Die neue CBS-Serie Stalker stellt ein schwaches Crimedrama dar, in dem von den einzelnen Darstellern bis hin zur generellen Inszenierung der Pilotepisode viel zu dick aufgetragen wird. Gleichzeitig entsteht eine eher fragwürdige Annäherung an das sehr ernst zu nehmende Thema des Stalkings.

Offizielles Promobild zu CBS' „Stalker“ / (c) CBS
Offizielles Promobild zu CBS' „Stalker“ / (c) CBS

Der Name Kevin Williamson dürfte so manchen Lesern durchaus geläufig sein. Der 49-jährige US-Amerikaner hat sich über die Jahre als feste Größe im Fernsehgeschäft etabliert, auch wenn man sicherlich über die Qualität seiner Formate streiten kann. Nachdem sich Williamson seine Sporen als Drehbuchautor (unter anderem für Wes Cravens „Scream“) verdient hatte, kreierte das beliebte Teeniedrama Dawson's Creek, das sich wiederum einer nach wie vor treuen Fanschar erfreuen kann.

Ob nun The Vampire Diaries auf The CW oder The Following auf FOX - auch aktuell hat Williamson zwei seiner Serienprodukte am Laufen und holt damit immer wieder ordentliche Quoten rein. Zu diesen beiden gesellt sich nun mit Stalker ein weiteres Format aus Williamsons Feder, das sich das amerikanische Network CBS unter den Nagel gerissen hat. Jedoch sollte man sich hier auf eine herbe Enttäuschung gefasst machen, wird „Stalker“ doch den im Vorfeld entstandenen verhaltenen bis sehr miesen Kritiken aus dem US-amerikanischen Raum gerecht.

New guy

In „Stalker“ ist der Name Programm, dreht sich hier doch alles um die unheimlichen Verfolger zumeist unschuldiger Menschen. Diese treiben ihre Opfer in den Wahnsinn und stellen aufgrund ihrer oftmals psychischen Labilität eine große Gefahr für diese sowie für die Allgemeinheit dar. Um derartigen Stalkern zumindest im Raum Los Angeles Einhalt zu gebieten, hat die hiesige Polizei eine Sondereinheit zur Vorbeugung, Aufklärung und Bekämpfung solcher Fälle ins Leben gerufen. Diese wird von der erfahrenen Beth Davis (Maggie Q, Nikita) geleitet, die einst anscheinend selbst unangenehme Erfahrungen mit einem Stalkingfall gemacht hatte.

Ihr wird nun ein neuer Detective namens Jack Larsen (Dylan McDermott, Hostages) an die Seite gestellt, der sich aus persönlichen Gründen von New York nach Los Angeles hat versetzen lassen. Dieser ist im Verlgeich zu Beth ein eher lockerer Zeitgenosse, aber auch ein fähiger und teils gnadenloser Ermittler. Jedoch umgeben ihn einige private Probleme, die ihn in einem zweifelhaften Licht erscheinen lassen, versucht er doch recht unnachgiebig wieder eine Beziehung zu seiner Exfrau und seinem Sohn aufzubauen.

Maggie Q und Dylan McDermott ermitteln als ungleiches Duo in %26bdquo;Stalker%26ldquo;. © CBS
Maggie Q und Dylan McDermott ermitteln als ungleiches Duo in %26bdquo;Stalker%26ldquo;. © CBS

I'm a creep

Das ungleiche Ermittlerduo bekommt es in der Auftaktepisode sogleich mit einem mörderischen Fall des Stalkings zu tun. Dabei stellt man sich als Zuschauer von Anfang an die Frage, wo hier die Grenze zwischen Stalking und kaltblütigem Mord gezogen wird, wann das erste aufhört und wann das zweite anfängt. Die Anfangssequenz dieser Folge fühlt sich dabei extrem spannungsarm an und kann nicht wirklich mitreißen, zusätzlich offenbaren sich hier einige Logikfehler hinsichtlich des seltsamen Verhaltens des vermeintlichen Mordopfers oder der inaktiven Nachbarschaft. Das obligatorische explodierende Auto darf hier natürlich nicht fehlen, gleiches gilt für die „überinszenierte“, schaurige Frontalaufnahme des maskierten Täters, die deutlich macht, dass es sich hierbei um eine Serie von Kevin Williamson handelt.

Es ist erstaunlich, wie oft man sich an dessen Arbeit als Drehbuchautor für die „Scream“-Filmreihe erinnert fühlt, wird doch eine generische und längst verbrauchte Aufnahme nach der anderen abgefahren. Williamson vermag es nicht wirklich, uns etwas Frisches anzubieten und recycelt sein eigenes Material eher schlecht als recht. Bei einer späteren Szene, in der der vermummte Stalker durch ein Loch im Fußboden in das Schlafzimmer seines nächsten Opfers einsteigt, musste ich mir gar ein wenig das Lachen verkneifen. Dieser machte in dem Moment doch einen sehr lächerlichen Eindruck - von dem seltsamen und logikfreien Verhalten der Polizisten vor Ort ganz zu schweigen.

Losing temper

Stalker folgt ganz klar einer sehr geradlinigen procedural-Philosophie, jedoch hilft dies nicht viel, wenn bereits der erste Hauptfall sowie die dahingeklatsche Nebenhandlung nur wenig Interesse wecken können. Bisweilen fühlen sich zahlreiche Szenen stark „überinszeniert“ und „geschwollen“ an, darüber hinaus reiht sich ein zweckmäßiges Storyelement an das nächste, so dass am Ende alles irgenwie miteinander verbunden ist und Sinn ergibt. Das mag einigermaßen funktionieren, jedoch überwiegt die Langeweile, denn besonders viel Einfallsreichtum oder Originalität sucht man hier vergebens.

Dieser Kritik schließt sich auch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren an. Von der Dynamik zwischen der harten, überdisziplinierten Beth und dem eher lässigen, aber problembehafteten Jack erhoffen sich die Serienmacher anscheinend einiges, das Ergebnis lässt jedoch schwer zu wünschen übrig. Es kann schon ein wenig nervig sein, wenn auf jede Frage sofort eine blitzgescheite Antwort folgt oder McDermotts Figur aus dem Stegreif das Zimmer des Mordopfers auseinanderanalysiert. Vielmehr vermisst man jedoch zumindest ein wenig Chemie zwischen Maggie Q und ihrem männlichen Gegenpart, der für weite Teile der Pilotepisode charismabefreit aufspielt.

I don't belong here

Der Stalker- beziehungsweise Mordfall dient vorrangig dazu, beiden Figuren Profil zu geben, was durchaus gelingt, aber keine besonderen Überraschungen für uns bereithält. Sowohl die Charaktere als auch die Vorkommnisse der Handlung gestalten sich sehr absehbar, nebenbei werden zwar ein paar falschen Spuren gelegt, die man jedoch relativ schnell erkennt. Problematisch ist auch, dass es Williamson und seinem Team so gut wie gar nicht gelingt, memorable Momentaufnahmen zu erschaffen und so plätschern viele Szenen nebensächlich vor sich hin, bis sie ihre oftmals unfreiwillig komische Auflösung erhalten. So dramatisch und schockierend die Aufzugsszene auch sein soll, es fällt einem sehr schwer, diese bedrohliche Sequenz wirklich ernst zu nehmen.

Maggie Q und Dylan McDermott ermitteln weiter als ungleiches Duo in %26bdquo;Stalker%26ldquo;... © CBS
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Auch die kleine Wendung hinsichtlich Maggie Qs Charakter am Ende der Episode wirft einige Fragen auf. Der Nebenplot um einen Studenten, der gestalkt wird, soll der Geschichte und Beths Figur etwas mehr Tiefe geben, jedoch entscheidet man sich hierbei gegen einen subtileren Ansatz und holt dafür stattdessen den Holzhammer raus. Dass Beth dann den Stalker mit dessen eigenen Waffen schlägt, mutet recht merkwürdig an und vermittelt eine komplett andere Botschaft, als man sich anfänglich auf die Fahnen geschrieben hat. Dementsprechend darf man doch berechtigte Zweifel haben, inwiefern das Thema Stalking hier ernsthaft behandelt werden wird oder ob Williamson dieses nur als Aufhänger benutzt, um ausgewaschene Horror- und Krimitropen mit generischen Schockmomenten zu vermischen. Die Pilotepisode von „Stalker“ hinterlässt nämlich genau diesen Eindruck.

Fazit

Es gibt nicht viel Gutes, was ich in der Auftaktfolge zum neuen Crimedrama Stalker von CBS finden kann. Das Format ist zwar technisch solide gemacht, jedoch bleibt das allgemeine Interesse an den Charakteren sowie wirklich packende Spannung größtenteils auf der Strecke. Etwas Positives? So aufdringlich, wie Maggie Q hier ihren Vorbau in die Kamera drücken muss, kann man den darauffolgenden Metakommentar von McDermotts Figur sogar fast als gelungen bezeichnen.

Wer äußerst einfacher Unterhaltung etwas abgewinnen kann, mag in der neuen Serie von Kevin Williamson gewisses Guilty-Pleasure-Serie-Material erkennen. Für mich stellten die gut 45 Minuten Laufzeit von „Stalker“ jedoch die bisher langweiligsten der „Fall Season“ dar, auch wenn ich am Ende der Folge noch einmal laut auflachen musste. Ein tieftrauriger Dylan McDermott, der sich eine Träne wegdrückt und langsam mit dem Zeigefinger über ein Bild von Frau und Kind streift, die beide nichts mehr von ihm wissen wollen, dazu eine schwülstige Coverversion von dem Song „Creep“ der britischen Band Radiohead, die man so schon tausendmal besser gehört hat - ein passenderes Schlussbild hätte man sich einfach nicht einfallen lassen können.

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