Splitting up Together: Kritik zur neuen Beziehungscomedy von ABC mit Jenna Fischer und Oliver Hudson

© ??Splitting up Together“ (c) ABC
Das amerikanische Network ABC hat sich längst zur Heimat diverser charmanter Comedys gemausert, die nicht nur sehr kurzweilig sind, sondern auch etwas Wichtiges zu sagen haben. Black-ish, Fresh Off the Boat und Speechless sind strahlende Beispiele und selbst Modern Family, das seit vielen Jahren ein Publikumsgarant für den Sender ist, befasst sich auf seine Art immer wieder mit komplexen Themen und Fragen zur amerikanischen Gesellschaft, darunter natürlich, wie eine moderne, multikulturell angehauchte Familie in den heutigen USA aussieht. Der Serienneustart Splitting up Together wirkt da allein nach seiner Pilotepisode etwas klassischer und orientiert sich im Single-Kamera-Stil an dem Setup altbekannter Sitcoms: mehrköpfige Familie, großes Haus, eine ganze Menge Probleme - fertig ist die Laube.
Serienschöpferin Emily Kapnek (Suburgatory, Selfie) gibt der Prämisse jedoch einen kleinen Kniff: Das zentrale Ehepaar der Erzählung plant die Scheidung. Nach Jahren einer Beziehung, die immer mehr an Feuer und Leidenschaft verloren hat, wollen Lena (Jenna Fischer) und Martin (Oliver Hudson) einen Haken hinter das Abenteuer Ehe setzen. Beide gehen friedlich auseinander und wollen sich in gleichen Teilen um ihren gemeinsamen Nachwuchs kümmern. Und da ihre aktuelle Wohnsituation im Moment nicht so einfach geklärt werden kann, leben sie auch weiterhin zusammen. Nur eben getrennt voneinander. Dass dies mit neuem Ärger verbunden ist, erklärt sich von allein. Und vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung für Lena und Martin, die sich zwar auseinandergelebt haben, vielleicht aber mit etwas Abstand und Zeit für sich selbst wieder zueinander finden könnten...
Pulling the plug
Die Grundidee hinter „Splitting up Together“ könnte man wohl auch für einen launigen Rom-Com-Film verwursten, so unnötig erscheint es zunächst, eine mehrteilige Comedyserie mit Episoden à 20 Minuten aus dem Material zu machen. Dieses beinhaltet derweil jedes vorstellbare Klischee, das das Genre hergibt: Lena und Martin waren in jungen Jahren wie Pech und Schwefel, dann haben sie Kinder bekommen, was natürlich alles verändert hat. Schlimm, dieser Nachwuchs. Immer wieder zerstört er in Serien oder Filmen intakte Beziehungen. Aber vielleicht lag es ja gar nicht an den kleinen Rackern. Die Liebe zwischen Lena und Martin ist irgendwann einfach verflacht, jetzt suchen sie einen Neustart. Die Auftaktepisode wirkt nicht wirklich originell und etwas altbacken, von den Freunden der beiden Hauptcharaktere, die sich eindeutig gegen eine Trennung aussprechen, über die kleinen Streitereien zwischen Lena und Martin bis hin zu den mehr als offensichtlichen Andeutungen, dass sie möglicherweise doch irgendwann ihre alte Liebe wiedererwecken können.
Emily Kapnek hat einen massiven Holzhammer aus dem Werkzeugschrank geholt und setzt diesen nicht zu knapp ein. Das kann in der Tat etwas anstrengend sein. Jedoch gibt es auch ein paar Lichtblicke, die die Schwächen der anfänglich uninteressanten, dick aufgetragenen Geschichte aufwiegen können. Allen voran die gute Chemie zwischen Jenna Fischer (The Office, You, Me and the Apocalypse) und Oliver Hudson (Rules Of Engagement, Scream Queens) bleibt hängen. Insbesondere Fischer zeigt in einem Moment, dass sich ein komplexes Gemüt in ihrem Charakter Lena verbirgt, das wiederum von der Schauspielerin authentisch zutage gefördert wird. Hudsons Martin erlebt ebenfalls einen kleinen Moment der Läuterung und Einsicht, wobei es ihn doch eigentlich nicht so sehr überraschen sollte, dass eine gute Ehe Pflege und Arbeit erfordert...
Stay connected
In dieser Hinsicht stellt sich „Splitting up Together“ recht naiv an: Beide Hauptcharaktere wundern sich, warum es zwischen ihnen nicht mehr so richtig funktionieren will und müssen erst mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass es sehr hilfreich sein kann, sich mal in die Lage des jeweils anderen hineinzuversetzen. Was für eine Erkenntnis! Kann man über dieses plumpe plotting hinwegsehen, dann zeigen sich in der ersten Folge der neuen Comedy aber auch sympathische Ansätze darüber, welchen Weg das Format einschlagen könnte. Schmerzhafte Scheidungen oder notwendige Trennungen und die Frage, wie es danach für alle Beteiligten - Mütter, Väter, Kinder - weitergeht, kann und sollte man heutzutage mit Blick auf das moderne Familienbild nicht mehr ausblenden. Und Serien, die sich mit der Komplexität dieses Themas auseinandersetzen, gibt es nicht allzu viele.
HBOs Divorce fällt einem da auf Anhieb ein, während langsam auch andere Serien, ob nun Dramen oder Comedys, sich ebenfalls intensiv damit beschäftigen, da dies eben ein Thema ist, das die Realität vieler Menschen widerspiegelt und bestimmt. Auf diese Weise könnte sich Splitting up Together mit der Zeit ein markantes Alleinstellungsmerkmal sichern, was gerade im mit unzähligen austauschbaren Titeln gespickten Networkfernsehen viel wert ist. Die charmanten Darbietungen (Olivia Keville, die die feministische Tochter von Lena und Martin spielt, sichert sich einige herzhafte Lacher) tragen zum Potential des Neustarts bei, bei dem man dennoch abwarten muss, ob aus den ganzen Stereotypen und Genretropen etwas Frisches gezaubert werden kann. Die Chance dafür ist definitiv gegeben.
Trailer zu „Splitting up Together“:
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