Spides 1x01

Spides 1x01

Sci-Fi-Serien aus Deutschland gibt es aktuell viel zu selten, darum ist es lobenswert, wenn sich Sender daran probieren. Der deutsche Pay-TV-Sender Syfy schickt nun die in Berlin spielende Serie Spides ins Rennen. Es geht um eine Partydroge und Außerirdische, die die Süchtigen verändern.

Szenenfoto aus Spides (c) Syfy
Szenenfoto aus Spides (c) Syfy
© zenenfoto aus Spides (c) Syfy

Das Sci-Fi-Genre ist bei deutschen Serienproduktionen bisher recht unterrepräsentiert. Durch immer mehr Anbieter und Mitstreiter auf dem Serienmarkt ist es aber eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Autoren und Serienmacher sich solchen Stoffen widmen, zumal Dark vorgemacht hat, dass man damit weltweit erfolgreich sein kann. Mit der Serie Spides versucht es nun Syfy mit einem Stoff made in Germany, der wahrscheinlich sogar gut zur Marke passt. Ob das nun gut oder schlecht ist, müssen die geneigten Zuschauer für sich entscheiden. Der erste Eindruck von Spides in der Pilotepisode Blis liegt irgendwo zwischen hochwertig und Edeltrash und man merkt, dass sich die Macher Mühe geben wollten, weswegen auch eine Reihe von bekannten Gesichtern, wie zum Beispiel Falk Hentschel (Legends of Tomorrow), Florence Kasumba („Black Panther“) oder Désirée Nosbusch (Bad Banks) mit dabei sind. Rainer Matsutani („Das Inferno - Flammen über Berlin“) ist außerdem der Showrunner. Doch kann diese Mühe letztlich auch überzeugen?

Worum geht es in Spides?

Die Serie eröffnet mit einem Testobjekt, das von einer Reihe von Forschern beobachtet wird, bald macht sie die Augen auf, die sich schwarz verfärben und es folgen mehrere Schreie. Nach dem durchaus hörenswerten und atmosphärischen Serienintro erfahren wir, dass es sich bei dem Testsubjekt um die junge Nora Berger (Rosabell Laurenti Sellers) aus Berlin handelt, die laut der offiziellen Geschichte nach der Einnahme einer Partydroge aus dem Koma erwacht und sich an nichts mehr erinnern kann. Ihre Eltern Ron (Francis Fulton-Smith) und Helen (Desiree Nosbusch) versuchen, ihr schonend die Erinnerungen zurückzubringen, doch das gelingt eher schleppend und sie muss nach einem Ausraster auch ruhiggestellt werden.

Wie sich herausstellt, ist Nora nicht das einzige Opfer der Partydroge Blis, denn auch Carla aka Pixie (Alia Seror O'Neill) lässt sich im Club dazu verführen und sie ist nur eines der zahlreichen Versuchskaninchen von einer blonden Frau namens Cleo (Kimberly Leemans). Dort verkehrt auch der Polizist David Leonhart (Falk Hentschel), der wohl schon von der Droge gehört hat, eine Kostprobe davon probieren darf und sich dabei eine ihm bekannte Frau vorstellt. Ein Opfer von Blis? Er knüpft Kontakt mit dem Dealer Marty (Rory Fleck Byrne) und würde gerne mehr kaufen. Man einigt sich auf zwei Liter, doch Marty stößt in seinem Versteck nur auf Tod und Verderben und bald muss sich Leonhart als Polizist zu erkennen geben. Seine Ermittlungen werden jedoch durch Janos Teves (Angus McGruther) torpediert, der einen Befehl von oben zu haben scheint und ihm wird somit vorerst der Fall entzogen. Er will diesen dann schon aufgeben, als plötzlich die Ermittlerin Nique Navar (Florence Kasumba), die sich um Vermisstenanzeigen kümmert, an ihn herantritt und sein Interesse weckt. Denn immer wieder melden sich Eltern, deren Kinder zwar wieder auftauchen, aber kaum zu erkennen sind - wie bei Carla. Als man diese zu Hause dann besucht, findet man etwa eine mysteriöse lila Botschaft auf ihrem Laptop, welche auch durch ihre merkwürdige Frequenz einen Wellensittich dahinrafft.

Lila ist auch die Farbe von Blis, die immer wieder in diversen Laboren und Krankenhäusern auftaucht. Darüber hinaus geben Noras lückenhafte Vergangenheit sowie ihre Krankheitshistorie Rätsel auf. Einst wurde sie wegen Anfällen behandelt, ausgerechnet von Dr. Bridget Herter (Susanne Wuest), die sich nun wieder um sie kümmerte und die überaus zwielichtig erscheint. Eine Vertrauensperson scheint Peter Lawson (Lion-Russell Baumann) zu sein, mit dem sie vor dem Vorfall eine Affäre hatte und der sie davor warnt, anderen zu trauen. Auch ihr Bruder Finn (Mathis Wernecke) bleibt hartnäckig und zeigt ihr diverse Erinnerungen von früher, mit denen sie aber zunächst nichts anfangen kann. Alles wird noch verwirrender, als sie einen Anruf und ein Video vom mysteriösen Robert Prokopp (Aleksandar Jovanovic) erhält. Auf dem Video sieht man, dass Nora hinter den Morden steckt, die Leonhart vorher entdeckt hatte. Zwar wird sie von Prokopp gewarnt, dass sie in Gefahr schwebt, aber es könnte auch sein, dass er selbst der Grund dafür ist, denn mit ihm im Auto sitzt eine Person, die Nora wohl erledigen soll.

Wie kommt Spides rüber?

Syfy
Syfy - © Syfy

Es fällt mir gar nicht so einfach, „Spides“ zu bewerten. Normalerweise - und da bin ich ehrlich - mache ich einen großen Bogen um die meisten Produktionen des US-Kabelsenders Syfy, da ihnen ein gewisser Trashfaktor anhängt und ich mich davon selten gut unterhalten fühle. Dabei bin ich mir der Möglichkeit bewusst, dass es dort sicher auch die eine oder andere Perle zu entdecken gibt. Bisher bin ich aber zu selten fündig geworden oder hängen geblieben. Gleichzeitig finde ich es lobenswert, dass ein Sender sich etwas wagt und außerhalb der üblichen Komfortzone von Krimi, Krankenhaus, Familiendrama oder Comedy zu agieren und so einen Stoff überhaupt in Deutschland anzusiedeln. Man erkennt als Ortsansässiger auch schnell einige Orte wieder, darunter sehr viel von Friedrichshain, wie etwa das RAW-Gelände, die Oberbaumbrücke und die Warschauer Straße. Die Sprache meines Screeners war auf Englisch und es hört sich an, als wäre die Serie auch so gedreht worden, zumal der Cast durchaus international besetzt ist. Das ist an sich erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, klingt aber in der Regel gut und professionell. Die Dialoge sind derweil mal besser und mal schlechter - und damit genauso, wie man es bei einer deutschen Produktion zu häufig erlebt. Bisweilen klingt es natürlich, oft aber auch zu aufgesetzt oder ziemlich konstruiert und unnatürlich. Negativ fallen dabei der kleine Finn auf und auch Dr. Herter, deren Figur aber ohnehin nicht die stärkste ist und die Schurkin fast mit einem dicken Stempel auf der Stirn stehen hat. Aber auch eine Verhörszene zum Ende der Auftaktfolge wirkt manchmal unpassend - hier aber auch deswegen, weil es sich um eine Person handelt, die durch die Aliendroge beeinflusst wurde.

Syfy
Syfy - © Syfy

Das Ensemble und seine Qualität ist im Auftakt auch eher gemischt. Kasumba und Henkel spielen durchaus gut, Noras Eltern teilweise aber furchtbar. Es wirkt fast so - ob mit Absicht oder nicht -, dass sie auch Alienopfer sein könnten. Das ist aber eher eine Drehbuchfrage und eine Inszenierungsangelegenheit denn ein Absprechen der Fähigkeiten der Schauspieler. Das Setdesign treibt auch manchmal so seine Blüten. Wenn etwa das gesamte Büro von Navar mit Vermisstenanzeigen tapeziert ist, wirkt das etwas zu gewollt...

Ignorance is bliss?

Syfy
Syfy - © Syfy

Fast alles, was sich um die Alienverschwörung an sich dreht, ist außerdem recht dick aufgetragen und wenig subtil oder filigran inszeniert. Hier merkt man den Syfy-Einfluss dann doch deutlich. Manchen wird das sicherlich gefallen, ich persönlich bin nicht der größte Fan davon.

Da ich die deutsche Synchronfassung in diesem Fall nicht beurteilen kann, habe ich auch einige Probleme mit Nora als vermeintlicher Hauptfigur sowie der Art und Weise, wie sie ihre Dialoge vortragen muss, die doch sehr naiv herüberkommen. Denn ihre Darsteller als Gedächtnisverlustopfer inszenieren die Macher in meinen Augen recht holprig und auch etwas langatmig. Da wird eine ganze Parade an Personen aufgefahren, mit denen sie mal interagiert hat und man muss komplett bei Null anfangen, was Liebschaften, Hobbys und so weiter angeht. Der Twist zum Episodenende ist immerhin ganz nett, aber irgendwie auch vorhersehbar. Gleichzeitig ist das nun auch erst der Anfang der Reise. Ich bin mir relativ sicher, dass mir der Ersteindruck allerdings reicht und ich nicht unbedingt mehr davon sehen muss - dazu gibt es dann doch zu viele andere Serien, in die ich lieber Zeit investieren möchte.

Fazit

Syfy
Syfy - © Syfy

Spides ist letztlich also keine Serie für mich. Dabei hat es nichts damit zu tun, dass ich nicht unbedingt ein Fan vom Syfy-Brand bin. Denn gerade anspruchsvollerer Science-Fiction sowie durchaus auch Big-Budget-Sci-Fi bin ich in der Regel nicht abgeneigt. Hardcore-Science-Fiction-Jünger könnten dennoch ihren Spaß haben, wenn sie sich andernorts nicht schon an Aliengeschichten sattgesehen haben. Mich überzeugt der Auftakt der Syfy-Produktion aber nicht genug, um weiterzuschauen. Dabei halte ich es weiterhin für wichtig und richtig, auch in diesem Genre zu experimentieren. Ein internationaler Ansatz wie hier dürfte sicher der richtige sein, um solch ambitionierte und teurere Projekte umzusetzen und auf mehreren Schultern zu verteilen.

Spides“ läuft in den kommenden Wochen immer donnerstags um 20.15 Uhr bei Syfy.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Syfy-Serie „Spides“:

Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 5. März 2020

Spides 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Spides 1x01)
Titel der Episode im Original
Blis
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. März 2020 (Syfy)
Autoren
Peter Hume, Fabian Marquez, Rainer Matsutani
Regisseure
Joern Heitmann, Rainer Matsutani

Schauspieler in der Episode Spides 1x01

Darsteller
Rolle
Harvey Friedman
Susanne Wuest
Francis Fulton-Smith
Desiree Nosbusch
Falk Hentschel
Aleksandar Jovanovic

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