Star Trek: Discovery 1x08

Star Trek: Discovery 1x08

Die Folge Si Vis Pacem, Para Bellum der US-Serie Star Trek: Discovery startet mit einer Weltraumschlacht. Burnham, Tyler und Saru sind derweil mit einer Außenmission auf dem Planeten Pahvo beschĂ€ftigt und woanders treffen wir auf Kol, L'Rell und Admiral Cornwell.

Anthony Rapp, Wilson Cruz und Mary Wiseman in „Star Trek Discovery“ (c) CBS
Anthony Rapp, Wilson Cruz und Mary Wiseman in „Star Trek Discovery“ (c) CBS
© nthony Rapp, Wilson Cruz und Mary Wiseman in „Star Trek Discovery“ (c) CBS

An Bord der Discovery

Direkt nach dem Vorspann werden wir in eine Schlacht geworfen. Die USS Gagarin steckt in der Klemme und wird von mehreren klingonischen Schiffen attackiert. Captain Lorca (Jason Isaacs) eilt mit der Discovery zu Hilfe, kann aber nicht verhindern, dass die Gagarin zerstört wird.

Dieser kinoreife Auftakt zeigt einmal mehr, wie groß das Budget ist, mit dem die Serie arbeiten kann. Angeblich soll eine Episode im Schnitt 8 bis 8,5 Millionen US-Doller kosten und angesichts dieser Szenen mag man das auch gerne glauben. Wobei der Auftakt aber noch nicht alles in Sachen Augenweide ist. Die Szenen auf Pahvo (wo wir gleich noch zu kommen) sind Ă€hnlich beeindruckend geraten.

Handlungstechnisch bekommen wir zunĂ€chst zu sehen, dass der Krieg sich keineswegs einem Ende nĂ€hert. Im Gegenteil, die Klingonen sind durch ihre Tarnvorrichtung, die Kol (Kenneth Mitchell) langsam aber sicher unter den HĂ€usern verteilt (hat), auf dem Vormarsch. Lorcas aggressive Taktik, um die angeschlagene Gagarin vor der Zerstörung zu retten, geht nicht auf. Wobei das Szenario ein wenig an den Testlauf in Folge vier erinnert, wo die BrĂŒckencrew sich einem Ă€hnlich aussichtslosen Kampf gegenĂŒbersah. Das Training und Lorcas harte Vorgehensweise, von der er auch nach dem verlorenen Kampf nicht ablĂ€sst (trauern kann die Crew spĂ€ter noch), werden hier gerechtfertigt. Übrigens auch mit Blick auf den Titel, der sich mit „Wenn du Frieden willst, bereite Krieg vor“ ĂŒbersetzen lĂ€sst.

Als Randbemerkung sei noch angefĂŒhrt, dass es in diesen ersten Minuten mehr von der BrĂŒckencrew zu sehen gibt als sonst. Aber von einer nĂ€heren Charakterisierung fehlt nach wie vor jede Spur. Wir kennen die Gesichter und dĂŒrfen ein paar wenige gesprochene Zeilen vernehmen. Mehr nicht. Die eigentlichen Hauptfiguren sind anderweitig beschĂ€ftigt.

Womit wir auch direkt zu Lt. Paul Stamets (Anthony Rapp) kommen, der nach dem zweiten Sprung mit dem Sporenantrieb sichtlich verwirrt aus der Kammer kommt und Tilly (Mary Wiseman) als Captain bezeichnet. Obendrein scheint sein altes, grimmiges Selbst wieder zurĂŒck zu sein, nachdem sie ihn auf den Fehler aufmerksam gemacht hat.

Orientierungslosigkeit und Stimmungsschwankungen mögen vielleicht nicht direkt in die Kategorie „starke Nebenwirkungen“ fallen, machen uns und Tilly aber einmal mehr deutlich, dass der Gebrauch des Sporenantriebs nicht ohne Folgen fĂŒr den Navigator bleibt. Ob Stamets Tilly vielleicht deshalb als Captain angesprochen hat, weil er einen Blick in die Zukunft werfen konnte? Immerhin war er letzte Woche derjenige, der die Zeitschleifen als solche wahrnahm und wir wissen von unserem Kadett, dass sie eine große Karriere bei der Sternenflotte anstrebt.

Derartige Spekulationen sind jedenfalls interessant, wobei wir in Zukunft aber sicher noch mehr von den Nebenwirkungen zu sehen bekommen werden. Denn Paul hat nicht vor, diese zu melden. Seine BegrĂŒndung beziehungsweise sein Dilemma liegt darin, dass er entweder als Versuchskaninchen enden wird oder aber Dr. Culber (Wilson Cruz) fĂŒr das bewusste Auslassen der Folgewirkungen in seinen Berichten belangt werden könnte (falls die Sternenflotte dahinterkommt). Somit wird beschlossen, dass Tilly ihn beobachtet und gehofft, dass die Nebenwirkungen wieder verschwinden (und Tilly sich nicht verplappert).

Wie die beiden hier vorgehen, lĂ€sst sich durchaus nachvollziehen, wenngleich es wohl kaum ratsam ist, den Mantel des Schweigens zu wahren. Uns Zuschauern soll es aber nur recht sein. Schließlich bahnen sich dadurch noch einige spannende Geschichten an.

Anthony Rapp und Mary Wiseman in „Star Trek Discovery“
Anthony Rapp und Mary Wiseman in „Star Trek Discovery“ - © CBS

Auf Pahvo

Michael (Sonequa Martin-Green), Ash (Shazad Latif) und Saru (Doug Jones) sind auf Pahvo unterwegs, um einen natĂŒrlichen Transmitter unter die Lupe zu nehmen. Daraus verspricht sich unsere Crew, eine Art Sonar zu entwickeln, um getarnte klingonische Schiffe aufzuspĂŒren.

Wie das genau funktionieren soll? Keine Ahnung. Auch wenn der Planet Schallwellen und Vibrationen von sich gibt und diese in den Weltraum sendet, erscheint es doch relativ sinnlos, diese zum Detektieren getarnter Schiffe verwenden zu wollen. Sonar funktioniert mit Schallwellen. DafĂŒr wird aber auch ein Medium (Luft, Wasser) benötigt, welches den Schall ĂŒbertrĂ€gt. Im (fast leeren) Weltraum dĂŒrfte das ein aussichtsloses Unterfangen sein. Andererseits, bei der Schlacht zu Beginn waren auch GerĂ€usche im All zu vernehmen (die es eigentlich nicht gibt). Verbuchen wir es also unter (fragwĂŒrdiger) Serienlogik.

Viel wichtiger sind dann auch wieder unsere drei Figuren, die im Mittelpunkt der Episode stehen und die wunderschöne, fremdartige Welt mitsamt seinen Bewohnern erkunden dĂŒrfen. Die Beziehung zwischen Michael und Ash wird weiter vorangetrieben, was sich nach wie vor leicht skeptisch betrachten lĂ€sst (die GrĂŒnde sind noch immer die gleichen und dĂŒrften klar sein). Allerdings winkt den beiden nach Kriegsende kein Happy End entgegen, selbst wenn sie alles ĂŒberstehen und ĂŒberleben werden. Das Haus am See mag fĂŒr Ash RealitĂ€t werden, aber nicht fĂŒr Michael, die uns wie ihm erklĂ€rt, dass ihr nach den Diensten auf der Discovery erneut schwedische Gardinen bevorstehen werden. Also keine Chance auf Rehabilitation durch neue Verdienste? Oder vermutet sie das bloß?

Doug Jones, Sonequa Martin-Green und Shazad Latif in „Star Trek Discovery“
Doug Jones, Sonequa Martin-Green und Shazad Latif in „Star Trek Discovery“ - © CBS

Die beiden sind zudem unterschiedlicher Meinung, als Saru sich durch die Wesen des Planetens verĂ€ndert hat. Ash lĂ€sst seinen Rang spielen, um das weitere Vorgehen festzulegen - womit Michael keine andere Wahl hat, als den Transmitter fĂŒr eine Botschaft an die Discovery zu verwenden. So ganz stimmig wirkt das mit Blick auf die vorherigen Szenen zwischen den beiden nicht. Hatte Ash nicht zuvor vorgeschlagen, die Transmitter-Mission abzubrechen, um Michaels „temporĂ€ren“ Zustand zu verlĂ€ngern? Ein Haus am See wĂ€re doch auch auf Pahvo möglich, wo ohnehin die Harmonie herrscht. An sich hĂ€tten die Rollen hier vertauscht werden und die pflichtbewusste Michael diejenige sein mĂŒssen, die darauf besteht, Kontakt zur Discovery aufzunehmen.

Saru hingegen hat seine Entscheidung getroffen, nachdem der Kontakt mit den allgegenwÀrtigen Bewohnern von Pahvo intensiviert wurde. Das gibt uns einen angenehm ungewohnten Blick auf die Figur, nachdem er Ashs Hinhaltetaktik durchschaut hat. Zuvor angesprochene Eigenschaften seiner Spezies werden plötzlich aufgefahren, als er sich in den Sprintmodus begibt, um Michael aufzuhalten. Andere werden vernachlÀssigt, denn von Angst fehlt jede Spur. Und krÀftig ist er auch noch.

Diese (kurzzeitige) Wandlung ließe sich bestimmt kritisieren, wenn uns am Ende nicht eine ĂŒberzeugende ErklĂ€rung geboten worden wĂ€re. Denn die macht durchaus Sinn. Man stelle sich ein Leben in Furcht vor. Wie schwierig muss es da sein, schwere Entscheidungen zu treffen oder gar - wie vor ein paar Episoden - das Kommando ĂŒber ein Raumschiff zu ĂŒbernehmen? Stets ist die Angst des Scheiterns vorhanden, womit es ohnehin schon beachtlich ist, dass Saru sich in der Position des ersten Offiziers halten konnte. Jetzt wird ihm diese Furcht genommen und er ist endlich befreit. Ein Zustand, den er nachvollziehbar behalten möchte und fĂŒr den er zu kĂ€mpfen bereit ist. Das passte großartig ins Bild und zu seinem Charakter.

Zuletzt sei noch angemerkt, dass die Kontaktaufnahme mit der Discovery zwar glĂŒckt, aber die einheimischen Wesen keineswegs die Absicht haben, sich auf eine der beiden Seiten des Krieges zu stellen. Sie haben da vielmehr Harmonie im Sinn, als ein Sonar abzugeben und laden Kol zu einem Treffen mit der Discovery ein. Schöne kleine Wendung, auch wenn sie sich bereits angekĂŒndigt hatte. Jedenfalls beschert uns der Cliffhanger eine spannende Wartezeit auf das Midseason-Finale nĂ€chste Woche.

Bei den Klingonen

Wir haben schon lĂ€nger nichts mehr aus dem Lager der Klingonen gesehen, was sich diese Woche glĂŒcklicherweise Ă€ndert. Neben Kol gibt es auch Admiral Cornwell (Jayne Brook) und L'Rell (Mary Chieffo) zu sehen. Kols PlĂ€ne liegen weiterhin auf der Hand und bedĂŒrfen keiner weiteren ErklĂ€rung. Klare Linie, die er da (bislang erfolgreich) fĂ€hrt. Ein bisschen simpel gestrickt vielleicht, aber wenigstens wissen wir bei ihm genau, woran wir sind.

Bei L'Rell ist das schon schwieriger und diese Folge macht das leider nicht besser. Generell gibt es zu viele LĂŒcken, um sie richtig einordnen zu können und selbst wenn man die als gegeben hinnimmt, kann man durch die Figur nicht so recht durchblicken. Erst bietet sie Kol an, seine Geisel zu „befragen“ und hĂ€tte als Belohnung gerne die Tarnvorrichtung. Dann erweckt sie den Eindruck, zur Sternenflotte ĂŒberzulaufen und Cornwell befreien zu wollen. Als das nicht gelingt, begibt sie sich wieder in Kols Lager und schwört ihm Treue. Hin und her, je nachdem, aus welcher Richtung der Wind gerade blĂ€st. Resultat: Weder wir noch Kol können ihr am Ende vertrauen.

Jetzt kann es ganz interessant sein, einen Charakter in der Serie zu haben, dessen LoyalitĂ€ten fraglich sind und der als wandelndes Fragezeichen daherkommt. DafĂŒr muss aber eine gewisse Basis geliefert werden, auf der man aufbauen kann. Die fehlt hier schlicht und das ist nicht gut. Storytechnisch hĂ€tte da etwas mehr (beziehungsweise weniger Hin und Her) aufgefahren werden mĂŒssen.

Abseits davon liefert uns L'Rell kaum neue Informationen. An einer Stelle gab es kurz Hoffnung, dass wir einen Hinweis bezĂŒglich Voq (Javid Iqbal) erhalten wĂŒrden. „He was 
 chased away. Forever gone.“ ist aber nicht gerade das, was uns weiterhilft. Ihr Zögern könnte fĂŒr eine bestimmte Theorie sprechen, kann aber auch etwas anderes bedeuten. Offensichtlich soll das „Geheimnis“ aufrechterhalten werden. Okay, mĂŒssen wir wohl so hinnehmen. Fragen dĂŒrfen wir uns außerdem, woher sie vom Antrieb der Discovery weiß. Allgemeinwissen unter den Klingonen scheint es noch nicht zu sein, sonst hĂ€tte sie es Kol nicht angeboten. Vermutlich war tatsĂ€chlich sie es, die Harry Mudd (Rainn Wilson) auf die Discovery angesetzt hat. Eine kleine BestĂ€tigung dafĂŒr wĂ€re nett gewesen.

Sonequa Martin-Green und Jason Isaacs in „Star Trek Discovery“
Sonequa Martin-Green und Jason Isaacs in „Star Trek Discovery“ - © CBS

Was Admiral Cornwell angeht, könnte das ihr letzter Auftritt gewesen sein. So ganz eindeutig ist ihr Tod jedoch nicht, obwohl sie kaum eine Chance haben dĂŒrfte, im Überlebensfall aus den FĂ€ngen von Kol zu entkommen. Ach Moment, mit dem anstehenden Treffen der beiden Schiffe ergibt sich da vielleicht doch eine Möglichkeit. Aber wie dem auch sei, der zunĂ€chst anvisierte Handlungsstrang, bei dem L'Rell Cornwell befreit und ĂŒberlĂ€uft, hĂ€tte hier mehr Potenzial gehabt. Schon alleine wegen Lorca. Man stelle sich mal vor, die beiden wĂ€ren entkommen, hĂ€tten ein Notsignal ausgesendet und die Discovery hĂ€tte sie aufgegriffen. Cornwell will ihn außer Dienst stellen und L'Rell hat ihn gefoltert. Das wĂ€re mal ein interessantes Treffen gewesen.

Fazit

Optisch ist die Folge durchgehend gelungen, an vielen Stellen sogar kinoreif. Handlungstechnisch bereitet vor allem der Strang bei den Klingonen leichte Bauchschmerzen, denn da ging einiges an Potenzial flöten. Das Abenteuer auf Pahvo konnte sich aber (mit minimalen AbzĂŒgen) sehenlassen, wobei vor allem Saru großartig war. An Bord der Discovery dĂŒrfen wir uns weiterhin um Paul sorgen, dessen Nebenwirkungen langsam aber sicher gefĂ€hrlich werden. Von mir gibt es diese Woche 4 von 5 Sternen.

Verfasser: Christian SchÀfer am Montag, 6. November 2017

Star Trek: Discovery 1x08 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 8
(Star Trek: Discovery 1x08)
Titel der Episode im Original
Si Vis Pacem, Para Bellum
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. November 2017 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. November 2017
Autoren
Kirsten Beyer, Kirsten Beyer
Regisseur
John Scott

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x08

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