Star Trek: Discovery 1x01

Star Trek: Discovery 1x01

Mit der Folge The Vulcan Hello startet die US-Serie Star Trek: Discovery und liefert damit eine neue Reihe zum Star Trek-Franchise, welche etwa zehn Jahre vor den Abenteuern von Kirk und Co angesiedelt ist. Im Auftakt bekommen es unsere neuen Figuren mit einem unbekannten Objekt zu tun...

Doug Jones, Sonequa Martin-Green und Michelle Yeoh in „Star Trek: Discovery“ / (c) CBS
Doug Jones, Sonequa Martin-Green und Michelle Yeoh in „Star Trek: Discovery“ / (c) CBS
© oug Jones, Sonequa Martin-Green und Michelle Yeoh in „Star Trek: Discovery“ / (c) CBS

Neue Serie, neues Format

Was nach The Vulcan Hello direkt auffällt, ist die fortlaufende Geschichte, die mit dem Piloten in Gang gesetzt wird. Das ist neu für „Star Trek“, setzten die älteren Reihen doch allesamt (von wenigen Ausnahmen in Form von Mehrteilern abgesehen) auf abgeschlossene Episoden und wiesen maximal im Hintergrund Merkmale einer übergreifenden Story auf. Nicht so bei Star Trek: Discovery, denn hier werden wir gleich im Auftakt mit einem größeren Cliffhanger zurückgelassen. Sehr offensichtlich werden auch die Klingonen um T'Kuvma (Chris Obi) als große Gegner in Szene gesetzt, mit denen sich die Föderation sicher noch länger herumschlagen wird.

Der Pilot bringt uns da im Folgenverlauf auf den aktuellen Stand der Situation mit den Klingonen, wobei aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Für etwa 100 Jahre haben die Krieger des Kahless ihre Füße stillgehalten und wurden im Föderationsraum nicht gesichtet. T'Kuvma will das jetzt ändern, wofür er die verschiedenen Clans (24 an der Zahl) gegen den auserkorenen Gegner einen will - was ihm scheinbar auch gelingt (jedenfalls mit Blick auf die Anzahl der klingonischen Kriegsschiffe, die da am Ende auftauchen). Gleichzeitig lässt sich die Erwähnung der vielen Häuser des Imperiums auch als Erklärung dafür heranziehen, weshalb die Klingonen, die wir im Auftakt zu sehen bekommen, so anders aussehen als diejenigen, die uns in vorherigen Serien begegnet sind. Mit Voq (Javid Iqbal) bekommen wir sogar einen sehr hellhäutigen Vertreter seiner Art zu sehen.

Aber der springende Punkt ist, dass wir dabei sind, wenn T'Kuvma seine Pläne (selbstverständlich auf Klingonisch und mit Untertitel für die Zuschauer, die der Sprache nicht mächtig sind) erklärt, die Zweifler beschwichtigt und Voq - „Son of None“ - für eine wichtige Aufgabe befördert. Wir dürfen den Klingonen somit über die Schulter schauen und bekommen bedeutsame Eindrücke vom sich formierenden Gegner - das ist in jedem Fall besser, als wenn sie einfach aus dem Nichts auftauchen würden.

Neu sind außerdem die Rückblicke, die uns zur eindeutigen Hauptfigur Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) gezeigt werden, der bislang unbekannten Ziehtochter von Sarek (James Frain), welcher uns hingegen aus den älteren Serien und als Vater von Spock (Leonard Nimoy) und Sybok (Laurence Luckinbill) geläufig ist. Die Rückblicke geben uns einen besseren Eindruck davon, wie Michael tickt und weshalb sie ihre Entscheidungen trifft, die im Auftakt bis hin zum Widersetzen gegen einen direkten Befehl von Captain Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) gehen.

Figuren

Während uns Michael Burnham im Auftakt sehr gut vorgestellt wird und auch Philippa nicht zu kurz kommt, unter deren Kommando sie bereits sieben Jahre gedient hat, kommen andere Figuren der Shenzou nicht so zum Zuge. Leichte Probleme kann man als Zuschauer auch mit dem sehr vertrauten Verhältnis zwischen Captain und erstem Offizier haben, denn hier fehlen uns noch die Einblicke in die Vergangenheit. Wir können bislang nur erahnen, wie sich das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Frauen entwickelt hat und dass es tatsächlich nicht von Beginn an reibungslos und von Vertrauen geprägt war. Die Absolventin der vulkanischen Akademie setzt nämlich verstärkt auf Logik und ist quasi die Vulkanierin an Bord - auch wenn sie selbst natürlich ein Mensch ist.

Klingonen in „Star Trek: Discovery“
Klingonen in „Star Trek: Discovery“ - © CBS

Von den anderen Besatzungsmitgliedern erfahren wir am meisten über den Wissenschaftsoffizier Lt. Saru (Doug Jones), der gefährliche Situationen erahnen kann und verstärkt mit Michael und Captain Georgiou über das weitere Vorgehen diskutiert. Die anderen bleiben leider hauptsächlich unter dem Radar, was sich in kommenden Folgen hoffentlich noch ändern wird. Zwar wird an einigen Stellen der Eindruck geweckt, es mit einem eingespielten Team zu tun zu haben (wenn Michael sich beispielsweise an ihren Trip durch den Weltraum hin zum unbekannten Objekt macht), aber dennoch fehlt vorerst eine adäquate Vorstellung dieser Figuren.

Optik

Die visuellen Effekte sind auf erstklassigem Niveau. Egal, ob im Weltraum, auf einem fremden Planeten oder an Bord der Shinzou - man hat sich hier nicht lumpen lassen und liefert fantastische Bilder, die dazu einladen würden, sich die Serie im Kino anzuschauen. Ähnliches gilt für den Sound.

Für eingefleischte Trekkies kann sich dadurch ein Problem ergeben. Denn der Prequel-Charakter der Reihe wirft damit gleich die Frage auf, wie sich das Ganze optisch so stark von den alten Serien - gerade von der Originalreihe - unterscheiden kann, wenn man zeitlich vorher angesiedelt ist. Schon im Vorfeld machten sich da kritische Stimmen bemerkbar, die vor allem das Design der Klingonen betrafen.

Aber ganz ehrlich? Diese Art von Kritik darf jeder gerne links liegenlassen. Wer will schon klobige Phaser und Tricorder, übergroße Schaltknöpfe und so ganz allgemein überholte Designs sehen, nur um ein wenig Konsistenz zu wahren? In meinen Augen ist es wichtiger, ein weiteres Kapitel aus dem Universum zu sehen zu bekommen - leider ein vergangenes und keines, was weiter in der Zukunft und gar als Fortsetzung angesiedelt ist - aber aufpolierte Technik, nie gezeigte Alienrassen wie die von Saru oder ein verändertes Klingonen-Design gehören mit Sicherheit nicht zu den Punkten, die auf alt getrimmt sein müssen beziehungsweise nicht vorkommen sollten.

Zum Vorspann sei noch gesagt, dass der mal etwas deutlich anderes ist. Vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig, was auch die Musik betrifft, aber an sich ganz in Ordnung.

Doug Jones in „Star Trek: Discovery“
Doug Jones in „Star Trek: Discovery“ - © CBS

Allgemeines zu Story

Das Intro auf dem Wüstenplaneten, auf welchem sich Philippa und Michael in einer brenzligen Situation aufgrund eines aufkommenden Sandsturms wiederfinden, wusste leider nicht direkt zu fesseln. Die „Lösung“ des Captains, um nach abgebrochenem Funkkontakt zum Schiff auf sich aufmerksam zu machen, war schon fast lächerlich. Da wusste der Auftakt mit den Klingonen eher zu überzeugen, wobei T'Kuvma schon gleich zu Beginn eine große Portion Charisma versprüht.

Der weitere Verlauf um die beschädigte Kommunikationsstation und das unbekannte Objekt, welches sich später als klingonischen Ursprungs entpuppt, konnte sich allerdings sehen lassen. Und zwar nicht nur, weil es spannend wird, wenn es in den kommenden Episoden um den aufkommenden Krieg Föderation gegen klingonisches Imperium geht, sondern eben auch, weil Figuren wie Michael und T'Kuvma mehr bieten als die sonst eher typischen Standardfiguren.

Bei Michael liegt am Ende auf der Hand, dass sie zuweilen auf „kalte“ Logik setzt. Wenn Sarek da erklärt, wie einst ein Waffenstillstand mit den kriegerischen Klingonen ausgehandelt wurde, ist sie direkt bereit, die Föderationsprämisse „Starfleet doesn't shoot first“ links liegenzulassen - wenngleich Philippa und der Admiral (Terry Serpico) anderer Meinung sind. Ihr Handeln wird noch Konsequenzen haben, zeigt uns aber, wie hartnäckig sie den für sie richtigen Weg verfolgen will.

T'Kuvma liefert uns mit seiner Einstellung hingegen ein Bild davon, wohin geballter Nationalismus führt. Ich will jetzt nicht so weit gehen, hier Namen wie Donald Trump, Kim Jong-Un oder gar Mitglieder einer bestimmten deutschen Partei zu nennen, die jüngst 12,6% bei den Bundestagswahlen verzeichnen konnte. Aber T'Kuvma wäre wohl ganz und gar nicht erfreut, wenn er einen Blick in die Zukunft erhaschen und dort beispielsweise einen Lt. Worff in Föderationsuniform erblicken könnte. Punkt wäre einfach nur, dass die Serie schon ein bisschen gesellschaftliche Relevanz an Bord hat und - wie bei „Star Trek“ üblich - etwas mehr ist als nur eine weitere Science-Fiction-Reihe.

„Star Trek: Discovery“
„Star Trek: Discovery“ - © CBS

Fazit

Ein guter und vielversprechender Auftakt, der nicht nur dank des Cliffhangers Lust auf mehr macht. Visuell beeindruckend werden wir mit gutem Tempo und den nötigen Erklärungen an die neue (Vor-)Geschichte des „Star Trek“-Universums herangeführt, wobei uns die wichtigsten Mitspieler gekonnt vorgestellt werden. Einige Besatzungsmitglieder der Shenzou kommen dabei allerdings zu kurz und auch ein paar andere kleinere Schwachstellen lassen sich verzeichnen. Von mir gibt es erst mal 4 von 5 Sternen.

Anmerkung: Das Review zur zweiten Episode wird vermutlich erst morgen erscheinen. Ich bitte da um etwas Geduld.

Ausblick auf die erste Staffel der Serie „Star Trek: Discovery“:

Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 25. September 2017

Star Trek: Discovery 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Star Trek: Discovery 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Leuchtfeuer
Titel der Episode im Original
The Vulcan Hello
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. September 2017 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 25. September 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 25. September 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 25. September 2017
Regisseur
David Semel

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x01

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