Someone Has to Die 1x01

© ier ist unser Review zu Jemand muss sterben. (c) Netflix
In einem politisch angespannten Klima kehrt der Sohn einer reichen Familie in der Netflix-Serie Someone Has to Die nach Madrid zurück. Dabei hat er seinen Freund, einen Ballett-Tänzer aus Mexiko - und die Idee, sein Leben anders zu gestalten, als sein Vater es sich wünscht. Ob das in drei Episoden fesseln kann, lest Ihr hier.
Was passiert in der Pilotepisode?
Madrid, 1950er Jahre: Die Freude ist groß, als der lange verlorene Sohn einer reichen Familie nach Hause zurückkehrt. Nachdem er zehn Jahre in Mexiko bei seinen Tanten verbracht hat, wird Gabino (Alejandro Speitzer) nach Hause zurückbeordert, um den Ernst des Lebens anzutreten. Darüber freut sich besonders die Tochter einer ebenso reichen und einflußreichen Familie, Cayetana (Ester Exposito), denn sie soll den attraktiven Jüngling, den sie aus Kindheitstagen kennt, heiraten. Weniger begeistert ist ihr Bruder Alonso (Carlos Cuevas). Gabino und er waren unzertrennlich, bevor jener sich nach Mexiko begab. Das hat bei dem, der in Spanien zurückblieb, für Verbitterung gesorgt. Noch größer ist Alonsos Wut, als er feststellt, dass Gabino nicht alleine nach Hause gekommen ist. Er hat Lazaro (Isaac Hernandez) mit dabei, einen Ballett-Tänzer aus Mexiko.
Dass Gabino anders als seine Kindheitsfreunde über den Tellerrand schauen kann und sich den streng christlichen Regeln im Spanien der 1950er Jahre nicht einfach unterwirft, liegt auch an seiner Mutter. Mina (Cecilia Suarez) stammt ebenfalls aus Mexiko und war einst mit ihrer Familie auf dem Weg in die Ferien nach Italien, als sie sich in Gregorio (Ernesto Alterio) verliebte und in seine Familie einheiratete. In der Gegenwart ist aus dem romantischen Anfang eine düstere, gewaltvolle Ehe geworden, in der Vergewaltigungen auf der Tagesordnung stehen. Wie unter ihrem Ehemann leidet Mina auch unter ihrer herrischen Schwiegermutter Amparo (Carmen Maura), die alles, was im Hause vor sich geht, mit strengem Blick überwacht.
Die Freude über die Rückkehr währt nicht lange, als die Familie die Veränderungen in Gabino erkennt. Er weigert sich, Cayetana zu heiraten und schmeißt sie stattdessen auf einer nächtlichen Fahrt aus dem Auto, nachdem sie Lazaro geküsst hat. Der wiederum interessiert sich zunehmend für Gabinos Mutter Mina, zu der er eine Art Seelenverwandtschaft spürt.
Als die Väter der Familien von den Gerüchten um Gabinos Sexualität erfahren, nimmt die Situation schnell eine tödliche Wendung...
Wie kommt es rüber?
Zumindest in Deutschland könnte die Serie neben Spanienliebhabern und Geschichtsfans vor allem Zuschauer der Serie Blumige Aussichten ansprechen, die ebenfalls auf Netflix zu sehen ist. Hinter beiden Serien steckt nämlich Manolo Caro. Sie schöpfen ebenso aus einer ähnlichen Ästhetik, doch darüber hinaus haben sie nur wenig gemein. Wo in der Dramedy mit den Blumen auch das Tragische meist eine komische Note hat, sucht man die Komik in der neuen Produktion vergebens. Was die Geschichte aus der düsteren Ecke hebt, sind die Tanzeinlagen, die Lazaro zum Besten gibt. Mitten im Drama einer streng gläubigen Zeit, in der Andersdenkenden der Tod droht, holt er die Schönheit der Kunst auf die Mattscheibe und in die Herzen seiner Mitmenschen, zumindest denen, die es erkennen können - hinter der Verbitterung und ihren harten Schalen.
Die Geschichte schlängelt sich durch die drei Episoden ohne größere Überraschungen und gibt das auch gar nicht vor. In bester Tradition des Romans „Chronik eines angekündigten Todes“ des kolumbianischen Nobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez lassen die Serienmacher keine Möglichkeit aus, auf den Showdown hinzuweisen. Wir beginnen die Serie in einer Schießszene, stets wird erwähnt, wie gerne die Bewohner der Geschichte, mit Ausnahme von Mina und Gabino, sich im Sportschießen üben und selbst die Episodentitel kündigen einen finalen Schuss an. Das Drama ist unausweichlich, die Serienmacher erzählen uns, wie es dazu kommt. Damit das interessant wird, müssen wir uns in den Figuren wiederfinden können. In dieser Hinsicht bleibt die Serie etwas zurückhaltend. Wir erfahren lange nicht, wie es um die eigentlichen Gefühle der Charaktere bestellt ist, in anderer Hinsicht wissen wir nur zu gut, was sie wollen, besonders wenn sie sich lediglich daran orientieren, den Ansprüchen einer strengen Gesellschaft zu genügen.
Fazit
Die dreiteilige Miniserie Someone Has to Die erzählt in opulenten Bildern eine tragische Geschichte aus dem Spanien der 1950er Jahre, die vor allem für jene interessant sein dürfte, die sich für Spanien, Geschichte oder am besten beides zusammen interessieren. Die Figurenzeichnung bleibt etwas flach, was einen Einstieg aus dem Blauen heraus erschwert.
Hier abschließend der Trailer zur Serie:
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Freitag, 16. Oktober 2020Someone Has to Die 1x01 Trailer
(Someone Has to Die 1x01)
Schauspieler in der Episode Someone Has to Die 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?