Sons of Anarchy 4x10

Sons of Anarchy 4x10

Nach dieser Episode gibt es kein ZurĂŒck mehr: fĂŒr keine der Figuren, denn manche BrĂŒcken kann man nicht wieder schlagen. Sie sind fĂŒr immer zerstört. Jax und Tara werden angegriffen, wĂ€hrend Gemma Clay zur Rede stellt. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev macht die AutotĂŒr vorsichtig zu.

Wie lange noch wird Gemma an Clays Seite bleiben? / (c) FX
Wie lange noch wird Gemma an Clays Seite bleiben? / (c) FX

Als FX Sons of Anarchy eine zusĂ€tzliche vierzehnte Episode zum Finale dieser Staffel spendierte, geschah damit zwar etwas Ungewöhnliches. Aber letztendlich macht der Sender damit nicht nur Schlagzeilen, sondern er zeigt Vertrauen in und VerstĂ€ndnis fĂŒr die SoA-ErzĂ€hlung. Diese ErzĂ€hlung befindet sich in guten HĂ€nden, wie man in der gleichnamigen Episode Hands zu sehen bekommt. Hier gibt es alles: das gleichzeitige Entladen und Akkumulieren von Spannung, so dass ein GefĂŒhl von Schwerelosigkeit vor dem harten Aufprall kreiert wird.

Hands ist ein harter Aufprall, in jedem erdenklichen Sinne: sei es seelisch, sei es physisch. Beziehungen, Freundschaften, GeschĂ€fte - es schmerzt. So wie Taras Hand, nachdem man sie zu entfĂŒhren versucht hat und Jax die EntfĂŒhrer stoppen konnte. Beide Frontfrauen von Sons of Anarchy, Tara und Gemma (Katey Sagal), schlagen hart auf in dieser Episode. WĂ€hrend Taras Hand verletzt wird, gleitet sowohl Gemma als auch Clay (Ron Perlman) alles aus den HĂ€nden.

Die Szenen mit Jax und Tara, singend im Auto, die im Park und sogar Jax' ganz normales, freundliches GesprĂ€ch mit einem Polizisten ĂŒber Autos und MotorrĂ€der könnten auf manche Zuschauer ĂŒbertrieben wirken, aber sie erfĂŒllen ihren Zweck: Sie zeigen nicht nur uns Zuschauern, wie ein Leben ohne die Sons fĂŒr diese Familie sein könnte, sondern auch Jax selbst scheint das zu realisieren. Ein kurzes Atemholen fĂŒr ihn und seine Familie, ein kurzes Schweben in den Wolken, bevor der harte Aufprall erfolgt.

Interessanterweise sehen wir direkt vor dem EntfĂŒhrungsversuch eine Szene, die einer anderen aus dem Finale der ersten Staffel sehr Ă€hnlich ist: Jax und Tara picknicken und liegen glĂŒcklich auf der Wiese. Kurze Zeit spĂ€ter hat Jax beim MĂŒllwegbringen eine seltsame Begegnung - wenn ich mich nicht tĂ€usche, mit derselben obdachlosen Frau, die wir in der ersten Staffel schon sahen.

Wir fragten uns damals, welche symbolische Rolle sie spielt: Ist sie Jax' Schutzengel oder ein Zeichen des Schicksals dafĂŒr, dass er auf dem richtigen Weg ist? Im nĂ€chsten Moment hĂ€lt ein Van an, und Tara wird hineingezogen. Irgendwie kann Jax den Wagen stoppen - auch durch Taras wilde Gegenwehr - und sie befreien, aber mit schwer verletzter Hand. Trotzdem frage ich mich: warum die EntfĂŒhrung? Ich hatte nur den Auftragskiller im Sinn, dem Clay das Geld gab und der Minuten vorher von einer Parkbank aus Tara und Jax beobachtete. Warum der öffentliche EntfĂŒhrungsversuch?

Oder waren es gar nicht Romeos Leute? Die MĂ€nner ohne die Masken sahen nicht wirklich spanisch aus, oder? War es einfach die Hitze des Gefechts, oder ist ein anderes Spiel im Gange? Wie auch immer: Eins muss man dieser dramaturgischen Entscheidung lassen - sie hinterlĂ€sst uns mit dem GefĂŒhl, gerade selbst einen Schlag bekommen zu haben, was sie viel wirkungsvoller macht, als wenn der Auftragskiller einfach auf Tara geschossen hĂ€tte. Dieses Ereignis bringt uns zu der vermutlich besten unter vielen guten Szenen dieser Episode: zu dem GesprĂ€ch zwischen Tara und Jax im Krankenhaus. Maggie Siff und Charlie Hunnam treffen jede Note.

Romeo und Julia in Charming - den emotionalen Ablauf der Geschichte betreffend, nicht den erzĂ€hlerischen. Da ein Nerv beschĂ€digt ist, wird Tara ihren Beruf vermutlich nie wieder ausĂŒben können, und diese Tatsache bricht alle DĂ€mme: In einem geballten GefĂŒhlsausbruch aus Verzweiflung, Wehmut, Schmerz, Wut und tausend anderen Schattierungen fasst sie fĂŒr Jax die Ereignisse, die Tragik ihrer Liebesgeschichte zusammen und realisiert am Ende: „fate.

Erschien also tatsĂ€chlich deswegen die obdachlose Frau in der EntfĂŒhrungsszene - als ein Wink des Schicksals? Jax und Tara sollen zusammen sein, aber auf welche Art und Weise? Nur als Familie innerhalb der Familie? FĂŒr Jax kristallisiert sich heraus, wie schlecht er seine Ich-verlasse-den-Club-Karte ausgespielt, wie er damit alle in Gefahr gebracht hat. Das wird deutlich in dem spĂ€teren GesprĂ€ch mit Opie, als Jax ihm die Wahrheit erzĂ€hlt: dass er den Club verlassen will.

Dadurch, dass Jax falsche bzw. gar keine Entscheidungen traf, dem Schicksal auswich, hat er alle verraten, seinen besten Freund und seine Familie. Auch wenn die Sympathien des Publikums bei Jax liegen, stellt die Serie sowohl Clay als auch Jax in diesem Moment auf dieselbe Stufe. Ihnen gegenĂŒber stehen ihre Frauen und damit das Bild dessen, was sie direkt oder indirekt getan haben. Clay versucht nach wie vor vergeblich, seinen eigenen Verrat an allen zu vertuschen.

Zum wiederholten Mal demonstriert Hands, dass Clay das Spiel lĂ€ngst nicht so fĂŒhren kann, wie er denkt. Sein Fehler besteht darin, gnadenlos handeln zu wollen, wie es etwa ein Kartell tut, aber gleichzeitig auch in familiĂ€ren Strukturen - also gefĂŒhlsorientiert. Und darin liegt der Unterschied: Familie. Die Sons können diese Grenze nicht ĂŒbertreten, ganz egal, wie sehr Clay ĂŒber die Jahre hinweg den Club in gefĂ€hrliche GeschĂ€fte verwickelt hat. Die Strukturen mögen bis zu einem gewissen Grad denen krimineller Gruppierungen Ă€hneln, aber an einem bestimmten Punkt ist Schluss.

Das macht die Sons bei all ihrer GewalttĂ€tigkeit und ihren GesetzesĂŒbertretungen zu Figuren, fĂŒr die der Zuschauer sich interessiert, denen er sogar wĂŒnscht, dass sie "gewinnen". Clay kann nicht gegen die Familie gewinnen. FĂŒr einen RĂŒckzieher ist es zu spĂ€t, denn er hat die Grenze ĂŒbertreten, dem Teufel die Hand gegeben, und es gibt kein ZurĂŒck. Clay befindet sich im Niemandsland. Romeo besteht darauf, entgegen Clays Wunsch den Anschlag auszufĂŒhren. Und Gemma konfrontiert Clay mit der Tara-Situation. Die Konstellation der Szene erinnert an die zwischen Tara und Jax, nur verlĂ€uft es diesmal anders: Die GefĂŒhle entladen sich in einer handgreiflichen Auseinandersetzung, und Clay schlĂ€gt Gemma brutal zusammen.

WĂ€hrenddessen konfrontiert Roosevelt Lincoln mit seinem Verrat und entschuldigt sich spĂ€ter bei Juice. Die Frage ist, wie sich Juice entscheiden und welche Rolle Roosevelt in den kommenden Ereignissen spielen wird. „Clay can't be saved. No, he's not going down by law. He's gonna die by the hand of the son“, sagt Gemma am Ende zu Unser. Triumph oder Tragödie in Charming? Oder beides? Um es mit Hamlet zu beenden: „Though this be madness, yet there is method in it.

Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 9. November 2011
Episode
Staffel 4, Episode 10
(Sons of Anarchy 4x10)
Deutscher Titel der Episode
HĂ€nde
Titel der Episode im Original
Hands
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 8. November 2011 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 6. August 2014
Autoren
Chris Collins, David Labrava, Kurt Sutter
Regisseur
Peter Weller

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 4x10

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