Somewhere Between 1x01

© aura Price (Paula Patton) bleibt nur wenig Zeit, um den Mord an ihrer Tochter zu verhindern. / (c) ABC
Der amerikanische Networksender ABC schickt mit der zehnteiligen ersten Staffel von Somewhere Between ein Format in das Rennen um die Gunst der im Sommer Fernsehschauenden, das schon in den ersten Minuten der Pilotepisode große dramaturgische Schwächen aufweist. Das Adjektiv „konstruiert“, das von uns Kritikern gerne eingesetzt wird, bekommt hier beinahe eine neue Bedeutung. Selten zuvor konnte man so deutlich erkennen, dass Dinge einfach nur geschehen, weil es sich ein Drehbuchautor - in diesem Falle Stephen Tolkin - so überlegt hat.
Fate is your enemy
Das begrüßenswerte Gegenteil davon wäre, dass sich eine Geschichte entfaltet, die nicht auf einer Aneinanderreihung hanebüchener Zufälle basiert. Die Verbindungen und Ereignisse, die in der ersten Hälfte von For One to Live vorgetragen werden, dürften selbst für den leichtgläubigsten Zuschauer schwer hinzunehmen sein. Die Handlung dreht sich um zwei Familien, deren Lebenswege durch reihenweise mysteriöse Umstände miteinander verbunden sind. Auf der einen Seite stehen die rechtschaffenen Prices, auf der anderen die zwielichtig wirkenden Jacksons.
Zu letztgenannten gehört Danny (Noel Johansen), der im Gefängnis sitzt, weil er drei Menschen umgebracht haben soll. Er wird am Ende der Episode hingerichtet, nur wenige Stunden nachdem die Todesstrafe wieder eingeführt wurde. Sein Bruder Nico (Devon Sawa) hatte im Prozess gegen ihn ausgesagt, weil zu den Opfern auch Nicos Freundin gehörte und Danny ihm gegenüber ein Geständnis gemacht hatte - mit der Leiche der Freundin auf dem Arm. Seit diesem Tag kämpft ihre Mutter Grace (Catherine Barroll) darum, Dannys Unschuld zu beweisen.
Mit ihren Bemühungen findet sie jedoch bei Staatsanwalt Tom Price (JR Bourne) kein Gehör. Er ist der Ehemann von Laura (Paula Patton), Hauptfigur der Serie, die am Ende der Auftaktepisode von den Toten wiederauferstehen wird, um die Chance zu bekommen, ihrer ermordeten Tochter Serena (Aria Birch) das Leben zu retten. Ihr wird eine Woche zugestanden, den in San Francisco wütenden Serienmörder, der mit Tom offensichtlich noch eine Rechnung offen hat, aufzuhalten. Wer ihr diese wundersame Auferstehung ermöglicht hat, bleibt ein Geheimnis.
Es wird wohl auch ein Geheimnis von ABC bleiben, aus welchen Gründen dieser Serie grünes Licht erteilt wurde. Das Drehbuch basiert beinahe ausschließlich auf unglaubwürdigen Wendungen und Ereignissen, die von den Figuren auch noch als solche wahrgenommen werden. Da platzen Reifen aus dem Nichts, da stolpern Kinder, die diesem Alter eigentlich längst entwachsen sind. Vielleicht sind das ja alles schicksalhafte Begebenheiten, die nicht aufgehalten werden können, wie von einer obskuren Teeverkäuferin vorhergesagt. Interessanter werden sie dadurch nicht.
Ähnliches gilt für visuelle Umsetzung und Schauspiel, die sich beide auf tragikomisch unterirdischem Niveau bewegen. In Zeiten von Peak TV war man ja davon ausgegangen, dass es selbst im Sommer keine wirklich minderwertigen Serien mehr geben würde, weil der verschärfte Konkurrenzdruck das allgemeine Qualitätslevel anhebt. Somewhere Between beweist leider das Gegenteil.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 25. Juli 2017Somewhere Between 1x01 Trailer
(Somewhere Between 1x01)
Schauspieler in der Episode Somewhere Between 1x01
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