Mit Son of Zorn präsentiert uns das Duo Phil Lord und Chris Miller beim Networksender FOX die wohl absurdeste Comedyserie der neuen Season. Es geht um einen animierten Krieger, der ins nicht-animierte Orange County reist.

Zorn (Jason Sudeikis) und seine Exfrau Edie (Cheryl Hines) in der Pilotepisode von „Son of Zorn“ / (c) FOX
Zorn (Jason Sudeikis) und seine Exfrau Edie (Cheryl Hines) in der Pilotepisode von „Son of Zorn“ / (c) FOX

Ungebändigte Kreativität und mutige Andersartigkeit sind die Markenzeichen des Autoren-, Regie- und Produzentenduos Phil Lord und Chris Miller. Mit diesen Attributen verwandelten sie „The Lego Movie“ zu einem der gelungensten Animationsstreifen der vergangenen Jahre, führten das „21 Jump Street“-Filmfranchise zum Erfolg und schufen The Last Man on Earth. Bei ihrem jüngsten Werk, der neuen FOX-Comedyserie Son of Zorn, sind ihre signature moves ebenfalls erkennbar, wenngleich die kreative Leitung in den Händen von Reed Agnew, Eli Jorné und Sally McKenna lag. Besonders deutlich zeigt sich die Individualität der Serie in ihrer Prämisse. Im Lauf der Pilotepisode Return to Orange County offenbaren sich jedoch auch konventionellere Elemente.

Mind if I cut in?

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein animierter Krieger namens Zorn, der optisch stark an He-Man, die Zeichentrickfigur aus den 80ern, erinnert. Gesprochen wird Zorn von Jason Sudeikis - soweit nichts Besonderes. Der Coup der Serie ist, dass sich der animierte Protagonist nicht in einer animierten Welt, sondern in der realen Welt bewegt, genauer gesagt im kalifornischen Orange County. Dort leben nämlich seine menschliche Exfrau Edie (Cheryl Hines) und der gemeinsame Sohn Alangulon (Johnny Pemberton), der auch Alan genannt wird.

Zorn stammt nicht aus dieser Welt. Seine Heimat ist die fiktive Südpazifik-Insel Zephyria, wo alles und jeder genau wie er animiert erscheint. Zephyria ist gezeichnet von blutigen Kämpfen und Männlichkeitsritualen, zwei Dinge, die sich stark auf Zorns Persönlichkeit ausgewirkt haben. Wie zu erwarten dreht sich ein Großteil der Witze von Son of Zorn darum, dass der Protagonist nicht in unsere Welt passt, dass er Probleme mit moderner Technologie, Vegetarismus, Frauen in Machtpositionen oder rücksichtsvollem Verhalten hat.

Dass die Serie in dieser Beziehung genau das tut, was abzusehen war, ist nicht unbedingt verwerflich, immerhin dürfte das Versprechen auf ebensolche Witze für viele Zuschauer ein wichtiger Grund gewesen sein, Son of Zorn eine Chance zu geben. Außerdem erscheint die Ausführung recht gelungen, auch wenn die eine oder andere Szene zum Rohrkrepierer wurde. Dafür halten sich die Macher in der Pilotepisode hinsichtlich der Anzahl von Witzen dieses Humors noch etwas zurück, was aber auch daran liegen könnte, dass ihnen die Zeit schlichtweg fehlte, da sie diese hauptsächlich für die Exposition verwenden mussten.

Zorn (Jason Sudeikis) macht seinem Sohn Alan (Johnny Pemberton) ein Geschenk. © FOX
Zorn (Jason Sudeikis) macht seinem Sohn Alan (Johnny Pemberton) ein Geschenk. © FOX

Und diese lautet wie folgt: Zorn erhält inmitten eines Gemetzels auf Zephyria via Handy die Erinnerung, dass der 17. Geburtstag seinen Sohnes auf dem Plan steht. Er reist also mit dem Flugzeug nach O.C. und trifft dort zunächst auf Edie. Nach einem kurzen Plausch und ersten kleinen Zankereien zwischen den beiden - über ihre genaue Beziehung und Vergangenheit erfährt man in der Auftaktepisode leider viel zu wenig - trifft Zorn auf Edies neuen Partner Craig (Tim Meadows), einen Online-Psychologie-Professor, der ständig die Untergrabung seiner Männlichkeit befürchtet. Alan ist derweil noch in der Schule.

Als Zorn ihn mit dem Bus nach Hause kommen sieht, blamiert er seinen Sohn vor dessen Freunden. Und so flüchtet Alan vor seinem Vater, obwohl er sich anfangs auf dessen Besuch gefreut hat. Für Zorn beginnt damit eine Wandlung: Vom schwertschwingenden Barbar will er nun zu einem stinknormalen Vater mit stinknormalem Bürojob und einer stinknormalen Wohnung werden. Natürlich bereitet ihm das große Schwierigkeiten, doch mit Hilfe seiner neuen Chefin Linda (Artemis Pebdani) gelingen ihm bald erste Erfolge. Als er seinem Sohn als Zeichen der Aufmerksamkeit und Liebe zum Beispiel einen zephyrianischen Killervogel schenkt, scheint das Vater-Sohn-Verhältnis auf dem Weg der Besserung.

Doch dann taucht Edie auf und verbietet verständlicherweise die Haltung eines solch gefährlichen Haustieres. Zorn schlachtet den Vogel daraufhin auf brutalste Weise ab, was Alan derart schockiert, dass er sich wünscht, sein Vater wäre nie zurückgekehrt. In der letzten Szene sieht man jedoch, dass er seinem Vater ähnlicher ist als ihm lieb wäre. Denn auch er ist ein animiertes Wesen, zumindest die untere Hälfte seines Körpers.

Fazit

Alles in allem liefert Son of Zorn ein zufriedenstellendes Debüt ab. Die außergewöhnliche Prämisse der Serie versprach viel und die Pilotepisode erfüllt einiges davon. Die offensichtlichste Frage, wie gelungen die Serie als Hybrid aus Animation und Realfilm ist, lässt sich auf optischer Ebene leicht beantworten: Gut - beim Stand heutiger Technik ist dies jedoch kein Wunder. Schwieriger war offenbar die Herausforderung, die animierten Figuren und die echten Menschen in Sachen Persönlichkeit und Verhalten voneinander abzugrenzen. So erscheinen der ständig analysierende Psychologe Craig, die mürrische Chefin Linda, die liebenswerte, aber oft nörgelnde Mutter Edie und der schüchterne Teenager Alan fast genauso cartoonish wie der testosterongeladene und oft unreife Barbar Zorn, der tatsächlich ein Cartooncharakter ist. Diesen Makel zu korrigieren dürfte jedoch nicht besonders schwierig werden, wenn die Serie in ihren weiteren Episoden mehr Zeit auf besagte Figuren verwendet.

Ohnehin bleibt am Ende der Eindruck, dass Son of Zorn mehr Potenzial hat als in der Pilotepisode genutzt wurde. Wer grundsätzlich bezweifelt, dass eine Serie mit einer derart absurden Prämisse lustige und zugleich tiefsinnige Einsichten zu komplexen Themen wie Verantwortung oder Liebe bieten kann, den verweise ich gerne auf Netflix' BoJack Horseman, wo ebendies geschieht und das in Bravour. Wichtig ist nur, dass sich die Serie nicht zu sehr in den einfachen Witzen über einen ulkigen Außenseiter suhlt. Erfreulich ist diesbezüglich bereits die Entscheidung, dass im fiktiven Universum der Serie kein Mensch von Zorns animiertem Äußeren besonders überrascht zu sein scheint. Auffällig wird er nur durch sein Verhalten - eine interessante Idee, die zum Denken anregt und philosophische Fragen in den Raum stellt.

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