“ geplant war.
  • Dies ist die erste Episode der Serie, bei der Regisseurin Kim Friedman an Bord war.
  • Das einzige Mal in der Serie wird hier Bashirs zweiter Vorname Subatoi genannt.
  • Die Heimatwelt der Cardassianer erhält hier einen Namen: Cardassia Prime.
  • Wer es noch nicht kennt: Das Buch „A Stitch in Time“ („Ein Stich zur rechten Zeit“) von Garak-Darsteller Andrew J. Robinson beleuchtet die Vergangenheit des Cardassianers - für mich eines der besten Trek-Bücher überhaupt.

Synchro-Anomalien

Der Obsidian Order wird hier mit „Obsidianisches Kommando“ übersetzt.

Talking about plain, simple Garak

I'm a doctor, not a botanist.“ (Bashir)

Listen to me, Garak. I've had just about enough of your nonsense. Now, you're coming back to the infirmary with me.“ - „Oh, I don't think so. Believe me when I tell you there's nothing you can do for me.“ - „And Quark can, is that it?“ - „I thought I was supposed to be the spy.“ (Bashir und Garak)

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Wire%26ldquo; © Paramount
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I'm a doctor. You're my patient. That's all I need to know.“ - „You're wrong, Doctor. You need to know who it is you're trying to save.“ (Bashir und Garak)

...And so they exiled you.“ - „That's right! And left me to live out my days with nothing to look forward to but having lunch with you.“ - „Well I'm sorry you feel that way. I thought you enjoyed my company.“ - „Oh, I did. And that's the worst part. I can't believe that I actually enjoyed eating mediocre food and staring into your smug, sanctimonious face. I hate this place, and I hate you.“ (Bashir und Garak)

I've given up on learning the truth from you, Garak.“ - „Oh, don't give up on me yet, Doctor! Patience has its rewards.“ (Bashir und Garak)

I want him to live a long, miserable life. I want him to grow old on a station surrounded by people who hate him, knowing that he'll never come home again.“ - „What a lovely sentiment.“ - „And it's from the heart, I assure you.“ (Tain und Garak)

I can see that Garak hasn't changed a bit. Never tell the truth when a lie will do. That man has a rare gift for obfuscation. Doctor, Elim is Garak's first name. Now run along home. And Doctor, tell Garak that I miss him.“ (Tain)

Of all the stories you told me, which ones were true and which ones weren't?“ - „My dear Doctor, they're all true.“ - „Even the lies?“ - „Especially the lies.“ (Garak und Bashir)

No More Mr. Nice Guy

Der höfliche cardassianische Schneider Garak war in der ersten Season eigentlich als einmaliger Gast gedacht. Das große Interesse der Fans brachten ihn und sein Alter Ego Andrew J. Robinson jedoch in der zweiten Season zurück. Mit The Wire absolvierte er bereits seinen vierten Auftritt - doch diesmal war irgendetwas an ihm anders als sonst. Sein übliches Treffen mit Dr. Bashir Alexander Siddig, bei dem es eigentlich um den klassischen cardassianischen Roman „Das ewige Opfer“ ging, endete zumindest ziemlich abrupt. Und auch sonst schien der eigentlich meist gefasste Garak durchaus ein wenig aus der Balance geraten zu sein. Vielleicht eine Begleiterscheinung seiner Kopfschmerzen?

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Wire%26ldquo; © Paramount
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That´s what friends are for

Doch hat Garak kein Interesse an den Ansichten und Fragen des Doktors. Er will einfach seine Ruhe. Nicht, dass Bashir so etwas abhalten würde. Da wird mit Dax Terry Farrell über das grundsätzliche Verhältnis der beiden ungleichen Männer philosophiert, Odo Rene Auberjonois als Informationsquelle über cardassianische Technik herangezogen (er hat jedoch keine Ahnung von Implantaten) und als Gegenspion eingesetzt und schließlich observiert Bashir sogar höchst persönlich, dass Garak mit Quark Armin Shimerman in offensichtlich heimliche Geschäfte verwickelt ist. Scheinbar hat sich der rührige Doktor schon einiges vom einfachen Schneider abgeguckt.

Dabei müsste er gar nicht so sehr im Verborgenen arbeiten. Denn kurz darauf sitzt Garak stark angetrunken im Quarks und bricht kurz danach zusammen. Zusammen mit Odo findet Bashir eine Verbindung zum Obsidianischen Orden, dem Geheimdienst Cardassias. Quark hatte scheinbar versucht, verbotene Technik zu erwerben und damit seinen Kontaktmann dort in Arge Bedrängnis durch den Orden gebracht. Doch damit nicht genug: Bei der Rückkehr in die Krankenstation hatte Garak sich bereits wieder selber entlassen.

Doch wäre Bashir nicht Bashir, wenn er sich davon stoppen ließe - in Garaks Quartier erfährt er die Wahrheit. Oder nennen wir es etwas realistischer lieber „Version 1 der heutigen Wahrheit“. Weitestgehend stimmig ist dabei noch die Erklärung, dass Garak ein Implantat, welches ihn eigentlich gegen Folter immun (und schmerzunempfindlich) machen sollte, während seines Exils die letzten zwei Jahre zweckentfremdet hatte, um mit der Situation auf DS9 besser zurecht kommen zu können. Das Licht, die Temperatur, die Bajoraner die ihn hassen - all das war ihm zu viel geworden. Das Implantat hatte eine simple Funktion: Es schüttete Endorphine aus, nach denen Garak in der Zwischenzeit süchtig geworden war. Es war jedoch nie für einen Dauereinsatz konzipiert worden - und hatte nun begonnen zu versagen. Unter Entzugserscheinungen leidend, hatte Garak schließlich nach alternativen Lösungen für sein Problem gesucht.

Weniger glaubhaft hingegen kam dann schon seine Geschichte daher, dass er am Ende der Besatzungszeit seinen Kollegen Elim und fast 100 Bajoraner umgebracht hatte und dafür ins Exil geschickt worden war. Hier versucht ein verzweifelter Mann händeringend und aus tiefster Selbstverachtung und Selbstmitleid den letzten verbliebenden Freund wegzustoßen - und erhält stattdessen eine noch festere Versicherung Bashirs, ihm helfen zu wollen.

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A friend is a friend is a friend

Überhaupt: Bashir! Der junge Arzt zeigt hier einmal mehr, dass er einem strikten Verhaltenskodex folgt und nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen. Er bleibt seinem Eid treu und steht Garak bei, verbringt jede Minute an seinem Bett und lässt den perplexen Odo abblitzen, der durch ein Verhör gerne seine eigene Ermittlung vorantreiben würde. Bashir sieht zwar nicht so aus, ist aber ein Hardliner, den so schnell nichts vom Weg abbringt. Sehr passend, wenn man die späteren Entwicklungen in der Serie im Kopf hat.

Natürlich könnte man auch argumentieren, dass Bashir hier schlicht professionell arbeitet - doch ist seine (tief in seinem Innern gewünschte) Freundschaft zu Garak immer präsent. Er müsste keinen Eid geleistet haben, um zu tun, was er tut.

Gimme more truth

Als Dank für sein Bemühen erhält er kurze Zeit später „Version 2 der heutigen Wahrheit“. Garak hatte niemanden getötet sondern war damals vielmehr der Barmherzige gewesen und hatte die Bajoraner laufengelassen. Wegen dieser Schwäche wurde er ins Exil geschickt. Soso. Neben diesen Informationen gibt es noch eine ganze Palette an Beleidigungen vom durch den Entzug sichtlich gezeichneten Mann. Er hasst das Leben auf DS9, er hasst diesen Ort und er hasst Bashir und das regelmäßige Essen mit ihm. So weit, so charmant.

Einen weiteren Zusammenbruch später gibt es dann „Version 3 der heutigen Wahrheit“, diesmal aber definitiv die wahre Wahrheit wie Garak verlauten lässt. Nun denn: Elim war Garaks bester Freund. Beide zusammen wurden hinter vorgehaltener Hand sogar als die „Söhne von Tain“, des Chefs des Obsidianischen Ordens bezeichnet. Der Vorfall mit den Flüchtlingen führte dann jedoch dazu, dass Garak versuchte, seinem Freund die Schuld zuzuschieben. Dieser war jedoch besser darin und somit musste Garak ins Exil. Er hatte also versucht, seinen besten Freund zu hintergehen und war dadurch auf DS9 gelandet. Ob Bashir diese vermeintlich finale Wahrheit reichen würde?

Just a little trip to Cardassia

Nicht doch. Mit dem Runabout geht es mal eben schnell nach Cardassia. Mitten hinein in das Wohnzimmer des pensionierten Enabran Tain. Dieser ist nicht weiter irritiert von seinem Besucher, weiß er doch genau Bescheid über den Doktor und auch über Belanglosigkeiten wie dessen Getränkevorlieben.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Wire%26ldquo; © Paramount
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Tain ist ein faszinierender Charakter mit enormer Präsenz. Und einer schwierig zu fassenden Haltung gegenüber Garak. Auf der einen Seite rät er Bashir, Garak sterben zu lassen, da das Exil für ihn eine Tortur sei. Auf der anderen Seite äußert er, dass Garak keinen schnellen Tod verdient habe, sondern, dass er noch eine lange Zeit unter diesem Leben leiden solle - inmitten von Menschen und Bajoranern die ihn hassen. Und zum Schluss gibt er Bashir dann noch die Worte „Sagen Sie Garak, dass ich ihn vermisse.“ mit auf den Weg. Versehen wir Tain - wie auch Garak - an dieser Stelle mit einem Fragezeichen. Er bleibt hier nicht minder rätselhaft als sein ehemaliger - nun, was denn eigentlich? Protege? Kollege? Freund? Nun - zumindest auf Garaks Informationen sollte man auch weiterhin nicht vertrauen. So erfährt Bashir nämlich noch, dass Elim, der beste Freund des Schneiders, kein geringerer ist als Garak selbst. Elim ist dessen Vorname.

The more things change, the more they stay the same

Am Ende ist Garak wieder der Alte. Eloquent, charmant, überlegen, unverbindlich. Welche Geschichten denn nun wahr gewesen wären, fragt Bashir. Alle - selbstverständlich. Auch die Lügen? Besonders die Lügen! Herrlich. Der Doktor wird mit seinem „Projekt Garak“ noch viel Freude haben.

The Reviewer's wife

Als typische Episode für das schwermütige Kind der Trek-Franchise empfand die Frau des Rezensenten das Geschehen. Die perfekte Überwachung seitens des Ordens (Bashirs Gewohnheiten) erinnerte sie dabei stark an Person of Interest. Ansonsten gab es Lob für die starke Story, die Darsteller und die Musik. Nur der gute Doktor Bashir ist ihr immer zu sehr der Strebertyp - besonders in den ersten Seasons.

Gib dem Kind einen Namen

The Wire ist ein wunderschön simpler aber mehrdeutiger Titel, der sowohl auf die „Verdrahtung“ in Garaks Gehirn hinweist, als auch auf seine „Verbindung“ nach Cardassia oder zu Tain wie auch auf seine vermeintliche Funktion als „Abhörvorrichtung“ seines Volkes. Klasse! Im Deutschen wurde daraus natürlich schlicht „Das Implantat“ - das ist durchaus okay und anders schwer zu lösen, aber dennoch schade.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Deep Space Nine%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Wire%26ldquo; © Paramount
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Fazit

The Wire ist ein energiegeladenes Kammerspiel mit zwei spielfreudigen Darstellern, die ihr kompliziertes Verhältnis charmant-herzlich hinterfragen und ausspielen. Die Episode funktioniert dabei sowohl als Garak- wie auch als Bashir-Vehikel. Eine faszinierende kleine Studie zwei meiner absoluten Lieblingscharaktere!

Nächste Woche Samstag geht es am Samstag im Review-Countdown weiter mit Platz 10 von Star Trek: Voyager. Seven bekommt „Besuch“ von einem anderen Borg und muss sich ihren Gefühlen stellen. Am Sonntag werde ich dann ein ganz klein wenig „abtrünnig“ - lasst euch überraschen!

Hast du schon über deine Lieblingsepisoden abgestimmt?

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 6. September 2015
Episode
Staffel 2, Episode 22
(Star Trek: Deep Space Nine 2x22)
Deutscher Titel der Episode
Das Implantat
Titel der Episode im Original
The Wire
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. Mai 1994
Autoren
Robert Hewitt Wolfe, John Doman, Cacey Riggan
Regisseure
Kim Friedman, Greg Wood, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek: Deep Space Nine 2x22

Darsteller
Rolle
Rene Auberjonois
Odo
Terry Farrell
Cirroc Lofton
Colm Meaney
Nana Visitor

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