Späti: Rettet Sophie Passmann die neue Wilson-Gonzales-Serie?

© ZDF/ Norman Keutgen
Fred hat keinen Plan! Der 30-Jährige (?) hat gerade wegen Unpünktlichkeit seinen Job verloren, seine Freundin macht mit ihm Schluss und auch sein Lieblingsspäti droht zu schließen. Wer es nicht wissen sollte: Späti steht für Spätverkaufsstelle und ist der lokale, kleine Supermarkt an Berliner Ecken im ehemaligen Osten der Stadt, der außerhalb der gängigen Ladenöffnungszeiten geöffnet ist.
Als der Besitzer Hakan (Sahin Eryilmaz) kurzfristig in die Türkei reisen muss, übernimmt somit Fred (Wilson Gonzales) kurzerhand den kleinen Laden. Hakans Tochter Aylin (Gülseren Erkut) soll sich auf die Schule konzentrieren, obwohl sie natürlich genauestens weiß, wie der Späti läuft. Nun muss sich also Fred mit den Alltagsproblemen eines Spätibesitzers herumschlagen - und natürlich ein Ohr für seine Stammgäste haben.
Trägt Wilson Gonzales die Serie „Späti“?
Man würde sich fast wünschen, dass Gonzales („Die Wilden Kerle“, Das Boot) einen ausgearbeiteten Charakter spielen dürfte - statt den Deppen, der fast zu blöd ist, Kaffee zu kochen. Bereits in den ersten Szenen der Pilotepisode kommen Zweifel auf, ob wir es hier mit einem erwachsenen Mann oder doch eher einem großen Kind zu tun haben. Einige finden dies vielleicht lustig, einen subtileren Ansatz mag man sich jedoch nach der Beendigung von zwei Episoden vergebens gewünscht haben. Der gesamte Nebencast agiert hingegen in einer wohligen Berliner Klischeeblase, die durchaus nett anzuschauen ist.
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Das „alte“ Berlin
In einer Zeit von explodierenden Mieten, drastischen Preissteigerungen, dem Verlust der Club- und Kulturszene und der zunehmenden Amerikanisierung der Kieze, scheint es naheliegend, dass nun auch vermehrt nostalgische Berlin-Serien auf den Markt drängen. Erst vor einigen Wochen zeigte uns die ARD eine ähnlich anmutende Verklärung in Marzahn Mon Amour. Eine zusätzliche Verwirrung entsteht jedoch dann, wenn gleich zwei Schauspielerinnen in beiden Serien auftauchen. Eva Weißenborn berlinert hier erneut als quirlige ältere Dame auf der Bank vor dem Späti und Maja Bons ist als Luna zu sehen. Da helfen auch Jogginghosen tragende Gaststars wie Sophie Passmann oder Bill Kaulitz kaum von abzulenken.
Der Späti als Mikrokosmos unterschiedlicher Generationen und Gesellschaftsschichten ist seit Jahren ein beliebtes Klischee in der nostalgischen (Serien-)Sicht auf Berlin. Schade, wenn es auch noch teilweise so „klamaukig“ daherkommen muss.

Fazit
Man möchte die Comedy-Serie „Späti“ irgendwie mögen: Kurzweilig, quirlig und eigentlich ganz charmant - wie der altertümliche Späti, den es in Friedrichshain zum Beispiel gar nicht mehr gibt. Doch leider wirken die Charaktere zu klischeehaft und angestrengt. Erwachsene Männer, die sich wie Kinder benehmen, kann auch einfach nur nervig sein.
Schade - ein paar schöne sommerliche Stunden möchte man gerne mit den Nebencharakteren im Späti verbringen und dabei Hildegard Knef aus den opening credits hören.
Wir vergeben zweieinhalb „Sternis“, wenn man bereits drei getrunken hat.