
Von Stan Against Evil ist es allein vom Titel her betrachtet kein sehr weiter Weg bis zu Ash vs. Evil Dead, die blutige, aberwitzige Horror-Klamaukserie, die hierzulande über Amazon abrufbar ist und sich gerade mitten in ihrer zweiten Staffel befindet. Der amerikanische Kabel- und Satellitensender IFC (den AMC Networks zugehörig) will es der Konkurrenz nun mehr als offensichtlich gleichtun und präsentiert uns mit „Stan Against Evil“ seinen neuesten Versuch, ebenfalls ins Grusel-und-Gore-Geschäft einzusteigen.
Dafür schenkt man Schauspieler und Comedian Dana Gould das Vertrauen, der unter anderem für einen längeren Zeitraum als Autor für The Simpsons und als Executive Producer für Parks and Recreation tätig war. Mit Goulds neuer Serie „Stan Against Evil“ möchte man das spaßige und eigenwillige Programm von IFC (hervorstechend: The Spoils of Babylon, oder die Musical-Comedy Garfunkel and Oates) aufhübschen. Nach der enttäuschenden Auftaktepisode darf aber bezweifelt werden, dass dies auf lange Sicht gelingen wird.
The darkest hour
Tatsächlich ist „Stan Against Evil“ eins zu eins ein Abklatsch des bereits erwähnten „Ash vs Evil Dead“, welches die Latte innerhalb des Genres ziemlich hochgelegt hat. Ash heißt hier wiederum Stan und wird von John C. McGinley gespielt, den die meisten sicherlich aus Scrubs kennen dürften, wo er jahrelang den grantigen Arzt und Mentor Dr. Cox gespielt hat. Sein Charakter ist ein gerade in den Ruhestand verfrachteter Sheriff, der sich plötzlich einem uralten Fluch ausgesetzt sieht, was zur Folge hat, dass die Kleinstadt Willard's Mill von Dämonen, Hexen, Dämonenhexen und Hexendämonen heimgesucht wird. Gemeinsam mit dem neuen, weiblichen Sheriff sagt er den Scheusalen jetzt den Kampf an und hat dabei natürlich den einen oder anderen frechen Spruch auf den Lippen.
Man setzt hier ohne Zweifel sehr viel Vertrauen in seinen Star, der nach wie vor über eine große Fanbasis verfügt. Das Material, welches McGinley und seine Kollegen hier zugeschustert bekommen, ist aber derartig dünn und einfallslos, dass einem die Darstellerriege fast schon leid tun kann. Zu oft fühlt sich „Stan Against Evil“ wie eine schlechte, billige Kopie einer weitaus besseren Serie an.

Sign of weakness
Aber selbst wenn man den „Army of Darkness“-Serienableger nicht kennt, stelle ich es mir sehr schwierig vor, dass jemand sich für Stan Against Evil begeistern kann. Die erste Episode macht einen wahnsinnig holprigen Eindruck und stottert sich irgendwie durch ihre gut 22-minütige Laufzeit. Die Effektarbeit offenbart vor allem zum Ende hin eklatante Schwächen, während der visuelle Stil im Großen und Ganzen sehr fad, alltäglich und langweilig wirkt. Von der ersten Minute an fehlt der neuen Comedy das Besondere, ein Alleinstellungsmerkmal, das positiv heraussticht und Anlass sein könnte, erneut einzuschalten.
Offensichtlich sollte McGinley das „besondere Etwas“ von „Stan Against Evil“ sein, was jedoch nicht so recht funktionieren will. Als nimmermüder Griesgram mit rabiatem Wortschatz und wenig Liebe für seine Mitmenschen ist der erfahrene Schauspieler keineswegs falsch besetzt. Das Problem ist vielmehr, dass sein Charakter - ein sexistisches Alphatier - nichts anderes als eine abgedroschene Trope darstellt, die insgesamt extrem unwitzig ist. Wo ein Ash Williams noch einen gewissen Charme ausstrahlt, kann man sich kaum für den gefühlskalten Stan erwärmen.
Cursed
Wenn sich dann der Großteil der Handlung um eine Figur dreht, die einem herzlich egal ist, dann ist es nur logisch, dass man am Ende enttäuscht ist und die Serie einem nicht sehr viel geben kann. Janet Varney (You're the Worst), die hier den neuen Sheriff der Stadt spielt, dient einzig dazu, Stan ein paar Vorlagen für seine platten Witze zu geben, die vielleicht vor 20 oder 30 Jahren manch einer lustig fand. Aber wahrscheinlich avancieren sie und Stan in den nächsten Folgen zu einem wunderbaren Traumduo, was uns den unsympathischen Titelhelden von einer ganz neuen, charismatischeren Seite zeigen wird. Man kennt das Spielchen.
Aber nicht nur die Hauptfigur stellt ein Problem dar, die gesamte Serie tut sich ungemein schwer, in Tritt zu kommen und das zu liefern, was sie von außen verspricht: gorige, gruselige, blutige, quatschige Action. „Stan Against Evil“ ist erschreckend zahm und zurückhaltend. Und wenn es dann mal so weit sein könnte, dass gleich die Fetzen fliegen, dann fehlt schlichtweg die Wucht und das nötige Feuer, um mich in die äußerst dröge Handlung zu involvieren. So bleibt von der simplen Prämisse letzten Endes auch nicht sehr viel hängen, man verbucht Stan Against Evil unter der Kategorie „netter Versuch, aber nein danke“ und kehrt der IFC-Comedy ganz schnell wieder den Rücken. Schade, vor allem um John C. McGinley.
Trailer zu „Stan Against Evil“: